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Die Wahrheit · 1912-05-03 · Heft 17 (3.5.1912) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 17 (3.5.1912)
Date
1912-05-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 17 Die Wahrveu Leite 7. Luthertum, noch mehr im Puritänertum manifestiert, dort heiterer Lebensgenuß. Der bald in Ueppigkeit ansartet. Der Qnäcker verläßt das alte fröhliche old merry England, weil er sich weltlich und geistlich bedrückt fühlt, verzichtet auf alle Behaglichkeiten des Renaissancezeitalters, auf alle Darbietungen der wiedererwachten Kunst und fetzt sich in Amerika -einem Leben voller Beschwer ans. kämpft mit den roten Eingeborenen. rodet Urwälder und bank sich ein einfaches Blockhaus. Sein einziger geistiger Schatz ist die Bibel, seine Devise .„Independence, Independenee!“ Unabhängigkeit! Das ist zu neuem Leben erweckter Judaismus, knorrig stolze Freiheitsliebe. die sich eher töten lassen und über den Erdkreis zerstreuen, denn sich dem Tyrannen beugen! Das ist nicht verweichlichter, -entnervter Gräzizismus, der sich wedelnd dem römischen Ueberwinder nnterwirjr! Doch Hellenismus ist es. der in veränderter Form unsere heutige Epoche im Banne hält. Der Schrei nach Brot, der Hunger nach ihm bewirkte die französische, die große 'Revolution. Als Ludwig der XV. von der Jagd kommend, einst einen Bauern traf, mit einem Sarg auf dem Rücken und -fragte, woran der Insasse des Sarges gestorben, wurde ihm die kurze Antwort „vor Hunger." So erzählt Carlyle. Gäbe es heute einen zweiten königlichen „Vielgeliebten", so konnte im gleichem Falle ihm etwa folgende Auskunft werden: Dieser Sozialdemokrat starb ans Gram darüber, daß er nicht Mittel genug hatte, jeden Tag das Kino zu besuchen; diese Fran grämte sich zu Tod, weil sie sich keine echte Plenrense anschaffen und tlicht allabendlich bis nach Mitternacht im Cass sitzen konnte. Ja, deshalb haben wir die konstante sozialistische Revolution. Brot hätten wir ja zur Not genug, aber Unterhaltungen und Genüsse viel zu wenig. Sehnten die Menschen sich weniger nach so schalen Nichtigkeiten, sie wären gesünder an Leib und Seele und Vorkommnisse, wie das soeben geschilderte, wäre unmöglich. Es gäbe keine Kohorte von Sklavenhaltern und keine Legion von verkümmernden, dekadenten Hörigen, die, was sie sich in vielstündigem, sitzendem Frohnden ergattert, im dnnst- -erfnllten Theater, im stinkigen Kaffeelokal vergeuden. Der Pendelschlag des Weisers unserer sogenannten Kultur, in Wahrheit aber unserer Barbarei müßte jedoch — damit dies geschehe — Umschlägen in die Richtung gegen Palästina, zurück in patriar- .-chalische Einfachheit der Sitten, in altjüdische Bescheidenheit und Bedürfnislosigkeit. Dann verschwänden jüdische und arische Unterdrücker, jüdische und arische Unterdrückte. Das walte ein gütiges Schicksal! S. Bineta. Uer schieden» Nachrichten Wien. Samstag, den 4. Mai l. I., vormittags, Predigt des Herrn 'Rabbiners Dr. Bach im Leopoldstädter Tempel. Wien. Sonnrag, den 5. Mai. Uhr nachmittags, findet im Zeitenstettentempel die Trauung des Fräulein Melanie R o t r e r, Tochter des Religiouslehrers Herrn Adolf Rotte r, mit Herrn Max Holder statt. Wie». Anläßlich der Thronbesteigung Sr. Majestät des Sultans Mohamed Y. fand Samstag, den 27. v. M. ein feierlicher Gottesdienst statt. Es waren anwesend: der Ehrenpräsident Licco Adntt, die Tempelvorsteher S. Hassa n. A. Canetti, S. R. F a r ch y und Leon Ha im. Die Festrede hielt Rabbiner P a po und Oberkantor B a n er rezitierte das -Geber für den Sultan. Nachmittags. 4 Uhr, empfing der Botschafter im Palais die Deputation der türkischen Gemeinde, und zwar die Präsidenten Licco Adntt und Mvsco de Mayo. die Herren Vorsteher Hassan, Leon .Haim und S. R. Farchh, Oberkantor Bauer, Kantor L ö w i t und Religionslehrer S. Elias, welcher eine französische Ansprache an den Botschafter im Namen der Gemeinde und der Funktionäre hielt. Wien. Samstag, den 4. Mai l. I-, um 1/2B Uhr nachmittags, spricht Herr Rabbiner G o l d st e i n im Beth-Hamidrasch Talmud Thora, II.. Malzgasse 16, über Samson Rafael H i r s ch s Schriften. Die Borträge sind auch Frauen und Mädchen zugänglich. Gäste herzlichst willkomnien und findet int Anschluß daran die M inchaand acht statt. Wien., (B r i g i t t e n a n e r i s r. T e m p e l - V e r e i u.) Donnerstag, den 2. Mai. 7 Uhr abends, findet im Saale der Restauration Hermann Ko h n, XX.,Heinzelmanngafie 1, eine außerordentliche Generalversammlung des Brigittenauer israelitischen Tempel-Vereines statt. Tagesordnung : Bericht über den Stand der Rabbiner-Angelegenheit und Beschlußfassung über das weitere Vorgehen des Vorstandes. Wien. (I s r a e l i t i s ch e r W o h l t ä t i g k e i t s- und Kraule n n u t e r st ü tz n n g s - V e r e i n „M a z nr i a ch I e s ch n a".) Sonntag, den 5. Mai, 3 Uhr nachmittags, findet im Sitzungssaale der Synagoge, H. Leopoldsgasse Nr. 29, die ordentliche Generalversammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Rechenschaftsbericht deS Ausschusses. 2. Berichs der Rechnuugsrevisoren. 3. Wahl von sieben Ansschußimtgliedern und drei Rechnungs-Revisoren. 4. Eoentnalieu. Wien. (Jüdischer Verein „E i n h e i r".) VolkS-Ipeifehalle II., Malzgasse 12. Montag den 15. April fand tm Talmud Thorasaale die diesjährige Generalversammlung des jüdischen Vereines „E i n h e i t" statt. Nachdem der Obmann. Herr Bernhard Hofbauer, die Versammlung eröffueruudseiner Freude über den zahlreichen Besuch Ausdruck verliehen hatte, begrüßt er Herrn Adolf Schrämet, als Vertreter der Kultusgemeinde und ifr. Armenanitalt, Herrn Dr. I. S. B l o ch, Herrn Kom.-Rat Rose nzweig vom humanitären Vereine „B'nai B'rith", Herrn Bernhard Schiff vom Bethausvereine „Adas Jifroel", die Herren Filipp N n ß b a u m und Bernhard Fellner von „Machsike Thora", Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner G o l d st e i it von „Agndas Achim", Herrn Isidor Frommer von „Thora Ez Chaim" und die Herren Oberkantoren S ch o r r und Müller. Ihr Fernbleiben haben entschuldigt: Herr Dr. Julius Ofner und Gemeinderar S ch w a r z - H i l l e r, Rabbiner F ü r st, Rabbiner Dr. Rosenmann; Herr Rabbiner Dr. Schmiedl. der infolge feiner Reconvalescenz am Erscheinen verhindert ist. übermittelt dem Vereine durch Herru Professor A n t s ch e r l die besten Wünsche und versichert die „Einheit" seiner Sympathien. Als erster Redner hebt Herr Vorsteher S ch r a m e k die Leistungen des Vereines hervor, den anfS kräftigste zn fördern er stets bestrebt sein werde; Herr Professor Autsch e rl gibt seiner Freude über die von der „Einheit" veraitstalteten Sederabende Ailsdruck, nennt diese nud die „Einheitssnkke" Wiener Jüdische Sehenswürdigkeiten. Dem im Drucke vorliegenden Berichte ist zu entnehmen, daß die „Einheit" im Jahre 1911 von 322.616 Personen frequentiert war (um 68000 mehr als im Jahre 1910), demnach wie der Bericht ganz richtig bemerkt, ein notwendiger Faktor für unsere minderbemirtelten Glaubensgenossen geworden ist; den Gesammteinnahmen von 147144-18 Kronen, stehen die Ausgaben von Kronen 146377-96 gegenüber; das Küchendefizit beträgt 678334 Kronen, d. h., der Verein har em tägliches Defizit von Kronen 18-54 zu decken. Der Berichterstatter appelliert auch an alle Gönner und Freunde, insbesondere an die jüdische Prefie, welcher der Verein für ihre bisherige Förderung zn besonderem Danke verpflichtet ist, des Vereines bei jeder Gelegenheit zn gedenken, nicht nur die Defizitsbedecknng im Auge zn behalten, sondern auch der „Einheit" die Erbanung eineeigeuen Hauses zu ermöglichen, Damit auch den vielen Tauseildeu, die in Folge Raummangels der „Einheit" ferne bleibeu müfieu, m Zukunft eine gastliche Statte, gute und billige Kost gewährt werden könne. Beim Punkte Statutenänderung wird der von Schriftführer, Herrn Dr. K r e n b e r g e r, unterbreitete und nach lebhafter, sachlicher Debatte modifizierte Antrag: den Verein..Jüdischer Verein Einheit", rituelle mensa academica judaica und Sveiiehallen zn betiteln, einstimmig angenommen, — ebenso der Antrag, die Zahl der Vorstände von!5 auf 21 zu erhöhen. Bei den vorgenommenen Wahlen wurden sowohl die ansicheidenden Vorstandsmitglieder, die Herren Simon M a n h e i t, Adolf Fischer und Max H o f b a n e r, als auch die Revisoren, die Herren Jakob Fuchs. Jakob Stern und Emil Kritzler per Acclamatiou wiedergewählt. Beim Punkte Eventuelles wird der Antrag des Herrn Philipp Back, Taschenfammelbüchsen in Umlauf zn setzen, einstimmig angenommen. Am Abend des 20. April wurde in den Räumen des Vereines im Beisein des ehrwürdigen Herrn Rabbiners Sigmund Fürst, den hochverdienten Vorständen Bernhard H o f b a u e r und Adolf Fischer in einer Festsitzung die von den Vorstandskollegen gewidmeten und von allen nnterschriebeuen. im Meisteratelier des Profefior Rudolf P i ck äußerst schön angefertigten Anerkennungsdiplome überreicht. Der erste Borstandstellvertreter Herr Moriz F e l s e n b n r g würdigte in sachlicher und eindrucksvoller Rede die Tätigkeit der ausgezeichneten Herren, worauf diese dankten und Herr Rabbiner F ü r st, wie Dr. I. Reiniger ihre Glückwünsche anssprachen und die Tätigkeit der „Einheit" würdigten. Au die Festsitzung schloß sich ein gemütliches Beisammensein, durch die Anwesenheit der Damen verschönt. Gewitsch. Ain 6. April l. I. veranstaltete der hiesige Tempelchor im Lokale der deutschen jüdischen Schule ein schönes Tempelchvrfest. Eingeleitet wurde dasselbe mit dem A d o n o l o m unter Leitung nuferes beliebten Kaittors Herru Adolf D n ck e s z, worauf Deklamatiotten und Lieder der Schuljugend folgten. Einzelne Einakter und Couplets wurden mit besonderer Bravour nud Exaktheit porgerragen. Alle Mitglieder der hiesigen Gemeinde genossen einen angenehmen Abend. Dem löblichen Knltusvorstande sowie dem Damenkomitee, das das Arrangement besorgte, sei hiemit im Namen des Tempelchores öffentlicher Dank ausgesprochen. Krumau. Am 16. April 8 Uhr früh verschied plötzlich Fran Mathilde Hirsch, die Gattin des Rabbiners Dr. L. H i r s ch. Das Leichenbegängnis fand Donnerstag, den 18. April unter großer Beteiligung aller Bevölkerungsschichten hier nud Leidtragenden von Nah und Fern statt, da die Verblichene sich ob ihrer Liebenswürdigkeit. Einfachheit und Bescheidenheit allenthalben der größten Beliebtheit erfreute. Die kantoralen Funktionen versahen mit Meisterschaft Herr Oberkantor Weiß aus Budweis und Herr Kantor P e n c z e k aus Krumau nud hierauf hielt beim Grabe Herr Rabbiner Prof. Dr. Thieberger der Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf, der auf die ilach vielen Hunderten zählende Tranerversammlung, in der sich der Borstaitd der Gemeinde und der Beerdigungsbrüderschaft, die Lehrkörper der Volks-, Bürger- und Mittelschulen, die Vertreter der autonomen und Staatsbehörden, wie der , Herrschaftsdirektion und sonstiger Korporationen, Vereine und Vertretungen

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