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Die Wahrheit · 1912-01-26 · Heft 4 (26.1.1912) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 4 (26.1.1912)
Date
1912-01-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion uub Administration: Wien, II/, Novaragasse 27 Telephon: Redaktion 5509/IV. Anabhängige Hertfchrift für jüöische Ännzstihrig.K 14.— Halbsähria.K 7.— Administration 49S8/U. ß. k. österr. Nostsparkasia- Scheck-Konto Nr. 100.918. Anlere^en. Für Jfii(tn»beuiiitr: >U»»zj>ib»i,l.K 10. JnVxvatc: Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Ar eilag. Für Ausland: Abonnement»- imb Insertion»- »«„„Mhrig.8 Mark betrüge sind in Wie» zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Glottes ist Wahrheit!“ 8 Rubel oder t» Fr«». Jlv. 4 Wien, 26 I »inner Inhalt: Aus der Woche. — Allgemeine jüdische Kolouisations-Organisatiou. — Jüdisches Studentenheim in Wien. — Zum Gedächtnis Ludwig Philippsons. — Neue Judenversolgungen in Rußland. — Wie die Psalmen beim Religionsunterrichte behandelt werden sollen. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Die Probepredigt. Are geehrten Kerren Aöonnenten werden um freundliche Einsendung des Aöonrrernentsöetrages für das taufende Huartat ersucht. Ans der Woche. Angesichts der ernsten Verhandlungen, die gegenwärtig zwischen den politischen und nationalen Parteien in Galizien behufs Durchführung der Landtagswahlreform gepflogen werden, haben auch die zionistischen Organisationen eine Agitation eingeleitet, die den Zweck hat, die maßgebenden Persönlichkeiten des galizischen Landtages zu bewegen, einer Vermehrung der jüdischen Landtagsmandate ihre Zustimmung zu geben. Die Zionisten stellen die Forderung der Einführung des allgemeinen Wahlrechtes für den Landtag und die Einführung nationaler Kurien auf. Mit Rücksicht auf die realen Verhältnisse fordern die Zionisten bei einer Mandatszahl von 194 Landtags-Abgeordneten 20 Mandate für die Juden, und zwar zwölf Mandate in der Städtekurie, drei in der allgemeinen und drei Haudelskammermandate. Ueberdies verlangen die Zionisten zwei Virilstimmen, mit) zwar für den Präsidenten und den Stellvertreter der zu schaffenden Organisation der jüdischen Gemeinden in Galizien. Die zionistischen Organisationen fordern die jüdischen Landtagsabgeordneten auf, für den Fall einer Verweigerung der angeführten Postulate ihre Mandate niederznlegen. Aus dem zumeist vom jüdischen Gelde erhaltenen Pragerdeutschen Ortsrat erzählt die „Volksstimme" folgende höchst lehrreiche Geschichte: Vor mehreren Jahren wurde in Prag ein deutscher Ortsrat begründet und ihm die Aufgabe zugewieseu, die Interessen der Prager Deutschen nach jeder Richtung hin zu fördern und zu vertreten. Da nun aber die Majorität der Prager Deutschen ans Juden besteht, und vor allem die Inden unter den Prager Deutschen die kapitalskräftigere Gruppe darstellen, war diese Institution selbstredend als rein deutsch-freisinnige, ohne jede antisemitische Färbung gedacht. Die Prager Juden steuerten auch treulich Gelder bei und nahmen auch selbstlos die recht umfangreichen Agenden des Ortsrates auf sich. Dafür aber wurde die einzige besoldete Stelle die des Sekretärs einem deutschen Studenten radikal-antisemitischer Richtung vergeben. Demals wurde unter den Juden bereits Ünznfriedenheit laut, doch unternahmen sie nichts. Als nun jener Sekretär auf einen fetteren Posten berufen wurde, regte sich die Prager liberale Lesehalle. Durch eine Deputation verlangte sie vom Ortsrat die alternative Besetzung der Stelle, abwechselnd mit einem Liberalen und Radikalen. So bescheiden waren die Herren. Der Ortsrat hatte aber das jüdische Geld und den Juden blieb — das Nachsehen. Ihr Wunsch wurde nicht erfüllt, im Gegenteil, wenige Tage nachher erhielt wieder ein Mitglied der Prager extrem antisemitischen Burschenschaft die freigewordene Stelle. Aber das ist noch nicht alles. Obliegenheit des Ortsrates ist es auch, an deutsche Beamte, Kauflente, Studenten nsw. Unterstützungen zu verteilen. Und für diesen Zweig der Beteilnng tiefen denn Ortsrat auch die meisten Gelder ein. Die Juden gaben gern und viel. Und was stellte sich alsbald heraus? Mit dem jüdischen Gelde wurden ausnahmslos Antisemiten bedacht, deutsche Sauf- und Heilobrnder, die sich an den Beschimpfungen gegen die Juden nie genug leisten konnten. Die Prager deutschen Juden sind eben wieder mal gründlich hereiugefallen und haben mit ihren Mitteln die begeistertsten Verächter jüdischen Volkstum ansgepäpelt. Es sei jedoch auch verzeichnet, daß sich die Prager Juden bereits eines Besseren zu besinnen scheinen. Nachdem alle diese Tatsachen bekannt geworden waren, haben die Prager Inden die Konsequenzen gezogen und die Taschen fest zngehalten, so daß die letzte Sammlung des Ortsrates mit einem kläglichen Fiasko endete, Natürlich laufen die Herren heute mit einem roten Kopf herum beteuern ihre Unschuld. Hoffentlich werden die jüdischen Kreise Prags von ihrer neuen Methode nicht mehr abgehen und werden alle Köder und Versprechungen unbeachtet lassen. Wir wollen diese spontane Tat der Prager Juden als Symbol auffassen und die Hoffnung daran knüpfen, daß sich Judenheit Prags zu der Erkenntnis durchringen wird, daß jüdisches Geld wieder nur für jüdische Zwecke segensreich und fruchtbringend verwendet werden kann. * -i- Dem preußischen Herrenhause ist seitens der Regierung eine Gesetzesvorlage zugestellt worden, die eine Aenderung des Judeugefetzes vom Jahre 1847 im Interesse der Berliner -jüdischen Gemeinde bezweckt. Es wird darin bestimmt, daß die Zahl der Vorstandsmitglieder der Synagogengemeinden durch Gemeiudesatznng auf die Höchstzahl von 15 (bisher 7), die Zahl der Repräsentanten auf die Höchstzahl von 45 (bisher 15) festgesetzt werden kann. Die Satzung kann ferner bestimmen.

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