Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 18 (10.5.1912)
- Date
- 1912-05-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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feeite 8. Die Wahrheit. Nr. 18. bringung unserer Schule zu erwerben. Da ein im Bezirke zentral gelegener Bauplatz nicht um einen entsprechenden Preis zu haben war, richtete der Referent sein Augenmerk auf Erwerbung eines geeigneten Hauses und es bot sich ein solches unter günstigen Umständen dar, wovon der Herr Präsident - unter Mitteilung entsprechender Daten am 1. April d. I. in Kenntnis gesetzt wurde. Aber erst am 18. desselben Monates erhielt der Referent eine Einladung zu einer Rücksprache mit dem Herrn Präsidenten. Bei derselben machte dieser die Zusage, von dem Kultusvorstande für den gedachten Zweck einen Beitrag von K 10.000.— bis K 15.000.— erwirken zu wollen. Vorher aber wünschte der Herr Präsident das in Aussicht genommene Hans zn besichtigen. Infolgedessen kam der Präsident noch einmal in unseren Bezirk, besichtigte das in Rede stehende Haus und lud dann zwei Herren des Vorstandes für den folgenden Tag zu sich ins Bureau. Bei dieser Konferenz wurde zuerst die Angelegenheit der Erwerbung dieses Hauses nach allen Rötungen besprochen. Gleichzeitig wurde aber auch dem Herrn Präsidenten Mitteilung gemacht, daß nach uns zngekommenen Nachrichten der Verkäufer uns nicht mehr im Worte stehen könne. Am Schluffe der Besprechung sprach der Herr Präsident den Wunsch aus, mit den beiden Herren über die Rabbiner- Angelegenheit zn konferieren, worauf einer der Herren an den Herrn Präsidenten das Ersuchen richtete, uns entsprechende Vorschläge zu erstatten. Der Herr Präsident führte nun aus, daß es für unseren Bezirk eine andere Möglichkeit der Besetzung des Rabbinerpostens, als die in Gemeinschaft mit dem HI. Bezirke und zwar iu der Art, daß der Herr Gemeinderabbiner und sein Herr Vertreter alternierend den Dienst in beiden Gotteshäusern versehen, nicht gebe, worauf einer der Delegierten rn ruhiger Weise erwiderte, daß dies gänzlich ausgeschlossen sei. Diese Bemerkung erregte derart den Unwillen des Herrn Präsidenten, daß er sich raschest von seinem Sitze erhob, in dem Zimmer aufung abschreitend mit einer bezeichnenden Geste und den Worten: „Ich verbiete mir nunmehr in Zukunft jeden Besuch seitens dieser Herren," der Besprechung ein Ende machte. (Nach der uns gegebenen Darstellung war der Grund des Abbruches der Verhandlung ein anderer und wurden auch die in dem Berichte dem Präsidenten der Kultusgemeinde in den Mund gelegten Worte von demselben nicht gebraucht. Die Redaktion.) Diese zumindest ungnädige und durch nichts gerechtfertigte Verabschiedung erregte bei unserem Vorstande, nachdem ihm diese Vorkommnisse zur Kenntnis gebracht worden waren, im Zusammenhalte mit der Tatsache, daß der Herr Präsident seine dem Obmann unseres Vereines Herrn Dr. Rosenthal gegebenen Zusagen nicht mehr einlösen wollte, eine derartige Erbitterung, daß derselbe sich zn dem Beschlüsse veranlaßt fand, eine außerordentliche Generalversammlung zn dem Zwecke - einzubernfen, um sich gegenüber diesem Vorgehen in die Oeffentlichkeit zu flüchten, um weiters auch deu Kultusvorstand zu veranlassen, sich endlich in einer seiner Plenarversammlungen mit dieser Angelegenheit zu befassen und um ferner von den Vereins- Mitgliedern eine Direktive für das weitere Verhalten des Vorstandes zn erbitten, da es, wenn wir zn einem uns durchaus nicht gewünschten Konflikte mit dem Präsidium des Kultus- Vorstandes gezwungen werden sollten, möglicherweise notwendig sein dürfte, daß wir an die Opferwiüigkeit unserer Mitglieder appellieren. Nach diesen Ausführngen erbat sich der Delegierte des Kultusvorstandes, Herr Dr. Heinrich Schreiber, das Wort und erklärte zunächst, daß er bei der heutigen Versammlung nicht in seiner Eigenschaft als Mitglied des Vereines, sondern nur als Delegierter des Kultusvorstandes anwesend sei. Er legte daun dar, daß ihn der Herr Präsident ersucht habe, der Versammlung mitzuteilen, daß er jederzeit bereit sei, einen Substituten für den Gemeinderabbiner im XX. und HL Bezirke aber nur gemeinschaftlich für diese beiden Bezirke, zu bewilligen und die Auswahl dieses Substituten dem Vereine zu überlassen. Diese Mitteilungen wurden seitens der Versammlung, da sie nichts anderes, als das Anbot der Aüfrechterhaltung des von mehreren Generalvesammlungeu bereits bekämpften Turnus- Raöbinates bedeuten, mit Aeußerungen großen Unwillens begleitet. Herr Dr. Schreiber führte weiters ans, daß es eim unverbrüchliches Prinzip des Kultusvorstandes sei, die Zahl der Gemeinderabbiner in Wien nicht mehr zn vermehren und daß. von diesem Prinzips' unter keinen Umständen werde Abgang genommen werden können. Er machte weiters die Mitteilung^ daß der Herr Präsident dem Aufblühen unserer Bibelschnle nach wie vor die regsten Symphatien entgegenbringe, und gerne bereit sei, sein werktätiges Interesse für dieselbe durch Beantragung einer Subvention in der bereits genannten Höhe für die Erwerbung eines geeigneten Hauses zu beweisen. Von den unliebsamen Vorfällen von welchen der Referent berichtete, sei ihm bisher keine Kenntnis geworden, aber er könne die Vermutung nicht nnterdrücken. daß der Herr Präsident zu seinem Vorgehen vielleicht durch eine zu heftig vorgebrachte Aenßerung eines der Herren Delegierten veranlaßt worden sei. . Der Vorsitzende berichtigte hierauf die Mitteilungen des Knltnsgemeinde-Delegierten dahin, daß der Präsident ihm seinerzeit in der Rabbiner-Angelegenheit ganz andere Zusagen gemacht, habe, als die, die heute als angeblich aufrechterhalten bezeichnet wurden und belegte diese seine Behauptung durch Verlesung, eines ihm von seiten eines zurückgetretenen Kandidaten zugekommenen Schreibens. Im weiteren- Verlaufe meldete sich Herr Plaschkes zum Worte, der in längeren, wie gewohnt, temperamentvollen Ausführungen die Anwesenden zur Austragung, dieser Sache mit dem Stimmzettel anläßlich der kommenden Wahlen in den Kultus6orstand einlud. Sodann sprach Herr BL Engel einige Worte, in denen er deu Vorstand . ersuchte, diese Angelegenheit in möglichst friedlicher Weise zu fiualisieren. Nachdem der Referent. Herr Josef Kohn, .gegen einige Bemerkungen des Kultnsgemeinde-Delegierten unter Anführung der neuesten statistischen Daten über die Wiener jüdische Bevölkerung Stellung genommen hatte, wurde die von demselben zur Verlesung gebrachte Resolution, in welcher dem Vorstande des Vereines das vollste Vertrauen auch für die Zukunft und für den Fall, als es zu einem Konflikte mit dem Knltusvorstande kommen sollte, ausgesprochen wird, einhellig angenommen wurde, schloß der Vorsitzende in vorgerückter Stunde mit herzlichen Dankesworten an die Versammlung, wobei er das zahlreiche Erscheinen der Mitglieder, besonders hervorhob, die Versammlung, zum Schlüsse noch der Hoffnung Ausdruck gebend, daß sich eine gütliche Austragung der schwebenden Angelegen-- heiten werde ermöglichen lassen. > Agudath Aisroel. Frankfurt a. M., 28. April. Der iu der jüdischen Presse seit längerer Zeit wiederholt besprochene Gedanke einer gemeinsamen Organisation der thoratreuen jüdischeii Kreise in allen Ländern der Erde geht nunmehr der Verwirklichung entgegen. Ein provisorisches Komitee unter dem Vorsitze des Herrn Kommerzienrat Louis Feist in Frankfurt, a. M., ans bekannten Persönlichkeiten der westeuropäischen Orthodoxie bestehend, lädt auf Montag, den 27. Mai zu einergrößeren vertraulichen Konferenz nach Kattowitz (Oberschlesien) ein, zu der die hervorragendsten Führer der gesetzestreuen Bevölkerung Rußlands, Ungarns und Galiziens erwartet werden. Dem Rundschreiben entnehmen wir folgendes: Seit Jahren ist die Sehnsucht unserer weitblickendsten Führer in allen Teilen der Welt, wie der breiten Schichten der jüdischen Volksmasfen im Osten, daß endlich einmal eine umfassende Organisation erstehen möge, die auf dem geschichtlichem Boden der .-nun, ruhend, von dem Vertrauen der Millionen treugebliebenex Söhne und Töchter des jüdischen Volkes getragen, sich der Lösung der vielgestaltigen praktischen und religiösen Aufgaben der jüdischen Gesamtheit widmen und die zum Zwecke solcher Gemeinschaftsarbeit Ost und West einander nähern könne. Festere Formen begann dieses überaus natürliche Sehnen, das immer wieder, in Anregungen und Vorschlägen verschiedenem Fassung zur Aenßerung '/drängte, mit einer seitens der „Freien