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Die Wahrheit · 1912-01-26 · Heft 4 (26.1.1912) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 4 (26.1.1912)
Date
1912-01-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Die Wahrheil Seite 7. Nr. 4. Hörsälen, um unseren Platz in der Universität, um unsere Ehre und nm unsere Existenz gekämpft." In jenen Tagen entstand der Plan, ein jüdisches Studentenheim zu errichten. ./ Mit zwingender Notwendigkeit ergab sich das Bedürfnis, den jüdischen Studenten ein eigenes Heim zu bieten, eine Stätte, an welcher sie den häßlichen Verfolgungen, den quälendsten Demütigungen, den schimpflichsten Provokationen entrückt, Friede und Sammlung finden, um ungestört ihren Studien zu obliegen und zugleich eine reine, von jeglicher Gehässigkeit freie und menschenwürdige Luft zu atnlen. In jenen Tagen begann der gegen die Inden wütende Haß ganz offen und brntat seine Hand auch an Wohlfahrtsinstitute, wie die Mensa academica, zu legen und gerade dieses Ereignis mußte vlleu logisch Denkenden ein Zeichen und eine Mahnung sein, daß es nun höchste Zeit geworden sei, wenigstens die schwachen und bedürftigen Existenzen vor der drohenden Vernichtung zu bewahren. Ist es doch gerade der Miilderbemittelte unter den jüdischen Studenten, der die Härte und die Grausamkeit unserer Verfolger am bittersten zu fühlen bekommt; und gerade der Minderbemittelte, der wirtschaftlich Schwache unter den jüdischen Studenten ist es, der mit seiner Existenz dafür büßen muß, daß er ein Jude ist. Damit dieser Plan sich zum Heile und zur Wohlfahrt der jüdischen Studentenschaft baldigst verwirkliche, ist es notwendig, die Baukosten binnen Kürze aufzilbringen. Diese Baukosten sind — wie sich nach allen vorausgeschickten Erklärungen von selbst versteht — keineswegs gering und müssen durch Sammlungen, durch Stiftungen und Mitgliedsbeiträge hereingebracht werden. Nach den Statuten sind jene Personen, welche 3000 Kronen spenden, Stifter des Studentenheims und haben das Recht, unter Beobachtung des Hausreglements und der Statuten einen Freiplatz für einen Hörer der Hochschule zu beanspruchen. Ferner sind jene Personen, die einen jährlichen Beitrag von 30 Kronen oder einen einmaligen Beitrag von 300 Kronen leisten, Förderer des jüdischen Studentenheims. Alle diejenigen, die einen Jahresbeitrag von 8 Kronen entrichten, werden unterstützende Mitglieder des Vereines. Um die Namen einzelner, den Studerlten wohlwollender Männer oder Frauen für alle Zeiten mit dem jüdischen Studentenheim zu verbinden, sollen Stifterzimmer geschaffen werden. . Diese Zimmer werden mit einer Tafel versehen, welche den Namen des Stifters anfweist. Damit einer großen Anzahl solcher Stifter die Möglichkeit geboten ist, im Heim verewigt zu werden, wurde dieser Stiftsbeitrag mit 1000 Kronen festgesetzt. Je höher das Ergebnis der Sammlungen und Stiftungen sein wird, desto ausgiebiger kann das jüdische Studentenheim für seine Schutzbefohlenen sorgen. Denn es wird dann möglich werden, den Mietpreis der einzelnen Zimmer immer mehr herabznsetzen und diese Zimmer schließlich vollkommen unentgeltlich an unsere jüdischen Studenten abzugeben. An diesem Tage wäre freilich unser schönstes Ziel erreicht. Wir wenden uns an alle Inden, ohne Unterschied der besonderen Gesinnung und Denkart, mit der Bitte, uns in der Ausführung dieses Werkes beizustehen. - Nachgerade ist der Daseinskampf für den Juden ein Verzweiflungskampf geworden. Wir sind „gleichberechtigt" nach dem Buchstaben der Verfassung, aber die betrügerische Praxis, die gegen die Juden geübt wird, hat uns diese famose Gleichberechtigung längst desraudiert. Die Wege zu den Staatsämtern, auch zu den bescheidensten, sind uns seit vielen Jahren verrammelt, die Aufnahme in die Lehrerbildungsanstalten wird uns seit vielen Jahren verweigert. Die akademische Karriere wird den Juden mehr und mehr verschlossen und nur dem Genie unter den jüdischen Gelehrten ist es noch möglich, Universitätspforten zu sprengen, die sich vor jeder anderen Mittelmäßigkeit bereitwillig öffnen. Die Inden werden aus allen Erwerbsmöglichkeiten und Anstellungen verdrängt, werden auch dort, wo jüdisches Geld allgemeine Wohlfahrlsinstitute geschaffen hat. nicht mehr geduldet. Zahllos sind die Spenden 'und Legate jüdischer Wohltäter gerade für die Studentenschaft. Wie selten werden aber diese Gelder in den Intentionen der Wohltäter verwaltet. Es ist ein öffentliches Geheimnis, daß die Stipendien, wenn sie nicht von den Juden verwaltet werden, nur in wenigen Ausnahmssällen ün jüdische Studenten verliehen werden. Schrittweise wird den Inden der Boden entzogen, wird der Versuch unternommen, ihre Entwicklung zu drosseln. In dieser Stunde treten wir vor euch hin, um euch anzurufen, dieses Werk der Selbstwehr und des Selbstschutzes zu unterstützen. Gebt die Spenden, die ihr bisher wie einen demütigen Tribut den höhnisch lächelnden Machthabern so freigebig in die Hände schüttet, endlich einmal für eine rein jüdische und gut jüdische Sache. Bedenkt, daß die Armen unter uns, weil sie Juden sind, von niemandem etwas zu hoffen haben, wenn sie von euch nichts zu hoffen haben. Bedenkt wie unendlich wichtig die geistige und physische Entwicklung unserer Studentenschaft für uns ist. Sie ist nicht allein unsere Repräsentanz, sie ist auch unsere ganze Zukunft und Hoffnung. Seid einig in dem Schutze und in der Unterstützung unserer Heranwachsenden Jugend, unserer kommenden Generation. Dann wird sich dieser Bau stolz und frei erheben und als die Festung, als die Hochburg eines stolzen und freien Judentums bis in die ferne Zukunft hinein Zeugnis geben für den Mut, für die Treue und für die Opferwilligkeit der Juden. Philipp Broch. Direktor der priv. allg. Verkehrsbank. Lnciau Brunner, Bankier. Professor Dr. S. Ehrmann, Universitäts-Professor. Lud. B. Eichhorn, akademischer Maler. Jehnda Epstein, akademischer Maler. Primarius Dr. Karl Fleischmann, Direktor des Rothschild-Spitals. Professor Dr. Siegmund Freund, Universitäts-Professor. Dr. Markus H a j ek, Universitäts-Dozent. Alfred H e i n s h e i m e r. Direktor des Wiener Bankvereines^ Reg.-R.' Prof. W. I e r n s a l e m, Universitäts-Dozent. Kais. Rat Siegmnnd Kanders, Weingroßhändler. Prof. Dr. Leopold Königstein, Universitäts- Professor. Dr. Gustav K o h u, Vizepräsident der israel. Kultusgemeinde. Laznr Kr e st im, akademischer Maler. Kais. Rat Leopold Langer. Börse-Rat. Vizepräsident der k. k. priv. allg. Verkehrsbank. Dr. Alfred Lanzer. Hof- und Gerichtsadvokat. Kais. Rat Alois L e m b e r g e r, Fabrikant. Kais. Rat Arnold Mandl, Großindnstrieller. Professor Dr. Josef Pollak. Universitäts-Professor, Kultns-Vorsteher. Dr. Karl P o l l a k. Arzt. Emannel Rau m a n n, Direktor der k. k. priv. Kreditanstalt für Handel und Gewerbe. Kais. Rat Leopold Sachs, Vizepräsident der Jaworznoer Steinkohlengewerkschaft. Felix Salten, Schriftsteller. Dr. I. S ch a l i t. Arzt. Professor Dr. Julius Schnitzler, Professor für Chirurgie an der Universität. Adolf Stand, Reichsratsabgeordneter. Dr. Maximilian S t e i u e r, Vertreter der israel. Kultusgemeinde. Alois W e i s h n t, Direktor der Union-Bank. Dr. Ludwig Werner, Hof- und Gerichtsadvokat. Zum Gedächtnis Ludwig Philippfous. Anläßlich des 100. Geburtstages Ludwig Philippsons veranstaltete die Gabriel-Rießer-Vereinignng in der Aula des Wilhelm-Gymnasiums in Hamburg eine Gedächtnisfeier. Der Redner des Abends, Herr Dr. D. Leimdörser, betonte einleitend, daß Ludwig Philippson in seinen Werken als der größte Erzieher der Juden im 19. Jahrhundert fortlebte. Vor 100 Jahren in Dessau geboren, wuchs Philippson trotz ärmlicher

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