Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 16 (26.4.1912)
- Date
- 1912-04-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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9ir. 16. Seite 8. _Die Wahrheit. I*- Affaire überzeugen. Kaum daß der Gerichtshof zusammengetreten war und sich konstituiert hatte, bezeichnete derselbe die ganze Angelegenheit als eine müssige böswillige Erfindung. Auch der Staatsanwalt schloß sich dieser Anschauung an und zog die Anklage zurück, worauf der Freispruch seitens des Gerichtshofes und die sofortige Freilassung der Verhafteten erfolgte. Nun sollten die Recherchen nach der Mörderhand des unglücklichen Idioten beginuen, welche ja nicht schwer zu eruiren war, und sicherlich steckte der Upravitel mitten in dem grausigen Geheimnis, das so viel Unheil über unschuldige Familien gebracht hatte. Schon begann die Mitwisserin des Mordes, die Großmutter, sich zu ängstigen und ihr schuldbeladenes Gewissen durch ein Geständnis zu erleichtern, als mau tags daraus die alte Frau in ihrem Zimmer ans dem Lcnnpenhaken erhängt fand. Damit schloß dieses Verbrechen unaufgeklärt, üngesühnt und uueruiert. Ein Doppelmord statt eines Einzelmordes — beide Opfer brutalen Judenhasses. lieber den zweiten Antisemitenpulsch in Philippopel will ich nächstens berichten. Dr. Rüben Vierer. Uerschiedrne Nachrichten. Wien. (V e r e I n Iü d i s ch e r H o ch s ch ü l e r ,,M ensa Academica J udaiea!‘ IX., Pramergasse 31.) In der am Samstag den 20. d. M. startgehabten Konstitnierenden Sitzung des Kuratoriums der „Uensa acadamiea Judaica“ wurde zum Präsidenten des Kuratoriums Herr Pros. Dr. M. H a j e k, zuui Vizepräsidenten Herr k. k. Generalstabsarzt Dr. Jakob Z u ck e r m a u u, zum Schriftführer Herr Kommerzialrat S. N o f e n z w e i g und zu Revisoren die Herren Prof. Dr. Josef Poll a k, mid kais. Rat Sieg m und Kauders gewählt. Dem Kuratorium gehören ferner folgende Herren an: Prof. Dr. S. Ehrmann, kais. Rat F e i t 1 c r, k. k. Notar Dr. Julius B e r m a n n, Adolf Schrame! und f. k. Oberlandesgerichtsrat Dr. Bernhard B a r b e r. Wien. (Israel. S y n a g o g e n - V e r e i n „B e t h I s r a e l.") Sonntag, den 28. April, präzise 8 Ühr nachmittags, findet im Sitzuugssaale, IX, Leopoldsgaffe 29, die ordentliche Generalversammlung statt. Tages-Ordnung: 1. Verlesung des Rechenschafts- und Kaffaberichtes. 2. Bericht der Rechnung srevisoren. 3. Wahl von 4 Bereinsvorstehern. 2 Bethausvorstehern, 3 Rechnungsrevisoren und 3 Schiedsrichtern. 4.° Festsetzung der Jahresbeiträge für die Mitglieder. 5. Beschluß über den Vorschlag des Vorstandes zur Ernennung eines Ehrenmitgliedes. 6. Eventnalien. Nach abgelaufener Fuuktionsdauer treten diesmal die Bereinsvorsteher Herren Leo A g i d, Ignatz Zolles und Dr. Karl L i f c z i s, ferner die Bethausvorsteher Herren Zs. G ru b e r und H. K a r p aus, und ist für den ausgetretenen Vereinsvorsteher Herrn I. W e i ch f e l b a u m eine Ergänzungswahl vorznnehmen. Im,Sinne des § 18 der Statuten sind die turnusmäßig ausgetretenen Vereins- und Berhansvorsteher wieder wählbar. Anträge, welche bei der Generalversammlung verhandelt werden sollen, müffen drei Tage vorher dem Vorstände schriftlich mitgeteilt werden, § 16, Absatz 5 der Statuten. Wie«. Die Jury der 37. Jahresausstellung inr Könstlerhause hat dem Maler Isidor K aufmann für das von ihm ansgestellte Oelgemälde „Der. Magid" mir dem höchsten Preise, der großen goldenen Staatsmedaille, ausgezeichnet. Kaufmann, der bereits die kleine goldene Staatsmedaille, die goldene Karl Ludwigsmedaille und zahlreiche Auszeichnungen ausländischer Kunstausstellungen besitzt, hat damit die höchste Auszeichnung erhalten, die ein Maler in Oesterreich erreichen kann, und aus vollstem Herzen gratulieren wir dem Künstler zu seinem großen Erfolge. Wien. Der mit so viel Beifall in der „Union" gehaltene Vortrag des Dr. I. S. Bloch über ,>Reise-Eindrücke in Amerika" findet Donnerslag, den 2. Mai über Veranstaltung des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus, abends halb 8 Uhr lm großen Saale des Hotel Gut, H, Stephaniestraße 14, seine Fortsetzung. Gäste willkommen. Wien. (Enthüllung eines Gedenk st ein es für Lektor M. F r i e d m a n n. s. A.) Am Lag-boomer findet in den Räumen des Wiener Bet-ha-Midrasch. UL, Ferdiuandstraße, die feierliche Enthüllung einer Gedenktafel für Lektor M. F r i e d m a n n s. A. statt. Die Tafel wurde von einem Freunde des verblichenen Gelehrten gestiftet. Wien. Vorige Woche, Dienstag, ist der plötzlich verstorbene Kanzlei- und Tenipeldiener der Israel. Kultusgemeinde, Herr IsidorBunimowitsch, unter starker Beteiligung zu Grabe getragen worden. Der Verblichene war in jungen Jahren Chorsänger im Stadttempel, und da er über eine brillante Tenorstimme und tüchtige Fachkenntuiffe verfügte, wurde er bei der Vakanz der Oberkautorstelle in Proßnitz dorthin als Oberkantor berufen. Nach mehrjähriger, äußerst zufriedenstellender Wirksamkeit daselbst hatte er das Unglück, schwer zu erkranken und seine Stimme gänzlich zu verlieren, und existenz- und hoffnungslos kam er nach Wien zurück, wo er als Kanzlei- und Tempeldiener eine bescheidene Anstellung bei der Kultusgemeinde erhielt. Diese jähe Schicksalswendung lastete immer schwer ans dem Gemüte des unglücklichen Mannes und mag auch auf seinen frühen Tod eingewirkt haben. Die Witwe des Heimgegangenen istüinsö bedauernswerter, als demselben noch zwei Jahre zum Definitivum' fehlten und sie daher keinem Anspruch auf eine normalmäßige Pension hat; es ist jedoch sicher zu erwarten, daß der.Kultusvorstand der armen Frau eine entsprechende Gnadengabe bewilligen'wird, schon mit Rücksicht darauf, daß er schon in früheren Jahren in Diensten der Gemeinde stand, die ihm bei der späteren Anstelluna nicht angerechnet wurden. - 9 Wien. (Verein der S a b b a t h f r e ü n d e „Schomr- S ch a b b o s".) Am 14. April fand d,e dritte ordentliche Generalversammlung des Vereines im Talmud Thora-Saale statt. Obmauu Herr M F e l s e n b u r g begrüßt den in Vertretung der Kultusgemeinde erfchienenen Herrn Rabbiner Kramer, sowie den von schwerer Krankheit genesenen eifrigen Förderer aller jüdischen Bestrebniigen Herrn Professor M. A n t s ch e r l. Von der Verlesung des Rechenschaftsberichtes, als in Händen der Mitglieder befindlich, wird Abstand genommen und dem Vorstände das Absolutorium erteilt. Der Jahresbericht weist in den Einnahmen die gleichen Ziffern aus; die Stelleuvermittlung konilte erfreulicherweise 98 Stellen besetzen gegen 68 im abgelaufeneu Jahre. Vorsitzender spricht dem Kultusvorstande den Dank aus für die Erhöhung des Jahresbeitrages, als erfreuliches Zeichen der Anerkennung. Die Generalversammlnng votiert Herrn Dr. Heinrich H a a s e den Dank für die Ueberlaffuna seiner Arbeit für den Jahresbericht, dem Borstandsmitgliede Herrn Nathan P o l l a k votiert die Generalversamiiiliing den besonderen Dank für seine unermüdliche zielbewußte Arbeit im Dienste des Vereines. Die Herren Lamm und B e n a n geben verschiedene Anregungen zur Förderung der Bereinsziele, welchen der Vorstand eingehende Würdigung zusaqt Herr Abend beantragt die Gründung eines Kindergartens', in dem den Kindern schon im zartesten Alter die jüdischen Religionsgebrauche praktischgelehrt werden. Die Idee wird sympathisch begrüßt, jedoch als nicht eigens lich in den Rahmen der Vereinsrätigkeit gehörig bezeichnet. Die Wahlen ergaben die Wiederwahl der austretenden Herren M. F e l s e n b u r a W. Pappenhe i m, M. Nasch, G. Austerlitz, sowie der Revisoren Herren Ad. R o s e n t h a l und Elias Weiß. Aus der Kurieder Angestellten wurden die Herren Ad. Breuer und H.?? i a d o r in den Vorstand gewählt. Preßburg. (Kantoren - Kandidaten verband „S ch i r C h a d a s ch.) An den verflossenen Peffachsesttagen produzierten sich mehrere Zöglinge dieses Verbandes in gottesdienstlichen Vorträgen welche allgemeinen Beifall fanden. Aufsehen erregte insbesondere der Bortrag des Herrn Lajos F e t t m an n. Sohn des hiesigen zweiten Kantors David Fettmann, welcher durch seinen geschulten Vortrag und richtigen Ansatz des Tones seine Zuhörer begeisterte. Nicht minder Herr Gabor Munk aus Aranyos - Marot, der anläßlich der letzten Festtage durch seine klangvolle Stimme und hübschen Vortrag seine Zuhörer zur Andacht stimmte. Die Herren sind langjährige treue Mitglieder des „Schir-Chadasch" und dankbare Schüler ihres Lehrers Joses K i j e w s k y, Kantor in Pozsony. Theresia Neumann-Stiftung für arme jüdische Lehr er s witwen. Anzahl der Plätze: Zwei im Betrage von je K 85.—. Bewerbungsberechtigt sind: Arme israelitische Lehrerswitwen. Verleihungstag: 26. Juni 1912 (11. Thamus). Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Toteuschein des Gatten, Nachweis, dass dieser dem Lehrerstande angehörte, Armutszeugnis. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 30. April 1912. Einreichstelle: I., Seitenstettengasse 4, II. Stock. (Einreichungsprotokoll). Zur Bewerbung sind Gesuchsbögen zu verwenden, weichein der Einreichstelle (I., Seitenstettengasse 4, II. Stock) unentgeltlich zu haben sind; diese Formulare enthalten auch nähere fürdie Einschreiter wichtige Bestimmungen. Wien, 1. April 1912. Der Torstand der Israel. Kultusgemeinde Wien. Sigmund Edler von Wertheimstein-Stiftung für seine armen nächsten Anverwandten. Anzahl der Plätze: Unbestimmt, zusammen im Betrage von Kronen 420.—. Bevrerbungsberechtigt sind. Die armen nächsten Anverwandtendes Stifters. Terleihnngstag: 48. Juni 1912. Gesuclisbeilagen: Geburtsschein, Verwandtsehaftsnachweia, Armutszeugnis. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 30. April 1912. Einreichstelle: I. Seitenstettengasse 4, II. Stock (Einreichungs- Protokoll.) Zur Bewerbung sind Gesuchsbögeu zu verwenden, welche in der Einreich stelle (I., Seitenstettengasse 4, H. Stock) unten-* geltJich zu haben sind; diese Formulare enthalten auch nähere für die Einschreiter wichtige Bestimmungen. Wien, 1. April 1912. Der Vorstand der Israel. Kultusgemeinde Wien,