Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 10 (8.3.1912)
- Date
- 1912-03-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 10. Die Wahrheit Seite 5. daß die Religionslehrer verpflichtet seien, in Religionsstationen die Schulkinder bis zur Zahl von 79 in einer Abteilung zu vereinigen. Während die katholischen und evangelischen Religionslehrer gar nicht in die Lage kommen, diese Gesetzesbestimmung zu erfüllen, weil der Religionsunterricht ihrer Konfession entweder klassenweise erteilt wird, oder, wie es bei den Protestanten der Fall ist, sich in den Religionsstationen keine derartigen Schülerstäride' ergeben, machte sich beim israelitischen Religionsunterrichte dieses Gesetz in empfindlichster Weise fühlbar. Seitens des Schulerhalters — der Gemeinde Wien — wurde die in Rede stehende Gesetzesbestimmung als eine Begrenzung ihrer Verpflichtungen aufgefaßt, die Tragung der Kosten von Klassenteilungen bei weniger als 79 Schülern verweigert, ja sogar die Vergütung von Beheizungs-, Beleuchtungs¬ und Reinigungskosten begehrt, wenn solche Klassenteilungen auf Kosten der Knltusgemeinde vorgenommen wurden. Es braucht wohl nicht erst betont zu werden, daß die Unterbringung von 79 Kindern in einem mit 50 bis 60 Sitzplätzen ansgestalteten Schulzimmer allen pädagogischen und hygienischen Grundsätzen znwiderlänft. Durch die vom Wiener Gemeinderate jüngst beschlossene Lehrergehaltsregnlierung ergibt sich die Notwendigkeit, das niederösterreichische Landesschnlgesetz zu novellieren. Diesen Anlaß hat der Vorstand der israelitischen Knltusgemeinde wahrgenommen, um dem Landtage im eigenen Namen, im Namen des österreichischen israelitischen Religionslehrerbundes, sowie des Religionslehrervereines „Esra", Petitionen um Abänderung jener Gesetzesbestimmung zu überreichen, mit welcher die Zusammenziehung von 79 Kindern in einer Abteilung für den Religionsunterricht normiert erscheint. Konform dem Anträge des Schnlausschnsses hat nun der Landtag, in gerechter Würdigung der obwaltenden Umstände, in seiner Sitzung vom 1. März d. I. beschlossen, den Landesansschuß zu beauftragen, eine Novelle zum Gesetze vvm 25. Dezember 1904 zu unterbreiten, durch welche eine Herabsetzung der in den Religionsstationen in einer Abteilung zu unterrichtenden Schülerzahl möglich wird. Das vom Abgeordneten Msg. Sch eich er erstattete Referat wies darauf hin, daß es dem Katecheten nicht möglich sei, 79 Kinder in einer Abteilung mit Erfolg zu unterrichten und man daher auch an den israelitischen Religionslehrer eine derartige Anforderung nicht stellen könne. . Der Neferentenantrag wurde ohne Debatte angenommen. Sombart's Uortragsmethode. An falschen Propheten und Messiassen hatte es in früheren Jahrhunderten dem Judentume nicht gemangelt. Wir brauchen nur an Bereue, Abadia Abu Jsa, David All oy. Abraham b. Sam. Abnlasia, Renbeni, Sal. Molcho, Sabbatai Zebi rc. zu erinnern. Diese geborenen Juden waren zumeist verblendete Schwärmer, betrogene Betrüger, die in ihrem Wahne fest daran glaubten, daß ihre Visionen höhere, göttliche Inspirationen seien, daß sie von der Vorsehung erkoren wurden, das jüdische Volk aus dem Golns zu erlösen. Nie aber ist es vorgekommen, daß ein Arier den Juden als „Wahrsager" erschienen wäre und es gewagt hätte, ihnen znzurnfen: „Heosfu Versammelt euch — Karten zu 10 K rc. sind zu haben bei N. N. — ich will euch in einem Vortrage „die Zukunft der Juden" enthüllen." Nur dem zwanzigsten, an ungewöhnlichen Erscheinungen und Ueberraschungen so reichen Jahrhundert war es bes'chieden, mit einem solchen Propheten, und zwar in der Person eines deutschen Professors beglückt zu werden, dem es gelang, in zwei Jahren ein großer Talmudist und ausgezeichneter Kenner des jüdischen Schrifttums zu werden. Die Methode, die er bei seinen Vorträgen gebraucht, zeigt, daß sein zweijähriges Bibel- und Talmudstudinm für ihn nicht ganz fruchtlos geblieben sei, denn man sieht, daß er von Gadi ben.snsi, Amiel b. Gemali, Nachbi b. Wofsi und Konsorten viel gelernt und profitiert hat. Als diese Sendboten von ihrer Palästinareise znrückkehrten, begannen sie in Gegenwart Moses und des Volkes ihre Berichterstattung mit folgenden Worten: „Wir sind gekommen in das Land, in das du uns sandtest, es ist ein vortreffliches Land, das von Milch und Honig fließt, ein herrliches fruchtbares und gesegnetes Land und dieses ist seine Frucht. Aber (ete8) das Volk, welches darin wohnt, ist mächtig, stark und kräftig, Riesengestalten haben wir dort gesehen usw." Hiezu bemerken unsere Weisen: Wenn der Feind anerkannte, verdienstvolle, allgemein geachtete Persönlichkeiten verleumden, verdächtigen und in Schatten setzen will, so beginnt er seine Rede mit der Wahrheit, indem er sagt: Diese oder jene Persönlichkeiten verdienen alle Achtung und Ehre, sie sind Gelehrte, biedere und wackere Männer, haben Großes schon geleistet, aber (ete8) sie haben diese und jene Fehler, Schwächen nsw." Und da man ihm die im Anfänge seiner Rede besonders hervorgehobenen Vorzüge und Tugenden gewisser Leute glaubte, so glaubt man ihm auch das, was er als tadelnswert an jenen gefunden. So haben es eben auch die Sendboten „Aleraglirn" gemacht, sie haben durch solche Angaben das Volk verhetzt und dem großen Lehrer Verlegenheiten bereitet. Ja, diese Sendboten haben Schule gemacht, denn ihre Methode wurde dann später von offenen und verkappten Feinden angewendet, um heillosen Schaden anrichten zu können. Der König David, der bekanntlich von vielen Feinden angegriffen, verleumdet und verdächtigt wurde, hat eben diese hier erwähnte Methode in folgender Weise charakterisiert: ad men ckewodi. Wie lange noch werdet Ihr mit meiner Ehre ein böses Spiel treiben, wie lange noch werdet Ihr meine Vorzüge und Tugenden hervorheben, licklimok, nm mich dann besser schänden und verunglimpfen zu können? Ihr liebet ja nur die Eitelkeit, seid nie ernst zu nehmen, wenn dessen ungeachtet Ihr doch meinen Verdiensten Anerkennung zollt, tewakscku kosow sela, so geschieht es deshalb, damit auch Erbere Lügen, Verleumdungen und Verdächtnngen Glauben finden. Selak. Ja, diese Methode wird von den modernen Weissagern häufig angewendet. Das Traurige bei der Sache ist, daß diese Weltverbesserer noch von jenen, die von ihnen in ein schiefes Licht gesetzt werden, noch kräftigst nntekstützt, brillant honoriert werden. Amitai. Talinndißche Ethik des Alphabets. Von Dr. D. Leimdörfer, Rabbiner und Prediger in Hamburg. (Fortsetzung.) Auch die folgenden 2 Buchstaben Sameck, Ajin j? ,d werden als Initialen gedeutet, zrierst -pao semock anijim, Unterstütze Arme; da aber schon ,i dasselbe besagen folgt eine andere Kombination: rnina ,-itsy arja'D aniK.-upi; Mache d ir sichtbare Zeichen im Studium der Lehre und erwirb sie so als Eigentum! Sodann gelangen die Doppelformen von P. und Z. Pe und Zade vulgo Zadik sja. ps in der Wortbedeutung ihrer Aussprache. Pek-M n n d und Zadik-G e r e ch t e r zur Erklärung: mno mna '2 der M u h d sei offe n und auch geschlossen; wo es erforderlich: rede, wo nicht: schweige! Vergleiche Hillels Altsspruch Berackotk 60: Es gibt eine Zeit, wo die Gotteslehre zu verbreiten, Pflicht ist. und wieder, wo das Schweigen als angebracht erscheint, anv2i spaa p'is So wie der Treue. Gläubige (s. oben) also sei der Gerechte über die Maßen demütig, gebeugten Hauptes schreite er durchs Leben, das fordert Gottes Lehre von ihm, (Rascki). dann hoffe er, daß er am Ende — Ende y — durch seine Demut z>l hohem Ansehen gelange, hochaufgerichtet sein Hanpt erheben werde. Etwas loser und anscheinend in keinem Zllsammenhang finden die letzten 4 Buchstaben des Alphabets: Kupk, Besek, Sckin, Tkaw n ,n ,p ihre Deutung. Die ersten zwei wie die letzten zwei sind Gegensätze zu einander. Dort ist die Heiligkeit der Bosheit gegenübergestellt oder der ..Heilige" vinp dessen Anfangsbuchstabe p, dem dem Bösen — -i Initiale — hier ->pD <D) die Lüge der Wahrheit — narr. Mit Absicht ist diesmal des Wortes Schlußbuchstabe von narr, n gewählt, obgleich dem Talmudforscher ja ein Wort wie nia'an Schlicht-