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Die Wahrheit · 1912-03-15 · Heft 11 (15.3.1912) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 11 (15.3.1912)
Date
1912-03-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. . Die Wahrheit. Nr. 11. 1. 2, rr — nrr Lerne die V ernu n f t entwickeln, bilde deinen Geist! Ohne diesen Geist gleicht der Mensch in seiner Herrlichkeit dem Vieh, eine Sentenz,' die der Pfalmist beredt genug in Pf. 49 zum Ausdruck bringt. Was ist der erste Schulgedanke, der Gedanke, daß Eltern ihre Kinder einem Lehrer znführen, der sie mit den sichtbaren Zeichen des geistigen Lebens, d. i. die Schrift, bekannt macht, anderes als die Lehre, die aus Alef Bet, den ersten zwei Buchstaben hervorgeht!? ^Alet Bina“ Lern e, bilde deinen Geist, deine Vernunft! 2. >12 Gutes tue dem Armen! Bilde dein Herz! Hand in Hand mit der Schulung des Geistes muß in der Erziehung des Menschen die Zucht d e s G emüts gehen. Vom Herzen geht das Leben ans. Daher vor allem, hüte das Herz, zügelt die Triebe, dämmet ein die Selbstsucht. öffnet die Herzen der Milde, Güte, Barmherzigkeit, dem Wohltun. 3. b .2? ,2 ,n ,*,n — Von w e m lernt dies der Mensch? Wo beginnt die Bildung von Geist und Herz? Mit dem Augenblick, wo er das Wort Gott aus seine Lippen bringt, da erwacht das Streben nach Hohem, nach Vervollkommnung. Gott ist das Urbild, nach dem sein Abbild und Ebenbild sich bildet, fortbildet. durchbitdet, ausbilbet. (Gen. 6.) Daher ,i,n erkenne Gott! Was sein Wesen, kannst du nie wissen, aber seinen Name u, das, was die Grundbedingung alles Seins ist - .7.77 - ruf an, bete au und erfasse den Gottesgedanken nach der Urschrist des reinen M o n o t h e i s m u s. (Ex. 3, 14, 33, 19—21). Dies offenbart im Namen des Ewigen die Vorsehung in ihrer grenzenlosen Allliebe p — er ernährt und v e r sorgt alles, 73777 er begnadigt, gibt ohne Menschenverdienst aus reiner Gnade, was gut ist, 2'toä er tut Gutes und spornt zum Guten an, damit es dir wohlergehe auf Erden, VT' er vererbt das Gute über 1000 Geschlechter hienieden (Ex. 20. 6) *277 nbirb nns nrro er reicht die Krone der Unsterblichkeit im ewigen Leben. 4. ,f .2 ,o ,ta — Zu dieser Erkenntnis Gottes gehört St ud i um und Charakter. Studium seines Wortes — -löKö und charaktervolle Persönlichkeit, Treue, Gläubigkeit: Emuna in allen Lebenslagen. Dringe ein in sein geoffenbartes Wort, aber grüble nicht über das, was der Mensch infolge seiner irdischen Natur und Beschränktheit nie erfassen kann. Der mnä nrrrrv das Geoffen barte ist für uns; ottib das Verborgene, Unerforschliche sei dem Unsaßbaren anheimgegeben, wie dies im Deut. 51, 28 betont worden ist. O s fen siehl das eine hebr. Nein 2. g e sch l o s se n von allen Seiten das andere 2, um dies anzudeuten. Forschungen über Las Supranaturalistische, über Vorwelt und Nachwelt, über das Transzendentale, über die Beschaffenheit des Jenseits, das Was der göttlichen Substanz, das Wesen über- und unterirdischer Kräfte oder Geister, die Mystik, alles Geheimnisvolle, beeinträchtigen die Aufnahme der vernünftigen Lebensgesetze und der Normen zur Regelung der humanen Lebensführung, wie sie das geoffenbarte Wort Gottes für Geist und Herz und Willen des vernunftgemäß aufstrebenden, ttach möglicher Vollkommenheit ringenden Menschen vorfchreibt. Aber die Theorie ist nicht die Hauptsache, sondern sie will in die Praxis nmgesetzt werden und ethische Persönlichkeiten, C h a r a k t.e r e schaffen, den Zuverlässigen. Vertrauenswürdigen, Getreuen Neeman, jvw heranbilden. Das besagt der folgende Buchstabe Nrrn, der in der äußeren Gestalt das eine Mal eine Biegung oder Einbiegung, das andere Mal (am Ende) eine gerade Aufgerichtetheit zeigt und damit die ethische Persönlichkeit des Getreuen veranschaulicht. Er ist demütig, beugt sein Haupt in Bescheidenheit, wie die volle Kornähre aus dem Saatfelde, auch wenn der Hohn der Hochmütigen und der sich emporrankenden, blähenden, eitlen Hoffart, die dem aufrechten, leeren Halme gleicht, ihm gar arg znsetzt, ihn drückt und noch tiefer beugt. Die Treue erhebt und nährt das Bewußtsein, den Allerhöchsten zum Verbündeten zu haben, dies Gottesvertrauen stählt die Kraft im Unglück und Kampf ums Dasein und stellt die Siegesgewißheit in Aussicht, so daß, wie das Ende-Run — J — aus dem bescheidenen am Ende ein in seiner Konsequenz, seinen Irenen Beharrlichkeit in allen traurigen wie freudigen Lebenslagen, aufrecht stehender, gesitteter, vornehnn sittlicher Charakter sich entfaltet. 5. ,r,o- Die Tiefe des sittlichen Charakters würde aber zu sehr die Persönlichkeit n a ch I n n e n ziehen und für die äußere Erscheinnngswelt wenig nützen, wenn sie nicht ein „Samech Ajin,“ eine „Un t erstützun g für das sehende Auge" in Werken nach,außen hin suchte und fände: Dieses pp qöD ist dasselbe, was die Talmndisten durch ihre Konjunktur zu ,p ,d beabsichtigen: nmnV nas 2'32'v Zeichen mache n sichtbare Stütz e n, um die Lehre dir zum Eigentum zu machen. Der Charakter bildet sich im Strom der Welt, dort wo im Raum hart die Sachen, aber auch die Menschen auf einander stoßen und einstürmen, bedarf es sichtbarer Behälter der Ideen, bedarf es der Taten lind Werke, die die Gedanken zu Fleisch und Blnt nmgestalten. Mit der bloßen Idee des Wohltnns wäre dem Hungrigen und Durstenden nicht geholfen, ohne Aenßernng durch die Handlung der werktätigen Milde müßten die Aermsten in ihrer Not sterben und verderben. Religion und Ethik ist nicht nur ein Wissen von hohen Gedanken, eine Aufnahme der Prinzipien von Gott und Menschentum zur Bildung der eigenen Persönlichkeit, sondern auch zur h u 111 ane n Beei n s l u s s u n g der a n d e r n, denen die Persönlichkeit Einzelner vorbildlich werde. Zu diesem Behnfe sind s i ch t b a r e Z e i ch e n von Religion und Moral unerläßlich, die immer wieder zu üben sind, dermaßen, daß man das Erbe immer wieder erwerbe. Auch hier gilt: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!" Zum Besitze müssen die Ideen werden, durch Selbsttat und Selbstbetätigung nach Außen. Das ist praktische Religion, die w i l l e u s b e f re iend wirkt so. daß der sittliche Charakter nicht außer Hebung gelange, sich nunmehr erprobe und erhärte, und daß er Schule mache und Andere lehre, sittliche Charaktere zu werden. 6. ,*\ ,a - Lehren durch die Tat und das vorbildliche Beispiel ist die praktische „Stütze des Auges" — „Samech . ajin“ — durch das Auge dringts ins Herz und' vom Herzen dringts ins Leben der Tat ein. Aber außer dieser Au gen stütze durch Vorbild und Tat, bedarf es auch noch' der Hilfe des Mund es 77s — Peli —^ Oes sn e den Mund zur Belehrung der Welt! Die Sprache ist der goldene Schlüssel, der die Schatzkammer der Wissenschaft öffnet und auch die verschlossenen Pforten der Herzen und Geister der Jugend, und der alles erschließt zur Aufnahme der Schätze, deren Besitz kostbarer denn Gold und Edelstein. Zu dem Bibelsatze „der Mensch ward zum beseelten Wesen" hat die aramäische Paraphrase erläuternd hinzngefügt: zum redenden Geiste mit Recht, denn in der Sprache liegt der Unterschied zwischen dem beseelten Wesen des Tieres und dem — .Tn 202 — beseelten Wesen des Menschen. Um dieser Seele willen, die die Gottheit aus sich selbst dem Erdenstaube eingehaucht, war am Anfänge das „Wort," dem alles Werden folgte. Daher weiche nicht das Wort dieser Lehre aus deinem Munde, du sollst darin forschen Tag und Nacht, denn nur dann kannst du glücklich sein! (Jos. 1) Die menschliche Charakterbildung bedarf des himmlischen Regulativs, das sie lenkt, leitet, ihr die Direktive gibt in den viel verschlungenen Labyrinten der Geschichte und Geschicke, daher die Worte (Jesaj.) Dies ist mein Bund mit ihnen : Mein Geist, der über dir ist und meine Worte, die ich dir in den Mund gelegt, sollen nie weichen .a ns de m M n n d e deiner Kinde r 1111 d Kindeskinde r bis in E w i g k e rt, d. i. die conditio sine qua non des Messianischen Zeitalters der Gewißheit, daß nach Zion der Erlöser kommt. Tue daher den Mund auf, um unaufhörlich einzuschärfen deinem Kinde, wenn du sitzest in deinem Hanse und gehest auf dem Wege, wenn du dich niederlegst und wieder aufstehst! , (Fortsetzung folgt.)

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