Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 22 (7.6.1912)
- Date
- 1912-06-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Die Wahrheit Nr» 22. Statistik der Beteiligung an der Allianz hin und spricht die Verwunderung darüber ans. daß „Zuschriften au die geehrten Kultusvorstände erfolglos geblieben sind". Die Rabbiner müßten es doch überall als ihre heilige Aufgabe betrachten, für die Allianz zu wirken. Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang spricht ebenfalls dem Präsidium und dem Sekretär für die umsichtige und ersprießliche . Leitung der zahlreichen Hilfswerke den Dank ans. Wenn der Verein nicht noch viel mehr leiste, als es jetzt geschieht, so liege die Schuld jedenfalls nicht an der Leitung. Es sei die Psticht aller Juden, dem Verein beizutreten und ihm durch größere Zuwendungen die Mittel für eine weitausschauende Hilfstätigkeit zu gewähren. Es sei bezeichnend, daß die von Wien aus seinerzeit gegründete Lämel-Schule in Jerusalem jetzt vom Hilfsverein in Berlin verwaltet werden muß und die Allianz sich nur durch einen Beitrag beteiligt. Herr Präsident Dr. Stern bemerkt, daß die Angelegenheit der Verwaltung der Lämel-Schnle den Wiener Kultnsvorstand noch beschäftigt, in dessen Wirkungskreis sie gehört. Herr Dr. K a m i n k a bemerkt mit Bezug ans die auswärtigen Kultnsgemeiuden, daß die Vereinsleitung sich wiederholt nicht bloß au die Vorstände, sondern auch an die Herren Rabbiner mir sehr eindringlichen Zuschriften gewendet habe und die Jahresberichte, welche doch an sich schon ein genügendes Propagandamittel find, versandte. Wenn trotzdem, wie im Berichte erwähnt ist. in wohlhabenden jüdischen Gemeinden rvie Teplitz, Karlsbad, Olmütz n. a. O. irur sehr wenige Mitglieder sind und selbst eine Großgemeinde wie Prag hinter Czernowitz, Lemberg und Triest znrücksteht, so ist es uur ein bedauerliches Zeichen dafür, wie schwer es namentlich in den Provinzgemeinden ist, unsere Glaubensgenossen über die vielfach entwickelte lokale Wohltätigkeit hinaus für großzügige Werke im Interesse der gesamten Jndenheit zu gewinnen. Der Jahresbericht und die Rechnungsabschlüsse werden hierauf einstimmig genehmigt. Ueber Antrag des Herrn Straßberg werden die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder die Herren Dr. Josef Svene r, Richard Bettelheim, Moritz B. Eißler. Generalrat Adolf Klein. Nabb. Dr. Sch mied l wiedergewählt' ferner wird die erfolgte Kooptation der Herren Professor Dr. Wilhelm Jerusalem und Bankdirektor Salomon Fischer genehmigt. Die in Aussicht genommene Aeuderung der Statuten zum Zwecke der Ermöglichung einer Erweiterung des Beirates, wird, da die für eine Statuteurevifion erforderliche Atizahl von Mitgliedern nicht anwesend ist, von der Tagesordnung abgesetzt. Versannnlnug der Agndath-Iisroel. K a t t o w i tz OS., 28. Mai 1912. * Nachdem am Montag Mittag unter ungeheurem Andrang des Publikums eine zwangslose Vorbesprechung stattgefuuden hatte, wobei Ansprachen von den Herren Dr. Abraham Hirsch-- Halberstadl. Rabbiner Dr. Cohn-Basel, Dr. Biberseld-Berlin, Rabbiner Rabbinowitsch-Pultawa, Direktor Gabel-Großwardein, Ahron Marcus-Krakau, Schmelkes-Krakau u. a. gehalten wurden, nahm Dienstag vormittags 9*/o Uhr die offizielle Sitzung ihren Anfang. Aus der Tribüne erblickt man u. a. die Rabbiner Soloweizik-Brest-Litowsk, G r o d s e n s k y-Wilna, L-chnnr-Tarnow, Daides-Leeds, Granbarth-Brendzin, Hillmann-Glasgow. R a p p e p o r t-Czortkow, Bertretnngen der Chissidin-Rabbis von C z o r t k o w. H ü s i a t y n u. a.. die Herren Feudiger von Obuda-Bndapest. Dr. Schächter-Budapest. Joel Wagmeister- Warschau, Pines-Minsk, Dr. Scherhey-Riga sowie sämtliche Mitglieder des provisorischen Komitees. Dr. Abraham H i r s ch-Halberstadt, eröffnet die Sitzung und begrüßt die Vertreter der Thora und die zahlreichen Männer, die aus allen Ländern gekommen sind. Die zahlreiche Beteiligung gibt uns Gewähr, daß unser Werk gelingen wird, das den bestimmten Zweck verfolgt, hier gemeinsam das zu verwirklichen, was jeder einzelne an Leben tut, das Leben auf dem Boden der Thora auch in allen Angelegenheiten der Gesamtheit zu vertreten. Wir wollen das Israel-Ideal verwirklichen, daher unser Name A g u d a t h-I s r a e t. .Hinter uns stehen Millionen; das erfüllt uns mit Stolz und stärkt nufere Kraft. Darum hoffen wir, daß unsere Verhandlungen gelingen werden. Nach, einigen geschäftlichen Mitteilungen des Vorsitzenden begrüßt Herr StadtratW i e n e r, Kattowitz, namens der jüdischen Gemeinde von Kattowitz.die Versammlung mit herzlichen Worten. Rabbiner Dr. Cohu-Kattowitz begrüßt die Versammlung in hebräischer Sprache. Rabbiner Dr. Breuer-Frankfurt a. M. begrüßt. die Versammlung als einer der Unterzeichner des Aufrufes. Schon vor langen Jahren hat er den Gedanken einer derartigen Vereinigung ausgesprochen. Denn die anderen großen Vereinigungen, wie die A. I. U. oder der Zionismus werden bei ihrer Tätigkeit nicht von dem Geiste der Thora geleitet. Aber die Kritik allein hat keinen Sinn, wenn wir nicht selbst etwas Praktisches leisten. Bei allen großen Hilfsaktionen beteiligt sich die Orthodoxie wohl durch Spenden, sie ist aber nicht in der Lage, mitznsprechen. Das muß anders werden. Sind auch die Schwierigkeiten groß, die sich uns eutgegentürmen, so werden wir sie doch überwinden. Redner erläutert diesen Gedanken unter Anführung des letztwöchentlichen prophetischen Abschnittes, und schließt mit einem begeistert aufgeuommenen Kaiserhoch. Dr. Hoffman n-Berlin. Rektor des Rabbiner-Seminars, begrüßt die Versammlung, als die Männer, die in Wahrheit berufen sind, an die Spitze zu treten, und wünscht, daß der rechte Geist einmütig zur Gründung der Agudath Israel führt, im Sinne der Gedanken in unserem Nenjahrsgebete. Darauf berichtet Herr Jakob R o s e n h e i m. Franks, a. M., von starkem Beifall empfangen, über die bisherige Tätigkeit des provisorischen Komitees. Er nennt die heutige Tagung einen historischen Augenblick, selbst wenn sie nicht vollständig zur Verwirklichung unserer Absichten führen sollte. In den alten Goluszeiten mit ihren engen Verhältnissen konnte Israel, getragen von der Thora, sich verhältnismäßig leicht erhalten. Was aber die'Begründung der Vereinigung heute zur Notwendigkeit macht, ist das Aufsteigen dessen, was wir Weltknltur nennen. Solange sich der einzelne mit seiner engeren Umgebung auseinander zu setzen hatte, waren die Mittel zureichend. Heute aber stehen alle Länder in einer einheitlichen Kultur-Atmosphäre, die das thoratreue Judentum anfzulösen droht, und diesen auflösenden Elementen müssen wir enlgegentreten. Die Agudath Israel ist notwendig zur Realisierung des überlieferten Begriffes von Klal-Jsrael, und zur Lösung weitreichender praktischer Ausgaben. Das erste macht besonders drei Dinge nötig. Die Erhaltung des Judentums hängt ab von der Jugend. Sie ist unsere Zukunft. Wo sie verloren geht, haben wir keine Zukunft mehr. Es genügt aber nicht, wenn der einzelne seine Kinder zu guten Juden erziehen will, denn er vergißt, daß die Kinder nicht von uns erzogen werden, sondern von der Atmosphäre ihrer Umgebung. Wie man die Krankheiten hauptsächlich dadurch bekämpft, daß man den Menschen vorher widerstandsfähig macht, so müssen wir es auch-mit unserer Jugend tun. Die westeuropäische Jugend bedarf unserer Vereinigung. Denn losgelöst von den Massen der Gesamtheit, in fremder Kultur lebend, hat sie den Zusammenhang mit Klal-Jsrael, wie die Thora noch lebendig ist, verloren. Am Osten sollen sie eine Stütze finden. Der Osten aber braucht die Agudath Israel, ebenso notwendig. Der dortigen Jugend erscheinen die westeuropäischen Verhältnisse als das Knlmrideal. Durch gegenseitige Aussprache unserer Erfahrungen werden wir voneinander lernen. Endlich ist es aber nötig, daß diejenigen Ostjnden, die übers Meer gewandert und von ihrer bisherigen Umgebung sich losgelöst haben,, dort, wo sie von einer fremden Kulturwoge umfpült werden, uns erhalten bleiben. Dafür können aber nicht Landesorganisationen eintreten, wir brauchen eine Einheit, die das alles, schaffen soll/ Nun zu unseren praktischen Aufgaben. Unser Ziel ist einheitlich und rein religiös. Die Mittel aber zu seiner Erreichung sind sehr verschiedener Art. Wir dürfen nicht nur für die Seele, wir müssen auch für den Körper sorgen. Als erstes unserer