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Die Wahrheit · 1912-02-23 · Heft 8 (23.2.1912) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 8 (23.2.1912)
Date
1912-02-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 8. Die Kosten der Hilfstätigkeit des Verbandes beliefen sich im Jahre 1911 auf K 19.776-11. An die vom Verbände u n t e r st ü tz t e n Wöchnerinnen wurde nebst den Gaben aus Verbandsmitteln überdies gewährt: 1. G e ld uni e rst ütz u ng en seitens der i s r a e l. K u l t u s g e m ei n d e aus den in der Verwaltung derselben befindlichen Stiftungen und Widmungen für Wöchnerinnen an 13 Petentinne n mit dem Betrage von K 688.—. 2. Kinder m i l ch seitens der i s r a e l. A r m e n a n st a l t an 81 Petentinnen im Ausmaße von 4860 Liter mit dem Kostenbeträge von K 1411.—. Statistisches: Im Jahre 1911 sind im Geburtsbuche der israel. Kultusgemeinde Wien 2365 im Gemeindegebiete der Stadt Wien erfnlgte Geburten israelitischer Kinder eingetragen. Es beträgt somit die Zahl jener Geburtsfälle, rücksichtlich welcher seitens des Verbandes Unterstützungen bewilligt worden sind (unter Annahme von 463 Wöchnerinnen), rund 20 Prozent sämtlicher Geburten im Jahre 1911. Von den in der n.- ö. Landes-Gebäranstalt und im W ö ch n e r i u n e n h eim „8it i i 11 a* im Jahre 1911entbundenen israelitischen Wöchnerinnen wurden 131 Wöchnerinnen mit dem Betrage von X 2639.— von der israel. K u l t u s g e m e i n d e unterstützt. Der Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen ist eine Vereinigung der Wiener israel. Franen-Wohltätigkeitsvereine zu gemeinsamer, planmäßig geregelter Pflege armer jüdischer Wöchnerinnen in einer den Anforderungen der Hygiene entsprechenden Weise. Hilfsbedürftige Wöchnerinnen erhalten Geldunterstützung, Wäsche, Utensilien, Beistelluug der Hebamme, erforderlichenfalls auch ärztliche Hilfe und Wartung durch eine Pflegeperson. Jüdische Frauen und Mütter! Gedenket Eurer armen Glaubensschwestern zur Zeit ihrer schweren Stunde! Helfet den Armen in dem Momente, da sie hilflos in bedrängter Lage fremden Beistandes' bedürfen! Geldspenden und für die Wöchnerinnenpflege geeignete Naturalien — außer Verwendung gesetzte Bett-, Leib- und Kindwäsche in hygienisch unbedenklichem, gebrauchsfähigem Zustande — werden erbeten an den Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wächnerinnen, I., Seitenstettengasse Nr. 2. Diese Gaben wollen mit Namensnennung oder anonym gewidmet werden. Naturalien werden über Wunsch auch abgeholt. Mir die Psalmen dein» Peligionsnnterrichtc behandelt werden sollen. (Schluß.) Psalm 9. Der im Psalm 7 ausgesprochene Gedanke, daß Gott den Frevler an sich selbst das verdiente Strafurteil vollziehen läßt, wird im Psalm 9 auf barbarische Völker ausgedehnt. Auch sie gehen an ihren eigenen Missetaten zugrunde und vollführen mit ihren eigenen Händen an sich den göttlichen Schnldfpruch. Durch ihre Ränke verschwinden Reiche spurlos von der Erde. Womit Psalm 7 geschlossen hat, beginnt Psalm 9. 2.—4. Der Psalmist will Gott mit ganzem Herzen danken, wenn seine Feinde zurückweichen, getroffen vom göttlichen Zornblicke. 6. Daraus würde er sehen, daß ein gerechter Richter, der selbst seinen Rechtsstreit führt, aus dem Throne sitzt. 6. Gott straft die Nationen, wie er die einzelnen Frevler vernichtet; er läßt ihren Namen für immer aus. 6. Der Psalmist ist von der bevorstehenden Vernichtung der gottlosen Nation so fest überzeugt, daß er ihrem Herrscher zuruft: 7. „O Feind, die Ruinen sind für immer dahin; die Städte, welche du verheertest — und die deinen Namen der Nachwelt erhalten sollten — geschwunden ist ihr Andenken". 8.-9. Nur der Ewige, dessen Thron auf Recht gegründet ist, bleibt ewig. Er richtet die Welt mit Recht, die Nationen mit Redlichkeit. Die Ewigkeit und die Weltherrschaft Gottes machen es möglich, daß den Nationen früher oder später ihr geübtes Unrecht heimgezahlt wird. 10.—11. Daher ist er, der Weltenrichter, eine Zuflucht der Bedrängten zur Zeit der Not — eine Zuflucht für alle, die seinen Namen kennen. 12. Der Psalmist verweist auf ihn die Bewohner Zions, daß auch sie dereinst Gott preisen und sein Verfahren an den Völkern verkünden werden, daß der Rächer des dort unschuldig vergossenen Blutes auch ihrer gedachte, indem er die barbarischen Völker vernichtete. 14.—15. Auch der Psalmist hofft, nach seiner Errettung aus dem Elende, ans den Toren des Todes, in den Toren Zions Gott für seine Hilfe zu loben und zu verkünden: 16.—17. „Völker versinken in die Grube, die sie gemacht, im Netze, das sie heimlich anfgestellt, wird ihr Fuß gefangen. So wurde bekannt das Rechtsverfahren des Ewigen; durch das Werk seiner Hände wurde der Frevler verstrickt." Der Psalmist ist von diesem erhabenen Gedanken (Higajan) so begeistert, vom Glauben au die göttliche Gerechtigkeit so durchdrungen, daß ihm dieses erwartete Strafgericht für eine bereits vollzogene Tatsache erscheint. 18. Die Frevler müsseir in die Gruft stürzen, alle Völker, die gottvergessenen. 19. Weil nicht für immer des Dürftigen vergessen werden, die Hoffnung der Armen nicht für immer schwinden kann. Ans der Tiefe seines Innern richtet er daher an Gott den Weckruf, dieses Strafverfahren doch endlich zu verwirklichen. 20. „Auf! Ewiger! Der Mensch wird dann nicht mehr anmaßend sein, wenn die Völker von deinem Zornblicke verurteilt werden. 21. Präge, Ewiger, ihnen die Lehre ein. damit die Völker wissen, daß sie anch nur Menschen sind" und sie dasselbe Geschick wie diese zu erwarten haben. Psalm 10. Je zuversichtlicher der Psalmist die Vollziehung der verkündeten Strafweise an den Frevlern erwartet, desto ungeduldiger wird er bei der Verzögerung derselben. In seinem Unmnte über die Gewalttaten entfahren ihm vorwurfsvolle Worte gegen Gott. 1. Beim Altblicke himmelschreienden, ungeahndeten Unrechtes bricht er in eine bittere Klage aus und fragt: Warum, Ewiger, stehst du in der Ferne, verbirgst dich zur Zeit der Not? Das Dulden und Gewührenlasseu der Frevler erweckt den Schein, als ob es keine Vorsehung, keinen Richter gäbe. 2. Warum verfolgt der Frevler in seinem Uebermut den Armen? Sie (die Frevler) sollten doch ergriffen werden in den Ränken, welche sie ersonnen? 3. Wenn aber der Frevler sich noch rühmt mit der Befriedigung seiner Gelüste, dann lobt man anch den Räuber, den Gotteslästerer. 4. Ja, der Frevler denkt in seinem Hochmut: Niemand kümmert sich; es gibt keinen Gott. 5. Gelingen doch seine Wege beständig; hoch oben bleiben deine Strafgerichte von ihm; alle seine Feinde bläst er mit ihnen weg —er verscheucht sie mit dem Hinweise auf dieses Abschreckungsmittel, an welches er selbst nicht glaubt. 6. Er dünkt sich für einen, der niemals wankt, dessen Geschlecht nie ein Unglück trifft. 7.—10. Der Psalmist schildert nun die Laster des Frevlers: Meineid, Trug, List und Tücke; er lauert im Verborgenen auf den armen Wanderer, der gebeugt und zerschlagen in sein Netz fällt. 11. Er beruhigt sich. Gott ist vergeßlich, sein Antlitz ist verhüllt, er wird es niemals sehen. 12. Erbittert durch diese Lästerungen, fordert der Psalmist Gott auf, zu zeigen, daß er der Armen nicht vergißt. 13. „Wie lange soll denn der Frevler noch Gott schmähen, im Glauben, daß du dich um nichts kümmerst". 14. Während du in Wirklichkeit es siehst — Mühsal und Kummer legt doch der Bedrückte vertrauensvoll in deine Hand — die Waise ruft deine Hilfe an. 15. So brich den Arm des Frevlers, daß, wenn man seine Freveltat sucht, sie nicht findet. 16.—18. Einzig regierender König, aus dessen Lande einst die Barbaren schwanden, erhöre den Wunsch der Bescheidenen undwas ihr Herz ansrichtet, darauf lenke dein Ohr. Schaffe Recht der Waise und dem Bedrängten, damit nicht mehr Schrecken verbreite der Mensch ans Erde!" Psalm 9 und 10 gehören inhaltlich zusammen. Die Sept. rechnet sie für ein Cp. Beide hatten ursprünglich eine alphabetische Reihenfolge deren Spuren noch im Verse 9, 2. 4. 6. 8. 10. 12. 14. 16. 18. 20. 21 und 10, 12. 14. 15 und 17 zu erkeunen sind.

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