Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 2 (12.1.1912)
- Date
- 1912-01-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8._ Die Wahrheit. .... ... .Nr. 2 Pollak zum Obmann wieder-, Dr. Kupfer mit Akklamation zum Schriftführer gewählt. ■ Rabbiner Dr. Feuchtwang dankt dem scheidenden Schriftführer unter Hervorhebung feines Taktes und Pflichteifers. Hierauf verliest der Obmann ein Schreiben, nt dem Professor Weiß infolge angegriffener Gesundheit seinen Anstritt aus d«n Ausschüsse anmelöet und erklärt, eine Wiederwahl deshalb nicht annehmen zu könnem Der Obmann hebt unter allgemeiner Zustimmung die außerordentlichen Verdienste des scheidenden' Ausschußmitgliedes hervor und spricht ihm den innigsten Dank «Ns, mit dem lebhaften Bedauern, auf feine Mitwirkung leider verzichten zu müssen. Ueber Antrag Dr. Feuchtwangs wird der Dank an Professor Weiß zu Protokoll genommen. Hierauf wird zur Wahl des Ausschusses geschritten. Die vörgeschlagenen Ansschußmitglieder, und zwar für Wien: Professor Dr. Pollak als Obmann, Rabbiner Jnsp. Dr. Fenchtwang als Obmaunstellvertreter und die Professoren Dr. Kupfer als Schriftführer, Dr. Goldhammer als Kassier, Jnsp. Kanitz, Rabbiner Dr. Rosenmann und Dr. Weschler, und für auswärts: Prof. Dr. Biach (Brüx). Rabb. Dr. Lazarus (Göding) und Rabb. Dr. Schwenger (Lundenburg) werden einstimmig gewählt. _ Ue«e Judenverfolgungen in Rußland'). ' Predigt, gehalten in der Theistenkirche zu London. Von Rev. CH a rl es V o y s ey, B. A. Pjalm XC, 1, 15, 16. 17. Herr, o Gott, Du bist unsere Zuflucht für und für. Erfreue uns nun wieder, nachdem Du uns so lange plagtest, nachdem wir so lange Unglück leiden. Zeige Deinen Knechten Deine Werke und Deine Ehre ihren Kindern. Und der. Herr unser Gott sei uns freundlich und fördere das Werk unserer Hände bei unS, ja das Werk unserer Hände wolle er fördern. Diese Worte, die durch Überlieferung Moses zugeschrieben werde», der unter der mächtigen Hand Gottes fein Volk aus der ägyptischen Knechtschaft befreite, haben niemals seit jenem Tage bis zum heutigen ihre Bedeutung und ihren Wert für die jüdische Rasse verloren. Es gab allerdings eine Zeit des Stolzes und der Wohlfahrt, des Angriffs und des Sieges, da auch dieses Volk oft seinen Gott vergaß und nicht mehr zu ihm als zu seiner Zuflucht aufschaute. Es setzte seine Zuversicht in Wagen und Pferde, in Schwerter und Speere, in die Milch und den Honig eines eroberten Kanaan, in Silber und Gold, das die Wände ihrer Tempel bedeckte. Aber die strahlendsten Seiten in dem Buche ihrer Geschichte find nicht die, welche von ihrer irdischen Pracht und ihren Siegen über ihre Feinde erzählen. Abgötterei und alle Arten von heidnischen Gräueln bestecken jene Blätter, mährend man den Geist der wahren Menschlichkeit, der sich selten offenbarte, entweichen ließ. Wenn wir den' wahren Ruhm und Glanz dieser wundervollen Rasse sehen wollen, so müssen wir in den Kapiteln danach suchen, die von ihrer Erniedrigung und Vernichtung, ihrer Gefangenschaft und Knechtschaft und ihrer Unterdrückung erzählen, -und von den Grausamkeiten, denen sie ansgesetzt waren. Nirgends kann in der Geschichte der Menschheit ein Beispiel gefunden werden von den wunderbaren Segnungen der Schulung durch Not und Unglück, das bemerkenswerter und öfter wiederholt worden wäre. Wenn wir die verdältnismäßig kurze Periode ihrer nationalen Blütezeit ansschließen, so können die Worte des Propheten Jesaiah, als er die Lage des Volkes beschrieb, für unbedingt wahr befunden werden: „Er war verachtet und verworfen von den Menschen, ein Mann mit Kummer und mit Leid vertrant. Und wir verbargen gleichsam unsere Gesichter vor ihm. er war verachtet, und wir achteten ihn nicht." Den- *) Diese von warmem menschlichen Mitgefühl getragene Predigt eine» strenggläubigen englischen Geistlichen, dem jede Proselytenmacherei fernliegt, kennzeichnet so recht den Abstand zwischen der zum größten Teil im Fahrwasser des politischen Antisemitismus segelnden Orthodoxie in Deutschland und dem toleranten religiösen Positivismus in England. noch gab es immer einige, die ihr Leid-hiunahmeil als-' voir der liebenden Hand Gottes und Ummer bereit - wären- Ergebung und Demut zu predigen; in -Worten wie: '..Dir' sollst eingedenk sein, daß, wie ein Vater .seinen Sohn, so' der Herr dein Gott dich züchtiget,/denn, wen her Herr liebt, den -züchtigt er und / geißelt jeden -- Sohn, den er anfnimmt." Nun ist tß von äußerster Wichtigkeit für die übrige Welt,' zu lernen, was die gewichtige Geschichte der 'Inden zu lehren hat. aSH kl'ster 2inie muß es, denke ich,- zweifellos zugegeben werden, daß.kein Volk.auf der Erde eine so würdige Haltung in Zeiten der'Unterdrückung und Verfolgung gezeigt hat, als die Nachkommen Abrahams; daß ihre Würde in der Geduld und in der Nachsicht sich bekundet hat, die sie gegen ihre Unterdrücker bewiesen haben, und in dem bemerkenswerten Verzicht auf Rache. Um noch einmal Jesaiah zu zitieren: „Er wurde unterdrückt und er wurde gequält, doch er öffnete seinen Mund nicht, er wurde wie ein Lamm zu dem Schlächter gebracht, unth wie ein Schaf, bevor es geschoren ivird, stumm ist, so öffnete er nicht seinen Mund." Ebenso hat sich ihre Würde bekundet in dem Festhalten, an Tugend und Sitte unter dem erniedrigenden Einfluß der schlechten Behandlung. Nicht, daß diesen erniedrigenden Einflüssen völlig und in jedem-Falle widerstanden werden konnte; aber wunderbar ist es, daß ihrer Moral so wenig Schaden zugefügt werden konnte durch eine systematische und andauernde Verfolgung, von der mail durch so viele treffende Beispiele weiß, daß sie äußerste Erniedrigung des Charakters erzeugt- Es ist der christliche Shakespeare, und nicht ein Jude, der Shylock sagen läßt: „Und wenn Ihr uns quält, sollen wir uns nicht rächen? Sind wir Euch in allen Dingen ähnlich, so wollen wir es Euch auch darin gleichtun. Wenn ein Jude einen Christen schädigt, was ist seine Demut?' Räche! Wenn ein Christ einen Juden schädigt, was-muß seine Geduld nach christlichem Vorbild sein? Nun, Rache! Die Bosheit, die ihr mich lehrt, die will ich'ansüben. Und es muß schlimm hergehen oder.ich will es zuvortun meinen Meistern." Nun, gerade' dies ist es, was der Jude nicht' getan Hat- Selten genug ist das Beispiel von jüdischen Gegenmaßregeln christlichen Greueltaten gegenüber. Es ist offenkundig. wie geduldig, nachsichtig und verzeihend sie nach den schlimmsten gegen sie gerichteten Ausdrücken der Leidenschaft und der Grausamkeiten gewesen sind. Und dies ist umso überraschender, als sie durch Blut Orientalen sind, und dieser Begriff „Orientale" ist beinahe sinnverwandt mit dem Recht auf Rache. Ein christlicher Schriftsteller, der verstorbene Superintendent Farrar, der mehr von den Inden wußte, als der große Shakespeare, sagte von ihnen: „Die Juden stellen relativ die niedrigste Verbrecherziffer. In kindlicher Ehrfurcht, häuslicher Liebe, in Treue gegeneinander, in Dankbarkeit für Wohltaten, in Mäßigkeit, Wohltätigkeit und Einfachheit geben sie oft ein leuchtendes Beispiel." / (Fortsetzung folgt.) Uerschiedene Nachrichten. Wien. (Predigt.) Freitag, den 12. Jänner 1912 abends- 1 Predigt int Stadttempel. ' Wien. Dienstag, den 9. d. M.,. 6 Uhr abends fand im Stadttempel das vom „Oesterr.-ungar. Kantoren-Verein" veranstaltete Reqnium für seinen vor kurzem verschiedenen ' Präsidenten, kaiserl. Rat Oberkantor .! Josef Singer statt. Zur Trauerfeier hatten sich eingefunden die Familienangehörigen Herr und Frau Oskar Strauß/ Herr und Frau Haus '! Singer, Herr und Frau Direktor Klapp holz, ferner der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Ster n, Vizepräsident Dr. Gustav K o h it,. Vertreter Dr. Marcus Spitzer, die Knltnsvorsteher Eman. G r ü n w a l d, Carl Le m berge r und Sam. S t e in er,/die Bethausvorsteher Anton Beck und Dr. E. Münz, I. Sekretär kaii'erl. Rat Dr. Lieben. Sekretär Dr. A d l e r, die Rabbineu Dr. B a ch. K ra me r. P a p o. Dr. T a gli cht, die Vorsteher der Chewra-Kadlschä S- S i m o n^ Jacob K.a u n^ S. G o l d m a n n und Leopold O t t v, Hosrat S chl.a g, kaiserlicher Rat ' Direktor Heller, die Obmänner der Tempelvereine im V; und X. Bezirke A. H o f m a n n und Jac. E. S t r ä ß b e r g^ eine Vertretung/ des Fugbachtempels und Delegierte kultureller und i humanitärer Vereine, der Präsident des Vereines zur Unterstützung armer alter Männer, Herr/ Isidor Sch w a r z. Religionsfch'ül-Jns-ekwr' / Prp.seypr...Kß ,'i tz,-:KrtzA sessor Dr. Poll a k, Armenrat Joses I e l l i n e k, zahlreiche Religions-