Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 5 (2.2.1912)
- Date
- 1912-02-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Gelte 6 Die Wahrheit. Nr. 5. die Volkswut gegen den Psalmisten zu entfesseln, zwei schwerwiegende Beschuldigungen gegen ihn verbreitet, daß er nämlich gegen Freunde und Wohltäter undankbar gehandelt und au seinen Bundesgenossen Verrat geübt hat. indem er die Feinde des Landes entrinnen ließ.*) Der Psalmist schwört, daß, wenn er solches getan, wenn Unrecht an seinen Händen haftet dadurch, daß er den Wohlgesinnten Böses zugefügt und die Feinde {? grundlos) sreigelassen hat. dann möge der Feind ihn. verfolgen, sein Leben und seine Ehre zu Boden treten. 7—12. Gott aber, der erhaben ist über den Grimm der Feinde, möge über ihn vor der Schar der versammelten Nationen Gericht halten und ihn vor denselben für unschuldig erklären. Durch diesen Urteilssprnch würde die Bosheit der Frevler schwinden und der Gerechte feststehen. Gott, der Herz und Nieren prüft, kennt den Unterschied zwischen Beiden. Er ist sein Schild, der Retter der Rechtschaffenen, der sowohl den Gerechten richtet, als auch den, der ihn täglich erzürnt. 13—14. Wenn dieser sich nicht bekehrt, sondern sein Schwert noch schärfer macht und seinen Bogen fester spannt, dann lenkt Gott das tödtliche Geschoß auf ihn selbst und die Pfeile, welche er zur Verfolgung anderer verfertigt hat, treffen ihn selbst. 15. „Siehe, das Unrecht bringt Verderben zur Welt. Wer Unrecht brütet, gebiert Trug." 16—17. Wer eine Grube gräbt und sie tief aushöhlt,? der (man) falle ins Verderben, das er selbst angerichtet hat. Ueber dessen Haupt kommt sein böser Anschlag und seine Gewalttat fährt über seinen eigenen Scheitel nieder.**) 18. Der Psalmist preist Gott über dieses Nechtsverfahren, wonach der Einzelne an seiner eigenen Missetat zugrunde geht und lobt, den Namen des Ewigen, des Höchsten. - Ein im Geiste des Psalmisten sich abspielender Wettstreit zwischen Himmel und Erde, wer von beiden mehr die Herrlichkeit Gottes verkündet. 2. In einer mondhellen Nacht betrachtet er den prachtvoll gestirnten Himmel, dann wendet er seine Augen auf die so zweckmäßig, nach einem höherem weisen Plane eingerichtete Erde, auf der die mannigfaltigsten Lebewesen, die Menschen, die Krone der Schöpfung, sich bewegen und begeistert von diesem Anblicke ruft er ihrem Schöpfer zu: „Ewiger, unser Herr, Gott, wie verherrlicht wird dein Name durch die ganze Erde, wenn auch deinen Glanz die Himmel verkünden." 3. Schon durch den Mund der Kinder und Säuglinge begründest du die. Macht, welche deinen trotzigen Widersacher zum Schweigen dringt. Die täglich zunehmende geistige und körperliche Entwicklung des Kindes, ganz besonders die wunderbare Ausbildung, widerlegt den Gottesleugner, der das Walten eines höheren Wesens in Abrede stellt. So verherrlicht wirklich der lallende Mund dieses kleinen Menscheugeschöpfes auf Erden den Namen Gottes. 4—5. Allerdings wird der Psalmist in dieser Behaupnmg, welche der Erde den Vorzug vor dem Himmel einräumt, beim Anblick desselben schwankend gemacht. „Wenn ich den Himmel sehe, das Werk deiner Finger, den Mond und die Sterne, welche du eingesetzt, dann muß ich gestehen: „Was ist der Mensch, daß du sein gedenkst, der Erdensohn, daß du ihn beachtest?" Klein und unbedeutend erscheint ihm der Mensch, das herrlichste Wesen auf Erden, den Himmelskörpern gegenüber. Bedenkt er aber wieder, wie geistig hoch der Mensch, der Bewohner der Erde, steht, mir welchen Fähigkeiten er ausaestattet ist, ..daß du ihn der Gottheit nur um ein wenig nachstehen ließest, ihn mit Ehre und Würde kröntest, ihn zum Herrscher einsetztest über das Werk deiner Hände, ihm das Höchste, wie das Niedrigste zu Füßen gelegt, den Vogel des Himmels und die Fische des Meeres, ja, daß er sogar die Wege des Meeres durchzieht", dann muß er seine Bewunderung mit den Worten ausdrückeu: „Ewiger, unser Gott, wie verherrlicht wird dein Name durch die ganze Erde," den Wohnsitz des Menschen. *) Bergt. I Sam. 18, 21, 29, 4. Das freundschaftliche Verhältnis Davids zu den Nachbarkönigen dürste zu diesen Verdächtigungen Anlaß gegeben haben. **) I» diesem Psalm finden wir zuletzt die bekannten Sprichwörter aüsgeführt, welche in die Weltliteratur übergegangen sind. '(Vgl.' V- 11, 8, 3, 26, 6.73, 13, 56. 5, 118, 6.) Die reichsmrmiltetdare Grafschaft Hohenems—Alta-Gmps. Bon Prof. Emil Fränkel. Als ich als junger, 23 jähriger Kantor in die damals noch bedeutende Gemeinde Hohenems kam, sagten mir der unvergeßliche Bürgermeister Samuel Menz und der erste Gemeinderat Dr. Simon Steinach: „Sie gehören einer der ältesten Familien des Landes an, treiben Sie historische Studien über die Juden Vorarlbergs?" Sowohl in Hohenems, als auch später als Oberkantor in Strakonitz, wie auch als Religions- Professor der Mittelschulen in Innsbruck war ich gar fleißig bei der Sache. Ich benutzte das Werk des in Bregenz verstorbenen Priesters Fr. Josef Weinzenegger, in drei Abteilungen bearbeitet vom Jesuitenpater Meinrad Merkte 1839, und das Werk von Ritter von Bergmann, Direktor des kaiserlichen Münzen- und Antikenkabinets des allerhöchsten Kaiserhauses in Wien, eines Bregenzerwälders und Freundes Salomon Sulzers. Das edle Geschlecht der Herrscher von Hohenems Alta- Emps taucht schon im 8. Jahrhundert auf und erlosch 1759 im Mannesstamme. Im 16. Jahrhundert hatten die Edlen von Emps zwei Gebirgsschlösser, eines in Chur im Rheintale, eines in Hohenems. Sie sollen damals als Krieger und Raubritter gewaltet haben. Bregenz, von den Römern gegründet, blickt auf weit über 3000 Jahre zurück, Hohenems auf kaum die Hälfte der Zeit. Die Geschichte berichtet uns, daß im 9. Jahrhundert der Konradsbrunnen auf der heutigen Ruine in Hohenems seine Tätigkeit begann, als der heilige Konrad der Welfe, später Bischof von Konstanz, wegen der Ungarn, die in Baiern einsteleu, ins Felsenschloß Ems flüchtete. Auf diesem Felsenschlosse lebte Tankred, der letzte Normannenkönig, .im Jahre 1195, auf Befehl Heinrich VI., ein Kind noch, geblendet als Gefangener. Seine Mutter Sybille führte die Regentschaft in Sizilien. Im 14. Jahrhundert standen die Edlen von Emps im Dienste der Grafen von Montfort, und die Bewohner von Emps mußten mit ihrer Herrschaft als Leibeigene in den Krieg ziehen. Ulrich von Emps erhielt von Kaiser Ludwig dem Baier für seine Hilfe im Kronstreite gegen Friedrich von Oestreich (1333) große Vorrechte. Er baute sich das Schloß Klopper. Karl IV. bestätigte diese Vorrechte im Jahre 1348. Die Glanzepoche des Emser Geschlechtes brachte das Jahr 1560. Da wurde durch Kaiser Ferdinand dasselbe in den Grafenstand erhoben und Hohenems wurde reichsunmittelbare Grafschaft. Die Ursache dieser Erhebung war, daß ein Oheim, Johann Angelo von Medici, als Pius IV. den päpstlichen Stuhl bestieg. Ein altes Sprichwort sagt, wenn der Onkel Papst ist, wird der Neffe Kardinal. Ganz Vorarlberg gehörte in damaliger Epoche dem Hause Oestreich, nur Hohenems und Lnstenau waren Untertan des Reichsgrafen. Der große Graf Jakob Hanibal I.. der Neffe des Papstes Pius IV. und Schwager des Kardinals Carolus Boroinäus, der später heilig gesprochen wurde, erwarb sich in spanischen Diensten Weltruhm und große Reichtümer.. Er baute in Hohenems die prachtvolle Pfarrkirche und den herrlichen Palast, der noch heute von der Seitenlinie Erlaucht Graf Waldburg Zeil Hohenems, bewohnt wird. Unsere geliebte, unvergeßliche, weiland Kaiserin Elisabeth kam auf einer Schweizertour nach Hohenems, um das Manuskript des Nibelungenliedes zu besichtigen. welches sich in der gräflichen Kanzlei befindet. Nach Hanibals I. Ableben war sein Sohn Caspar der erste Fried e u s g r a f, er hob im Jahre 1605 die Leibeigenschaft auf, Kaiser Josef tat es im Jahre 1781. Er machte wohltätige Stiftungen» er nahm im April 1617 bie: Inden als Einwohner auf, nachdem er sich vorher mit seinen Bruder Marx Sittich IV., Erzbischof von Salzburg und Primas von Deutschland, besprochen hatte. Er gab den Inden Schntzbriefe, welche mit den Worten begannen: Wir Caspar, Graf von Hohenems, Gallata und Vaduz, Herr zu Schellenberg, Thorenberen und Lustenau. Der erste Vorsteher war Josle Levi, Urgroßvater Salomon Sulzers, . der von Sulz , nach Hohenems kann Der Stammbäum Salomon Sulzers ist folgender : Josle Levi warsein Urgroß-