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Die Wahrheit · 1912-03-08 · Heft 10 (8.3.1912) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 10 (8.3.1912)
Date
1912-03-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10 Die Wahrheit Seite T. Salomon Hoffman u und Heinrich G a s s n e r, Kontrollore; <Elkan B a u e r, Wilhelm B a n d l e r. Bernhard P i ck nnd Josef Werner, Berhansverwalter- Samnel A d ler und Bernhard Fischer, Obmann-Stellvertreter im Baukomitee; kaiserl. Rat Adolf Weng er, Kontrollor mtb Simon Wess ely, Buchhalter im Baukomitee; Moritz Furth und Albert Körner, Revisoren im Vereine. Vorstände: Friedrich Allina, Simon Bandle r, Salomon Beck, Adolf Glaser, Ignaz Reiser. Architekt, Moritz Rosenblatt. Jakob Singer, Josef A n t i ch e r l, Salomon E h r e n r e i ch. Sigmund E i - sing er, Friedrich Maier, Simon Reih, Josef Seher und Josef Meininger. Da die zur Bauvollendnng benötigte Summe noch nicht zur Gänze gedeckt ist und da die Bandarbeiten bereits vergeben sind, wird an die wohltätigen nnd Legüterten Glanbensbrnder der neuerliche dringliche Mahnruf gerichtet, zur Errichtung dieser geheiligten Andachtsstätte, die -einerseits mit Rücksicht auf die stetige Zunahme der jüdischen 'Bevölkerung in diesem Bezirkssprengel, andererseits mit Rücksicht auf den nur allzusehr fühlbaren Mangel an geeigneten Bethäusern mit andachtsvollem Gottesdienste ein wahres Bedürfnis geworden ist, ihr Schersteiu beizntragen und für den dankbaren Zweck zu opfern. Die Spenden sind dem Obmanne Herrn Adolf S ch r a m e k, II. Rovaragasse 21, znzuweiseu. Wie». Wir werden um Aufnahme nachfolgender Konstatierung ersucht: Anläßlich einer jüdischen Versammlung im Hotel Guth wurde eine Flugschrift gegen mich verteilt, in welcher der Passus vorkommt, daß .„dem Chaseu Mayer S ch o r r die Uilterzeichuuug der „Kesuba" von dem Vorstände der polnischen Synagoge verboten wurde". Zur Klarlegung des tatsächlichen Sachverhaltes erlaube ich mir zu bemerken, daß infolge eines -Konfliktes zwischen dem Herrn Rabbiner Mayer M a y e r s o h n und mir bei einer Trauung in der Synagoge des Bethauses „Beth Israel" der Vorstand beschlossen hat. zur Vermeidung derartiger Zwischenfälle, tu Zukunft weder der Herr Rabbiner Mayersohn noch ich als Zeugen auf -der „Kesuba" zu füngieren haben. Indem ich Ihnen meinen verbindlichsten Dank für die gütige Aufnahme dieser- Richtigstellung in Ihrem geschätzten Blatte ansspreche, zeichne ich hochachtungsvoll Oberkantor Mayer S ch o r r. Wien. Vor einigen Tagen beging der Seniorchef der Firma Moriz Waizner & Sohn, Herr Kais. Rat Moriz Wäizuer, in aller Stille seinen 80. Geburtstag nnd gleichzeitig das 40jährige Bestandlubiläum seiner Buchdruckerei. In seltener Bescheidenheit ist der geistig und körperlich außerordentlich rüstige Jubilar allen Ehrungen aus dem Wege gegangen und selbst nahestehende Familien- und Freundeskreise mußten, seinem Wunsche entsprechend, darauf verzichten, diesen doppelten Ehrentag in entsprechender Weise zu feiern. Aber trotzdem darf dem wackeren Manne, der sich immer nebst seinem Berufe besonders gern auf humanitärem Gebiete beteiligteund mit einer unüberwindlichen Scheu vor der Oeffentlichkeit nicht nur ändere zu edlen Taten anregte, sondern auch selbst viel Gutes wirkte, der Dank der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten werden. Wien. Knapp vier Tage nach der Konstituierung des Vorstandes des Bethausvereines „Am Volkert" wurde der mit Akklamation wiedergewählte Obmannstellvertreter, Herr Michael G l o g a u, ans dem irdischen Leben abberufen. Das Leichenbegängnis, das Freitag den 1. Mürz, um 11 Uhr vormittags, vom Träuerhause stattfand, gestaltete sich zu einer eiuörucksvollen Trauerkundgebung, durch welche die großen Sympathien, deren sich der Dahingeschiedene in allen Kreisen unseres Bethausvereiues, wie im :2. Bezirke überhaupt, erfreute, zum starken Ausdrucke kamen. Im großen, schwarz drapierten Salon hatten sich unzählige Tranergäste enigefunden. um der tiefbetrübteu Ehegattin persönlich ihr Beileid auszndrücken. Unter den Trauergästen bemerkte man den Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Herrn Dr. Alfred Stern, das Mitglied des Bertreterkollegiums Herrn Dr. Markus Sp itz er, den Kultnsvorsteher Herrn Adolf Schramek als Obmann des Bethausvereines samt allen Vorständen dieses Bethausvereiues, den Knltusvorsteher Herrn Samuel Steiner, die Temvelvorstände Herren Dr. Hermann Löwi und S. A. Wasserv o g l, Oberstabsarzt Herrn Dr. Johann Spitzer, den Kommerzialrat Herrn Leopold Saborsky. den Hof- und. Gerichtsadvokaten Dr. Berthold Tritsch. den kais. Rat Herrn Albert Saborsky. mehrere Vorsteher der Chewra-Kadischa, Amtsleiter Frei st ä d t, viele Abordnungen humanitärer Vereine u. v. a. Jin Trauerhause würdigte der Vereinsrabbiner Herr I. L. A b e l e s in eindrucksvoller Rede die Verdienste und das Wirken des Verstorbenen im Bethausvereine und im Baukomitee nnd ebenso den unersetzlichen Verlust', den der Verein erlitten. Nachdem Oberkantor Morgenstern, assistiert von den ersten Kantoren Jurberger und Matyas und dem verstärkten Chorpersonale, die Trauergesänge angestimmt hatte, wurde der Sorg gehoben und zu dem vor dem Hause bereitstehenden Leichenwagen getragen. Ein großer Kondukt bewegte sich dann zum Zentralfriedhofe. In der Zeremonienbälle sang Oberkantor Morgenstern das „Hazur tomim", worauf Rabbiner Dr. Feuchtwaug feinem Landsmanne einen tiefergreifenden Nachruf hielt. Sodann nahm Herr Kultusvorsteher Adolf Schramek als Präsident des Bethausvereiues von seinem erst vor wenigen Tagen wiedergewählten Obmann-Stellvertreter mit tränenetsti'ckter Stimme innigen Abschied, worauf Herr Prof. Nascher u'tämeiis hüniänitärer Vereine das philautröpische Wirken des Verewigten schilderte. Abernials ertönten Tranergesänge, der Sarg wurde gehoben und zur Familiengruft getragen. Daselbst beleuchtete der Schriftführer des Bethausvereines. Herr Dr. Moritz Kohn, im Namen des Vorstandes die unvergänglichen und unvergeßlichen Verdienste des allzu früh verblichenen Vorstandsmitgliedes und Obmannstellverireters. Sein Andenken sei gesegnet! — In der Sonntag den 3. März 1912 stattgehabten Tcauersitznng des Gn'aincoorstaildes des Bethansvereiiles wurde beschlossen, eine Trauerfeier*für den Verewigten am Sonntag den 10. März 1912, abends 3/4 6 Nhr, im Bereiustemvel, EL., Fugbachgasse 7. abzuhalten. Wien-Floridsdorf. (Chewra-Sude). Ein schönes, erhebendes Fest war es, das die Floridsdorfer Chewra-Kadischa am Montagabend den 4. d. M. im Prachtsaale des Hotels zum goldenen Engel veraitstaltet hatte. Ein distinguiertes Publikum füllte den großen Saal und in weihevoller Weise begrüßte der greise Obmann, Herr Max Neu mann, den Herrn Präsidenten der Kultnsgemeinde Dr. Alfred Stern und alle Anwesenden. Herr Rabbiner Dr. Rose n m a n n hielt eine geistvolle Festrede, in der er besonders die Letstungen des Präsidenten Dr. Alfred Srern in beredten Worten hervorhob und schloß seine vom Publikum mir jubelndem Beifall aufgenommene Ansprache mit einem dreifachen Hoch auf den Präsidenten. Tief gerührt dankte Präsident Dr. Stern für die ihm erwiesene Ehrung und brachte den Kaiser-Toast aus. Ferner svrachen noch Herr Obmann der Bezirkskommission Dr. König über die Chewra-Kadischa, Herr Knltusvorsteher Emanuel G r ü n w a l d ans die Bezirkskommission, Herr Rabbiner Reich auf die Jugend Floridsdorfs und Herr Obmann-Stellvertreter G. Dukes nochmals auf den Präsidenten. Erst nach Mitternacht entfernten sich die Festgäste von dieser im vollsten Siikne des Wortes ansgesprochenen msa b'c rrnra- I. E. — (M egillahvorlesung f ü r die Schuljugend.) Mir Bewilligung des Kultusvorstaudes fand am Purim im Floridsdorfer Tempel eilt Gottesdienst für die Schuljugend statt, bei der ein sicherlich nicht sehr häufig vorkommendes, herrliches Schauspiel sich darbot. In unserer seit fünf Jahren bestehenden Fortbildungsschule für Mittelschüler haben es diese im Hebräischen so weit bringen können, daß einer derselben, Julius Morgenstern. Sohn des hiesigen Bäckermeisters S. Morgenstern, die ganze Megillah aus dem unpunktierten Urtext vorlesen konnte. Zwei Oktavaner, Hans Spitzer und Erwin Deutsch, gaben die Vorsteher ab utld assistierten mit brennenden Fackeln der Vorlesung der Megillah, die nicht länger als 261/» Minuten dauerte. Herr Rabbiner Dr. Rosen mann hielt eine eindrucksvolle Ansprache an die Jngeud, die zahlreich das Gotteshaus füllte. Um die Veranstaltung des Festes hat sich Herr Religionslehrer E i b e n i ch ü tz besondere Verdienste erworben. Oberhollabrunn. Fräulein Grete I e l l i n e k, die Tochter des hiesigen Kantors und Religionslehrers, Herrn Sigmund Jellinek. hat sich mit Herrn Julius Berger ans Wien verlobt. Linz a/D. (C h e w r a Sude B r u d e r m a h l). Nach 50jährigem Bestände der Chewra Kadischa in Linz raffte sich dieselbe endlich auf auch einmal ein Brudermahl zu veranstalten. Beinahe in jeder Generalversammlung wurde zur Veranstaltung eines solchen Brndermahles ein diesbezüglicher Antrag gestellt, welcher aber immer mit der Motivierung abgelehnt wurde, daß hiefür kein reges Interesse und Linz nicht der richtige Boden für solche Beranstaltungen wäre. Das am 26. v. M. von der Chetvra Kadischa in Linz veranstaltete Brudermahl zeigte aber das Gegenteil, deitu eine solch rege Beteiligung (90% von den Mitgliedern) hatte man sich gewiß nicht erhofft und dasselbe gab ein beredtes Zeugnis, daß das religiöse Empfinden in der israel. Kultusgemeinde Linz feste Wurzel gefaßt hat. Es war in der Tat ein herrlicher Anblick, als man am 26. Februar d. I. den Festsaal im Volksgarteu betrat nnd die mit prächtigen Naturblumen und Blattpflanzen geschmückte Festtafel dicht besetzt von illustren Gästen erblickte. Zuerst begrüßte der Präses der Chewra Kadischa Herr Adolf F ü r st in einer herzlichen Ansprache die so zahlreich Erschienenen, insbesondere die Vertretungen der Nachbargemeinden Salzburg und Steyr, Herrn k. k. Rechnungsrar Ludwig P o l l a k (Salzbttrg) und Herr W u r m selb (Steyr) sowie die von auswärts erschienenen Mitglieder der hiesigen israel. Knltnsgemeinde nnd gab seiner Freude Ausdruck. daß dieses Brudermahl unter seiner Aegide zu Staude gekommen sei und wünschte zum Schluffe, daß alle Anwesenden, die sich doch so oft ernsten und traurigen Angelegenheiten widmen müssen, diesmal sich der ungezwungenen Freude und Lust hiugeben mögen. Nach der üblichen M o z e durch Herrtt Oberkautor Löweniohu eröffnete unser allverehrter ehrwürdiger Rabbiner Herr M. F r i e d m a n n den Reigen der Toaste, indem er sein Glas auf das Wohl der Gemeinde und deren Vorstand erhob. Nachher sprach der Präses der Kultusgemeinde Herr Benedikt Schwager einen Toast auf die Mitglieder und Förderer der Chewra Kadischa und der Vizevräses der Kulritsgemeittde Herr Dr. Herntanit Schneeweiß auf die jüdischen Wohltätigkettsvereine und Anstalten. Während des Mahles trug Herr Oberkauror Löweusohu den „S ä n g e r" von Löwe und den Prolog aus „Bajazzo" von Leoncavallo vor und erntete damit rauschenden Beifall. Mit einem selbstverfaßten Mischeberach und Rezitation des Tischgebetes durch Oberkautor Löwensohn mit Verständnis zum Bortrage gebrächt, schloß der offizielle Teil des Brndermahles. Herr k. k.' Rechnungsrat Pollak aus Salzburg toastierte im inoffiziellen Teile auf die Einigkeit der Mitglieder des Vorstandes, Herr Bernhard T a n f s i g, Linz, auf die Förderung des Armenwesens nnd zum Schluffe Herr k. k. Ober-Ingenieur S. Stern auf die Frauen und Herr Adolf P i ck auf unseren ehrwürdigen Herrn Rabbiner. Es war'lange nach Mitternacht, bevor man zum Aufbruche schritt und von allen Seiten hörte man den Ansspruch: So herrlich schön habe ich mir das Brndermahl denn doch nicht vorgestellt nnd es ist nur Schade, daß die Chewra nicht schon in den früheren Jahren eine solche Chewra-Sude veranstaltet hatte.

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