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Die Wahrheit · 1912-05-03 · Heft 17 (3.5.1912) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 17 (3.5.1912)
Date
1912-05-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Oesterr.-ung. Kantoren-Zeitung dtr. 17. Kantoventag des AUg. Deutschen Kautorenverbandes. Am 15. April hielt der A. D. K. V. seine diesjährige 'Generalversammlung in Wiesbaden ab. Schon am Abend vorher fanden sich die Teilnehmer, denen es ca. 50 waren in der Hauptsynngoge zusammen, wo der Wiesbadener Synagogen-Gesangvereiu den Kantoren zu Ehren ein historisches Synagogenkonzert veranstaltete. Das Gotteshaus war bis ans den letzten Platz besetzt, da man für die Idee der Veranstaltung: ,,die Entwickelung des Synagogen-Chorgesanges von Salomo de Rossi bis zur Gegenwart" in allen Kreisen reges Interesse hegte. Das hochinteressante Programm wies Nummern von Rossi, Salzer, Nanmbourg, Deutsch, Lewanbowsky, Halevy Henle, Kirschner, Zivi, Ulst, v. Wilm, Jahn und Wernike auf. Die letztereil vier sind nichtjüdische Komponisten, die Gesänge für die Wiesbadener Synagoge geschaffen haben, welche jüdischen Geist atmen; so fand gerade der ,,Hajom haras olom" des Musikdirektors Otto Wernicke begeisterte Aufnahme. Wiesbaden besitzt überhaupt eine ganze Sammlung von Synägogengesältgen jüdischer und uichtjüdischer Meister, besonders vortrefflicher Predigtlieder, die anderswo nicht bekannt sind: es ist deshalb mit Freuden zu begrüßen, daß der Synagogen-Gesangverein Wiesbaden beabsichtigt, gelegentlich seines 50-jährigen Stistuligsfestes. Ende 1913, die Wiesbadener Synagogengesänge" heranszngeben. Sowohl der Chor unter Leitung des Herrn Mltsikdirektors Wernicke, als auch die Solisten. Oberkantor Nnßbanm und Kantor Capell boten vorzügliche Leistungen. Am Abend traf man sich in dem komfortabel ausgestatteten Klublokal des Synagogen-Gesaugvereins zu zwanglosem Beisammensein und zu Vorbesprechungen. Hier lernte man sich gegenseitig kennen, oder frischte alte Freundschaften ans. Interessant war es die verschiedenen Typen der Kantoren zu beobachten. Da siel vor allem der Straßburger Oberkautor Heymaun mit seiner Hünengestalt, seinem langen grauen Bart und seinen Hlgendfrischeli feurigen Augen auf, eine imposante Figur, der in seinem Ornat den Patriarchen und den Propheten ähneln muß. H. hatte bald die Sympathien Aller erworben, besonders durch seinen weihevollen Vortrag des Tischgebetes nach dem Festessen. Nicht minder imposant war die Reckensignr des Kollegen Kaufmann Straßburg, sodaß mau bald aunehmen könnte, Elsaß- Lothringen weise lauter solche Kantorenrieieu auf. Der Vorsitzende des Verbandes. Oberkantor Henle-Hamburg hat mehr das Aussehen eines Kommerzienrates, während Zivi- Elberfeld mit seinen markanten Zügen sehr an Lord Chamberlaiu erinnert; man denkt sich unwillkürlich das Monocle hinzu. Dem verstorbenen Großherzog von Baden ähnelt Jacobsohu-Friebenau mit seinem ehrwürdigen greisen Haupt- und Barthaar, von seinen zahlreichen Freunden ,,Papa Jacobsohn" genannt. Der Abend verlief in anregender Unterhaltung und unter launigen Trinksprüchen. Punkt 9 Uhr begannen Montag früh die Verhandlungen. Besonders bemerkenswert waren die Begrüßungsreden des Vertreters des Gemeindevorstandes, Herrn Heimerdinger, sowie des Herrn Rabbitier Dr. Kober. Herr H. betonte, wie man in W. die Wichtigkeit des Kantorats anerkenne, wie man hier der Pffege des Synagogengeesanges eine Stätte bereitet habe, ltub wie man für die Gestaltung eines würdigen Gottesdietfftes alles übrig habe. H. legt besonderen Wert auf die Ausgestaltung der Jugendgottesdienste und glaubt, daß Wiesbaden nach dieser Richtung hin mustergültig sei. Herr Dr. Kober hebt hervor, wie er von Jugend an ein Freund der synagogalen Gesänge war, was ihm durch die Pflege der jüd. Musik im Hause anerzogen worden sei. Noch hente erbaue er sich an den echt jüdischen traditionellen Weisen und tue beim Gemeindegesang fleißig mit. Seine Äebe für den jüd. Gesang mag auch zum Teil daher rühren, daß Herr Dr. K. aus Breslau stammt, wo ein Moritz-Deutsch .gewirkt hat und wv der Synagogeugesang stets auf einer künst- Leite 9. lerischen Höhe stand. Die Versammlung wurde ferner begrüßt vom D. I. G. B., von dem Verband der jüd. Lehrervereine i. d. R. vom nassauischen Lehrervereiu, von der Nassauloge, vom Kantorettverband Elsaß-Lothringen und vom Bayrischen Kantorenverein. Die Versammlung tagte bis 5 Uhr abends und wtlrde nur auf eine halbe Stunde unterbrochen, um dem Fiühstück zuznsprechen, das die Wiesbadener Kantorensrauen im Vorraum serviert hatten. lieber die Verhandltmgeu selbst wird das Protokoll Ausführliches bringen. Um 6 Uhr fand im ,,Hotel Kronprinz" das gemeinsame Effetl statt. Küche und Keller des wohlrenommierten Restaurants boten ihr Bestes. Das Sitzungslokal war das Längerheim ..Wartburg". Hier fand auch am Abend im großen Festsaal der Kommers statt. Nach des Tages Lasten sollten sich die Kantoren hier bei launiger Unterhaltung und edlem Stoff erholen, wie der Dichter des gemeinsamen Liedes so schön sagte: Vorbei ist der Kantorentag Mit seiner arbeitsreichen Plag; Wir wollen uns erlabend. Verbringen hier in Heiterkeit Jetzt den ..Kantorenabend." Utld es war in der Tat eine Erholung, die verschiedenen Genüsse in sich aufzunehmeu. Vor allem ist da der künstlerischen Darbietungen des Mätmer-Doppel-Qnartetts Erwähnung zu tun, die mit tosendem Beifall ausgenommen wurden. Es sangen ferner die Herren Kantoren Linhard-Hannover, Ntlßbanm-Mainz, Pessachowilsch-Frankfurt a. M., Hofstein-Dresden. Ein Witzbold meinte, das sei ja der reinste ,,Sängerkrieg auf der Wartburg." Es wurde ferner von zwei Wiesbadener Damett, den Frls. Nnßbantu und Löb ein Duett ans dem ,,Channkkahzanber" von Fabisch vorgetragett. Die Begleitnttg aller Gesänge hatte Frl. Wernicke übernommen, die schließlich noch 2 Liedchen von Reger mit künstlerischer Vollendung vortrug. Von den Rednern seien genannt: Henle-Hamburg, Fabüch-Göttingen. Zivi-Elberfeld, Bellack-Zittau, Dr. Kober-Wiesbaden, Jacobsohn-Friedenau nnd Fröhlich-M.-Gladbach. Manche Commersbesucher sollen nach in früher Morgenstunde gesehen worden sein. Dienstag Morgen trafen sich noch etwa 20.Kongreßteilnehmer, die unter der Führung des Herrn Nußbaum Wiesbaden beit Kochbrunnen und das feenhaft schöne Kurhaus besichtigten-. Im Kurhaus tagte zur selben Zeit der Kongreß für innere „Medizin". Wie dieser Kongreß die Gesundung der ganzen Menschheit austrebt, io will dZr „Kantorentag" die Gesundung des Kantorenstandes fördern. Mau hatte den Eindruck, daß der Wiesbadener Kantorentag ein gutes Stück weiter zum Ziele geführt hat. Ihren Abschluß fanden die Festlichkeiten mit einem Ausflug auf den ,.Neroberg", vonwo aus man einen herrlichen Ausblick auf die Bäderstadt hat. an die der A. D. K. B. jetzt so herrliche Erinnerungen bewahrt. Austritte ans dem Indentnm. Mautner Paula, Private, 26. März 1892 in Wien, II., Schreyvoglgaffe 3. S ch w e i z e r Albert, Bankbeamter, 3. Februar 1886 in Wien, I., Tiefer Graben 9. Kutuer Sprinze Perl vulgo Paula, Kaffierin, 1886 in Lubominsk, Rußland, VUL, Lange Gaffe 26. L ö b l Elsa. Kontoristin, 4. August 1864 in Saaz, Böhmen, VIII., Lerchenfelderstraße 124—126. Stein Gabriele, Sängerin, 1. Jänner 1886 in Horitz, Böhmen, VIII., Lange Gaffe 65. R e t h i Elise. Private, 21. Juli 1892 in Wien, XVHL, Frankgaffe 4. Böhm Hugo, 5. Juli 1887 in Tropvau. HI., Gerlgaffe 16. Barber Seima, Private, 15. Mai 1889 in Wien, VIEL, Lerchenfelderstraße 88.

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