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Die Wahrheit · 1912-02-02 · Heft 5 (2.2.1912) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 5 (2.2.1912)
Date
1912-02-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 5 Die Wahrheit Seite 5. November 1911 einen allgemeinen Wettbewerb zur Erlangung von Jdeenskizzen für den Bau einer Synagoge in Hietzing mit drei gleichen Preisen zu je 500 Kronen ansgeschrieben. Bis zum 15. Jänner 1912 waren beim Sekretariat des Architekten-Vereines 34 Projekte eingelanfen. Am 5. Februar d. I. tritt das Preisgericht, bestehend ans den Architekten Oberberbanrat Professor Julius Deininger, Professor Dr. Max Fabiani, Baurat Ernst von Gotthilf, Professor Dr. Oskar Strnad. Knltusvorstand Jakob Gärtner, Friedrich Schön und Ernst Lindner und den Vorständen Dr. S. Krenberger und Max Zirner zur ersten Prüfung zusammen. Als Baukosten sind 130.000 Kronen bestimmt. In dieser Summe sind sämtliche Arbeiten zur Herstellung des Gebäudes samt innerer Einrichtung und Beleuchtung, jedoch ohne Vorhänge, Stoffe, Orgel und Verglasung des Synagogenraumes verstanden. Um diese Bausumme herbeiznschaffen, wird der Hietzinger Tempelverein dieselben Wege beschreiten, welche die Brudervereine in Wien und anderwärts in ähnlicher Lage gingen, und hofft im künftigen Jahre das Werk bis zum First gebracht zu sehen. Die Notwendigkeit des Baues erhellt aus der sich, stetig mehrenden Bevölkernngszahl Hietzings, wofür die Schnlfrequenz der jüdischen Kinder den deutlichen Beweis bildet, ans dem engen Raume des jetzigen Betsaales (130 Plätze) und aus dem Bedürfnis, für den Gottesdienst zu sorgen, was eine Knltnrtat ist, denn Religiosität ist die höchste Form der Sittlichlichkeit und bringt dem Charakter Stärke und Selbstzucht, Demut und Einsicht. Der sehr warm begrüßte Vertreter des Knltusvorstandes, Herr Du. Heinrich Schreiber, halte die Aufgabe, die Wogen der Begeisterung für dieses Werk zu dämpfen und die materielle Unterstützung der Muttergemeinde in Frage zn stellen, weil sie zu. stark in Anspruch genommen ist und das Gebahrungsbndget nicht belasten und ins Schwanken bringen dürfe. Die Wichtigkeit des Gotteshauses stehe außer Frage, aber die Herbeischaffnng der Mittel zn seiner Erbauung müsse wohl dem Vereinsvorstand allein obliegen. Gegen diese hoffnungslose Eröffnung erhoben sich vor allem Herr Knltnsvorstand und Mitglied des Vereinsvorstandes Max Z i r u e r. indem er als Kenner der Verhältnisse und in jedem Sinne human und religiös fühlender Mann, versprach, beim Präsidium des Knltusvorstandes unsere Interessen zu vertreten Utid im Knltnsvorstande Förderer der Hietzinger zu gewinnen. Lebhaft war das Plaidoyer des Herrn Samuel Mohr, des Obmannes des Vertrauensmännerkollegiums vom 12. bis 15. Bezirke, als warmen Freundes des Hietzinger Tempelvereines. Ihm stehe es außer Frage, daß der Ban geschehen und der Kultusvorstand mittun müsse. Dringlich wurden und alle Argumente für den Bau und die Hilfe durch den Vorstand faßten in-sehr beredter Weise zusammen die Herren Salamon Beer. Isidor Bernfeld, Isidor G ü n t. Franz Josef Klein, Alexander K o ch linb Advokat Dr. Pisk. Der Tenor aller Reden war, daß der Knltnsvorstand den steuerkrästigen Bezirk unterstützen müsse, weil sonst zahlreiche Bewohner des besten Mittelstandes ohne religiöse Hilfe seien. Die anderen Verhandlungsgegeustände betrafen die Erhöhung des jährlichen Mitgliedsbeitrages von 7 ans 10 Kronen und die durch die energische Frau Franziska Birmaun angeregte Frage, den Jngendgottesdienst speziell für Mittelschulen besser besucht zu machen und den Religionsunterricht besser zn organisieren, worüber Herr Amtsleiter Guido Fuchs gelb, der Vertreter der Beamtenschaft der Kultnsgemeinde, dankenswerte Aufklärungen gab. 38. Getteralversarnmlttng des tfi*. Tempelvereines Wieden—Marga reihen in Wien. Sonntag, den 28. Jänner d. I. fand die 38. Generalversammlung des Israelitischen Tempelvereines Wieden-Margarethen in Wien unter besonders starker Beteiligung der Mitglieder, unter dem Vorsitze des Obmannes Adolf Hofmann statt. Als Vertreter der Knltnsgemeinde war Vorsteher Herr Grünwal d, als Ehrengast Kultnsvorsteher Herr S. Steiner erschienen. Ebenso die Herren Obmann I. S. Straßberg und Vorsteher Schidrowitz vom X. Bezirk und Obmann Spitzer des israelitischen Kraukenvereines Wieden-Margarethen. Aus dem vom Schriftführer Franz Frankl verlesenen Jahresberichte entnehmen wir die weitere Ausgestaltung des Gotteshauses durch Vermehrung der Bankreihen. Errichtung monumentaler Gedenktafeln für Verstorbene, die sich bei Lebzeiten um den Tempelban oder den Verein besondere Verdienste erwarben, und für Verstorbene, für welche Kadischftistnngen errichtet wurden. Die Namen der Herren kan. Rat Adolf Lichtblau als gewesenen Präsidenten des Tempelbankomitees und Albert Freiherr v. Rothschild als Stifter und Förderer des Tempelbaues wurden an der Spitze dieser Tafeln verzeichnet. Trotz der vermehrten Mitgliederzahl blieb der Verein im abgelaufenen Jahre von Todesfällen ans der Reihe der Mitglieder verschont, woran der Bericht die Aufforderung zum Beitritte der Glaubensgenossen aus den beiden Bezirken knüpft. Dagegen betrauert der Verein das Ableben seines Gönners Herrn Albert Freiherrn v. Rothschild, seines langjährigen Oberkantors Herrn Alfred Tauber und des Bezirksschulrates Religionslehrer Herrn Gerson Feith. Die Versammlung gibt ihrer Teilnahme durch Erheben von den Sitzen Ausdruck; die Kundgebung wird protokolliert. Im abgelansenen Jahre fanden 24 Trauungen und 32 Barmizwas statt. Eine Trauerfeier wurde anläßlich des 50-jährigen Bestandes des israelitischen Krankenvereines Wieden-Margarethen für die Verstorbenen dieses Vereines abgehalten. An der Feier des 80. Gebnrtsfestes des Präsidentetl der israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Dr. Alfred Stern, nahm der Verein gemeinschaftlich mit allen anderen Tempel- und Bethausvereinen Wiens lebhaften Anteil. Für den unter der Leitung des kaiserl. russischen Militärkapellmeisters Braslawski stehenden Männer- und Knabenchor wurde ein Uebungssaal errichtet, und die tüchtige musikalische Ausbildung des Chores fortgesetzt, die es ermöglicht, daß neben den Meisterwerken Salomon Sulzers auch abwechseud die Gesänge anderer hervorragender Komponisten allwöchentlich zum Vortrage gelangen. In der darauffolgenden Debatte wird der vom Revisor Herrn Max Spitzer geprüfte Kassenbericht, welchen der Revisor als musterhaft schildert, zur Kenntnis genommen und dem Kassenverwalter Herrn Emil W i e s e l t h i e r der Dank für seine erfolgreiche Tätigkeit ausgesprochen. Nachdem noch mehrere Redner Wünsche wegen Errichtung einer Talmud-Thoraschnle, gegen den Mißbrauch der Kanzel zu persönlichen Ausfällen, für die ständige Bestellung von Kohanim li. s. w. vorbrachteu, wurden die Neuwahlen vorgenommen, und die ausgelosten Herren: I. Braun, Franz Frankl, Adolf H o f m a n n, Hermann S o n n e n s e l d und Emil Wieselthier einstimmig wiedergewühlt. Ebenso wurden die Herren Max Spitzer und Leopold Weißkops wieder zu Revisoren bestellt. Mit Worten wärmster Anerkennung seitens der beiden Herren Kultusvorsteher Grünwald und S. Steiner für die Leitung des Vereines, welchen Obmann Adolf Hofmann erwiderte und die fernere Fürsorge der Kultusgemeinde für den Verein erbat, schloß diese 38. Generalversammlung des Vereines. Wie die Psalmen beim Reiigiovsnnlerrichle behandelt werden sollen. (Fortsetzung.) Psalm 7. Laut der Ueberschrift ist dieser Psalm gegen einen Benjaminiten und einen Anhänger der Dynastie Saulus gerichtet, welcher unwahre Beschuldigungen gegen David ersonnen hat. Der Psalmist ruft den Allwissenden, der Herz und Nieren prüft, als Richter an, der seine Unschuld an den Tag bringen und den Verleumder durch dessen eigene Ränke vernichten möge. 2—3. Der Psalmist sucht Schutz bei Gott vor seinem Verfolger, der ihn dem Löwen gleich, mit tierischer Gier zerreißen möchte und vor dem es keine Rettung gibt. 4—6. Dieser Feind hat, um

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