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Die Wahrheit · 1912-05-03 · Heft 17 (3.5.1912) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 17 (3.5.1912)
Date
1912-05-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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feeite 8. Die Wahrheit.. Sir. 17. von auswärts wie, eine Unzahl von teilnehmenden Bekannten und Feeundu i befanden, den tiefsten Eindruck machte. Mit Worten des Kankes. und tiefsten Schmerzes, nahm sodann der Gatte, der Verblichenen Abschied von der edlen Frau, die nur Gutes getan und, geholfen, wo es möglich , war. Wenn man die allgemeine Te.lirahni', das lebhafte Mitgefühl der ganzen Stadt, ohne Unterschied des Glaubens und Stammes, die Beweise des Mitfühlens, die aus nah und fern einliefen, betrachtet, muß man sagen, daß eine esodes edajil eine biedere, fromme Frau hier leider viel zu früh vom den Ihren geschieden ist. Ihr Andenken sei gesegnet! Lemberg. Dienstag, den 20. April ist eine der hervorragendsten und geachtetsten Persönlichkeiten der Lemberger Judenschaft, der frühere Generaldirektor der Galizischen Aktienhypothekenbank Moritz L a za r n s> dem die jüdische Gemeinde zu großem Danke verpflichtet ist, im 80. Lebensjahre gestorben. Lazarus hat sich ichvn in jugendlichem Alter als Mitglied der akademischen Ehrenlegion an den Freiheitskämpfen des Achtundvierzigerjahres in hervorragender Weise beteiligt. Nach Absolvierung der Univrrsitärsnndien widmete er sich dem kaufmännischen Berufe und gab hierauf als Leiter einer Lemberger Fabrik den ersten Impuls zu Industrialisierung Galiziens. Im öffentlichen Leben spielte er hierzulande durch eine Reihe von Jahren eine einflußreiche Rolle. In der Lemberger Handelskammer, deren Präsident er war, wie auch in mehreren Engneten trat er noch in den Siebzigerjahren sehr entschieden sür die Nalutaregnlierung ein. Der israelitische Kulrusgemeindevorstand wählte ihn wiederholt zu seinem Präsidenten. Fm Jahre l897 feierte er sein 30jährige- Dieiistjnbiläum in der Galizischen Hypothekenbank, zu deren Gründern er gedörte. Lazarus war Ehrenbürger der Stadt Janow und Mitglied des Anssichtsrates der Lemberg-Janower Eisenbahn. Ihm hat die israelitische Gemeinde in Lemberg zahlreiche wohltätige L-tiftungen und die Erbauung eines großen, den modernen Anforderungen enisprechenden Spitals zu danken. Mißlitz. Herr Oberkantor M a y e r o w i t s ch har die Mnsikstaatsprüfnng sür Gesang mit gutem Erfolge abgelegt. Feuilleton. Maöbr Abraham oder der bekehrte Albert Bon M. Markstein. (Fortsetzung.) Eines Abends faß der Pfarrer, der vor wenigen Tagen zum Domherrn ernannt wurde, im Hause Jakobs in traulichem Gespräche über Alberls ferneres Schicksal, da fühlte er sich von einem Unwohlsein befallen und mußte nach seiner Behausung gebracht werden; er wurde bedenklich krank und der behandelnde Arzt gab wenig Hoffnung ans Wiedergenesnng. Albert wich nicht vom Bette seines Vormundes und wie ein zärtlich liebender Sohn widmete er sich bei Tag und bei Nacht seiner Pflege. Aber gerade diese Hingebung schien die Leiden des Kranken zu vergrößern, fortwährend war sein mattes Auge auf Albert gerichtet, öfters umarmte er ihn und gab ihm heiße Küsse, dann wieder versank er unter Seufzen und Stöhnen in tiefes, schwermutsvoUes Hiubrüten und ein schwerer Alp schien sein Gewissen zu belasten. Einige Tage währte dieser Zustand, plötzlich raffte sich der Kranke auf und ließ sich von Albert Tinte, Feder und Papier reichen. Mit der größten Anstrengung schrieb er dann einen Brief, versiegelte ihn und übergab ihn Albert mit der Bitte, er möge denselben seinem Pflegevater Jakob einhändigen und diesen im Namen seines sterbenden Freundes ersuchen, das Schreiben erst dann zn erbrechen, wann er bereits in den Schoßder Mutter Erde gebettet fein werde. Wenige Stunden darauf hauchte der Priester sanft und ruhig seine Seele ans. Das Leichenbegängnis wurde mit großem Pomp veranstaltet. die gesamte Geistlichkeit der Umgegend eröffnete den Zug, hierauf folgten alle Einwohner der Stadt, auch die Inden mit ihrem Knlmsvorsiande Jakob gaben dem Verblichenen bas letzte Geleite bis zum Friedhofe. Albert und Snsanna trauerten und weinten um ihn wie Kinder um ihren Vater. Als Jakob nach der Beerdigung mit den Seinigen nach Hanse kam, ging er in sein Arbeitszimmer, verriegelte hinter sich die Tür und eröffnete das ihm durch Albert überreichte Schreiben des verstorbenen Domherrn. Dasselbe hatte folgenden Wortlaut: Lieber, edler Jakob! Gelobt sei der Name Gottes. Abrahams, Isaaks und Jakobs, in Ewigkeit, Amen! In dieser meiner letzten, schweren Sterbestunde verlieh mir Gott, mein Erlöser, die Kraft, Dir, meinem langjährigen Freunde,,ein Geheimnis, anznver.tranen, das ich seit fast 20 Jahren im Herzentrug nn^. das die Abstammung und Gebgr^ unseres, armen AUert betrifft.) Nun, mein e.dler Freund, so erfahre setzt, daß Albert mein eigener, rechtmäßiger Sohn ist^ erzeugt in einer verführerischen,, von sündhafter Leidenschaft heimgesuchten Stunde, aus dem Schoße einer altadeligen, verarmten, jungen Gräfin, die als Büßerin in ein Kloster, ging und nach kurzem Aufenthalte. dort ihr Leben beschloß. Die Aussetzung und Niederlegnng jenes Kindes in, der rauhen Herbstnacht vor der Tür. Deines Schlafgemaches geschah auf meine Veranlassung und unter meiner Mithilfe, da ich Dein edles, mitleidsvolles Herz, 'und das Deiner lieben Gattin kannte. Ich sehe mich nicht getäuscht, denn Du hast im Sintie der Religion gehandelt. Du nahmst den Knaben auf, sorgtest für sein körperliches und geistiges Wohl und ntin ist mein Sohn mit dem Beistände des Allerhöchsten in Deinem Hanse, im Tempel der Liebe, zum hoffnungsvollen Jüngling herangewachsen. Sein ferneres Los liegt nunmehr in Deiner Hand. Mein Wunsch wäre, daß Albert den Priesterstand wähle, um sein Leben dem Wohle der Menschheit zit widmen. Sollte er aber hiesnr keinen Willen und keine Vorliebe zeigen, dann übe auf ihn keine Pression ans, sondern lasse ihm die Wahl seines Berufes frei. Behaltet mich im Andenken, betet für meine sündige Seele, die in kurzem vor deni Welrenrichter. meinem Erlöser, erscheinen svll. Euch alle, meine Lieben, im Geiste umarmend, hoffe iür ans einstiges Wiedersehen. Euer N. N. Als Jakob das Schreiben dnrchgelesen hatte, verwahrte er es sorgfältig und begab sich hierauf ins Wohnzimmer zu seinen Lieben, die trauernd und verstörten Gemütes beisammen saßen. Jakob, versuchte, ihnetl einige Worte des Trostes zuzusprechen, und sie der trüben Stimmung zu entreißen, aber es gelang ihm nicht und bis spät am Abend wurden in traurigem, Gespräche Erinnerungen an den Dahingeschiedenen gepflogen. Am frühen Morgen des anderen Tages stand Jakob als erster vom Bette auf, kleidete sich an und verrichtete wie gewöhnlich sein Morgengebet, das ihm auch meist Trost und Stärkung verlieh. Hierauf setzte er sich zu seinen Geschäftsbüchern, die immer in der musterhaftesten Ordnung waren. Et" rechnete, kalkulierte, stellte Posten auf und kam zur vollen Ueberzengung, daß sein längst gefaßter Entschluß, in die Hauptstadt zn übersiedeln, jetzt ohneweiters ansgesnhrt werden kann. Sein Vermögen war bedeutend genug, daß er auch in der Metropole des Latldes, bei größerem Betriebe seines Geschäftes, dem Seinigen ein sorgenloses Fortkommen bereiten könnte. Daber leitete ihn auch die Sorge um das Wohl seiner einzigen Tochter,, die im abwechslungsreichen Lebrn der großen Stadt leichter von ihrem Liebesgram geheilt werden konnte. Auch dachte er, daß Albert dort mehr seinem Studium obliegen und im Verkehre mit seinen Glaubensgenossen die Liebe, zn einem Jndenmädcheir vergessen werde. Diesbezüglich aber gab sich Jakob leeren Hoffnungen hin, denn Albert und Snsanna hatten sich ewige Liebe geschworen, die durch nichts in der Welt getrennt werden sollte.. Beim Frühstück teilte Jakob der versammelten Familie sein Vorhaben mit und der vom Vater gefaßte Beschluß wurde freudig begrüßt. Mutier und Tochter hatten ja immer vom Leben in einer Großstadt geschwärmt, nur Albert zeigte Gleichgiltigkeit^ seine Gedanken schienen mit etwas anderem beschäftigt und tatsächlich hatte ihn die nunmehr zur Entscheidung gelangende Wahlfeines künftigen Berufes in einen harten Kampf verwickelt. Er erfuhr von Jakob den letzten Willen seines Vormundes, den er noch immer als solchen hielt, da ihm Jakob seine' Abstammung vorlänsig verschwiegen hatte, aber den Priestersland wählen, dem Leben und seiner Liebe entsagen und damit nicht nur sein eigenes Glück, sondern auch das seiner geliebten Snsanna vernichten — dazu konnte er sich trotz aller Verehrung für den verstorbenen Vormund nicht einverstanden erklären. Nein, das durste nie und nimmer geschehen! Die Sache drückte ihn sehr nieder, aber er faßte Mut, den harten, schweren Kampf bis anfs äußerste zu kämpfen und hoffte, Denselben auch siiegreich zw bestehen. Schluß folgt. -

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