Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 12 (22.3.1912)
- Date
- 1912-03-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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tz-eile 8. Die Wahrheit. 9cr. 12. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle. XX., Othmargasse 46.) Begum der Vorrräge au Wochentagen 1jß Uhr, Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr abends. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. W o ch e n - P r o g r a m in: Samstag, den 23. März 1912, „Konzert." Arrangement: Frau Else Freund-F u n k. Sonntag, 24. Marz. „Subjektive Geschichtsforschung." Rabbiner Dr. I. T a g l i ch r. Montag,25. März. „Das Lied des Ostjuden." Rabbiner Dr. M. Grunwald unter Mitwirkung des Herrn Oberkantor M. B. K a u f m a n n. (Einlaß nur gegen Karten.) Dienstag, 26. März. Oesterreichische Verfassungs-Geschichte (Schluß des Zyklus.) Prof. Dr. Ludwig S-i n g e r. Mittwoch, 27. März. „Die Bedeutung des Handels für den Bolkswohlstand." Oskar Schnabel. Donnerstag, 28. März. „Die Heilwirkung der Sonnenstrahlen." (Mit Lichtbildern.) Dr. Max I e r u f a l e m. Freitag. 29. März. „Bibelvortrag." Lehrer H. Löw-Vogel. SamStag, 30. März. „Schlnßkonzert." Arrangement: Frl. F r e i st ä d t. Wien. Der Ausschuß des Verbandes der israel. Religionslehrer an ' den österr. Mittelschulen hielt am 13. d. Al. unter dem Vorsitze des Ob. mannes Pros. P o l 1 a k eine Sitzung ab, in welcher der Bericht über die Aktion der Angelegenheit der TeuerlmgSznlage für die nichldefinitiven isr. ReligionSlehrcr an den Mittelschulen und nach amtlich eingeholter Information mitgeteilt wurde, daß die Entscheidung, die hoffentlich im günstigen Sinne erfolgen wird, in den nächsten Wochen erfolgen wird. Die von Prof. Gold Hamm er angelegte Sammlung der Normalien, betreffend den Religionsunterricht an den Alittelschiileu ist bereits zur Drucklegung übergeben und wird im Laufe dieses Semesters erscheinen. Wien. Sonntag den 17. d.'M. fand im Bethause des Vereines zur Unterstützung jüdischer Kleingewerberreibeuder, DL, Malzgaffe 1, die feierliche Einweihung eines Seser Thora statt. Als Festgäste waren insbesondere erschienen: Herr Knltusvorstcher S. Brod als Delegierter des Kultusvorstandes, feruer die ehrwürdigen Herren Rabbiner Go Idstein und Schächter, zahlreiche Delegierte von Bethausvereinen sowie Herr Dr. Zipser namens des Vereines der Kolomäer. Nach der Begrüßungsansprache des Obmann-Srellvertreters. Herrn Rudolf Goldstein, wurde die Schlußaussertigung des Sefer Thora unter,zahlreicher Beteiligung der Festgäste vorgenommen. Hierauf trug Herr Oberkantor Mayer Scharr unter Begleitung seines musterhaften Chores Psalmgesänge in herzerhebender Weise vor. Die Festpredigt hielt Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. S. Rubi ii, welcher in geistvoller Ausführung die Bedeutung der Feier würdigte und durch seine Rede den nachhaltigsten Eindruck auf die Zuhörer machte. Auch Herr Kultusvorsteher Brod sprach namens des Knltusvorstandes einige Worte des Dankes und der Anerkennung, welche auch eines gewissen Hinweises auf aktuelle Fragen des Judeulumes nicht entbehrten. Unter Absingung der Bolkshymue wurde diese würdige Feier beendet. Wien. (Jüdisches K i n d e r f e st.) Montag den 25. März 1912, 4 Uhr nachmittags, findet im großen Saale des Hotels Ko'ntinental, H., Taborstraße, eine Festakademie der jüdischen Schuljugend statt. Aufführung des Trauerspieles „Esther" von Racine mit vorhergehender Pantomime und folgendem Jubelchor, außerdem Borrragsakademie und Schülerchor. sowie Schülerorchester. Darsteller sind Volks-, Bürger- und Mittelschüler. Wir gestatten uns, das jüdische Publikum Wiens zu dieser Festakademie zu laden und bitten um geschätztes Wohlwollen für unsere Bemühungen, die Jugend für die Ideale des Judentums zu gewinnen. — Karten sind in der Schnlkanzlei, DL, Malzgaffe 16, und am Tage des Festes, ab 3 Uhr, an der Tageskaffe erhältlich. Das Komitee zur Veranstaltung jüdischer Kinderfeste. Wien. Mittwoch, den 20. d. M. wurde Frau Johanna Mose s, Schwester des bekannten Zivil- und Uuiforuischneiders Rudolf G o l d - stein, zu Grabe getragen. Die Verblichene, welche der Tod im 36. Lebensjahre von schwerem Leiden erlöste, erfreute sich wegen ihrer angeborenen Liebenswürdigkeit in den weitesten Kreisen großer Wertschätzung und kam dies auch in der großen Beteiligung au ihrem Leichenbegäugniffe zum Ausdrucke. Rabbiner Dr. Bach würdigte in ergreifenden Worten die seltenen Tugenden dieses Biederweibes, die bis zum letzten Atemzuge bie, schöne Bestimmung des Weibes, ihre Angehörigen durch aufopfernde Liebe zu beglücken, hingebungsvoll erfüllt hat, und spendete dem schmerzerfüllten Gatten und Sohn lindernden Trost. Vinz. Die Sonntag, den 17. März stattgefundene Hochzeit der Tochter unseres allverehrten Kultus-Vorstehers, Herrn Benedikt S cd w a g er, Fräulein Else Schwager mit Herrn I. U. Dr. Arthur Tauber, Beamter der k. k. Staatsbahnen in Wien, gab neuerdings Zeugnis von der großen Wertschätzung und Beliebtheit, deren sich unser Herr Kultus- Vorsteher ob seines Wirkens mit Recht in den weitesten Kreisen erfreut. Der Tempel war festlich erleuchtet und mit Palmen und Blumen geschmückt und der große Raum, der dem schönen Bilde freieste Entfaltung gestattet, von allen Schichten der Bevölkerung dicht besetzt. Als das Brautpaar und die übrigen Hochzeirsgäste den Einzug in den Tempel nahmen, intonierte die Orgel mit Orchester- und Harfenbegleitung den Brautchor aus „Loheugriu" an. worauf Herr Oberkantor L ö w e n s o b n, stimmlich ausgeznichuer disponiert, mit dem verstärkten Chore das „Miaddir" anstimmre. Die Ansprache des Herrn Rabbiners Moritz Friedman n, welcher dem Brautpaare das Bild der Eltern vor Augen führte und auf die edlen Charaktereigenschaften sowohl des Vaters als auch der Mutter der Braut besonders hinwies, machte sichtlich tiefen Eindruck. Der zur Aufführung gebrachte „Llestsro" von Profeffvr Josef S u l z e r fand allgemeinen Beifall. Dem Traunngsakte wohnte der Gesamivorstand und Deputationen anderer Vereine bei. Nach der Trauung versammelten sich die Hochzeitsgäste im Volksgarteufaal zu einer Tafel, woselbst sich ebenfalls eine Deputation des Kultus-Vorstandes und Frauen-Vereiues mit dem Kultus-Vorsteher Stellvertreter Herrn Dr. H. Schneeweiß au der' Spitze einfand, um ihrem verdienstvollen Vorsteher im Namen des Kultus- Vorstaudes die herzinnigsten Glückwünsche zu übermitteln. Auf die herzliche Ansprache des Herrn Dr. Schneeweiß dankte Herr Vorsteher Schwager sichtlich gerührt und erwiderte, daß er seinen speziellen Dank in einer Vorstandssitzung zum Ausdrucke bringen wolle. Kremsier. Freitag, den 15. d. M. fand im festlich beleuchteten. Saale der Kultusgemeinde Kremsier die erhabene Feier des 40-jährigen Dienstjubiläums unseres so beliebten Oberkantors Richard statt. Zahlreich strömten die Gemeindemitglieder herbei, um auch ihrerseits durch das Erscheinen der Beliebtheit des Jubilars Ausdruck zu geben. Galt es doch, anwesend zu sein, bei der Ueverreichung der von der hohen k. k. Statthalterei verliehenen Auszeichnung. Der Vorsteher, Herr k. k. Hoflieferant Knöpfe l m a ch e r würdigte in einer ebenso schönen, als auch erhebenden Rede die Verdienste des Jubilars, seine Beliebtheit in der Gemeinde,, ob seines prächtigen Gesanges. Unter Dem Beifall der versammelten Gäste dekorierte er den Ausgezeichneten. Hernach hob Seine Ehrwürden Herr Dr. Albert Schweiger in Worten, die den tiefsten Eindruck übten, die Bedeutung dieser Feier, die Auszeichnung des Jubilars hervor. Er erinnerte auch, daß der Jubilar, der noch in völlig ungebrochener Kraft dastehe, gerade heute seinen 60. Geburtstag feiere, im Kreise seiner Kinder und Enkeln, die aus weiter Ferne zu dieser Feier herbeigeeilt waren. Auch feiere der Jubilar das Fest der vierzigjährigen Wiederkehr des Hochzeitstages einer Ehe, in der ihm seine aufopfernde Gattin half,, die wohlgelungenen Kinder, die heute bereits in akademisch graduierter Stellung stehen, herauznzieheu. Mit den Worten „Wenischma kaulemi b’wauau el hakaudesch“ schloß der Festredner. Tief gerührt dankte der Jubilar in schlichten Worten. Die Festgäste gratulierten und wünschten dem Jubilar, in gleicher Kraft und Frische noch lange Jahre zu wirken. In sinniger Weise überreichte der Chor seinem lieben, langjährigen Lehrer zum Zeichen der Liebe und Verehrung einen schönen Blumenstrauß. Berlin. (E i n b r n ch i n e i n e S y n a g o g e.) In der Nacht zum Sonntag den 17. wurde in der Synagoge in der Brunnenstraße im Norden Berlins ein Einbruch verübt. Die Diebe hatten sich in das Gebäude einschließen lasten; fast der gesamte Tempelschatz, Gold- und Silbergeräte im Gesamtwerte von mehr als 8000 Mark, fiel ihnen in dir Hände. ßingesendeL. Löbliche Redaktion! In der letzten Nummer der „Jüdischen Zeitung" wurde in einem Artikel: „D er Sohn eines T e m p e l s ä n g e r s" die wohl meist von antisenntisAer Seite und vom „Deutschen Volksblatt" aufgestellte Behauptung, daß Dr. Sieghards Vater ein „Tempelsänger" in Troppau gewesen sei, wiederholt und mit Bestimmtheit festgestellt. Ich erlaube mir daher, hier ein für allemal zu berichtigen, daß der Vater des Herrn Dr. Sieghard weder „Tempelsänger" noch Kantor, sondern R a bbiner war! Der Vater Sr. Exzellenz des Herrn Dr. Sieghard, Herr Leopold Singer, war vom Jahre 1855 bis zu seinem am 19. März. 1879 erfolgten Tode als Rabbiner und Religionslehrer bei der israel. Kultusgemeinde in Troppau a u g e st e l l t. Als Oberkantor " (oder wie die „I. Z." geschmackvoll sich auszudrücken beliebt, als „Tempelsänger") wirkte neben ihm der berühmte Sulzer-Schüler I. B l u m. Max S i n g e r m a n n Oberkantor der israel. Kultusgemeinde Troppau. 5Km März 1912. Es tut uns ja leid, durch diese Richtigstellung die „Jüd. Zeitung"' um eine sensationelle Leitartikelüberschrift gebracht zu haben, denn „der Sohn eines Rabbiners" hat in diesem Falle ja die Wirkung nicht — vielleicht ginge es mit: „Der Sohn eines Tempelredners?" — Aber wir mußten doch der Wahrheit gemäß einmal die Sache richtigstellen. Wäre doch nur der Artikelschreiber der „I. Z." statt dem „Deutschen Volksblatt", von dem der „Tempelsänger" stammt, lieber der Wahrheit näher getreten, so hätte er gewiß nicht den jüdischen Kantor mit dem „Tempelsänger" verwechseln können. Aber es galt ja. den Stammbaum, die Herkunft des Dr. Sieghard so tief wie möglich zu stellen und da mußte eben der „Tempelsänger" mit dem jüdischen Kantor oder der jüdische Kantor mit dem: Tempelsänger verwechselt werden! „Der Zweck heiligt die Mittel". Ein derartiges Vorgehen einer jüd i sch e n Zeitung^ ist häßlich und wird nicht nur vom gesamten Kantorenstande, sondern von jedem bester denkenden Juden verurteilt werden! AnstrMe ans dem Indenlnm. G e i r i n g e r Giannina, geb. 17. Februar 1886 m Wien. Ditrichgaffe 5.. Hirsch Valerie, Köiitoristin, geb. 30. Juni 1879 in Budapest. Wien, Kaiser Josefstraße 1. W e i n f e l d Fridericke geb. M a m r o t h, geb. 5. November 1864 in Breslau. Wien, Kasernengasse 13. Ehr mann Max, Kaufmann, geb. 19. Oktober 1890 in Wien. Kaiserstraße 76.