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Die Wahrheit · 1912-04-12 · Heft 14 (12.4.1912) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 14 (12.4.1912)
Date
1912-04-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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m ' iO] -.E ■ . ü ' :D{ -■: ib ■ @ febaftton iiiib Ndminisiration: Wien. 11,, Nvvaragasse 27 ^«Irphou: Redaktion 55V9/I.V. s!"N «dminisrralioil 4938 II. K. k. üsterr. Voslivarkaffa. Scvtck-Koilio Ar. 100.918. Jul ernte: ' Dir viermal geivätteu- -)No»pareil!e-Zeiie 2b Heller. lÄldoniieiiiciilS- und JusertioilS- »betrüge 6nd iu Wien zahlbar ■* , - . ii»d klagbar. Möhängige Zeitschrift für ^.»»ziavri,, H»lfti>id>i,, Erscheint jeden Kreitag. Motto: „Uns .Siegel (Lottes ist, Wahrheit,!' jViir Aiislaild: lUiiiMltlßviil.H M.iek t> oder lt> Are». ■ '■Vr}: Kr. 14. Wien. 12 April Inhalt: Ans der Woche. — Die Brünner Handelskammerwahlen und die Inden. — Der Wille der Gotresflüchtigen. — Das Erziehnngswesen bei \ den deutichen Juden in der vormendelssohn'schen Epoche.— Israels unbesiegbare Lebenskraft.— Ans dem Oesterr.-ungar. Kanroren-Berein. — Verschiedene Nachrichten. Abonnements-Einladung. Die geetjrten Kerren Aöonnenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements für das am 1. April 1912 begonnene 2. Huartal ersucht, damit die regelmäßige Expedition des Mattes keine Htntervrechnng erleide. Abonnements-Bedingungen: Kanzjährig Kr. 14.— Kalvjährig Kr. 7.—, Wierteljährig Kr. 3.5V. K. l. Poftsparkasfen-Konto 100.918. ="=■— Probenummern gratis zur Verfügung. Aus der Woche. Die hochherzige Millionenstiftung des Herrn David Ritter von G n t m a n n hat in kurzer Zeit erfreuliche Nachahmung gefunden, indem ein anfangs dieser Woche verstorbener edler Wohltäter sein gesamtes Vermögen der Wiener Kultnsgemeinde zur Errichtung eines Kinderspitales hinterlassen hat. Der Fall ist ein so bemerkenswerter, als der Heimgegangene in der bescheidensten Weise seinen Haushalt führte, um dem von ihm geplanten wohltätigen Zwecke nur ein möglichst hohes Kapital zuwendeu.zu können: Ueber den Stifter und die Stiftung wird folgendes-«utgeteilt: Anfangs der Woche ist hier im Rothschildspitale der Private Herr Josef S p i tz b e r g e r im 87. Lebensjahre gestorben, der sein ganzes Vermögen im Betrage von ungefähr zweieinhalb Millionen Kronen testamentarisch der Wiener israelitischen Kultnsgemeinde vermacht hat, mit der Bestimmung, dasselbe zur Errichtung eines für Arme unentgeltlichen Kinderspitals zn verwenden. Das Testament besagt aber ausdrücklich, daß in diesem Spitale nicht'nur Kinder israelitischer Konfession, sondern auch Kinder anderer Konfessionen Aufnahme finden sollen. Der Betrieb des Spitals, sowie die Ernennung der Aerzte, der Beamten und Bediensteten soll einem von der Kultusgemeinde zu bestellenden Kuratorium unterstehen. Der Erblasser hat. einer Anzahl Verwandter Renten ansgesetzt. Das Kapital fällt aber nach Ableben dieser Legatare wieder an die als Universalerbin eingesetzte Spitalsstiftung. Als Testameutsexekntor fungiert der Wiener Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Albert Seligmantt. Beim Leichenbegängnisse, das über Wunsch des Verstorbenen in aller Stille startsand, hatten sich nur der Testamentsexekutor mit den nächsten Verwandten sowie der Präsident der Kultnsgemeinde Dr. Adolf Stern mit dem ersten Sekretär, kais. Rat Dr. Lieben eingesnnden. Präsident Dr. Stern hielt dem Verstorbenen einen Nachruf, tit dem er ans seine Stiftung hinwies, die umso hochherziger sei, als er unter wahrer Selbstanfopfernng ein äußerst bescheidenes Leben geführt und nicht einmal seinen eigeiren Namen, sondern den seiner geliebten Mutter der Stiftung gegeben hatte. Nachdem Oberrabbiner Dr. Gndemann gesprochen hatte, rollten die Schollen ans den Sarg des Menschenfreundes. Die Bestimmung des Erblassers, daß in dem zu errichtenden Kinderspitale auch andersgläubige Kinder zur Pflege ausgenommen werden sollen, zeugt von dem hohen Grad allgemeiner Menschlichkeit, der dem Stifter zu eigen war. aber es ist tief zu bedauern, daß in der Gegenwart solcher Edelstein sich nur bei Inden zeigt und daß andersgläubige Wohltäter auf Juden fast niemals Bedacht nehmen. Im Gegenteil. Es ist in den letzten Jyhrzehnten fast Regel geworden, daß jüdische Notleidende von interkonfessionellen Stiftungen ausgeschlossen sind. Vielleicht wird der allgemein erhoffte Umschwung aus politischem Gebiete in Wien auch hier eine Wendung zlrm Besseren bringen und den Menschenrechten, ohne Rücksicht ans Konfession und Nationalität wieder volle Geltung verschaffen! * * * Von unserem Lemberger Korrespondenten tvird uns folgendes mitgeteilt: Die jüngst ans Bulgarien gebrachte Notiz, daß russische Huligans in Küsteudil Juden überfallen und 200 getötet haben sollen, veraulaßte mich, authentische Nachrichten hierüber direkt aus Bulgarien einzuholen, und ich erhielt von meinem mir sehr nahe stehenden und vollkommen verläßlichen Gewährsmann die unzweideutige Antwort, daß so etwas in Bulgarien überhaupt nicht vorgekommen ist. Vielmehr haben zwei jüdische Agitatoren, welche in entgegengesetzter Richtung ihre Agitation betrieben, eine ganz unschädliche Tracht Prügel erhalten. Das ist alles. Seitdem der nunmehrige Zar Ferdinand den Thron einnimmt. haben russische Bravourstückchen in Bulgarien keinen Boden mehr und die Juden leben hier unter ganz normaler! Verhältnissen, wie nicht in manchem europäischen Großstaat. Auch die orthodoxe bulgarische Kirche hat in Sachen der Toleranz vieles vor der russischen, ja selbst vor der mitteleuropäischen römischkatholischen. voraus. Die bulgarische Kirche streckt weder ihre Fangarme aus, noch öffnet sie den Schoß der Alleinseligmachenden,

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