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Die Wahrheit · 1912-04-12 · Heft 14 (12.4.1912) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 14 (12.4.1912)
Date
1912-04-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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biejint 'Htsaiünteü^än^e' Dtü Hr?HDiöDnug. JnrDtlchiuskisin ^iew. gegen bie/.Jtthen ' tzLiy^en^ -.HsipH.i," ir/HuMnd^'ein<;n großen ^EnDrüB'''^rvorge.rMn.^.. Man..spricht 'sog.gr'. ßavoü, daß bet': Protest '.'einen ^gewissen .'.G.nHlß' arsf' b.as Histej^. hgber/ dürstx. üud dieser Prozeß.wird^ zu^derr'bDrerkeriswertesten in der Wschichte ' der russischen,Merfcht^ßehörem Di,e Verhandlung findet shfort nach ,0|tevii:vni;; ^iejo?bei, b^feneu Xitreu,;Die Zivilklage gegen den angeWgLein-Beilis^ liertrftt Das Mitglied Der Aeichsdnuia SaiünslywsD yuö, ,lvA' MlWhr etsdgMigDeststehfi G^'r verxißigch^'RechAättwalk,' ^chmykorv' beiße sind hervprxägende Dtützeu der rechtssteheiiden Parlileln Als ° Verteidiger des Angeklagten werden die Rechtsanwälte Grufenberg. Grigorowitsch- Barskiund andere fungieren. Auch der Rechtsanwalt Bobrischtschew- Puschkin wird zu der Zahl der Verteidiger gehören. Dieser erklärte, daß er selbst Antisemit sei, aber an die Märchen von Ritualmorden nicht glaube, und nur zu dem Zwecke die Verteidigung übernommen hat, um dieses Märchen ein für allemal zu widerlegen. Auch der berühmte W. M. Maklakow ist gebeten worden, an der Verteidigung teilznnehmen, hat jedoch bisher eine bestimmte Zusage nicht gegeben. Erst vor kurzem hat der Minister des Innern wieder sämtliche Aktenin der Angelegenheit Juschtschiuski verlangt. In der Sitzung des Kiewer Bezirksgerichtes, die am 21. März unter Vorsitz Grabars stattfand, wurde über die Anträge der Verteidigung wegen Hinzuziehung von 150 Zeugen und einer großen Anzahl von Sachverständigen (Aerzten und Theologen) verhandelt. Die Sitzung dauerte den ganzen Tag. Die Entscheidung des Gerichtes lautete, daß von den 150 Zeugen, die die Verteidigung beantragt hatte, nur 80 vorgeladen werden. Die Vernehmung der übrigen Zeugen, deren Aussagen hauptsächlich die Schuld der Diebsbande mit den Brüdern Misle an der Spitze, bezeugen sollten, wurde abgelehnt. Die vorgeladenen 80 Zeugen sollen die Unschuld Beilis beweisen. Auch der Antrag, als Sachverständige Aerzte und Theologen zu vernehmen/wurde abgelehnt. Der Prozeß wird vor der 11. Kammer des Bezirksgerichtes, die dnrch ihre strengen Urteile bekannt ist, verhandelt. Für das Publikum sind 120 Plätze reserviert. Das Interesse an dem Fall ist jedoch so groß, daß schon lange vor der Verhandlung eine Unzahl von Gesuchen um Eintrittskarten von hochgestellten Beamten, Mitgliedern der Reichsduma und des Reichsrats und der örtlichen Behörden eingelaufen sind. Nur in geringem Maße werden Plätze für die russische imb ausländische Presse reserviert. Es wird ein freisprechendes Urteil erwartet. Das ganze Judentum verfolgt mit fieberhafter Spannung die Vorarbeiten zu dem Prozeß. Das kann auch nicht wnndernehmeu, denn das Damoklesschwert schwebt wieder einmal über sieben Millionen russischer Jilden. Der angeklagte Beilis hat erst vor kurzem die Kopie der Anklageschrift erhalten. Vera Tschebyrjakowa, die Hanptbeteiligte an der Ermordung des Knaben Juschtschiuski, wurde Anfang März wegen Diebstahls verhaftet. Jetzt ist sie wieder auf freiem Fuße und wird, wie vorausznsehen ist, dnrch ihre Aussagen vollkommen klares Lichl auf die schon an und für sich nicht komplizierte Sache werfen. Mehrere Agenten und der Chef der Kriminalpolizei, die wegen ihres Verhaltens bei der Untersuchung über die Ermordung Jufchtschinsky verhaftet worden sind, sind zurzeit gegen Kaution auf freien Fuß gefetzt worden. * * . Von anderer Seite werden wieder weitere gesetzliche Drangsalierungen der russiischeü Inden gemeldet. Die Reichsduma bAndete iii einer Geheimsitzung die dritte Lesung der Gesetzesvorlage über die Wehrpfiichtreform. Lebhafte Debatten rief ein yon den Kadetten eingebrachter Antrag auf Streichung des Paragraphen hervor, laut dem die Familie eines Juden, der sich der Wehrpflicht entzogen hat. mit 300 Rubel bestraft und die Festnahme eines solchen Juden belohnt wird. Eine Reihe von Rednern der Opposition forderte die Streichung dieses Paragraphen, der rechtlich unhaltbar sei, da er das Prinzip der persönlichen Verantwortlichkeit verletze. DerBerichterstatter der Staatsverteidigungskommission und her Gehilfe des Ministers des Innern splachen sich für die.Beibehaltung des Paragraphen ans. Der Antrag "der Kadetten wurde daraus mit 103 gegen 101 Stimmen abgelehnt, der gesamte Gesetzentwurf mit 147 gegen 72 angenommene Die DMnner Handelskammeere wählen imd die Inden. "'Me •.bevorstehenden Wahlen in die Brunner Handelskammer, auf. die wir bereits in der letzten Nummer dieses Blattes hingewiesen.haben, haben den lieben.Brunner Tschechen wieder Veranlassung gegeben, . der Judenzu gedenken und in ihrem Wahlaufruf auch einen Appell an die jüdischen Wühler zu richten und.sie. für ihre Kandidatenliste zu gewinnen. Zu diesem Behufe wurden als Köder einige ganz unbekannte, nur in Dorfgemeinden lebende jüdische Männer aus dem Brunner Wahlbezirk in die Kandidatenliste mit ausgenommen. Es sind dies vier Herren: Jltlius Hojtäs. Kaltfmann in Göding, Aron Perez Körner. Kaufmann in Serawitz. Moritz Haas, Spiritusbrenner in Velks und Alfred Winternitz, Fabrikant in Oenkan bei Jglau. Wir setzen voraus, daß dieses nicht ohne Wissen und Einwilligung der betreffenden Kandidaten geschah. Dieser Wahlaufruf ist für die leidigen polnischen Verhältnisse, in denen jetzt die Juden in Böhmen und Mähren leben, echt charakteristisch, denn er zeigt, wie schwierig die Stellung der jüdischen Wähler in diesen beiden Kronländern. namentlich auf dem Lande, geworden ist. Der Wahlaufruf zeigt ferner, wie die beiden nationalen Parteien in diesen Kronländeru um die jüdischen Stimmen buhlen, mit welcher Ueberhebung die Tschechen aus den deutschen Antisemitismus, als ihrer unwürdig, Hinweisen und wie gerne sie sich als Schicksalsgenossen eines ausgestoßenen, mißachteten Volksstammes als Philosemiten ausspielen, geradeso, als ob es ilnter ihnen niemals Judenhasser, niemals Ritualmordhetzer, niemals einen Hilsuer-Prozeß gegeben hätte. Wir lassen hier nun den tschechischen Wortlaut des allerdings in sehr warmen. Herz und Gemüt ergreifenden Worten gehaltenen und diesmal von Boykott-Androhungen freien Wahlaufrufs, insoweit er sich auf die Inden bezieht, in getreuer Uebersetznng folgen, wobei wir nur noch bemerken, daß die betreffende Stelle des Wahlaufrufes, insoweit er an jüdische Wähler versandt wurde, besonders blau angestricheu war. damit er sich ja ihrer besonderen Aufmerksamkeit nicht entziehe. Die betreffende Stelle des Wahlaufrufes lautet: „Wir appellieren insbesondere an unsere jüdischen Mitbürger, daß sie unserer gerechten und ehrlichen Sache znm Siege verhelfen. Wir erwarten, daß die Juden, welche mitten unter dem böhmischen Volke leben und mit ihm durch die Gemeinsamkeit der Kultur und der volkswirtschaftlichen Interessen verbunden sind, sich vorbehaltlos in unseren Reihen ait dem Wahlkampfe beteiligen. Mögen sie mm über ihr Verhältnis zur Nation wie immer denken, vb ihnen das Judentum nur als Religionsgenossenschaft oder als Nation erscheint, ihre Interessen sind identisch mit denen des böhmischen Volkes und unser Feind ist auch ihr Feind. Darum haben wir hervorragende Männer ihres Blutes auf unsere oppositionelle Kandidatenliste gestellt. Bon dem deutschen Antisemitismus abgestoßen und niedergeschlagen, würden sie sich selbst verachten und sich an ihrer Menschenwürde selbst versündigen, wenn sie sich dem böhmischen Volke gegenüber. feindlich verhalten würden. Wir locken sie nicht, wir drohe» ihnen nicht aber wir versprechen ihnen nur die ehrenhafte Gemeinbürgerschaft ehrenhafter Leute gegenüber dem gemeinsamen Feind, aber wir appellieren auf ihren Sinn für die Gerechtigkeit und für das Verständnis ihrer eigenen Interessen. Aber mögen sie sich entschließen wie immer, unser Auftreten wird sich nicht ändern und kann sich nicht ändern. Wir werden den großen Kampf mit dem Deutschtum früher oder später ausfechten auf diesem Felde wie auf allen anderen Gebieten. Wir laden sie aber ein zur Teilnahme an unserem Kampfe, denn derselbe ist nicht nur ein nationaler, sondern auch ein Kampf um das wirtschaftliche Leben, um die Hebung der mittlerer! und der kleineren produzierenderr Volksschichten und darum ist es ein Kampf für Recht und Gerechtigkeit gegen! die Uebermacht und für die Befreiung der Verstoßenen."

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