Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1912-03-22 · Heft 12 (22.3.1912) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 12 (22.3.1912)
Date
1912-03-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3062972-3063623-3063635--07781-3074894
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4. Die Wahrheit. dh\ 12. Das Zentralkomitee in Paris versendet an die deutschen Komitees der A. I. 11. ein Rundschreiben, in welchem darauf hiugewiefen wird 1) daß das Bestehen eines Landeskomitees gegen die Statuten der Alliance verstößt, 2) daß keinem Lokalkomitee das Recht abgesprochen werden darf, mit der Zentralleitung in Paris zu verkehren, 3) daß kein Komitee über die bei ihm eingehenden Beiträge frei verfügen oder aus eigenem Ermessen aus den bei ihm eingegangenen Mitteln Ausgaben für lokale oder allgemeine Zwecke veranlassen darf, ohne die Zustimmuilg des Zentralkomitees eingeholt zu haben. Andererseits wurde in der in Berlin stattgehabten Generalverfammlnng der Berliner Alliancemitglieder, laut dem von der D. K. G. ansgefandten Berichte oie Gründung eines deutschen Landeskomitees beschlossen und gegen das Zentralkomitee in Paris Stellung genommen. Die Versammlung faßte folgende Resolutionen: 1. Die Generalversammlung bestätigt den Beschluß des .Lokal-Komitees in seiner letzten Sitzung betreffs die Verwendung der in Berlin einlaufenden Beiträge, und beauftragt die zur Bildung des Landes-Komitees eingesetzte Kommission, die Konstituierung des Landes-Komitees möglichst zu beschleunigen. Die Generalversammlung erblickt in der Organisation des Landes- Komitees die einzige Möglichkeit, den deutschen Mitgliedern der Alliance die ihnen nach Zahl und Bedeutung gebührende Einstußnahme auf die Leitung der A. I. U. zu verschaffen. 2. Die Generalversammlung der Berliner Alliancemitglieder nimmt mir Entrüstung davon Keuutuis, daß die Pariser Leitung der Alliance bei ihrem letzten Kooptationsvorschlag den um unsere Sache wie um das Judentum seit vielen Jahren so hochverdienten Herrn Rabbiner Dr. Werner nicht zur Kooptation vorgeschlagen hat und so von der Mitarbeit ailszuscheiden versucht. Die Generalversammlung sieht in der nach Beseitigung des Wahlrechts versuchten Ausscheidung des Herrn Dr. Werner die Absicht, sich jede unbequeme Kritik sernzuhalten. Sie spricht Herrn Dr. Werner ihr volles Vertrauen und ihren Dank für seine treue Arbeit aus und hofft auf seine eifrige Mitarbeit im Landeskomitee. Ju der anschließenden Sitzung des Lokalkomitees Berlin wurden die bisherigen Vorstandsmitglieder: Justizrat Max Fuchs, Vorsitzender. Rabbiner Dr. Weise, stellvertretender j Vorsitzender, und Heinrich Frankel als Kontrolleur wiedergewählt. Nengewählt wurden: Justizrat D z i a l o s z i n s k y als Schriftführer, Sau.-Rat Dr. Cohn als stellvertretender Schriftführer, Rentier Gideon Hey mann als Schatzmeister, Assessor Dr. Friedemann als stellvertretender Schatzmeister. In Lyon sindet diese Woche der Kongreß der französischen Sozialisten statt. Auf der Tagesordnung steht unter anderem auch die prinzipielle Frage, welche Stellung die französischen Sozialisten zum Antisemitismus zu nehmen haben. Sollen die Sozialisten diese Bewegung bekämpfen oder liegt es in ihrem Interesse, den Antisemitismus zu stärken und ihn nach Möglichkeit zu propagieren? Der Lyoner Sozialistenkongreß wird wohl der erste seinesgleichen sein, auf welchem die Stellungnahme zum Antisemitismus seitens der Sozialisten in so prägnanter Form zur Diskussion gestellt ist. Ju einer der letzten Nummern der „Times" ist eine von Mr. L. Alexander. Präsident des Jewish Board of Deputies, und Mr. Claude G. Dl oute fio re, Präsident der Aglo-Jewish Association, Unterzeichnete Erklärung abgedruckt, in der gegen das Vorgehen der russischen Behörden gegen jüdische Reisende aus England Protest erhoben wird. tt. a. heißt es in dieser Zuschrift: In der Regel werden die Pässe englischer Jtlden, die nach Rußland reisen wollen, überhaupt nicht vidiert, geschieht dies aber dennoch, so werden die Inhaber solcher Pässe in Rußland verschiedenen unerträglichen Beschränkungen unterworfen. Dies alles widerspricht offenkundig den Bestimmungen des englisch-russischen Handelsvertrags vom 12. Januar 1859. Die Unterzeichner der Erklärung beziehen sich auf einen Artikel der „Times" zum amerikanisch-englischen Paßkonflikt, in dem gesägt wurde, diese Streitfrage „berühre glücklicherweise England nicht". Demgegenüber wird in der Protesterklärung nachdrücklich hervorgehoben, daß die Angelegenheit allerdings unglücklicherweise auch England berühre. Die Art. wie die russische Regierung mit englischen Staatsbürgern jüdischen Bekenntnisses umznspringen wage, sei eine Herausforderung Englands. „Darum sind wir der Meinung, daß die Regierung Sr. Majestät verpflichtet ist, uns aus diesem Zustand der Rechtlosigkeit zu befreien." — Die Erklärung wird in politischen Kreisen lebhaft besprochen und hat auch in Rußland Eindruck gemacht. Dies kann man am besten aus einem Hetzartikel der „Nowoje Wremja" ersehen, der sich mit Bezugnahme auf diese Kundgebung der englischen Inden in wüsten Schimpfereien gegen das „internationale Judentum" ergeht, welches in die souveränen Rechte des russischcu Staates eingreife. Die einzige Antwort, die Rußland darauf geben könne, führt das vornehme Patriotenblatt ans, sei eine allgemeine ausnahmslose Grenzsperre gegen alle Juden.... 4- * -r- Eines der verbreitetsten Blätter Portugals, „O Seculo", schreibt zu dem Ansiedlungsplane von Juden in portugiesisch Westafrika: „Die erste europäische Kolonie in St. Thome wurde von Juden gegründet, welche aus Portugal vertrieben wurden. Bald darauf wurde die Insel ein wahres Paradies. Heute zweifelt niemand mehr daran, daß die wirtschaftliche und kulturelle Dekadenz Portugals mit dem Jahre beginnt, in welchem die Juden von dort vertrieben wurden. Holland ist durch die Einwanderung von aus Portugal vertriebenen Inden reich geworden und rühmt sich heilte mit Stolz, daß es damals den jüdischen Flüchtlingen ein Asyl gewährt habe und dadurch der Kultur einen Spinoza und andere jüdische Größen, denen die Welt so viel zu danken hat, gerettet habe. Was könnten wir nun jetzt Besseres tun. als die russisch jüdischen Emigranten, die in ihrer Heimat rechtlos sind und deren fruchtbare Arbeit in ihren neuen Heimatsländern, wie in Palästina, Nordamerika und Brasilien weltbekannt ist, zu uns zu rufen. Die statistischen Ziffern über die jüdischen Kolonien in Palästina, Amerika, Argentinien'und Brasilien sind beweise der großen Fähigkeiten der jüdischen Rasse, welche wir jetzt in Angola bodenständig machen möchten. Um unsere Macht in Angola zu stärken, ist es gleichfalls notwendig, es dltrch russische Juden zu kolonisieren und den Strom dieser Emigranten, welche jetzt andere Einwanderungsländer bereichern, zu Ttf'S zu lenken. Um aber dies zu erreichen, müssen wir diesen Änivauderern alle jene Rechte einräumen, die wir unseren Emigranten in den Kolonialgebieten zngesichert haben." Die Kedentnng der Inden führ die S menschliche Kultur. Bon Dr. Kahan, Znaim. (Schluß.) Und doch haben gerade die zivilisiertesten Völker ihr Gepräge vom jüdischen Geiste bekommen. Der Jude D i s r a e l i hat die englische Königin Viktoria zur Kaiserin von Indien gemacht. Die mächtige konservative Partei in Preußen zehrt noch hente von dem Geiste ihres Gründers, des Inden Fr. Stahl. Der erste Reichstags- und Reichsgerichtspräsident des neu gegründeten deutschen Reiches war der Jude Eduard Simson und die Sozialdemokratie, die mächtigste Partei der Welt, ist von den Inden Karl Marx und Ferd. Lassalle gegründet worden. Ja, die ganze Beschaffenheit des modernen Wirtschaftslebens ist nach den gründlichen Forschungen Werner Sombarts ein Werk der Juden. Und zlvar begann der maßgebende wirtschaftliche Einfluß der Juden schon nachweisbar im 16. Jahrhundert. Als im Jahre 1550 der Senat von Venedig beschloß, die Marranen auszuweisen, erklärten die christlichen Kanfleute der Stadt: Das würde ihren Ruin bedeuten, dann könnten sie selber gleich mit auswandern, denn sie lebten vom dem Handel mit den Juden. — Um das 1677 lautet ein Urteil über die Bedeutung der Inden für das Languedoc: „Ohne sie würde der Handel von Bordeaux ltnb der Provinz unfehlbar zugrunde

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.