Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 10 (8.3.1912)
- Date
- 1912-03-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Die Wahrheit Nr. 10. heit, Vollkommenheit oder rrm naa mm „die Lehre der Wahrheit" eine der vorhergehenden konforme Deutung des n leicht gefallen wäre. Er will dem Schlußbnchstaben des Alphabets die Schlnßbuchstaben dessen, was als Gottes Siegel gilt, naa, dem "ipw entgegenstellen mii) die Wahrheit u it b ihren Bestaud ins volle Licht stellen. Wie bei keinem früheren hält er sich bei diesen 4 Buchstaben auch in Beziehung auf ihre Gestalt auf und das Schriftzeichen dient mit seiner äußeren Form der Jntuitou des Geistes und der Reflexion auf die herangezogenen Worte und die Gegensätze, die sie zur. Darstellung bringen. In Ansehung des Gegensatzes vom p zum -> wird gefragt: Warum ist n dem p nicht Angewandt? Antwort: Der Allheilge spricht: „Ich kann dem Bösen nicht ins Gesicht schauen." Warum wendet sich die untere Windung des p zum n (gleichsam als wäre, es --selbst, mit einem Bindnngsstrichlein) Antwort: Wenn der Böse in sich geht, knüpfe ich ihm ein Krönlein, das meinem i ZZZ-Zeicheu gleicht. Warum hängt das p mit seinem linken unverbundenen Fuß in der Luft? Damit, so Buße eintritt, der Böse ins Heiligste leicht gelangen könne, denn, wer sich zu verunreinigen kommt, dem wird anfgetan, aber vom Himmel soll dem geholfen werden, der zur Reinigung erscheint". Endlich tritt der Kontrast von v Scliin als npw Lüge zn n Thaw als naa Wahrheit hervor, woran sich folgende Fragen und Antworten anschließen: „Ans welchem Grunde sind die Buchstaben von npv in der alphabetischen Ordnung so nahe gerückt, folgt doch in der Reihe auf p das -i und t» während die von nax weit auseinandergeheu. so daß rr der Anfang, a die Mitte und n den Schluß bilden? Das kommt daher, weil die Lüge gleich bei der Hand ist, sich zu sehr Allen gesellt und leicht sich einstellt, die Wahrheit aber ist seltener zu finden, ihre Verbündeten sind wenige, sie liegen weit zerstreut auseinander. Weshalb haben die Buchstaben von ->pw nur einen Fuß und die von .nax jeder zwei Füße? Weil damit angedentet werden soll, daß Lügen keinen Bestand haben, wohl aber die Wahrheit." , Daß die Weisen des Talmud zu Anfang des 2. christl. Jahrhunderts in einer höchst ernsten, ja traurigen Epoche, über welche sich der blutigrote Himmel der Hadrianischen Märtyrer- Hystorie wölbte, zu leeren Witzspielen, Rebusscherzen und ähnlichem Lust, Muße und Zeit gehabt haben sollten, oder daß sie an den Elementen der heiligen Sprache und Schrift die Schärfe ihres Geistes, ihren Scharfsinn erproben mochten, der sonst nur in den tief einschneidenden Disputationen der Halacha ins Treffen geführt wurde, oder daß sie den seit der Zeit Simon den Schetachs ansgekommen und unter Josua den Gamala obligatorischen Volksschulen mnemonische Handhaben und Stützen durch solche Reflexionen hätten geben mögen, ist schwer zu glauben. Das letztere schon deshalb nicht, weil die geistreichen und phantasievollen, aber verwickelten Auseinandersetzungen eher die Gedächtnisarbeit erschweren mußten, als sie die Aneignung der Kenntnis der Schrjftzeichen oder der an sie geknüpften Wörter und Sentenzen erheischten. Auch der Hinblick auf den Rahmen, in dem unsere Talmudstelle erscheint, uämlicö die Verhandlung über die Wichtigkeit der massoretischen Schrift der Bibel und der Bnndestafelu und den halachischen Gesetzen über das Schreiben am Ruhetag, läßt solche Vermutungen nicht zu. (Fortsetzung solgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. (P u r i nt f c i e r desWieuer S y n a g o g e n s ä u g e r- V e r eine Die Anzeige einer Veranstaltung dieses populären humanilären Vereines hatte ein überaus zahlreiches distinguiertes Publikum in den Festsaal des Hotel Guth am letzten Sonntag gelockt und die künstlerischen Darbietungen übertrafen alle Erwartungen. Nach einer kurzen, gehaltvollen,, auf das Purimfest beznghabenden Änfprache des Obmannes des Vereines, Herrn Salo L e m b e r g e r, folgte ein stimmungsvolles Vräludinm von Herrn Organisten M. Mentzer, worauf Herr Oberkantor Karl Neu mann vom Josefstädter Tempel in mehreren Opernarien die Vorzüge seiner glänzenden Gesangskunst entfaltete und stürmischen Beifall sich holte. Der 15jährige Violinvirtuose B. P a st e r brachte Bruchs Konzert ui Gr-moH zu Gehör und zeigte sich den 'technischen Und musikalischen Schwierigkeiten dieses großen Werkes vollauf gewachsen. Als sodann nach einer humoristischen Jargon-Erzählung des Herrn Kantors Grob der Gesamtchor des Syuagogeusänger-Bereines das Podium betrat und unter Leitnng. des Dirigenten Herrn I. .Parth das äußerst melodiöse und volkstümliche „Schoschanos Jakov" von Weintraub (bearbeitet von I. Parth) mit hinreißendem Schwünge exekutiert hatte, brach ein Sturm von Applaus im Auditorium los, der sich nicht früher legte, bis das Werk wiederholt wurde. Nach den ernsten, mächtigen Akkorden von Beethovens Psalm 90 „Die Himmel rühmen" trat eine kurze Panse ein. Die zweite Abteilung wurde von Herrn Kantor E. K i s ch n e r mit einer russischen Opernarie und einer russischen Romanze (von seiner Gattin Bronka feinfühlig begleitet) wirkungsvoll eingeleitet, wobei seine dunkle, sonore Baßstimme zur besten Geltung kam, worauf Sulzers mächtiges Tonwerk „Halleluja", vom Herrn Dirigenten I. Z e l l n i k mit vollstem künstlerischem Empfinden geleitet, von dem 40 Mann starken Männerchore mit größter, nachhaltigster Wirkung gesungen wurde. Das Kantor-Solo hatte Herr I. R e i ch, Mitglied der k. k. Hofoper, inne und hatte er dabei Gelegenheit, nicht nur seine herrliche, wohlausgeglichene und umfangreiche Baßbaritonstimme vollauf zu entfalten, sondern auch sein tiefstes Verständnis des hebräischen Textes zu zeigen. Stürmischer, minutenlanger Beifall lohnte diese prächtige Leistung. Mit dem in leisestem Pianissima verhallenden „Wiegenlied" von Brahms und der witzigen, poiutenreichen Purim-Rede des Herrn Professors E. Nasch er fand dieses schöne, in allen seinen Teilen wohlgelnngene Fest in den frühen Morgenstunden sein Ende. Das animierte Tanzkränzchen wurde von Herrn Rudolf Heimann arrangiert. Die artistische Leitnng hatte Herr Chordirigent Julius Heim a n n inne. Wien. (B r i g i t t e n a u e r i s r a e l. T e m p e l v e r e i n.) Anläßlich der am 28. Februar 1912 stattgefnndenen Konstituierung des Vorstandes wurde der langjährige, verdienstvolle Obmannstellvertreter, Herr Dr. Ernst R o s e n t h a l zum Obmann, der bisherige Obmann der internen Sektion, Herr Dr. Jakob Roth, dessen eifriges Wirken in seinem bisherigen Ehrenamte allseits Anerkennung fand, zum Obmannstellvertreter berufen. Wien. (Verein jüd. Hochschüler „Nsrrsa academica Jadaica" IX. Pramergasse 31.) Unserem Vereine sind fernere Geldbeträge zugekommen: Geh. Justiz-Rat Dr. A. Bachrach, Dr. Josef Kranz je K 100.—, E. v. Bach. Dr. H. Bruch. Dr. E. Brüch, Dir. Ph. Broch, Dr. D. Bachrach. A. Brecher, L. Brill, E. Czeczowiczka, Caro & Jelliuek, H. Egger, Prof. Dr. S. Ehrmann, Th. Ehrenstein, Dr. I. Ehrlich, Doz. Dr. H. Frey, Adolf Freund, Kais. Rat E. Glaser. I. Gewitsch, Hofrat Prof. Dr. Grünhut, Dr. A. Halpern, Dr. C. Herrmann, Dr. G. Hoze, Dr. M. Kahane, Dr. H. Kosel, Ph. Kolm, Ing. I. Kcemenetzky, Prof. Dr. L. Königstein,. I. Meyer. Doz. Dr. M. Oppenheim, Prof. Dr. l. Pollak, S. Popper, I. Schreiber, C. Wellesz, Kais. Rat I. Weil, M. Sobotka, Doz. Dr. Zappert je K 10.—. Wien. (Jüdische To ynbee-Halle, XX., Othmarg a s s e 46.) Begum der Borträge an Wochentagen' ljß Uhr, Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr abends. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Woche n-Progra m nt: Samstag, den 9. März 1912. „Konzert." Arrangement: Konzertsängerin Frau K e n e d y. . Sonntag, 10. März. „Literarischer Abend." Schriftsteller Heinr. Glücks m a n n. Montag, 11. März. „Ans der ältesten griechischen Knnst und Kultur." H, (Mit Lichtbildern.) Prof. Dr. Emmerich K o h n. Dienstag, 12. März. „Konzert." Arrangement: Frau Regina Stern. ■ Mittwoch, 13. März. „Jüdische Geschichte." (Zyklus.) Prof. Dr K. Kupfer. Donnerstag, 14. März. „Ueber das Zelluloid und einige neuere Ersatzstoffe." (Mit Deinonstrationen.) Prof. Dr. F e i t l e r. Freitag. 15. März. „Bibelvortrag." Herr I. R o s n e r. — Unter Leitung des Musiklehrers, Herrn Heinrich Antsche rl, der als Primgeiger und Pistonsolist bei allen Piecen mitwirkte. fand am vergangenen ersten Purim-Abend eine Konzert-Akademie mit großem abwechslungsreichen Programm statt. Mitwirkende waren: Herr Dr. Julius F l e sch, Meister im Klavierspiel und die Klavierpartnerin Frl. Helene K o h n, die sehr großen Beifall fanden, Frl. Else Gutmann als Koloratursängerin und die Herren des Streichquartetts Neger, N a t t n e r und U r m a n n, die ihr Bestes boten und ebenfalls viel Lob ernteten. Besonders bejubelt wurde Herrn Antscherl's am Piston vorgetragene „Kolnidrs", nach dessen Verklingen dem Künstler ans dem Auditorium ein Lorbeerkranz überreicht wurde. Am Schluffe des genußreichen Abends, dem auch kunstsinnige Ehrengäste beiwohnten, feierte Herr Präses Dr. S a m u e l y Herrn Antscherl, dem Veranstalter seines ersten Toynbeehallen-Konzerts. in äußerst warmen Worten der Anerkennung, in die das große Pnbliknm begeistert einstimmte. Um die musterhafte Ordnung bei dem Massenandrang — wir sahen da lauter beglückte und frohe Mienen — haben sich auch diesmal wieder Herr Bizepräses Karl Freund und Herr Amtsleiter F n ch s g e l b besonders verdient gemacht. Wien. (Israelitisch er B e t h a u s v e r e i u „Am Volkert".) Am 24. Feber 1912 fand die. konstituierende Sitzung'des israelitischen Bethansvereines „Am Volkert" statt. Da die Bauarbeiten für den „Kaiser-Franz-Josef I. Huldignngstempel" bereits begonnen haben und daher bedeutend höhere Aufgaben an die Vorstände herantreten, wurde, - sowie im Vorjahre von der 33-jährigen Gepffogenheit nur einen Obmannstellvertreter zu wählen, wieder Umgang genommen und sowohl im Tempelvereine, als auch im Bankomitee zwei Obmannstellvertreter gewählt. Der Vereinsvorstand wurde. also nachstehend konstituiert: Adolf Schramek, Obmann; Michael G l o g a it und Hermann Ehrenfel d, Obmannstellvertreter im Bethausvereine; Dr. Moritz .Kohn, Schriftführer; Julius Be ck, Schriftführer-Stellvertreter; Joses F i sich e r, Kassier;