Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 16 (26.4.1912)
- Date
- 1912-04-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 16. Die Wahrheit Seite 9 Oesterr. nng. Kantorerr-Uerem. Der.Vorstand hat in der Donnerstag, den 25. d. M. flattgehabten Sitzung beschlossen, — an Mitglieder, welche trotz erfolgter Mahnung die rückständigen Vereins- und Pflichtbei^ träge nicht bezahlt haben —eine letzte Mahnung mit Androhung des § 15, 4 a ergeben zu lassen, da es unerläßlich ist, daß die Mitglieder ihre Pflichten dem Vereine gegenüber erfüllen. Weiters werden neuerdings Aufforderungen an alle Kantoren gerichtet werden, dem Vereine beizutreten, damit die im Interesse des Standes und der einzelnen Berufsgenossen geplanten Aktionen im Rahmen eines möglichst weiten Kreises der Berufsgenossenschaft burchgeführt werden können. Behufs Statutenänderung wird der Vorstand ein Komitee einsetzen, zu dem noch Vertrauensmänner aus dem Kreise der Mitglieder zngezogen werden. Zuschriften an den Vereinsvorstaud sind an den Präsidenten O b e r k a n t o r I. Bauer, Wien, II/lf Vereinsbeiträge an den Kassier E r st e n K a n t o r S. I u r b e r g e r, II., Tempelgasse.3, zu senden. Feuilleton. Hlaööi AvraHarn oder der bekehrte Atöert. Von M. Markstein. (Fortsetzung.) Die beiden Kinder wurden aufs sorgfältigste gepstegt und erzogen. Susauna wurde auf Anraten des Hausarztes von der Mutter selbst gestillt, und Albert von der bereits in Dienst genommenen christlichen Amme, die ihm eine besondere Zärtlichkeit angedeihen ließ. So wuchsen die Kinder bis zum dritten Lebensjahre heran, sie gediehen und entwickelten sich aufs herrlichste. und das Herz pochte einem vor Freude, wenn man die Kleinen mit ihren rosigen Gesichtchen herumhüpfen und spielen sah. Jakob und Mirjam fühlten sich ganz glücklich und auch der Ortspfarrer, der öfters zu Gaste kam, hatte große Freude an den Kindern. Als die Kleinen das dritte Jahr vollendet hatten, wurde für Albert eine christliche Bonne ausgenommen, die sich meist mit ihm beschäftigte, ihn das Vaterunser lehrte, das er morgens und abends knieend bei seinem Bettchen betete. Susanne erzog die Mutter selbst, die darin ihre größte Zerstreuung und ihr alleiniges Vergnügen fand und sie lehrte sie auch beten in dem Sinne und in der Sprache ihrer Väter; auch bei aller Fürsorge für die Tochter vernachlässigte sie nicht auch die Aufsicht über Albert. - - Beide Kinder hingen mit liebevoller Zärtlichkeit aneinander,- sie spielten, aßen und tranken zusammen, mit einem Worte es war ein reizendes Geschwisterpaar, das von jedem geliebt und gekost wurde, ohne die Kluft zu ermessen, die zwischen diesen beiden Wesen schwebte und das wahre Geschwisterband trennte. Als die Kinder das sechste Lebensjahr erreicht hatten und schulpflichtig wurden, wurde Susanna in ein Mädchenpensionat untergebracht und Albert in die städtische Knabenschule eingeschrieben, wo der Ortspfarrer den Religionsunterricht erteilte. Albert war in kurzer Zeit der Liebling und die Freude seiner Lehrer, er war gesittet, brav und fleißig und machte in den Lehrgegenständen ausgezeichnete Fortschritte. Nach Verlauf von vier Jahren beendigte er die Volksschule zur höchsten Zufriedenheit seiner Pflegeeltern, die auf den hoffnungs- und talentvollen Knaben stolz waren, der aber auch ihre Mühe und Fürsorge durch reichliche innige Liebe lohnte. Jetzt kam Albert in die Mittelschule; hier.verdoppelte er noch seinen Fleiß, er war ein Muster für seine Mitschüler und eine wahre Zierde seiner Klasse, seine Lehrer und der Direktor zeichneten ihn wegen seines musterhaften Betragens in jeder Beziehung aus und jährlich absolvierte er seinen Jahrgang als erster mit Vorzug. Dabei war Albert bescheiden, zuvorkommend und überaus freundlich gegen seine Mitschüler, die ihn auch brüderlich liebten und um seine Freundschaft buhlten. Auch aus der kleinen Susanna war eine reizende Jungfrau geworden. Sie war einfach, bescheiden, mit häuslichem Sinn, ohne der Bildung des Herzens und Geistes zu entbehren. Die Eltern waren überaus glücklich über den Besitz einer solchen Tochter, die mit allen weiblichen Tugenden ansgestattet war; aber ihr Glück und ihre Freude wurden leider später getrübt durch die unerwarteten Verhältnisse, die sich aus den Beziehungen der beiden Kinder zueinander entwickelten. Als Albert und Susanna noch Kinder waren, liebten sie sich wie Schwester und Bruder und kein anderer Trieb regte sich in ihren, kindlichen Herzen, als der eines unschuldigen Geschwisterpaares. Nun aber war Albert zu einem achtzehnjährigen, feurigen Jüngling und Susanna zur holden Jungfrau herangereift, da erweckte Amor in ihren Herzen, eine ganz andere Liebe. Beiden wurde es klar, daß ein ganz anderes Band sie einander fessle, daß er kein Bruder und sie keine Schwester sei, daß er von ihren liebevollen Eltern als elternloser Knabe an Kiudesstelle ausgenommen, gepflegt und erzogen wurde, daß er sogar einer anderen Religion augehört und nicht der. zu welcher Susanna und ihre Eltern sich bekennen. Die wahre, reine Liebe aber kennt keine Schranken, sie setzt sich über jedes Hindernis hinweg und so liebten sich Albert und Susanne trotz des Glanbensunterschiedes schon längere Zeit und durch den täglichen, häufigen Umgang, durch das öftere, alleinige Zusammensein wurde das Band, das sie aneinander knüpfte, immer fester. Beide gestanden sich öfters ihre gegenseitige Liebe und gelobten unter Schwüren nie von einander zu lassen, kein Hindernis zu scheuen und alles aufznbieten, um vereint ihr Lebeusglück zu begründen. Jakob und Mirjam sahen mit Bangen und bekümmerten Herzens zu diese Liebe entstehen und bald nahmen sie auch eine große Veränderung in der Gemütsstimmung ihrer Tochter wahr. Die früher stets heitere und lebenslustige Susanne wurde immer ernster, sie zog sich gerne in die Einsamkeit zurück, öfters sah man sie auch in tiefen Gedankeit verslluken und nur in Alberts Nähe erheiterte sich ihre Stimmung. Auch Albert hatte für nichts mehr Interesse als für seine Studien, die er auch hier in der Provinzstadt bald beendigte und er erhielt ein Zeugnis der Reife mit Auszeichnung, das ihn zum Besuche einer Hochschule berechtigte. Die ganze Zeit, die ihm das Stndinm übrig ließ, verbrachte er in Susanuas Gesellschaft. Er ergötzte sich an ihrem holden Antlitz und oft entrollte seinen Angen eine verstohlene Thräne, in dem Bewnßsein, daß sein Glück so sehr umnebelt war. Er sah die Scheidewand, die sich zwischen ihnen beiden anftürmte, aber er beschloß, dieselbe mit aller Kraft zu sprengen und Snsannas Besitz sich zu erringen. (Fortsetzung folgt.) Atlas. (Lebens-, Militärdienst- und Renten-B e r s ich e ru n g s - A krien - G e i e l l f ctj a f t. Wien, I., Franz-Josefs- Ka i 1. sAtlasho f].) In der am 16. April a. c. unter Vorsitz des Präsidenten Herrn kais. Rar W. H. Lambrecht und in Anwesenheit des landesfürstlichen Kommissärs Herrn Alois P ali s a, Oberinspektor im k. k. Ministerium des Innern, abgehaltenen XII. ordentlichen Ge - n e r a l v e r s a m m l u n g wurde der von Herrn Direktor S ch e i n e r verlesene Jahresbericht pro 1911 zur Kenntnis genommen. Der Bersicherungsbestand am 31. Dezember 1911 umfaßte 16.238 Polizei! über X 40,097.586 Versicherungssumme und X 22.520 Leibrente; außerdem waren noch X 22.795 Jnvaliditätsrente mitversichert. Die Prämieneingänge stellen sich auf X 1,875.35139 und sind um X 135.42443 gegen das Vorjahr gestiegen. Die Gewährleistungsfonds der Gesellschaft haben die Höhe von X 10,587.122-73. Bon dem nach Dotierilng des Dividendenfonds der Versicherten im Betrage von X 52.415-65 resultierenden Betriebsüberschusse per X 114.226-31 wurden weitere X 12.000 dem Dividendenfond der Versicherten überwiesen, X 75.000 zur Ausschüttung einer 5°/gigen Dividende an die Aktionäre verwendet, X 5.422-63 dem Kapitals» reservefond zugesührt und der nach Abzug der statutengemäßen Fnnktionsentschädigungen verbleibende Rest von X 13.669*74 auf neue Rechnung vorgetragen.