Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 14 (12.4.1912)
- Date
- 1912-04-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4. Die um Judeuleiber einzufaugen. Ja, noch mehr: der Archimandrit Klement ließ Anmal' MÜe Auzähi/jüdMer/Mädchen, welche sich in griechische Tabakarbeiter verliebten, über Verwendung des seinerzeiligeu Grandrabbin non Bulgarien/ des gottseligen Dr. Dankowicz, aus der Taufe herauspeitschen. Die bulgarische Kirche soll nicht, wie er sagte, den Mist anderer Konfessionen aus? nehmen. Auch die Regierung zeigt gegenüber der jüdischen Religion die größte Achtung und Toleranz und beispielsweise bewilligt sie nicht nur einen sehr bedeutenden Zuschuß znnl Gehalte des Grandrabbin, sondern gewährt ihm nächst' hohen Diäten freie Fahrt, erster Klasse zum Besuche! der einzelnen Gemeitlden. Gegenüber den Wundermärchen, die einige Tagesblätter von der geheimen galizischen Rabbinerkonserenz zu erzählen wußten, wird dem „Israel." ans Czernowitz berichtet: Eine große Anzahl Chassidimrabbis aus Galizien und der Bukowina traten hier zu einer geheimen Konferenz zusammen. Die Geheimhaltung der Beratungen hatte ihre einfache Begründung darin, daß man eine Polemik über diese Vorberatungen für eine eiuznbernfende große Rabbinerversammlung, als welche die Konferenz ausschließlich anznsehen ist, hintanhalten und dadurch verhindern wollte, daß gewisse soziale und kultnrelle Pläne, die einen modernen Anstrich haben, durch Mißdeutungen noch vor ihrer Verwirklichung zerstört werden. An der Konferenz nahmen aus Galizien der Czortkower, der Hussiatyner, Kopittezincer, Ortinier und Kossower, ans der Bukowina der Bojaner, Wizuitzer und Sadagorer Rabbi teil. Soviel kann bereits mitgeteilt werden, daß es sich hauptsächlich darum handelt, die Chedarim nach der Richtung hin moderner zu gestalten, daß ihnen eine vierklassige Elementarschule angegliedert werden soll, um auf diese Weise die Massen wirtschaftstüchtiger zu machen. Gleichzeitig soll aber für diejenigen Schüler der Chedarim, welche die Elementarschule mit Erfolg absolviert haben, eine Gewerbeschule errichtet werden, um den Zöglingen für ihr künftiges Leben eine Existenzmöglichkeit zu sichern. Es ist für jeden, der die Verhältnisse in Galizien kennt, klar, daß solche- Fragen in ihrem gegenwärtigen anfänglichen Stadium nicht gut vor einer größeren Öffentlichkeit diskutiert werden können und auch bei keiner anderen Korporation diskutiert zu werden pflegen. Leider wollte man dies in gewissen Kreisen nicht einsehen. Es fanden Üch bald phanrasiereiche Leute, die die merkwürdigsten Dinge von den „geheimen Beratungen der Wunderrabbis" in die Welt zu setzen wußten, und, was weit trauriger ist, es' fanden sich auch politische Zeitungen, die diese Wundermärchen gläubig Hinnahmen und weiter verbreiteten. In Frankfurt a. M. sprach in einer gut besuchten Versammlung des „Zentralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" der Syndikus des Vereines, Dr. Holländer-Berlin, über den wirtschaftlichen Antisemitismus und die Reichstagswahl. Es sei im höchsten Maße Unheil gestiftet worden, das auch bei einer Niederlage des antisemitischen Kandidaten, vielfach noch nachwirke. Außer den eigentlichen Antisemiten haben sich die Konservativen, der Bund der Landwirte und in vielen Fällen das Zentrum antisemitischer Agitation schuldig gemacht, also die Parteien des schwarz-blauen Blocks. Der Redner erzählte Beispiele der antisemitischen Agitation von Schlochau- Flatow, wo die Juden beschimpft, bedroht und boykottiert wurden, so daß sie sogar gezwungen waren, abends ihre Häuser zu verrammeln. Zum Antisemitismus in der Industrie erklärt der Redner: bei Krupp, Stinnes und Tyssen in der. rheinisch-westfälischen Industrie sei alles „judenreiu", den jüdischen Chemikern sei es säst unmöglich gemacht, eine Anstellung zu finden, das Studium des Schiffsbaues könne ein Jude gar nicht mehr wählen. Eine Reihe von Großbanken sei bei Neuanstellungen von Juden in letzter Zeit sehr vorsichtig vorgegangen. Ueber den Antisemitismus „von unten auf" führte der Redner aus: Angehörige des deutschnationaleu Handlungsgehilfenverbandes seien bestrebt, jüdische Gehilfen sogar aus jüdischen Geschäften zu der-, drängen. Der Zentralverein habe in zielbewußter Weise den Antisemitismus in jeder- Art bekämpft. Kein Jude solle in einem Wahrheit.- Nr. 14. Geschäft kaufen, das .pritt^spsell „nur ^christliches-, Personal." . dnstelle/'' über . ‘üor - befliß ^örrembuiidie /'Ser ,5/guablijeii Fräst/ jüdischest' Glaubens einen Kni^ mache. Der/Redner' behanstelfe dann Ms Thema:,eru«§■';11uö iiö;e11:5Die S9{ie tausender deutscher Inden , wenden sich, sö/ sagte er./ fetzt iiach Frankfurt. Sie hoffen, es möge/ verhütet /werden/- daß' mit jüdischem Gelbe eilte; Universität'errichtet werde, wenn dort/ möglicherweise' nicht einmal eine./jüdische' Neinemächefrän /ängestellt"werde. (Lebhafte Zustimmung.) Der Vorsitzende, Dr.' Nled./Mailizer, wies, Mch besonders auf den. schweren Stand .der jüdischen Kansiente' /llnd Gewerbetreibenden ans/ dem' flachen Laiide Hin, die vielfach in bitterer Armut leben. * ‘ * , - Die italienischen Blätter publizierten, vor kurzem ein amtliches Komnmniqne, ans welchem hervorgeht, daß die Regierung ans Vorschlag der Direktion für zivile Augelgenheiten in Tripolis ein Dekret, erlassen hat, durch welches Me Ueberwachuug und Kontrolle der jüdischen Gemeinde in Tripolis den zivilen Behörden überantwortet wird. Laut diesem Dekret bleibt der jüdischen Gemeinde nach wie vor in zivilrechtlichen Angelegenheiten sowie in religiösen Fragen, welche zwischen Mitgliedern der Gemeinde austanchen, das Recht, das Richterämt zu üben. Die jüdische Gemeinde wählt selbständig den Vorstand aus ihrer Milte, während der Vorstand den Grand Rabbin und die Mitglieder des Beth-Din wählt. Das Rabbinerkollegium wird verpflichtet, vor Antritt des Amtes den Eid der Treue zu den italienischen Gesetzen und ihren Einrichtungen zu leisten. Die italienischen Blätter heben besonders hervor, daß die Unterstellung der Jndengemeinde unter die Aufsicht der zivilen Behörden ein besonderes, allerdings wohlverdientes Zeichen des Vertrauens zn den Inden in Tripolis bedeute. Vor einigen Tagen wurde in Rom im Jnsiilnto Pvntificio die neue Lehrkanzel für das Skndinm der hebräischen Bibel und der rabbinischen Literatur feierlich eröffnet. Diesem Lehrstuhl ist eine Mnsterbiblivthek und ein Museum angegliedert, welche wertvolle Werke und Antiquitäten betreffend die ältere Geschichte und Literatur der Inden .enthält. Die Lehrkanzel für die hebräische Bibel und die rabbinische Literatur ist dem deutschen Jesuitenpater Fonck, dem Verfasser einer vielbeachteten Studie über die Flora in der Bibel, anvertraut. Den Jnaugurationsvortrag hielt Professor Pater Lamens, ein französischer Jesuit, über den Islam, mit besonderer Berücksichtigung der hebräischen, biblischen und rabbinischen Elemente im Islam. Professor Lamens zeigte sich in seinem Vortrage außerordentlich vertraut mit der einschlägigen hebräischen Literatur. Besonders viel bemerkt wurde es, daß er in seinem Vortrage nicht nur christliche, sondern auch die bedeutendenjüdischen Autoren ans diesem Gebiete zitierte. Das Rektorat des Jnstitnto Poutificio beabsichtigt, die Vorlesungen dieser Anstalt, sowie, ihr Mnseeum und ihre Bibliothek auch Studierenden nichtchristlicher Konfession zugänglich zu machen. * * *. Dieser Tage hat die Enthüllung des Denkmales stattgefundeu. das die jüdische Bevölkerung des Londoner Ostend dem Gedächtnis Eduards VII. errichtet hat. Das Geld war halbpennyweise von der armen jüdischen Bevölkerung des Londöner Ostend aufgebracht worden. Das Monument wurde, von Baron Charles Rothschild der Stadt übergeben. Das Denkmal..ist.eine Arbeit des Bildhauers W. S./Frith. und hat die Förm' einest Trinkbrnnnens.' Es ist von einer B.ronzegestalt des Friedens' bekrönt' an den Seiten tauchen die Gestalten der Freiheit und der Gerechtigkeit ans. In der Mitte ist ein Reliefporträt des Königs angebracht und darunter befindet sich die Widmung: „In dankbarer Erinnerung an Eduard VH.,, errichtet von den jüdischen /Bewohnern Ost-Londons 1911". Den Platz für., den Brqmstn hat/ der Gemeiuderat von . Stepney znrVerfügnng 'gestellt./ /.' ,/.,-.,//././//./Z/./^"/"'/" " 7//•■'. V/;//'' ■ . ■’ /v•’r-"" •; . . * ,;• ■ Wie dem ..Berliner. Tagbl." berichtet wird, hat der von vielen hervorragenden Persönlichkeiten aller Richtungen, unter-., zeichnete Protest gegen die Beschuldigungen des Ritualmördes,