Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 11 (15.3.1912)
- Date
- 1912-03-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 11. Die Wahrheit Seite 5. Nordamerika und. Brasilien? Der Jude "fft tätig, ihm widersteht derjenige Gewinn, der moralisch verderbt. Seinenergischer lind stolzer Charakter veranlaßt ihn, Almosen als unwürdig dessen zurückzuweisen, der sein Leben durch seine eigene Tätigkeit zu gewinnen vermag." Wie aus Petersburg berichtet wird, scheint im Kiewer Ritnalmordprozeß für den Angeklagten Beilis eine günstige Wendung einzütreten. Vielleicht wird die Anklage gegen ihn ganz fallen gelassen, zum mindesten aber eine neue, ergänzende Untersuchung angeordnet werden. * 4- Eine Gruppe jüdischer Frauen aus dem Podolier Gouvernement hat, wie aus Petersburg berichtet wird, an die Reichsdnma eine Petition gerichtet, in welcher sie die Annullierung zweier Bestimmungen, betreffend die jüdische Ehescheidung, verlangt. Die jüdischen Franen verlangen: 1. Es sei in Zukunft verboten, den Scheidebries der Frau durch einen Bevollmächtigten zuzüschicken, und 2. sei auch die Bestimmung auszuheben, wonach ein Mann, dessen Frau geisteskrank geworden ist, auf Grund eines Dispenses seitens hundert Rabbiner ohne Ehescheidung sich abermals verheiraten kann. Die Petition ist den entsprechenden Kommissionen zngewiesen worden. Die Bedeutung der Inden für die menschliche Knltnr. Von Dr. Kahan, Znaim. Der moderne Mensch ist ein Produkt der Kulturarbeit von Jahrtausenden. Der ungeheure Abstand zwischen einem wilden Naturmenschen und einem modernen Europäer veranschaulicht am besten, was die Kultur für den Menschen bedeutet. — Nun haben in den vielen Jahrtausenden unzählige Völker die Weltbühne betreten und sind wieder von derselben'verschwunden, ohne eine merkliche Spur ihres Daseins zurückgelassen zu haben. Das Weltbild würde unverändert bleiben, wenn sie auch gar nicht gelebt hätten. Andere Völker wiederum haben so gewaltig auf die menschliche Kultur eingewirkt, daß ihre Spuren nicht zu verwischen sind, daß ihre Arbeit noch jetzt die Grundlage unserer Kultur bildet, sodaß man sich sagen muß, die Welt würde ein ganz anderes Bild darbieten, wenn jene Völker nicht gelebt hätten. Welche Stellung nehmen nun wir Juden in dieser Hinsicht ein? Welche Bedeutung haben wir für die menschliche Kultur? Darüber gibt es zwei Meinungen, die einander schroff gegenüberstehen. Unsere Religion sagt uns, daß Gott unserem Stammvater verkündet hat, daß wir, seine Nachkommen, zum Segen für alle Menschen werden sollen, also gewiß eine sehr heilsame Kulturarbeit. Wir selbst danken Gott uuzähligemal dafür, daß er uns znm anserwählten Volk gemacht hat. Unsere Feinde aber, mit denen wir zu allen Zeiten reichlich gesegnet sind, behaupten das gerade Gegenteil. Schon vor mehr als 2000 Jahren hat der biedere Haman seinem König die Ueberzeugnng beigebracht, daß die Juden zu nichts anderem gut sind, als an einem Tage mit Frau und Kind erschlagen zu werden. Und die modernen Antisemiten sind von der Berechtigung und Heilsamkeit einer solchen Maßregel fest überzeugt. Man denke nur au den weisen Mechaniker Schneider und den frommen Russen Pobedonoszew. Jener wollte ans alle Inden ein Schußgeld setzen, während Dieser in seinem frommen Sinn sich mit der Erschlagung eines Drittel der Juden begnügen wollte. Die Sache steht also fest. Die Juden sind ein auserwähltes Volk. Nur sagen die einen, sie sind anserwahlt zum Segen für die Menschen, während die anderen sagen, sie sind dazu auserwählt, um das Mordgelüste der andern zu befriedigen. Wer hat nun recht? Die richtige Antwort kann uns nur die Geschichte geben, indem sie uns sagt, was die Juden für die Knltnr der'Menschen geleistet haben, und zwar im Altertum, Mittelalter und Neuzeit. Was nun das Altertum betrifft, so waren die Juden schon damals ein Kulturvolk ersten Ranges, als noch die meisten jetzt lebenden europäischen Völker in ihren Urwäldern hausten und gemeinsam mit gewissen Vierfüßlern Eicheln fraßen. Das jüdische Land war reich an schönen Städten und Dörfern, die Straßen waren überall gut gepsiegt, wofür schon Moses Sorge trug. Ackerbau und Viehzucht blühten und die alten Juden konnten ihren Ueberfluß den Nachbarn abgeben und auf die Weltmärkte bringen. Sie schufen ein reiches Schrifttum, von dem ein Fr. Nietzsche sagt, daß ihm in der ganzen Weltliteratur nichts an die Seite gestellt werden kann. Sie besaßen allgemeine Volksschulen und eine unparteiische Rechtspflege. Vor dem Gesetze waren alle gleich und jeder besaß die persönliche Freiheit — lauter Errungenschaften, welche die europäischen Völker kaum 100 Jahre besitzen oder gar erst erstreben, wie in Rußland. Eine solche Knltnr mnßle ihre Anziehungskraft auf die Außenwelt ausnben. Tatsächlich sehen wir, daß schon 200 Jahre vor Entstehung des Christentums sich die Heiden massenhaft in die Synagogen drängten, um die Sabbatvorträge anznhören. Ja, die Sabbatseier hat den Heiden so sehr gefallen, daß es nach I o s e p h u s, dem jüdischen Feldherru und Geschichtsschreiber, kein Volk und keine griechische oder barbarische Stadt gab, wo nicht unser Brauch, am siebenten Tage die Arbeit ruhen zu lassen, Eingang gesunden hätte. (Contra Ap. II. 39.) Daß aber Josephus nicht übertrieben hat, bestätigt der berühmte römische Philosoph S e n e c a. der Lehrer des Kaisers Nero. Er tadelt die Juden wegen des Sabbats, durch den sie den siebenten Teil ihres Lebens verlieren, und beklagt sich bitter, daß diese abscheuliche Gewohnheit bereits in allen Ländern angenommen wurde (per omnes iam terras recepta). Die Besiegten haben also den Siegern Gesetze gegeben (victi victoribus leges dederunt.) — so lautet der Stoßseufzer dieses römischen Philosophen! Nun aber ist es nicht nur der Sabbat allein, den die heidnische Welt von den Inden angenommen und dadurch der arbestenden Menschheit unendlichen Segen gebracht hat. Durch das Christentum, das von Juden begründet und verbreitet wurde, sowie durch den Islam, der mit Hilfe von Inden zustande kam, hat die zivilisierte Welt ihre Religion, ihre Moral, ihr ganzes Fühlen und Denken — jüdisch gestaltet. — Ernest Rena n, der berühmte französische Schriftsteller, kein besonderer Freund der Juden, hat eine fünfbändige Geschichte des Volkes Israel geschrieben. Im Vorwort dazu sagt er folgendes: Für einen Philosophen, daß heißt für jeden Geist, der nach dem Ursprung der Dinge zu suchen gewöhnt ist, gibt es eigentlich nur drei Geschichtsperioden von hervorragender Bedeutung in der Vergangenheit des Menschengeschlechtes. Es sind dies die griechische, römische und israelitische Geschichte, deren Vereinigung das bildet, was man die Geschichte der Zivilisation nennen kann, weil die Zivilisation nur das Resultat der abwechselnden Mitarbeit Griechenlands, Judäas und des Römertums ist. Noch entschiedener drückt sich der berühmte protestantische Theologe B. S t a d e in seiner Einleitung zur Geschichte des Volkes Israel aus. „Dieses kleine Völklein (der Juden) hat einen weit größeren Einfluß auf den Verlaus der gesamieti Menschheitsgeschichte gewonnen, als Griechen und Römer; für uns ist es in weit mehr Beziehungen vorbildlich geworden als diese. U' ser heutiges Denken und Fühlen, unser Tun und Treiben wird bei weitem mehr beeinflußt von der Gedanken- und Gefühlswelt, welche Israel erzeugt hat. als von der Roms und Griechenlands. Unsere gesamte heutige Knltnr ist tief durchsättigt mit Richtungen und Trieben israelitscher Herkunft." Der gewaltige Nietzsche gibt diesen Gedanken ans seine Weise mit den Worten wieder: „Die ganze Welt beugt sich vor drei Inden inib einer Jüdin." Die biederen Antisemiten wiederum sagen: „Die Welt ist verjudet!" Nun gibt es viele, die da glauben, daß zwar im Altertum die Juden Großes geleistet und durch die Schöpfung des Christentums und des Islam einen Ungeheuern Einfluß auf die Kultur der Menschheit ansgeübt hätten. Aber seir der Zerstörung ihrer nationalen Selbständigkeit seien sie zu einem Schachervolk herabgesunken, das für die Kultur nichts geleistet hätte. — Diese Meinung konnte aufkommen, weil die christlichen Geschichtsschreiber alles, was die Juden seit dem Bestände des Christentums für