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Die Wahrheit · 1912-02-02 · Heft 5 (2.2.1912) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 5 (2.2.1912)
Date
1912-02-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Die. Wahrheit Nr. 5. Seite 7 -»ater; Salomon Levi Sulz sein Großväter und sein Vater hieß Zosef Snlzer. Dessen ältester Sohn war Jakob Sulzer, der tüchtige Pädagoge und Philologe, sein zweiter Sohn Salomou, der schon mit 17 Jahren Kantor in Hohenems war. Die Familie war sehr vermögend, hatte drei Hänser und Grundstücke in Hohenems, ein Haus in Innsbruck, wo Jakob Sulzer, der ältere Bruder Solomons, im Familieuhause das Licht der 'Welt erblickte. Sie. betrieben einen bedeutenden Lederhandel, waren sehr fromme Inden und tüchtige Talmudisten. Schon der Urgroßvater Josle Levi hielt aus seine Kosten in seinem Hause einen Talmudgelehrten von Ansehen. Im Jahre 1759 starb der letzte Graf Franz Wilhelm III. und Hohenems kam an Oesterreich. Uene Juden Verfolgungen inUnßlnnd. Predigt, gehalten in der Theistenkirche zu London. Bon Rev. Charles B o y s e y, B. A. (Schluß.) Damit die volle Wahrheit bekannt werde, ist es notwendig, hiaznznsügen, daß dieser Mann und seine Bücher wffenen und warmen Beifall bei der Kaiserinwitwe von Rußland und anderen Mitgliedern der kaiserlichen Familie gesunden Haben, und daß die Bücher im Heer und in der Marine verteilt wurden, um den schon eneflammten Haß gegen die Inden zu schüren. - Sie müssen wissen, daß diese Tatsachen ungeheuer die -Gefahren der gegenwärtigen Krise vermehren und dringend nach Vermittelung aller christlichen Regierungen unb besonders der unsrigen verlangen. Meine arme Stimme kann nicht weit gehen, aber wenn ich nur ein schlummerndes Ohr wecken könnte, den Schrei der verzweifelnden Inden zu hören, welche unsere eigenen Brüder und Schwestern sind durch Natur und durch Religion, werde ich nicht umsonst gesprochen haben. Die Tragödie des Todes Stolypins wird gewiß dazu benutzt werden, die falschen Beschuldigungen gegen die Inden zu vermehren, beim Bogroff, der Meuchelmörder, gehörte einer jüdischen Familie an, aber sein Großvater und dessen Nachkommen haben Verrat geübt, indem sie ans niedrigsten Absichten ^Christen geworden sind, und es würde die blindeste Torheit sein, ebenso wie die billigste Ausflucht, den Mörder ans das jüdische Volk zu schieben. Schon die schreckliche Möglichkeit, daß es getan werden könnte, ist ein weiterer Grund für einen sofortigen Appell an den russischen Kaiser. Während diese Worte geschrieben wurden, werden wir alle sroh sein zu hören, daß Hie „Jewish Chrvnicle" vom letzten Freitag berichtet, daß der Zarenstaat Schritte unternommen hat, die Juden in Kiew und alle anderen Juden in seinem Herrschaftsbereich vor einem Wiederaufleben der Progrome und vor Gewalttätigkeiten gegen ihr Leben und Eigentum zu schützen. Noch einmal muß ich Sie ans die „Jewish Chronicle" .vom 15. September, S. 10—12, woraus ich zitiert habe, Hinweisen, da sie reichliche Beweise von dem Wiederaufleben der Blutbeschuldigung liefert. Obgleich einige geistliche Organe in 'Rußland dies als absolut falsch und und unvernünftig znrückgewiesen haben, wird es doch benutzt, um die mörderischen Leidenschaften der unaufgeklärten Klassen Rußlands zu schüren. Ich muß Sie an die Worte des Kardinals Mauuing erinnern, .gesprochen in Mansion House im Jahre 1882: „Für Geradheit, für Reinheit, für Edelmnt, für Barmherzigkeit, für all die Tugenden, die die Menschen schmücken, wo könnten Beispiele gefunden werden: die glänzender wären menschlich vollkommener, als. in dieser hebräischen Rasse?" und au die Worte des Superintendenten Farrar: „Die'Inden sind die getretenste. Nation der Welt. Es ist. die Nation, welcher die Menschheit die tiefste Schuld schuldet und der die Menschheit das tiefste Unrecht zugefügt hat." Wenn, sage ich, wir solche. Worte von christlichen Lippen hören, können wir kaum umhin, mit Agrippa ausznrufen: „Beinahe überzeugst du mich, ein Christ zu werden!" Die Opposition ist - entwaffnet. Glattbensverschiedenheiten . sinken in Vergessenheit. Einigkeit dtzf Seele, das beste Baud des Friedens ist auf.einmal geschaffen. Noch etwas haben die Juden in ihrem bitteren Trübsal gelernt, was wir nicht vergessen dürfen. Es war die Wahrheit, die in manchen Stellen in ihren heiligen Schriften gefunden werden mag, aber die sie in den Tagen ihres Wohlergehens niemals gelernt hatten: Daß Gott nicht der Gott der Juden allein war, sondern der Gott aller Menschen; daß, obgleich ihre Vorrechte groß waren, den einen wahren Gott zu lieben und zu kennen, sie deswegen Gott nicht teurer waren, als alle übrigen Menschen. Der alte, vornehme Stolz wich allmählich und sie lernten zuletzt, daß sie kein Alleinrecht hatten ans die göttliche Gunst und die göttliche Gnade, aber es galt dasselbe von jedem Mitglied der menschlichen Familie wie von den Kindern Abrahams: „Der ewige Gott ist deine Zuflucht und unter dir ist die ewige Macht." Und dies war das Geheimnis der Freundlichkeit und des Wohlwollens gegen Christen in allen Ländern, in denen sie zerstreut waren. Das Gefühl, durch welches sie die Vaterschaft Gottes allen Menschen gegenüber verwirklichten, gab ihnen das Bewußtsein ihrer eigenen Bruderschaft und das Bestreben, ihre Verpflichtungen zu erfüllen. Wir unb die Inden sind nicht nur Menschen, sondern wir sind Theisten mit ihnen und sie mit uns in allem, was die wesentlichen Grundlagen der wahren Religion bildet. Ihr Glaubensbekenntnis ist wie das unsere, das kürzeste in der Welt. Ihre Theologie ist. wie die unsere, die einfachste und zweckentsprechendste. Ihre Hoffnungen sind, wie die unseren, das Wohlergehen aller Menschen in dieser Welt und in der kommenden. Und wie sie, streben wir danach, gut zu Gott und zu den Menschen zu sein und sehnen uns nach dem Tage, da alle Menschen ihn lieben und ihm dienen werden, welcher der Herr der ganzen Welt ist, und da die Erde erfüllt sein wird mit der Kenntnis Gottes wie die Wasser die See bedecken." Verschiedene Nachrichten. Wien. (Predigt.) Freitag, den 2. Februar 1912 abends Predigt des Herrn Rabbiner Dr. M. G r n n w a l d im Leovoldstädter Tempel. Wien. (Israelitische K n l t u s g e m e i n d e Wien.» Dien - stag, den 6. Februar a. c. 6 Uhr abends findet eine öffentliche P l e*it a r i i tz n n g des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I. Seitenstettengasse 4. II. Stock, statt. Tagesordnung: 1. Aeuderung einzelner Bestiminnngen des Kultusgemeinde-Statutes. 2. Reform des Religionsunterrichtes au den obersten Klassen der Mittelschulen. Wien. Die angekündigle Demission des Vorstandes brachte der Generalversammlung des Bethaus-Veremes „Chewra-Beth-Hatfilah", die Mittwoch, den 31. Jänner, 1jJi 11hr abends, im Zeremoniensaale des Tempels IX., Müllnergasse '.21, unter Vorsitz des Obmannes Herrn Gottlieb Berrelheim staltiand. einen selten starken Besucb. Nach Erstattung des Berichtes wurde über die Ursache der Demission überaus lebhaft debattiert, auch der Vertreter der Kultusgemeinde, Herr Dr. H. Schreiber, ergriff zweimal das Worr, aber zu einer endgiltigen Lösung der Krise ist es nicht gekommen. Die General-Versammlung, die sich in großer Majorität mit dem Borsiallde solidarisch erklärte, beschloß einstimmig, daß die Neuwahlen anfzuichieben sind, daß der gegenwärtige Vorstanddie Geschäfte provisorisch weitersühren und innerhalb 3 Monaten eine außerordentliche Generalversammlung einberufen solle. Die Zwischenzeit soll dazu benützt werden, um im Einvernehmen mir der Kultusgemeinde. oder wenn es anders nicht möglich wäre, auch ohne dieselbe eine allseits besriedigende Lösung der schwebenden Fragen herbeizufüdren. Wien. Sonnrag. den 28. Jänner beging der Gründer und Herausgeber der „Correspondenz Wilhelm", Herr kaiserl. Rat Ignaz Wilhel m seinen 70. Geburtsrag und sämtliche Tagesblätter würdigten in ausführlichen Artikeln die hervorragende journalistische Bedeutung des Jubilars, der durch Gründung seiner Korrespondenz den lokalen Nachrichtendienst der Wiener Blätter auf eine neue Basis stellte und vermöge seiner seltenen Charaktereigenschaften Beziehungen bis in die höchsten höfischen und staatlichen Kreise zu erringen wußte. Kaiser!.' Rar W i l h e l m. der noch mit geradezu jugendlicher Rüstigkeir seinem anstrengenden Berufe obliegt, ist aber nicht nur ein hervorragender Journalist, sondern auch ein selten guter und edler Mensch und ein treuer Jude und dieser vielbeschäftigte Mann versäumt es z. B. niemals seinen Turnus als Bethausvorsteher der Wiener Kultusgemeinde gewiffenhaft einzuhalten, oder seine Obliegenheiten als Vorstandsniitglied im Tempelvereiue des IX. Bezirkes zu erfüllen. Der Jubilar, dem wir hiemit auch öffentlich die herzlichsten Glückwünsche übernutteln. ist anläßlich seines 70. Geburtstages vielfach gefeiert worden und unzählig sind die Gratulationen, die ihm aus allen Kreisen, von den höchsten angefangen, zugegangen sind. Wien. Bet-Hamidrasch „Talmud-Thora", II., Malzgasse 16. — Populär - w i s s e u s ch a f t l i ch e Freitag-Abend-Bvrträge — auch Frauen zugänglich — finden statt: Äm 2. Februar 1912: Herr Rabb. H. Schenk: „Die Psalmen." Am 9. Februar: Herr Professor Moritz A n t s ch e r l: „Die Bedeutung der Apokryphen." Beginn jedesmal um 7V2 Uhr abends.

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