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Die Wahrheit · 1912-05-03 · Heft 17 (3.5.1912) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 17 (3.5.1912)
Date
1912-05-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion und öldministration: Wien, II, Avvaragasse 27 Ttlrvhon: Redaktion 5509/IV. Unabhängige Denkschrift für Mische ' Vernstspreio: >A»iizläv>ig. K 14.- Hakbi.id, >a - - - ■ li 7. - Administration 4.93811. St. t. bsterr. Poitsvarkasia- . »wect-Koiuo Nr. 100.918. Interesse». j Aiir NullttSd, nnitr: .... i» >«> Inserate: Die viermal gefvaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Erl cheint jeden Arei tag. Flu Aushiiid: Abonnements- und Jniertions- .K Mxrk betröge sind in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siesr«l Gottes ist Wahrheit!“ 1 t»!>tul>el oder 1 *» ftrt*. Ur. 17 Wien 3. Mai Inhalt: Die letzten Wiener Gemeinderats- und Bezirksratswahlen. — Ans der Woche.— Der Talmud in der Sammlung Göschen. — Mein Traum — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Rabbi Abraham oder der bekehrte Albert.— Kantorenrag des Allg. Deutschen Kanlorenverbandes. Die geehrten Kerren Aöonnenten werden um freundliche Einsendung des Aöonnementsöetrages für das Laufende Huartal ersucht. Die letzte» Wiener Gcnieinderatsnud Kr;irksratsn»ahlen. Es ist kein Grund für die freiheitlich und fortschrittlich gesinnten Bürger, über das Resultat der Wahlen den Kopf hängen zn lassen. Es war jedem politisch geschulten Wähler von vorneherein klar, daß es anläßlich der Gemeinderats- und Bezirksratswahlen ungleich schwieriger fei, die christlichsoziale Majorität zn vernichten, als anläßlich der Reichsratswahlen. Die dreijährige Seßhaftigkeit als.Bedingung znm Wahlrechte im vierten Wahlkörper schwächt die Zahl der Arbeiterwähler ungemein und die denkbar weitgehendste Gemeindeautonomie bei der Leitung solcher Wahlen kommt natürlich auch nicht den Gegnern der herrschenden Partei zu Gute, besonders dann nicht, wenn dieselbe den Zorn der Wähler kennt und fürchtet. Unter solchen Umständen muß man mit dem Ausgange der letzten Wahlen zufrieden sein. Die christlichsoziale Partei leider an bedenklichem Kräfteschwnnd und die dentschfreiheitliche Partei hat im 4. Wahlkörper durch die Wahl Moißls einen prächtigen Erfolg zn verzeichnen. Der 2. Wahlkörper, welcher bekanntlich seit Jahren durch schwunghafte Bürgerfabrikation und Abschiebung zahlreicher Beamten und Lehrer in den 3. Wahlkörper sehr zu Gunsten der christlichsozialen Partei umgestaltet wurde und in dem die herrschende Partei den städtischen und Landesbeamten wie deu Lehrern gegenüber den größtdenkbaren Einfluß besitzt, ist vom Freisinn schwerer zn erobern. Trotzdem sind im 2. Bezirke schon im ersten Wahlgange zwei Gemeinderats- und zehn Bezirksratsmandale von den Dentschfreiheitlichen genommen worden und auch die anderen, um welche sich zwei jüdische Kandidaten bewarben, sind in der Stichwahl erobert worden. Auch im ersten Wahlkörper sind hier sämtliche freisinnigen Bezirksräte gewählt worden, wodurch eine freisinnige Majorität im Bezirksausschüsse des zweiten Bezirkes gesichert ist. Ans jeden Fall hat der 2. Bezirk die Scharte wacker ansgewetzt, die er durch frühere Wahlen verbrochen hatte. Die Hoffnungen, die die Freisinnigen auf den 9. Bezirk setzten, haben sich leider nicht verwirklicht und hier haben, besonders bei den Stichwahlen im 2. Wahlkörper die Dentschnationalen zn Gunsten der Christlichsozialen entschieden. Sehr zu beklagen ist es, daß noch immer 20% der Wählerschaft gar nicht zur Wahl kommt. Wer sind diese säumigen Wähler? Christlichsoziale sind es gewiß nicht, ebensowenig Dentschnationale, die ebenfalls die größtmögliche Wahlagitation entfalten. Es ist 100 gegen 1 zn wetten, daß die Deutschsreiheitlichen aus diesem Reservoir der säumigen Wähler noch ausgiebig schöpfen könnten, wenn ihre Agitationsgeschicklichkeit und ihre Geldmittel den hohen Anforderungen einer modernen Wahlbewcgung gewachsen wären. In diesem Belange sind die Sozialdemokraten Meister. Wacker haben sich in Währing die jüdischen Wähler im 2. Wahlkörper gehalten. Ihre Zahl überschreitet kaum die Zahl 300 und am 29. April hat in diesem am meisten antisemitisch verseuchten Bezirke die dentschfreiheitliche Partei, welche noch im Juni schlief, rund 290 Stimmen aus sich vereinigt. Diese 290 Stimmen sind wohl weitaus jüdische Wahlstimmen. Die Rasfenantisemiten konnten sofort den Sieg dreier christlichsozialer Wahlwerber nicht hindern und auch am Stichwahltage blieb der sympathischeste Wahlwerber der Waberpartei, Herr Fachlehrer Redl, mit 70 Stimmen in der Minorität. Ein wenig Zurückhaltung der Dentschnationalen beim Judenfressen würde wohl ein anderes Schlußergebnis gezeitigt haben. Trotz mancher Enttäuschungen ist nicht zn verkennen, daß es in Wien tagt, wenn auch noch Wolken und Nebel den angebrochenen Tag verdüstern. Würden die Gemeinderatswahlen nicht in eigener Regie ausgeführt werden, dann wäre das hereinbrechende politische Mißgeschick der Christlichsozialen noch deutlicher sichtbar. Mögen die Deutschsreiheitlichen nicht sofort nach der Wahl wieder einschlasen. Mögen sie von den Sozialdemokraten lernen und st e t i g wie zielbewnßt an dem Ausbau ihrer politischen Organisation sortarbeiten! Nur unter dieser Vorbedingung wäre es möglich, das Versäumte uachzuholen und zn einem vollen Siege zu gelangen. R. L. Airs der Woche. Die „Israelitische Allianz zn Wien" versendet folgendes Communique: Die Nachrichten über die durch den Ausstand in Fez. (Marokko) verursachten Massenmorde und Plünderungen im dortigen Jndenviertel haben leider ihre Bestätigung gefunden.

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