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Die Wahrheit · 1912-02-16 · Heft 7 (16.2.1912) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 7 (16.2.1912)
Date
1912-02-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7. Die Wahrheit «Seite 5. der Detaillehrplan für die 2 obersten Klassen der Mittelschulen von der Unterrichtskommission beziehungsweise dem Vertreterkollegium mit dem Antrag auf Annahme und versuchsweise Einführung an den früher genannten Anstalten in Vorlage gebracht, wozu folgendes zu bemerken ist: Ueber Wunsch des Antragstellers, Herrn Dr. Maximlian Steiner,- wurde dessen Broschüre: „Vorschläge betreffend eine Reform des jüdische!! Religionsunterrichtes an den obersten Klassen der Mittelschulen" an eine Reihe von angesehenen Persönlichkeiten des In- und Auslandes, die auf dem Gebiete des Religionsunterrichtes sich hervorragend betätigen, mit dem Ersuchen um Aeußernng versendet. Es sei zur Vermeidung von Mißverständnissen bemerkt, daß der Inhalt dieser Broschüre den A usgangspunkt für die Beratungen der versuchsweise einzuführenden Reformen gebildet hat, daß er also nicht vollständig identisch ist mit jenen konkreten Anträgen, die als Ergebnisse iineinhalbjähriger eingehender Beratungen dem Kultnsvorftande zur Beschlußfassung vorliegen. Von einer Reihe dieser Persönlichkeiten werden die Resormbestrebnngeu freudigst begrüßt, während von anderen verschiedene Einwände und Bedenken vorgebracht wurden, die jedoch durchwegs während der Verhandlungen über die heute dem Plenum vorliegenden Anträge im Subkomitee oder in der Unterrichlskommission, in den schriftlichen Aeußerungen oder in der Konferenz der Mittelschullehrer besprochen und entsprechend berücksichtigt wurden. Ebenso wurde jenen Ausführungen Aufmerksamkeit zugewendet, die in der Presse bezüglich der Reformvorschläge publiziert erschienen. Das Vertreter-Kollegium beantragt demnach, den Plenarbeschluß vom 5. November 1911 ans Grund des folgenden, heute zu genehmigenden Lehrplanes, zu welchem die Instruktionen sich in Ausarbeitung befinden, in Vollzug zu fetzen. «Leyrplau für die zwei obersten zwei Klassen der Mittelschulen. Vorletzte Klasse. — I. S e m e st e r. 1. Geschichte der Inden vom Ende des Gaonates bis zur Vertreibung der Inden aus Spanien in großen Geschichtsbildern, mit besonderer Berücksichtigung der Geschichte der Juden in Oesterreich. 2. Die heiligen Schriften, deren Einteilung und Inhalt, sowie die wichtigsten Uebersetzungen. 3a.) Die Grnndlehren der Thora, Lesen der betreffenden Stelle in der Ursprache mit Uebersetzung. b.) Das religiöse Leben der Inden im Hause und in der Synagoge, Ritualien. Liturgie, Terminologie. 4. Ausgewählte Stücke aus der Thora und den Propheten in deutscher Uebersetzung. II. S e m e st e r. 1. Geschichtsbilder aus dem 15.—18. Jahrhundert mit besonderer Berücksichtigung der Geschichte der Inden in Oesterreich. 2. Das talmudisch-rabbinische Judentum und dessen Weltanschauung. 3. Die Festvorschriften der Thora, deren spätere Gestaltung, die wichtigsten Gebete in der Ursprache mit Uebersetzung. 4. Ausgesuchte Stücke ans den Propheten, Hiob, sowie mittelalterlicher Dichtungen in deutscher Uebersetzung. Letzte Klasse. — I. S e m e st e r. 1. Geschichtsbilder aus der neuen Zeit, mit besonderer Berücksichtigung der Geschichte der Juden in Oesterreich. 2. Ausgewählte Stücke aus den Sprüchen und Psalmen in der Ursprache mit Uebersetzung. 3. Ansgewählte Stücke aus den religionsphilosophischen Schriften des Mittelalters in deutscher Uebersetzung. H. S e m e st e r. 1. Geschichtsbilder aus der neuesten Zeit, mit besonderer Berücksichtigung der Geschichte der Inden in Oesterreich. 2. Wohltätigkeitspflege und Solidarität in geschichtlicher Entwicklung. 3. Abfallbewegung und' Auswanderung. 4. Wiederholung der zehn Gebote und des Abschnittes Kedauschim in der Ursprache mit Uebersetzung. 5. Die Lebenskraft des Judentums. In der Debatte, die auf das Referat folgte, bemängelte zunächst Kultusvorsteher Kanders, daß die eingeholteu Gutachten nicht sämtlichen Vorstehern mitgeteilt wurden. Kultusversteher Markus Spitzer findet einen inneren Widerspructi darin, von einer Reform des Religionsunterrichtes zu sprechen. Der Religionsunterricht müsse immer konservativ bleiben und Reformen werden zumeist von solchen Personen gefordert, du nichts wissen. Der von Herrn Dr. Steiner angeregte Versuch der eigentlich aus der alten jüdischen Methode beruht, verfolgt den Zweck, der Jugend ein größeres Interesse für den Religionsunterricht abzugewinnen. Bezugnehmend ans eines der abgegebenen Gutachten entwickelt dann der Redner die geschichtliche und kulturelle Bedeutung der Jeschiwoth. denen die Erhaltung der jüdischen Lehre zu danken ist. Vizepräsident Dr. Gustav Kohn beschäftigt sich gleichfalls mit den Gutachten der Experten. Die meisten haben sich im zustimmeudeu Sinne geäußert, einige die Methode nicht als neu bezeichnet, volle Einstimmigkeil herrschte aber darin, daß die Reform hervorragende Lehrer erfordert. Mit wenigen Ausnahmen, denen es nicht an Wissen, sondern vielleicht nur an Anpassungsfähigkeit an die neue Methode mangelt, fönue man zu den vorhandenen Lehrkräfte!', vollstes Vertrauen haben und alle vorgebrachten Bedenken lassen es nicht als zweckmäßig erscheinen, von vorneherein auf den Versuch zu verzichten, der hoffentlich gelingen wird und in erster Linie den Zweck hat, die Jugend zu treuen Inden zu erziehen. Dr. Heinrich Schreiber anerkennt den Willen, zu einer Besserung der gegenwärtigen Zustände zu gelangen. Zur Reform selbst kann er nicht Stellung nehmen, weil ihm die nötige Information über den Unterschied zwischen dem bisherigen und dem neuen System fehlt. Auch hegt er Zweifel darüber, ob es dem Lehrer in jedem Momente gelingen wird, die Fragelust der Schüler in den nötigen Grenzen zu halten. Kaiser!. Rat Jonas Weil sieht den besten Lehrplan in der tüchtigen Oualifikation der Lehrer. Dr. Jakob Engel kennt keine heiligere Pflicht, als die Liebe für das Judentum zu wecken. In diesem Sinne begrüßt er die Reform und dankt dem Reformator, dem gewiß bei seiner Methode die Seminarien an den Hochschulen vorgeschwebt haben. Dr. Isidor Samnely verweist aus die einzelnen Schichtungen innerhalb des Judentums. Allen müsse etwas geboten werden und erhofft von dem neuen System eine Besserung des Verhältnisses zwischen Lehrer und Schüler. Nach einem Schlußworte des Herrn Dr. Maximilian Steiner, der sich in sarkastischen Worten gegen eines der abgegebenen Gutachten wendet und als notwendige Ergänzung des Lehrplanes die Abfassung von Instruktionen für die Lehrer in nächste Aussicht stellt, wird der vorgelegte Lehrplan, unter vorläufiger Beschränkung ans die drei im Referate angeführten Anstalten, einstimmig angenommen. Die Kolchersteisch-Uerforynng in Wien- In der Bibel wird den Israeliten der Genuß des Blutes strenge verboten. Auch der Genuß von Fleisch, das von „zerrissenen" Tieren stammt, wird ihnen daselbst versagt. Die frommen Verfasser des Talmud waren daher fürsorglich bestrebt, einen „Zaun um diese Thoraverbote" zu errichten und erließen die bekannten religiösen Verordnungen über die T i e r s ch l a cht u n g, die r i tu eile U lt t e r s u ch n n g der geschlachteten Tiere, über bestandene Gesundheit und die weitere rituelle Behandlung des Fleisches zum Zwecke der vollständigen Blutentziehnng. Die Wissenschaft bestätigt es, daß die Beobachtung dieser religiösen Vorschriften im hohen Grade geeignet sei. vor verschiedenen Erkrankungen zu bewahren. Die jüdischen Kultusgemeiuden fühlten sich nun seit jeher verpflichtet, durch zweckentsprechende Einrichtungen den Bezug rituell einwandfreien Fleisches für ihre Mitglieder zu ermöglichen. Die Kosten für solche Einrichtungen suchten sie durch eine Art indirekter Kultnsfteuer,

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