Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 3 (19.1.1912)
- Date
- 1912-01-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 35 und großmütigen Geschäften manch eines jüdischen Kaufmannes zeugen können. Und dann liegt der Hauptfehler des Uebervorteilens an denen, die buchstäblich den Juden in eine Ecke trieben und ihn zwangen, alles, was er konnte, um sein Leben zu fristen, zu nehmen und zu halten zum Schutz und Segen seines verlorenen und verlassenen Volkes. Die harten Beschränkungen, die ihm anferlegt waren, ließen ihm kaum irgend ein anderes Feld für seine Fähigkeiten und Talente. Gezwungen, zu kaufen und zu. verkaufen, Geld auf Zinsen zu verleihen, wurde er Meister in der Schlauheit und gewann unglücklicherweise die Fähigkeit, die Schwäche und Notlage seiner Mitmenschen auszunntzen, die beinahe alle seine Feinde waren. Mit dieser Ausnahme sind die bürgerlichen, häuslichen. und persönlichen Tugenden der Juden allgemein anerkannt, und was ich besonders beachtet wissen möchte, ist der G r n n d, warum die Juden in der latigen Zeit ihrer Verfolgung diese bemerkenswerten Züge von Geduld und Nachsicht und allgemeiner Reinheit und Vortrcfflichkeit des sittlichen Charakters unter dem grausamsten Ungemach zeigen. Der Grund ist — kurz gesagt — ihre Religion. Beachten Sie bitte, daß ich Religion sage, und nicht Glaubensbekenntnis. Von dem Glaubensbekenntnis selbst kann ich, wie Sie, wissen, nicht hoch genug sprechen. Aber die Vorzüglichkeit der jüdischen Religion liegt in der Tatsache, daß sie nicht nur ein Glaubensbekenntnis ist. sondern ein lebendiger, praktischer, fruchttragender Glaube an Gott, ein persönliches Vertrauen zu ifcni, eine aus dem Herzen kommende Ueberzeugnng von seiner Liebe und treuen Frenndichaft. selbst in den dunkelsten Stunden ihrer scheinbaren Verlassenheit; nicht eine bloße geistige Wahrnehmung der ewigen Wahrheit, daß es nur einen Gott gibt, und da er kein Ebenbild hat im Himmel oder auf der Erde, daß kein Name jemals ausdrücken kann, was er in Wirklichkeit ist — alles das ist noch ans dem allerhöchsten Gipfel des theologischen Gedankens — sondern es war auch das beständige und lebhafte Bewußtsein, au Gott gebunden zn sein durch die heiligsten und zartesten Bande» das absolute Nichtvorhandensein von Furcht vor ihm, ein unaufhörliches Entzücken in dem Bewußtsein seiner Liebe. Daraus entsprang natürlich, was ihnen von undenklichen Zeiten überliefert worden war — daß Glaube an Gott Gehorsam gegen seinen heiligen Willen einschloß, daß Religion nicht nur Glaubensbekenntnis war, sondern Taten, daß sie nur durch Halten von Gottes Geboten sich selbst oder anderen beweisen konnten, daß sie an sie glaubten oder ihn liebten. Einiges, was sie als Gottes Gebot nahmen, wird nun von vielen von ihnen erkannt, daß es nur menschlichen Ursprungs ist. nicht göttlichen. Aber dennoch, so lange sie es für göttlich nahmen, hielten sie Gottvolle Treue, indem -sie es bis zum letzten Rest erfüllten. Und die übrigen Gesetze, wenn wir uns die Mühe nehmen, sie zu lesen, hafteten bindend — ob göttlich oder nicht — dem Gewissen der Menschen, ob Jude oder Christ, an, waren von allgemeiner Verpflichtung, und sie konnten nur ihre Liebe und Treue zu ihrem Gone beweisen, indem sie fene Gesetze hielten, die ihre Psiichten gegeneinander einschloß. Und ich zweifle nicht einen Moment daran, daß das Gefühl von Gottes völliger Freundschaft für sie. verstärkt und nicht geschwächt durch ihr Unglück und ihre Qualen, die Ergebnisse jener Versöhnung mit ihm sicherte, die unveränderlich gefolgt ist von einem Ausschwingen der Seele in heilige Freude, zufrieden und entzückt seinen Willen zu tun. Die Juden waren zum größten Teil durch Tugend ausgezeichnet, weil sie ein treues, religiöses Volk waren und frei von dem schrecklichen Nachteil, einen Gott zn haben, vor dem sie sich fürchteten, oder dessen Huld und Gnade erkauft war oder durch Fürbitte und Ermittlung und Vergießen von menschlichem Blute gewonnen werden mußte._ (ffortiffenng folgt.) Verschiedene Nachrichten Wien. (Predigt,) Freitag, den 19. Jäuucr 1012, abends, Predigt des Herrn Rabbiner Dr. D. Fcuchtwang im Lropoldstädter Tempel. ' Wien. Freitag, den 19. Jänner 1912 abends Predigt des Herrn Rabb. Dr. R o s e n m a n n im Floridsdorfer Tempel. Wien. (Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes am i4. Jänner- 1912). -Einlauf: Dankschreiben des. Mitgliedes des Vertreterkollegiums„ Herrn Dr. Leopold K o h n für seine, neuerliche Wahl in das Vertreter- . kollegium und für die Sympathiekundgebung des Vorstandes anläßlich seiner Wiedergenesung: Gespendet - haben: Herr Knltnsvorsteher Dr. Jakob Enge l für das Versorgungshaus L200. Frau Emma Lacke nbacher zur Verteilung an Arme K100. Herr Dr. Leopold N e u f e l d. Distriktsarzt in Ung. Brod, für den Verein zur Unterstützung jüdischer Hochschüler zur Erlegung der Rigorosentoxeu X 10.—. Herr Dr. Alfred Berger noe der Frau Virgiuie O b erst einer für die Schulküche Brigittenau K 10.—. Herr H. Schiff für das- Siechenhaus X 40.—- Den Spendern wird der Dank votiert. Wien. (Vortrag aus jüdischer G e s ch i ch t e, L i t er atur und Kultur). Donnerstag, den 25. Jänner 1912, präzise ^8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekreu-Vereinesj. X Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Professor Dr. Julius Goldstein aus Darmstadt, statt. Thema: „Nietzsche in seinem Verhältnis zu Juden und Judentum." Eintritt frei, ohne Karten. Wien. Bet-Hamidrasch „Talmud-Thora", II., Malzgasse 16. — Populär-wissenschaftliche Freitag-Abend - V o r - träge — auch Frauen zugänglich — finden statt: Am 19. Jänner 1912 r, Herr Prof. Mor. Antscherl: „Leidensgeschichte einer alten mährischjüdischen Gemeinde." Am 26..Jänner: Herr-Rabbiner L. G oldste in- „Rabbi Mayr aus Rothenburg und sein Schüler Ascher den Jechiel." Beginn jedesmal um 71j2 Uhr abends. Wien. (Jüdische Toynb ee-Halle, XX., Othiuargaffe 46.) Begum der Vorträge an Wochentagen */„8 Uhr, Samstag, sowie an Soun- und Feiertagen 7 Uhr abends. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. W o ch e n - P r o g r a m m : Samstag. 20. Jänner. „Palästina." (Lichtbildervortrag.) Dr. Georg Weiner. Sonntag, 21. Jänner.. Orchester - Konzert. Montag, 22. Jänner. „Bilder aus dem Rechtslebeu." (Zyklus III.) Dr. M. Reiß. Dienstag, 23. Jänner. „Jüdische Geschichte.'? (Zyklus). Prof. Dr. K. Kupfer. Mittwoch, 24.- Jänner. „Die Gesundheitspflege der Frau." (Nur für Frauen und Mädchen.) Frau Dr.. Amalie F r i e d m a n n. Donnerstag, 25. Jänner. „Literarischer Abend." Lehrer Max Riede n. Freitag, 26. Jänner. Bibelvortrag. WienXXI.(Wohltätigkeitsverein „CHanneu-Dal.") Sonntag, den 7. d. M. fand im Sitznngsjaale der Kultusgemeinde unterdem Vorsitz seines verdienstvollen Obmannes Herrn Gabriel Dukes die ordentliche Generalversammlung des überaus segensreich wirkenden Vereines „Chaunen-Dal" statt. Anwesend waren: Seine Ehrwnrden Herr Rabbiner Dr. R o s e n m a n n, Ehrenmitglied des Vereines, Obmann der. Bezirkskommission Herr Dr. Jakob K ö n i g, die Vorstandsmitglieder Adolf W o d a k. Heinrich Blatt, Beny Deutsch und viele Gemeinde-- mitglieder. Nach Erstattung des Jahresberichtes, der im abgelaufeueu Jahre bedeutende Unterstütznngsbeiträge an würdige Arme aufwies, hielt der Obmann dem verblichenen Vereinskontrollor .Max Fessler f. Aeinen warmen Nachruf. Gewählt wurden : das Vorstandsmitglied Adolf W o d a k znm Kontrollor und Heinrich H o f fm aun (neu)als Vorstandsmitglied. J. E. Wien. (T em p e l v e r e i n des XHI. Bezirkes.) Montag, den 22. Jänner 1912 8 Uhr abends findet in Brosch' Hotel zum weißen Engel, XHI/j Hietzinger Hauptstraßa 3, die ordentliche Generalversammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Verifizierung des vorjährigen Protokolles. 2. Rechenschaftsbericht des Vorstandes, insbesondere über die Tempelbaufrage. 3. Anträge auf Aeuderung des § 4 der Statuten, den Jahresbeitrag betreffend. 4. Neuwahl des Ausschusses, der Stellverteter und Revisoren. 5. Allfälliges. Wien. (Israelitischer Te.mp elv e rei u für d en XIX- Bezi rk in Wien. Sonntag, den 28. Jänner 1912 präzise */a10 Uhr vormittags findet im Tempelgebäude, XIX. Dollinergasse 3, die ordentliche Generalversammlung des Israel. Tempelvereines für den XIX. Bezirk in Wien statt. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Vorstandes über feine Tätigkeit im abgelaufeueu Vereinsjahr. 2. Bericht über die Eiunahmen und Ausgaben im abgelaufeueu Bereinsjahre. 3. Bericht der Revisoren, Beschlußfassung darüber und Erteilung des Absolutoriums. 4. Feststellung der Jahresbeiträge. 5. Eventuelle Anträge der Vereinsmitglieder (§-10 der Statuten). 6. Wahl des Vorstandes. 7. Wahl der Revisoren. Im Falle die für '^lO Uhr einberufene Generalversammlung nicht beschlußfähig sein sollte, wird um 10 Uhr vormittags an demselben Tage und an demselben Orte im Sinne des § 11 der Statuten eine neuerliche Geueealversammluug mit "ber gleichen Tagesordnung abgehalten- Linz. Herr Dr. Arthur T a u b e r, Beamter der k. k. Nordbahn- Direktion in Wien, hat sich mit Frl, Else S ch w a g e r, Tochter des Herrn Benedikt Schwager, des Vorstehers der Kultusgemeinde Linz, verlobt. Bielitz. Für die hiesige Kultusgemeinde wurde Herr Nndolf Fischer, "Kantor aus Wien IX. Bezirk, als Kantor und Sekretär einstimmig gewählt. Derselbe entzückte durch seine klangvolle Stimme und seinen schöneu Vortrag. Kantor Fischer wird sein ^Amt am 15. Februar antreten. Preßburg. Herr Lazar G e st e t n e r, Vorstandspräses deirnPreßburger israel. Kultusgemeinde, vollendet demnächst das 80. Lebensjahr, sowie das 40. Jahr seiner Wirksamkeit als Vorsteher der Gemeinde. Ans diesem Anlässe hat derselbe der im Entstehen begriffenen israel. Mensa für Rabbinats-Hochschüler und Universitätshörer einen Gründnngsbeitrag von X 2000 zngewendet. . Budapest. Wie das^ ungarische Amtsblatt meldet, hat der König den Richter an der königlich-ungarischen Tafel, Doktor Desiderins Mark u s, znm Richter an der königlich-ungarischen Kurie, dem-'obersten: Gerichtshöfe in Ungarn, ernannt. uu