Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 2 (12.1.1912)
- Date
- 1912-01-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Die Wahrheit Nr. 2 Wollen wir unsere Kinder vor solchen Konsequenzen bewahren, ' dann müssen wir ihnen eine ausgesprochen jüdische Erziehung geben! Um das zu können, müssen wir uns aber selbst orientieren und über die wesentlichen Lehren des Judentums zu unterrichten suchen! Im Interesse eine richtigen und glückbringenden Kindererziehuug müssen wir unser Familienleben revidieren und dasselbe energisch mit den Religionslehren in Einklang zu bringen suchen, welche unseren Kindern gelehrt wird. Jeder Zwiespalt zwischen Lehre und Ausübung in der Familie bedeutet gefährliches moralisches Gift für unsere Kinder. Wenn wir Inden uns selbst wieder zu achten beginnen werden, . dann werden wir auch wieder die Achtung unserer ui chtjüdi scheu Mitbürger erringen! Der wichtigste Angelpunkt für alles erziehliche Gelingen bildet die U e b e r e i n st i m m u n g zwischen Lehre u n d U e b n n g in der Familie. Nur durch Außerachtlassung dieser Wahrheit im Ellernhause sind wir in den wahrlich nicht beneidenswerten, widerspruchsvollen und zerfahrenen Gemütszustand gekommen, zu der zerfahrenen Weltanschauung gelangt, welche uns so furchtbar nüchtern gemacht hat. Freilich wirken auch Schule und Einrichtungen der Religiousgemeiudeu erziehend auf Jugend und Volk. Zeigen solche Einwirkungen Widersprüche ilnd Mangel an Harmonie, beachten sie tatsächliche Bedürfnisse nur in geringem Grade, dann wirken sie auch nur mangelhaft oder gar revolutionierend ans die Gemüter und erfüllen ihren Zweck nicht. Doch davon ein andermal. K. L. Gebet für den Kar-Mstwa.*) Von Dr. Kahan, Znaim. Gepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, daß Du mich diesen schönen Tag in Gesundheit und Frische hast erleben lassen, da ich vor Deine heilige Thora hintreten durfte, um mich als treuen Bekenner Deiner Lehre und als treuen Sohn Deines Volkes Israel zu bekennen. Dank Dir, v Gott, für die Gnade, die Du bis jetzt an mir geübt! Innigen Dank Dir, daß Du mir so liebevolle Eltern gegeben, die für mein körperliches und geistiges Wohl Sorge tragen und mich s o erziehen, daß ich vor Dir, o Gott, und vor allen Mitmenschen Gefallen zu finden, hoffen darf. O. daß Du mir auch in der Zukunft beistehst nnd mir Kraft und Gesundheit verleihst, daß ich den Aufgaben, die an mich gestellt werden, gewachsen bin und meinen lieben, teuren Eltern noch recht viel Freude bereiten kann! — Wie könnte ich s o n st, o Gort, meinen lieben Eltern für ihre Mühen nnd Sorgen den Dank abstatten, wenn es mir nicht gelingt, durch Deinen Beistand ihre Hoffnungen zu erfüllen, welche sie auf mich setzen? — So habe ich denn, o Gott, in dieser bedeutungsvollen Stunde nur das eine Gebet im Herzen: O, erhalte mir meine lieben, teuren Eltern noch recht lange in voller Gesundheit nnd lasse mich noch recht viel zu ihrer Freude und zu ihrem Glücke beitragen! So will ich stets ein treuer Diener Deiner Lehre sein und mit kindlicher Freude Dir mein schönstes Lebensglück danken. Amen. Aus der Wiener Knllnsgentrmde. Wie statutengemäß alljährlich im Monate Jänner fand in der am 7. d. M. unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Alfred Stern abgehalteneu öffentlichen Plenarsitzung die Konstituierung des Vorstandes, resp. die Wahl der beiden Vizepräsidenten, des Vertreterkollegiums und Komniissionen statt, wobei die bisherigen Funktionäre wiedergewählt wurden. Die Sitzung zeigte diesmal ein ziemlich vollzähliges Kollegium und bot außer dem Wahlakt nur ein Moment allgemeinen Interesses, als der Antrag des Vertreterkollegiums betreffs des Stimmrechtes der *) Auf Verlangen veröffentlicht. externen Kommissionsmitglieder zur Verhandlung gelangte. Im Nachstehenden der Bericht. Präsident.Dr. Alfred Stern eröffnet um 10^ Uhr die Sitzung, konstatiert, daß die Einladungen zu dieser Sitzung rechtzeitig ergangen sind nnd die Sitzung beschlußfähig ist. Zn Verisikatoren des Protokolles werden die Vorsteher S. Bro d nnd Dr. Jakob Engel berufen. Im Einlauf befinden sich: Dankschreiben des Vorstandes der Pester isr. Religionsgemeinde für die Teilnahmskundgebnngen des Vorstandes anläßlich des Hinscheidens des Präsidenten Hosrates Dr. Philipp W e i n m a n n. — Dankschreiben des Herrn Siegmnnd.M a y e r, Präsidenten der „Oesterr. israel. Union" für die Glückwünsche des Vorstandes anläßlich seines 80. Geburtstages. — Dankschreiben des Herrn Abraham Epstein, Mitgliedes der historischen Kommission der isr. Knltusgemeinde für die Glückwünsche des Vorstandes anläßlich seines 70. Geburtstages. — Dankschreiben des Ehepaares Siegmund und Sophie Pollak für die Glückwünsche des Kultusvorstandes anläßlich ihrer goldenen Hochzeit. Gegenstand der Tagesordnung ist die Konstituierung des Vorstandes. Die Wahl des ersten und zweiten Vizepräsidenten, sowie des Vertreterkolleginms erfolgt durch Abgabe von Stimmzetteln. Es werden 28 Stimmzettel abgegeben. Zum ersten Vizepräsidenten wird Herr Dr. Gustav K o h n einstimmig wiedergewählt. Derselbe dankt für die einstimmige Wiederwahl nnd erklärt unter lebhaftem Beifall, daß er seit 1885 Mitglied des Kultusvorstandes ist und diese langjährige Tätigkeit im Vorstande ihn der neuerlichen Entwicklung seines Programmes enthebe. Er will derselbe bleiben, der er bisher gewesen ist. Zum zweiten Vizepräsidenten wird Herr Hofrat Doktor Benjamin Rappaport einstimmig wiedergewählt. Vizepräsident Dr. Rappaport dankt für die Wiederwahl. Wenn auch gar oft seine Anträge nicht durchdringen, so zeige doch diese einstimmige Wiederwahl, daß man mit der Richtung, in welcher er seine Tätigkeit ausübe, zufrieden sei. Er habe auch nicht die Absicht, sich zu ändern, da man in seinem Alter die Ansichten nicht mehr zu ändern psiegt. (Lebhafter Beifall.) Bei der hierauf erfolgten Wahl von 8 Mitgliedern des Vertreterkollegiums erscheinen die bisherigen Mitglieder desselben wiedergewählt, nnd zwar die Herren Vorsteher Salo Cohn, Max Frau k, kaiserl. Rat Sigmund K a u d e r s, Dr. Leopold K v h n, Wilhelm K u f s u e r, Universitätsprofessor Dr. Josef Pollak, phil. et jur. Dr. Markus Spitzer und Dr. Maximilian Steiner. Im Namen der Wiedergewählten dankt Vorsteher Wilhelm K n f f n e r für das neuerliche Vertrauen. In die verschiedenen Kommissionen wurden hierauf die bisherigen Mitglieder derselben en bloc wiedergewählt. Erster Sekretär kaiserl. Rat Dr. Lieben referiert über einen Antrag des Vertreterkolleginms, wonach den externen Mitgliedern der einzelnen Kommissionen in den Kommissionsberatnngen nicht nur das Beratnngs-, sondern auch das Stimmrecht eingeräumt wird. Nach einer längeren Debatte, an welcher sich die Vorsteher K u f f n e r, K a u d e r s, Dr. Schreiber, Dr. Engel. Hofrat Dr. Rappaport, B r o d, Doktor Breuer, Ho ff manu und Vizepräsident Dr. K o h n beteiligen, wird der Antrag des Vertreterkolleginms zum Beschluß erhoben. Der Vermittlungsanirag des Vorstehers Hoffmann, daß von jenen Gegenständen, bei welchen den externen Mitgliedern das Stimmrecht zngebilligt wird, Personalangelegenheiten ausznschließen seien, wird abgelehnt. Hierauf schließt der Präsident die öffentliche Sitzung. * * * Spendenliste. Von Herrn kais. Rat Leopold Sachs zum Andenken an seine Eltern Jakob nnd Anna Sachs und au seine Schwestern Frau Sophie Prager und Frau Regine Pollack Edle von Parnau. Für die Versorgungsanstalt der isr. Kultnsgemeinde X 1000. für den Verein zur unentgeltlichen Verpflegung Brustkranker auf dein Lande X 1000, zusammen X 2000. Von Herrn Michael Benies anläßlich der Geburt eines Enkels für die Ärmcnanstalt X 800, für den Wöchnerinneuverband X 300, für den Ferienheim/ X 300, für die Kinderbewahranstalt X 300, für den Stndentenunterstützungsverein X 300, für den Talmud Thora-Verein X 300,