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Die Wahrheit · 1912-05-03 · Heft 17 (3.5.1912) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 17 (3.5.1912)
Date
1912-05-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 5. Nr, 17, Die Wahrheit apsgefetzt — nur für den Talmndnicht! Seine wissenschaftlichen Vertreter in Oesterreich sind — Rohliyg und Schneider! Männern solchen Kalibers war es-bis jetztüberhaupt zu verdanken, daß vom Talmud die. Rede war. Aber ein klares Bild vom Wesen, des Talmud, von seiner Entstehung und Geschichte konnte man sich nicht verschaffen — Israels. Werke sind eben verschieden von denen aller andsren. Völker! Darum gebührt großer Dank/der .„Sammlung Göschen", daß sie in ihren.zierlichen, schmucken Bändchen zwei dem Talmud eingeräumt und ihm, so wenigstens die Gleichberechtigung auf dem Gebiete der Wissenschaft znerkannt hat. Beide Bändchen „D i e E n t st e h u 11 9 des Talmuds" Nr. 479 und „T a l m u d p r 0 b e n" Nr. 583 haben den bekannten Gelehrten Dr. S. Funk zum Verfasser. Was nun die „Die Entstehung" betrifft, so ist es eine sehr gediegene Arbeit, die vom Fachmann mit Interesse 1111b vom Laien mit Nutzen wird gelesen werden. Leider sind mehrere Fehler eingeschlichen, die teils sachlich, teils formell zwar dem Werte des Büchleins keinen Eintrag tun, aber doch störend wirken. So, um mit dem Letzten zu beginnen, schreibt Funk S. 120: „Die meisten Talmndausgaben haben den Rafchikommentar an der rechte n, die Zusätze der Tofasisten an der l inte n Seite des Talmudtextes. — Das gilt aber nur von der e r st e n Seile jedes Blattes, ans der zweiten ist es gerade umgekehrt!" S. 114 heißt es, „daß im Talmnd T a n s e n d e von Gesetzeslehrern zu Worte kommen", das ist eine arge Uebertreibnng. Maimonides zählt in der Einleitung zum Mischna- Kommentar 128 Autoren der Mischna ans, die Autoren der Gemara, die Amoräer, zählten etwa die Hälfte davon, also im ganzen etwa 190! — S. 32 schreibt Funk wiederholt „Priester", wo die Talmudstelle, ans die er sich beruft, von „Propheten" spricht. — Rabban Jockanan ben Sakkaj nennt er konsequent Rabbi, obwohl er im Talmud nie so benannt wird, sondern immer Rabban, was auch Maimonides a. a. St. erwähnt. S. 43 ist in der Stelle ans Maaser Scheni V, 10 (nicht X!) das Wort mit „Vierteljahrssrucht" wiedergegeben, was sinnlos ist, es heißt vielmehr: die Frncht eines vierjährigen Baumes (Lev. 19, 24)! — S. 81 ist der Name Meir der Erleuchtete, es ist aber der Erleuchtende! — Ein hebräisches Wort T e h a r o t li gibt es nicht, es heißt ll?ohoroth! Ebenso muß es Oholoth statt Ohalotk heißen. S anh edrin gibt Funk mit Gerichtshof des „Zivilr echte s" wieder. Wie kommt er dazu? Sanhedrin handelt auch vom Gerichtshof für S t r a f s a ch e n. Dazu kommen noch manche Druckfehler, lama8chicha statt limescli (S. 30), 10 Ab statt 9. (ib.), Soferim 2, 7 statt, 10. 7. (S. 30), die in einer zweiten Auflage leicht zu vermeiden sein werden. Die ,.T a l m n d p r 0 b e n" bieten noch mehr Angriffspunkte. Da nämlich Funk bei der Wiedergabe der Proben sich auf eine wörtliche Uebersetznng beschränkt, so werden sie dem Unkundigen sehr oft unverständlich bleiben, da ja der Urtext ohne die Erklärung Raschis oft unverständlich ist. Welche Vorstellung soll sich ein moderner Europäer von der Weisheit des großen R. Akiba machen, wenn er liest: Sechs (soll heißen: sieben!) Vorschriften erteilte R, Akiba seinem Sohne R. Jofua: Unterrichte nicht am erhabensten Teile der Stadt (warum nicht?)- wohne nicht an einem Orte, wo die Weisenschüler alles leiten (sollen es lieber Schüler von Dummköpfen sein?) 11. s. w. — Nach Raschis Erklärung heißt es aber: Lerne nicht an verkehrsreichen Punkten der Stadt, daß du nicht abgelenkt wirst. — Die zweite Vorschrift ist ebenso weise, wenn da auch von keinen „Weisenschülern" die Rede ist. Es heißt nämlich: Wohne nicht an einem Orte, an dessen Spitze G e l e h r t e stehen (denn diese kümmern sich mehr um ihre Gelehrsamkeit, als um die Angelegenheiten der Gemeinde). Pesachim 112a (nicht 10!) An falschen Uebersetzungen. ist dieses Bändchen sehr-reich. Aus Sanhedrin 37 a (bei Funk fehlt die Quellenangabe) ist die Stelle angeführt: Es wurde/deswegen :imr eirr Mensch geschaffen, damit nicht die Häretiker sagen, können, es gebe -mehrere Götte r im Himmel (eigentlich: Regierungen)/ Funkqchreibt: Prinzipien, was aber keinen Sinn gibt (Vgl. Aboth I, 10). Hier soll Schemaja gesagt haben: Liebe die Arbeit und hasse das T i t e l w e s e n (nim ), obwohl es damals noch gar keine Titel gab: Es heißt natürlich: Hasse das Herrschen, sei nicht herrschsüchtig! (S. 18). S. 36 gibt Funk das bekannte *naa?pr mit „widerspenstigen Greis" wieder, wo es Gelehrter heißen muß. Ist vielleicht dieser Fehler auf Wünsche zurückzuführen? Das würde Funk aber nicht entschuldigen. Aus «Torna 86 b ist 63/4 die schöne Stelle angeführt: Gott läßt sich durch Worte versöhnen, ja noch mehr, er ist dem Sünder dankbar (sc. wenn er um Verzeihung bittet), denn es heißt: und greife 3 n r G ü t e. — Ich griff bei diesen Worten nicht zur Güte, sondern mir au den Kopf. Ist es möglich, daß ein Gelehrter so etwas hat schreiben können? Welchen Sinn hat er damit verbunden? Die Wahrheit aber ist. daß der Talmud die Worte Hvseas (14, 3) na npi einfach übersetzt: nimm Dank entgegen (na xmna — gratia)! Ebenso falsch und daher unverständlich übersetzrFunk in derselben Stelle die Worte des Propheten nnr: aznx : ich will sie freiwillig lieben, wo der Talmud sie offenbar übersetzt wissen will: ich liebe sic wegen ihres freiwilligen Opfers! Vgl. Rafchi z. St. — Aus Sabb. 31 a (Funk gibt die Stelle nicht an) ist die bekannte Geduldprobe Hillels gegeben. Die freche Frage aber: „Wer lst da Hillel?" ist durch das unscheinbare Komma ins Harmlose und Unverständliche verwandelt worden. Denn Funk schreibt konsequent: Wer ist da, Hillel? S. 117 ist ans jer. Ber. 7 d das Gebet R. Eleasars angeführt. Und da macht Funk einen Fehler, den er gewiß gedankenlos Wünsche abgeschrieben hat. Das Gebet schließt nämlich mir den Worten: möge deine Lehre unsere Beschäftigung bilden unser Leben lang und mögen die Worte, die wir vor dir verrichten, flehentliche Gebete sein (nicht etwa gedankenlose oder als eine Pflicht, die man erfüllen muß, vgl. Aboth II, 18). Funk macht daraus: und (mögen) unsere Worte dich erbitten! Zum Schluffe will ich etwas anführen, was mir ganz nnverständlich ist. S. 129 schreibt Funk: Rabbi (statt Rabban) Schimeon ben Gamaliel, der Vater des Mischuaredaktors, w e i ß n i ch t mehr, was unter der Pernta (die kleinste Münze im Talmud) zu verstehen ist. Er verweist auf Kiddnschin 12a. Dort lesen wir aber: R. Schimeon ben Gamaliel sagt: eine Peruta ist ein Sechstel eines italischen Jfiar (A88.) In der Tefefta B. bathra V, 12 sagt er dasselbe, nur daß das Wort mar© wohl zu streichen ist. Was ist hier also vorgegangen? Wie konnte Funk das Gegenteil schreiben von dem, was im Texte steht? Ich weiß es nicht. Aber gerade populär-wissenschaftliche Werke sollten möglichst fehlerfrei in die Welt geschickt werden. Hoffen wir, daß bei einer zweiten Auflage, die wir den beiden Bändchen möglichst bald wünschen, dies der Fall sein wird. Mein Tranm. Ich habe einen schrecklichen Traum geträumt. Er unterschied sich von gewöhnlichen Träumen durch eine ungewöhnliche Klarheit und Lebendigkeit der Vorstellungen, ferner durch die logische, sowohl kausale als finale Verknüpfung. Ich muß wegen dieses merkwürdigen Umstandes von diesem schreckhaften Traum einmal vor einem Psychologen von -Ruf Erwähnung tun. damir die Wissenschaft profitiere. Wenn ich nun im Folgenden diesen Traum, der völlig eitlem Erlebnis und Erlebten gleicht, treu mit unwesentlichen frei erfundenen Zutaten ansgestattet, wiederzngeben versuche, so lasse man sich nicht irre machen, er ist deshalb um nichts weniger und um nichts mehr, ein Traum, ein Gesicht. Mir träumte, meine kleine Rente sei mir wegen der stetigen Auswärtsbeweguug der Lebensmittelpreise zu knapp gewordeti und ich müsse mich irgendwo und irgend wem gegen Lohn verdingen, damit eine Störung des Gleichgewichtes in meinem Haushalte vermieden werde. Da saß ich denn auch plötzlich iit einem großen Saale in Gesellschaft einer hübschen Stenotypistin, nebst der mehrerer frischgebackenen männlichen

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