Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 8 (23.2.1912)
- Date
- 1912-02-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Die Wahrheit Helle 7. cheiten des Volkes beschäftigt war, stellte er an ihn die Frage: „Was ist das für eine Methode, warum bist Du allein den ganzen Tag mit dem Volke beschäftigt?" Moses entgegnete ihm : .„Ki jowan eläi hoom lidrosch Elohim. Ich bin ganz glücklich, daß das Volk mich geradezn bestürmt, ich möge in göttlichen Dingen unterrichten und mnß daher diesen höchst günstigen Moment sorgfältig benützen, um ans dem Gebiete des Religionslinterrichtes recht günstige Resultate erzielen zn können. In -Egypten, wo sie gedrückt und gequält wurden, konnte ich diesbezüglich nichts erzielen; infolge des schweren Druckes, der dort aus ihnen -lastete, waren sie ganz abgestumpft, sie hatten keinen Sinn und kein Verständnis für die Lehren, die ich ihnen erteilen wollte, sie gaben mir überhaupt kein Gehör. Nun jetzt, ivo sie frei aufatmen, verlangen sie von selbst, ohne jeden Zwang, in göttlichen Dingen unterrichtet zu werden." „Das ist alles sehr schön und lobenswert", erwiderte Jetro, „aber wie ich sehe, bist Du doch nicht nur der Lehrer dieses Volkes, sondern auch der Richter desselben und das mnß Dich ermüden. Deine physischen .Kräfte erschöpfen. Befolge den Rat, den ich Dir geben will, und Gott stehe Dir bei. Bleibe Du dem Volke das, wozu Du berufen wurdest. Sei der Lehrer der Religion, der Verkünder des göttlichen Wortes, schärfe ihnen ein die Gesetze und Lehren -der Religion, zeige ihnen die Wege, die sie einzuschlagen und die Pflichten, die sie zn erfüllen haben, um einen gott- und menschengesälligen Lebenswandel führen zu können. Was jedoch die weltlichen Angelegenheiten betrifft, so wähle Dir ans dem ganzen Volle edle, biedere, gotlessnrchtige Männer, Männer von Geist, Herz, Gemüt und Gefühl, übertrage ihnen die Verwaltung der juridischen, politischen und sonstigen weltlichen Angelegenheiten, damit sie Dich entlasten und Du in Rnhe und Frieden Deines religiösen Amtes walten könntest. Nur durch die Trennung der religiösen von der weltlichen Herrschaft kann der Friede -erhalten werden, aibpn 8^ lüipö Sy nn am Sa O2i Moses beherzigte diesen Rat und konnte infolgedessen sehr günstige 'Resultate erzielen. Diese erfolgreiche Methode hatte sich auch Hillel zu eigen -gemacht; er war von der Ueberzeugung durchdrungen, daß es ans dem Gebiete des Religionsunterrichtes keinen Zwang und -keinen Zank, keinen Streit und keine Unzufriedenheit geben darf, jo man eine segeitsreiche Tätigkeit entfalten will. Er tat daher -mit Recht den Ausspruch: ..In einer Zeit, wo die Bekenner des Judentums die Thora Hochhalten und die Förderung des Studiums derselben sehulichst wünschen, sollen die Lehrer der Religion unausgesetzt bestrebt und bemüht sein, diesem allgemeinen Verlangen nachzukommen; in einer Zeit aber, wo die Thora nicht beachtet, das Studium derselben als überstüssiges, zeitraubendes, unnützes Zeug betrachtet wird, da mögen die Lehrer sich zurückzieheu und haushälterisch mit der Erteilung dieses -kostbaren Schatzes umgehen, ihn niemandem aufdrängen, denn erzwingen läßt sich nicht die Liebe zur Thora!" (Berach. 63.) Die Anwendung dieser Methode Hillels dürste selbst in einer Zeit, wo es, besonders in großen Städten, innerhalb -einer Gemeinde eine konservative und eine Fortschrittspartei gibt, nicht wirkungslos bleiben. Seit vielen Dezennien bildet -der israelitische Religionsunterricht unausgesetzt den Gegenstand «der härtesten Angriffe. Die Konservativen klagen, und nicht mit Unrecht, daß im öffentlichen Religionsunterrichte das Studium der Bibel und der hebräischen Sprache vernachlässigt wird, daher dem Judentume, das nur der Kenntnis der Thora seine nnbeifiegbare Lebenskraft zu verdanken hat, Gefahr droht, dem Unter- .gange entgegengeführt zu werden, denn so lange die Kenntnis Der Thora allgemein verbreitet war, konnte man dieTanfesuche leichter und rascher unterdrücken als in der Gegenwart. Die radikalen Fortschrittler hingegen wünschen sehulichst, daß die Hebräische Sprache aus der Schule wie aus dem Gotleshause -eliminiert werde) da es doch nicht angeht, die arme, vielgeplagte und stark überbürdete Jugend mit dem Erlerneu einer „toten" ' Sprache zu quälen. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, wurden, besonders in 'Wien, in den Meisten Bezirken Bibelschulen ins Leben, gerufen, in denen Kinder, deren Eltern auf die Kenntnis der Thora in Der Ursprache Hauptgewicht legen, einen gründlichen Bibelnnterricht genießen sollen. Es war dies wahrhaftig ein glücklicher Gedanke, denn, wie man allgemein hört, werden in diesen Schulen recht günstige Erfolge erzielt. Schreiber dieser Zeilen, der in neuerer Zeit oft Gelegenheit hat. dem Unterrichte in der von dem opferwilligen Talmnd-Thvra-Verein des XV. Bezirkes vor Jahren gegründeten Bibelschule beiznwohnen. hat sich von den schönen Erfolgen, die die dortigen Lehrkräfte erzielen, persönlich überzeugt. Welche musterhafte Disziplin, Ruhe und Ordnung herrscht daselbst. Da gibt es keinen Schulzwang, keine Noten und keine Semestralzeugnisse und dennoch gehen die Kinder mit Eifer, Lust und Liebe au die Arbeit und lauschen mit gespanntester 'Aufmerksamkeit den Worten des von ihnen geliebten und geehrten Lehrers. Obwohl sie nicht mit Aufgaben überbürdet werden, melden sich doch fast die meisten, so oft der Lehrer an einen Schüler eine Frage stellt, zum Worte, was allerdings von pädagogischem Geschick nnd fesselnder Vortragsweise des Lehrers zeugt. Ich bin überzeugt, wenn sämtliche Bibelschnlen durch kräftige Unterstützung erweitert und auch den Schülern der unteren und oberen Klassen der Mittelschulen zugänglich gemacht werden könnten, die sogenannte „Religionsunterrichtsfrage" ans der Welt geschafft werden würde, denn in diesem Falle könnten die berufenen Organe sich leichten Herzens entschließen, den öffentlichen Neligionsunterri'cht zumeist in der Landessprache erteilen zu lassen und das schwere Problem wäre zur Befriedigung der konservativen iure der freksiuuigeu Parteien gelöst. Die Einen hätten keine Ursache, wegen der Unkenntnis der Thora nnd die Anderen wegen der Ueberbürdung mit dem Erlernen der hebräischen Sprache um die Zukrinst des Judentums besorgt zn sein. Fr.‘ Uerlmnd zur Unterstützung armer israel. Wöchnerinnen. Ausweis über die Hilfstätigkeit des Verbandes in der Zeit vom 1. Jänner bis 31. Dezember 1911. Ansuchen wurden eingebracht von 488 Petentinnen, hievon wurden zur Unterstützung bewilligt 463. Die b e w i l l i g t e n U n t e r st ü tz u n g s f ä l l e verteilen s i ch a it f d i e e i n z e l n e u Monate wie folgt: Jänner 37, Februar 45, Marz 41, April 30, Mai 50, Juni 29, Juli 45, Augnst 45, September 26, Oktober 38. November 40, Dezember 37 Petentinnen. Die bewilligten U n t e r st ü tz u n g s f ä l l e verteilen sich auf die einzelnen Bezirke, b e z w. . V e r b a n d s v e r e i n e wie folgt: I. Bezirk (Israel. Frauen-Wohltätigkeitsverein) —; II. Bezirk (Frauen-Berein „Greisinnenfürsorge") 112; II. Bezirk (Franen-Wohltätigkeitsverein „Zuflucht") 72; III. und X. Bezirk (Franen-Wohllätigkeitsverein „Providentia") 22; IV. und V. Bezirk (Israel. Fraueu-Wobltätigkeitsverein für den IV. und V. Bezirk) 6; VI. und VII. Bezirk (Israel. Frauen-Wohltätigkeitsverein für den VI. und VII. Bezirk) . 10; VIII. Bezirk (Israel. Frauen- Wohltätigkeitsverein „Josesstadl") 1; IX. und XIX. Bezirk (Israel. Frauen-Wohltätigkeitsverein „Frauenhort") 7; XI. Bezirk (Israel. Frauen-Wohltätigkeitsverein „Simmering") 2; XU. bis XV. Bezirk (Israel. Frauen-Wohltätigkeitsverein im Bezirke Sechshaus) 28; XVI. und XVII. Bezirk (Israel. Frauen- Wohltätigkeitsverein für den XVI. und XVII. Bezirk) 27; XVHI. Bezirk (Israel. Fraueu-Wohltäligkeitsvereiu, für den XVIII. Bezirk) 6; XX. Bezirk (I. Brigittenauer israel. Frauen- Wohltätigkeitsverein) 166; XXI. Bezirk (Israel. Frauen-Wohllätigkeitsverein „Floridsdorf") 4 Petentinnen. Von den verschiedenen Arten von Hilfeleistung wurden bewilligt: Geldunterstützungen an 407, Bettwäsche an 13, Leibwäsche an 11, Kindwäsche an 297, geburtshilstiche Utensilien an 279, Honorierung von Hebammen an 338, Honorierung von Aerzten an 95, Honorierung von Pstegeriuueu an 129 Petentinnen.