Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 16 (26.4.1912)
- Date
- 1912-04-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Redaktion n»d Administration: Wien, H/, Novaragasis 27 Lrlevhou: Redaktion 5509/IV. Unabhängige Hertfchrifi für jüdische Äniiziävrig.K 14.— Haldiävrig.K 7.-- Administration 4938/11, St. k. öftere. Nostsvarkasta- Schrlt-ttonto Nr. -100.918. Interejfen. . jviir SliiltJi^lh’iHiitt': .K 10 InlrratL: Die viermal geivaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Isreitng. Für An-lottd: Abonnementsnnd Jnsertions- <«»»,,aitt!„.8 Mark betröge und in Wien zahlbar nnd klagbar. Molto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!u 6!)(mm oder l<» fftes. Ur. 16 Wien, 26. April Inhalt: Aus der Woche. — Die Wiener Gemeiuderatswahlen im H. Wahlkörper. — Zlus der Wiener Kultusgemeinde. — Russische Ritualprozesse in Bulgarien. — Verschiedene Nachrichten. — Oesterr.-ungar. Kanroren-Verein. — Feuilleton: Rabbi Abraham oder der bekehrte Albe'rr. Die geehrten Kerren Aöonnenten werden uw freundliche Einsendung des Aöonnementsbetrages für das laufende Knartal ersucht- Ans der Woche. Die Wahlen für den Wiener Gemeinderat, die am 23. April mit dem 4. Wahlkörper begonnen haben, haben der christlichsozialen Partei eine schwere Niederlage gebracht. Von den 21 Mandaten dieses Wnhlkörpers, der die Gesammtheit aller Wähler ohne Rücksicht ans ihre Stenerleistung vereinigt, hatten die Christlichsozialen bisher 14 inne, doch sie konnten trotz der größten Chikanirnng und Beeinträchtigung der freisinnigen Wähler seitens der durchwegs antisemitisch zusammengesetzten Wahlkommissionen am ersten Wahltage nur 4 Mandate mit ganz winzigen Majoritäten behaupten und 10 Mandate kommen am 25. April in die Stichwahl, wobei nach den Ziffern des ersten Wahlganges weitere schwere Verluste für die Christlichsozialen zu gewärtigen sind. Die christlichsoziale Veste im Rathaus beginnt zn wanken, aber der Hauptstoß gegen dieselbe soll erst nächste Woche im zweiten Wahlkörper geführt werden, und wenn nicht alle Hoffnungen trugen, wird die unheilvolle Macht der bisherigen Herren von Wien durch den Ausgang dieser Wahlen gebrochen werden. * * ' In Krakau wurde ein polnischer Katholikentag abgehalten, der eine Anzahl von Beschlüssen faßte, welche dem Kardinal- Fürsten Sapieha überreicht wurden. Diese Beschlüsse richten sich gegen die Pornographie, die religiöse Verhetzung der Jugend; sie behandeln ferner die soziale Frage der Arbeiterschaft und wenden sich endlich auch gegen das Judentum. Der polnische Katholikentag wurde beauftragt, entsprechende, jedoch energische Vorschläge anszuarbeiten, um dem Eindringen des in Sprache und Glauben den Polen fremden Elementes Einhalt zu tun. Zugleich wurde ein energischer Protest erhoben, gegen die Entfernung der Kreuze aus einer Reihe von Schulen in Galizien. Schließlich wurde auch noch Stellung genommen gegen die Anstellung jüdischer Lehrer an polnischen Volksschulen. * * ♦ Heber die Frankfurter Universität, zu deren Gründung so viel jüdisches Geld aufgebracht wurde, wird der „Welt" aus Frankfurt a. M. folgendes berichtet: - Als vor etwa zwei Jahren das Projekt der Frankfurter Universität öffentlich bekannt wurden nahmen es weite jüdische Kreise mit großer Freude auf. Die Universität sollte ja finanziell von der Regierung unabhängig sein, und so hoffte man, hier endlich eine Universität zu erhalten, die bei der Besetzung der Professuren volle Gleichberechtigung würde walten lassen, zumal ja die notwendigen Mittel in erster Linie von Juden aufgebracht werden sollten. Man vernahm auch, daß sowohl Jakob Schiff wie auch die Baronin Rothschild jede Spende verweigert hätten, so lange nicht die volle Gleichberechmng garantiert wäre. Inzwischen ist das Projekt herangereift, hat feste Gestatt angenommett, und hier gilt es so gut wie sicher, daß wir Ostern 1914 eine Universität haben werden. Und wie ift's mit den jüdischen Hoffnungen? Jetzt erkennt man nur allzu deutlich, daß sie ein Ausstuß des unverwüstlicheit jüdischen Optimismus waren. Heute zweifelt kein Eingeweihter mehr daran, daß die Frankfurter Universität sich in punkto jüdische Professoren nicht im geringsten von anderen preußischen Universitäten unterscheiden wird. Dies geht nicht nur aus den Erklärungen des preußischen Kultusministers im Abgeordnetenhause hervor, dies beweisen noch deutlicher die betreffenden Bestimmungen des Statuts. Danach hat wohl das Kuratorium das Recht, drei Kandidaten für jede ledige Professur vorzuschlagen, aber das letze Bestimmungsrecht liegt beim Minister. Und das jüdische Geld! Nun, Adickes hat es verstanden, durch allerhand Versprechungen und Aussichten das Portemonnaie unserer hiesigen jüdischen Millionäre zu öffnen, und es wäre auch bei der Psychologie derselben seltsam gewesen, wenn sie trotz aller Aussichten auf Orden und Titel unbeugsam auf ihren Forderungen beharren wollten. Die Frau Baronin hat bereits eine Million gespendet, und nachdem sie den Reigen eröffnet hat. werden die anderen schon Nachfolgen. Allerdings — zur Ehre der Frankfurter Jndenheit sei es gesagt — gilt dieser schwächliche Rückzug nur für die engen Kreise der Plutokratie. Die intellektuell führenden Kreise der Frankfurter Jndenheit hingegen befinden sich in ansgesprochener Opposition zn dem Projekt. 4° * * Der Ritualmordprozeß in Kiew ist neuerlich verschoben worden. Ans Kiew wird darüber folgendes mitgeteilt: Nachdem über Anordnung des Justizministerium die Anklage gegen B e i l i ß, und zwar unter formeller Ausschaltung des Ritnalmordmoüvs, am 30. Mai zur Verhandlung kommen sollte, fand am 20. d. die Auslosung der Geschwornen für die Maisession statt. Die Auslosung ergab eine Liste von ehrenwerten und geachteten Bürgern in Kiew. Det Saal für die Verhandlung war bereits bestimmt, den Vertretern der Presse waren 40 Plätze reserviert, Grusenberg. Karabtschervsky und Bobrist-