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Die Wahrheit · 1912-05-10 · Heft 18 (10.5.1912) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 18 (10.5.1912)
Date
1912-05-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1§, Die Wahrheit Teile II Oesterr.-nngar. Kantoreu-Uerein. / In der am 6. d. M. stattgehabten Vorstandssitzung des -österr.-üngär: Kantoren-Vereines wurde dein derzeit in Wien weilenden Oberkautor Professor Leon, Kart sch mar off, aus Groß-Känizsa, der vorige Woche im Kreisel feiner hier wohnenden Binder mit seiner Gemahlin die goldene Hochzeit und gleich- .zeitig seinen 70. Geburtstag gefeiert; hat. ans diesem Anlässe eine Ovation bereitet. Der Vorsitzende. Präsident Oberkantor Bauer, richtete an den zur Sitzung geladenen Jubilar eine .Ansprache, in welcher er die nahezu fünf Jahrzehnte umfassende, 'hervorragende und anerkannte fachliche Wirksamkeit Oberkantor Kartschmaroff's würdigte, sowie auf die edlen Eigenschaften hiuwies. die ihn als Menschen und Kollegen zieren. Der Jubilar dankte in herzlichen Worten für die ihm zuteil gewordene Ehrung und gelobte, zu dem Vereine, dem er als langjähriges Mitglied -angehöre, auch fernerhin treu zu halten. Als Oberkantor Kartschmaroff hieraus unter Hochrufen den Sitzungssaal verlassen hatte, ging der Vorstand in die Tagesordnung ein und es wurden mehrere Einläufe erledigt. Die Herren Kantoren in Wien und U m g eh n n g, werden e r s n ch t. Dienstag, den 14. d. M., präzise L Uhr nachm. im Cafe O r t n e r II. Bezirk, Praterstraße 33, I. Stock zu erscheinen. Waöbi Avraham oder der bekehrte Atöert. Von M. Markstein. (Schluß.) Nach kurzer Zeit veräußerte Jakob fein Haus und Hof rmd all sein unbewegliches Gut und rüstete sich zur Uebersiedlung in die Hauptstadt. Vor der Abreise gab er ein Abschiedsfest, an .dem alle seine Freunde und Bekannten sowie die Honoratioren der Stadt teilnahmen; auch die Armen beschenkte er reichlich imb bedachte alle Wohltätigkeitsaustalten mit namhaften Spenden. Albert, begab sich ans den Friedhof, wo er auf dem Grabe seines "Vormundes heiße, stille Gebete verrichtete, daun kehrte er gestärkt und wohlgemut zu seiner lieben Susanne zurück, die bereits alle ihre und seine Sachen zur Abreise geordnet und eingepackt hatte. Unter großer Gefolgschaft ging es dann zum Bahnhof hinaus und von zahlreichen Segens- und Glückwünschen begleitet, fuhr Jakob mit seiner Familie nach der Hauptstadt. Als nach einiger Zeit alles geordnet, die Wirtschaft und der Haushalt geregelt, das Geschäft bereits in vollem Gange war und Jakob sich in -der . Stadt heimisch und eingebürgert fühlte, begann er Wiederau die Zukunft seines Schutzbefohlenen und an den Wunsch seines verstorbenen Freundes zn beulen, und er hielt den Moment für gekommen, wo er Albert das Geheimnis feiner Geburt entdecken mußte. . Er berief ihn zu sich und gab ihm nach einigen einleitenden liebevollen Worten das von ihm selbst seinerzeit überbrachre Schreiben des Domherrn zum Durchlesen. Die Aufklärung über seine Herkunft versetzte den jungest Mann in heftige Erregung, doch mit männlicher Festigkeit hielt er den Sturm, der in seiner Brust tobte, nieder, seine Augen leuchteten in heller Glut auf und mit klarer, klangvoller Stimme, die einen unbeugsamen Willen beluubete; richtete er folgende Worte au seinen Pflegevater: „Edler Jakob, mein teurer Vater, Du allein bist es, denn der, der mir mein elendes Leben gab, der mich in Schanden zeugte, der meine arme, unglückliche Mutter ins Elend und Verderbnis stürzte, der mich als hilflosen Säugling aussetzte, hat keinen Anspruch auf Dankbarkeit für mein elendes Dasein. Was ich bin und was ich werde, verdanke ich Dir, mein allverehrter und vielgeliebter Pflegevater und Deiner mitleidsvollen Gattin, die ich bis zu meinem letzten Lebenshauche als meine treue Mutter betrachten und verehren werde. Meine eigene, arme, verführte Mutter, Gott verzeihe ihr ihre Sünde und habe sie selig, stieß mich von sich und Ihr nähmet mich mitleidsvoll auf, pflegtet und erzöget mich im Glauben meiner Eltern, aber das Band, das mich an meine heißgeliebte Snfanna, an Eure holde Tochter knüpft, ist stärker als-das. des Glaubens meiner Väter, ich will Jude werden, Jude mit Leib und Seele! Nehmet mich in den Bund Israels auf. Eure Religion ist eine Religion der Liebe, des Mitleids und Erbarmens, eine Religion, die das Gute liebt und das Böse verabscheut, deren oberster Grundsatz lautet: ,Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.' Diesen Glauben nehme ich daher'freiwillig, ohne Zwäng ' und mit Freuden an und will auch sein wahrer Bekenner, sein eifriger Verkünder und Prediger werdet!. Ich werde den Wunsch meines sterbenden Vaters erfüllen, will den Priesterstaud wählen, aber.ich will ein wahrer Priester des Volkes Israels werden, streng nach den Satzungen derjenigen handeln, denen ich mein Leben und Sein verdanke. Guter, edler Vater, schicke mich an ein Rabbinerseminar und nach vier Jahren werde ich mit Gottes Hilfe das Wort Gottes von der Kanzel verkünden. Die Hoffnung ans den alleinigen Besitz Deiner Snfanna. meiner auserkorenen Bram, mit der ich Schwüre ewiger Treue gewechselt, soll meinen Fleiß und Eifer verdoppeln und alle Schwierigkeiten, die mir etwa hindernd im Wege stehen, überwältigen. Als Albert mit diesen Worten feinen Entschluß kundgetan, nrnklalumerte er schluchzend Jakobs Knie und bat mit flehenden Blicken um seinen väterlichen Segen. Ties gerührt richtete Jakob Albert auf. umarmte und küßte ihn und sprach zu ihm folgendes: „Bedenke und erwäge, mein liebes Kind, nochmals, was Du tun willst, damit du nicht einst in reiferem Alter darüber Reue empfindest und denjenigen fluchest, die du jetzt so segnest' denjenigen, die dir halfen, aus dem Glauben deiner Väter zn treten und die Religion eines Volkes anznnehmen. das zerstreut auf Gottes weitem Boden lebt und so vielen Anfeindungen ausgesetzt ist. In der Aufwallung deiner jugendlicher Leidenschaft willst du dich zn einem Schritte hinreißen lassen, der auf ewig dein Schicksal besiegeln wird V* „Ja, teurer Vater". sprach Albert, „lange und bedächtig habe ich alles überlegt tlnd alle Eventualitäten reiflich erwogen. Nichts kann mich mehr von meinem Entschlüsse abbringen, ich bleibe meinem Vorsatze und meinem Schwure treu und nach wenigen Tage;i soll mein Vorhaben unwiderruflich zur Ausführung gebracht werden." So geschah es auch. Nach Verlauf einer Woche, die Jakob noch als letzte Bedenkzeit gefordert hatte, gab er nach vorhergegangener Beratung mit dem Ortsrabbiner seine Einwilligung zu Alberts Religionswechsel. der in den Bund Israels aufgenommen wurde und den biblischen Namen Abraham erhielt. Kurz darauf unternahm Jakob eine Geschäftsreise nach Deutschland und brachte Albert au das Breslauer Seminar. Dort oblag er. seinem Versprechen gemäß, mit doppeltem Eifer dem vorgeschriebenen Studium und bei seiner außerordentlichen Begabung erzielte er auch vorzügliche Leistungen. Nach vierjähriger Studienzeit verließ er als Doktor der Philosophie und mit dem Titel eines Rabbiners ansgestattet das Seminar. Nicht lange dauerte es, da ging auch Alberts zweiter Wunsch in Erfüllung, er heiratete seine geliebte Snfanna nnd da seine Schwiegerelrern nach wenigen Jahren starben, ging Albert mit Frau ttitb Kindern nach Amerika und wirkte dort segensreich als geistliches Oberhaupt einer bedeutenden jüdischen Gemeinde. Austritte mts dem Andentnm. Fischer Emil, Kaufmann, 26. September 1865 in Wien,. London, Alexander Hotel. Pollatschek Emil, Kontorist, 16. Oktober 1890 in Wien, VH Bezirk, Bernacdgasse 37. Fanta Heinrich, Konstrukteur 18. Februar 1886 in Wien, VII. Nenstistgasse 67—69. Kohn Valerie, — 14. Juni 1882 in Wien, IV. Johann Stranßgasse 25. S p i r a Albrecht, Zuschneider, 28. Jänner 1884 in Wien, XIV. Bezirk, Stürzgasse 46, II. Adler Beile Golde. Hilfsarbeiterin, 14. März 1881 in Sokolow. Galizien, XX. Leystraße 17. _ Schrenzel Emma. Private, 26. April 1887 in Wien, XIII. Hietzinger- Hauptstraße 8. I. Glander Emil, Zeichner. 3. April 1887 in Baden b./Wien, VI Bez., Webgasie 5.

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