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Die Wahrheit · 1912-06-07 · Heft 22 (7.6.1912) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 22 (7.6.1912)
Date
1912-06-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 22.__Die Wahrheit_ Seite 6. zum Mitgliede der Kommission für politische Reformen in diesen Gebieten, und Zeki Bey Hayon zum Fina.nzinspektor der Vilajets Erzerum ernannt. . * * Heber die jüdische Einwanderung in Amerika werden folgende Daten mitgeteilt: Im Jahre 1911 sind im ganzen 78.636 Juden inl Amerika gelandet. Davon waren 39.513 Männer, 35.840 Frauen und 3.283 Kinder. Im New-Iorker Hasen landeten hiervon 63.150. Von den Eingewanderten kamen ans Rußland 68.065, Oesterreich- Ungarn 10.969, aus Rumänien 1683 und der Rest aus den übrigen Ländern. Die Landung verweigert wurde im verflossenen Jahre 889 Juden. — Soeben wird das statistische Material über die Einwanderung im Februar d. Js. veröffentlicht. Danach landeten in diesem Monat im New-Iorker Hafen 4200 jüdische Emigranten (gegenüber 3880 im Februar 1911). Unter dem jüdischen Einwanderern befanden sich 2550 aus Rußland. 56 jüdische Einwanderer wurden teils wegen ihres Gesundheitszustandes, teils, weil angenommen wurde, sie würden der öffentlichen Wohltätigkeit zu Last fallen, znrückgewiesen und mußten in ihre Heimat zurückbefördert werden. Die Geldbeträge, die die jüdischen Einwanderer mit sich sühnen, beliefen sich auf 157.000 Dollar. Eine Entgegnung. In der „Jüd. Volksstimme" vom 30. Mai I. I. hat sich ein Anonymus unter der Ueberschrift „Glossen" mit dem in der „Wahrheit" vom 24. Mai l. I. erschienenen Artikel „Lehren ans den letzten Wiener Gemeinderatswahlen" unseres Mitarbeiters R. L. beschäftigt und als Einleitung zu seinen Ausführungen einige abfällige Bemerkungen über unser Blatt von Stapel gelassen. Die letzteren können uns höchstens ein mitleidiges Lächeln abringen, auf dieselben zu reagieren, halten wir für vollkommen überflüssig, da derlei kindische, den höhnenden Gassenjungen abgelanschte publizistische Begeiferungen, die die eigene Bedeutung nur durch die Herabsetzung anderer bekunden zu können glauben, sich selbst am besten richten. Auch ans den weiteren Inhalt der „Glossen" näher einzugehen, hätten wir keinerlei Anlaß, da aber unser Mitarbeiter R. L. ans einige Richtigstellungen Wert legt, erteilen wir ihm zu denselben nachstehend das Wort, indem wir gleichzeitig betonen, daß für uns die Angelegenheit hiemit erledigt ist: Der Autor der „Glossen" beschuldigt mich, ich teile den Juden die Mission zu, „an der Renaissance der urgermanischen, liberalen Partei mitzuwirken." Besonders folgende Stelle in meinem angezogenen Artikel ruft die ganze Entrüstung des Herrn Anonymus hervor! „Der Wiener ist aber trotz seines Leichtsinnes viel intelligenter, dem Religiousfanatismus abgeneigter und gutmütiger, als man allgemein annimmt." „Der Beweis für diese Behauptung liegt in der Tatsache, daß es den fortgesetzten giftigen Verhetzungen der Christlichsozialen in Wien und Niederöfterreich noch nirgends gelang, die Volkswut gegen die jüdische Bevölkerung in Form von Judenverfolgungen auszulösen." Herr A. E. R—r stellt im Verlaufe seiner Polemik auch folgende Anfrage an mich : „Würden Sie es wagen, einmal einer Versammlung dieser „dem Religionsfanatismus abgeneigten und gutmütigen Wiener" beiznwohnen?" Die letzte Frage allein erweist, daß der Herr Polemiker seine „Glossen" gegen meine Person verfaßte und zum Abdrucke einsendete, obgleich er über meine ganze geleistete Wahlarbeit nicht unterrichtet und ihm nur der eine angezogene Wahlartikel vom 24. Mai l. I. zu Gesichte gekommen war. Hätte er auch alle früheren (vom 1., 8., 22. und 29. März, vom 19. und 26. April und vom 3. und 24. Mai) aus meiner Feder stammenden Wahlartikel in der „Wahrheit" gelesen, dann würde er wissen, daß ich nicht nur rassenantisemitische Wähler- Versammlungen besuchte, sondern daselbst die jndenfeindlichen Wahlwerber sogar bezüglich des Judenboykottes interpellierte. Er würde wissen, daß ich das jüdische Interesse nicht nur gegen die Christlichsozialen, sondern auch gegen die Deutschradikalen und Deutschsozialen in Wien mutig verfocht, und er hätte sich nicht zu der unwahren Behauptung versteigen können, e s k üntmere mich nicht, „daß die Juden in Wien und Niederösterreich seit Jahr und Tag überall zurückgesetzt werden, daß fast in allen Aemtern keine Juden mehr angestellt werden, daß die Juden gesellschaftlich, polirifch, kulturell unb wirtschaftlich boykottiert werden!" Von allen Anwürfen gegen meine Person bleibt schließlich sonst nichts begründet, als daß ich noch keinen Treubruch am Judentum darin sehe, wenn sich deutsch sprechende und an der dentschen Wissenschaft und Kultur teilnehmende Juden in deutschen Landen, wo sie sich ihr Heimatsrechl längst nicht nur ersessen, sondern durch getreue Erfüllung aller staatsbürgerlicher Pflichten erobert und verdient haben, auch als „deutsche Volksgenossen" fühlen und demgemäß auch ihre vollen Rechte reklamieren. Es wäre doch unklug, wenn die Juden selbst die ihnen von arischen Mitbürgern angeborene Hilfe gegen rassenbestialische Vergewaltigungen zurückweisen wollten! Ich strebe nicht vielleicht das Wiederaufleben der alten liberalen Partei an. Diese unaufrichtige Partei ist mir heute noch in der Seele zuwider, denn sie hat die heutigen Zustände verschuldet und vorbereitet. Das freisinnige und freiheitliche deutsche Bürgertum wird sich noch ausgiebig mit sozialem und demokratischem Oele salben müssen, um auch die in bürgerlichen Volksschichten an Zahl weil überwiegenden Scharen „der Vergewaltigten und Ausgebeuteten" mit sich reißen und dadurch aktionsfähig werden zu können. Demokratischer Geist allein kann schließlich ben krankhaft gesteigerten Nationalismus der Gegenwart so weit mäßigen, daß dabei das Menschentum nicht nntergehe. Die skrupellosen, mitunter verbrecherischen Aufreizungen der Christlichsozialen, welcher sie sich im letzten Wahlkampfe gegen die Juden schuldig machten, dürfen doch gerechtermaßen nicht allen Ariern ins Schuldkonto gebucht werden, besonders daun nicht, wenn sie nicht fruchteten! R. L. Genernlverjammlnng der israelitischen Allianz. Die zum zweitenmale einberusene diesjährige Generalversammlung fand Montag, den 3. ds., 5 Uhr nachmittags, im Sitzungssaale der israel. Kultusgemeinde. I.. Seitenstettengasse 4, statt. Unter den Anwesenden befanden sich die Herren Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n, Rabbiner Dr. F e n ch t w a n g, Rabbiner Dr. T a g l i ch t, zahlreiche Mitglieder des Kultnsvorstandes und fast sämtliche in Wien anwesenden Vorstandsmitglieder der Israel. Allianz. Der I. Vizepräsident, Herr Dr. Alfred Stern, begrüßt die erschienenen Mitglieder, konstatiert die rechtzeitige Ausschreibung der Generalversammlung in der „Wiener Zeitung" und die Beschlußfähigkeit, lieber Antrag des Herrn Dr. I. S. B l o ch wird von der Verlesung des umfangreichen Jahresberichtes, der seit länger als zwei Wochen in den Händen der Mitglieder ist, und von dessen Inhalt fast alle jüdischen Blätter bereits Auszüge gebracht haben, Abstand genommen. Herr Professor Autsch er l gibt im Namen zahlreicher Mitglieder der Freude und dem Dank darüber Ausdruck, daß die Leitung des Vereines aus erziehlichem Gebiete in Galizien, in Rumänien und Palästina, wie auch zur Unterstützung der verfolgten Glaubensgenossen eine so umfassende und ersprießliche Wirksamkeit entfaltet, wie sie in Wort und Bild im inhaltsreichen Jahresbericht dargestellt ist. Er sei anch vom greisen Rabbiner Dr. S ch m i e d l. dem es leider nicht möglich ist, selbst in die Versammlung zu kommen, ersucht worden, auf das segensreiche Wirken des Vereines hinzuweisen. Er stellt den Antrag, daß anläßlich des bevorstehenden vierzigjährigen Jubiläums des Vereines der nächste Jahresbericht als Jubilänms-Ausgabe heransgegeben werde und auch unter der studierenden Jugend zur Verbreitung gelange. Herr B a u m weist auf die für zahlreiche Knltnsgemeinden in den verschiedenen Kronländern nicht sehr schmeichelhafte

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