Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1912-01-05 · Heft 1 (5.1.1912) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 1 (5.1.1912)
Date
1912-01-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3062972-3063623-3063624--07655-3074757
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 1. _ Die Wahrheit. _- ___Seite v. Beschützer, der sein gebeugtes Haupt wieder aufrichteu, seine durch Schmähungen verletzte Ehre wieder Herstellen wird. 5. Als Beweis dafür, daß er bie Gunst Gottes besitzt, führt er die Tatsache an, daß, so oft er ihn anrnft, erhört er ihn von seinem heiligen Berge. Noch bevor der Tempel ans Zions Berge erbaut wurde. Herrschte die Vorstellung, daß Gott vom heiligen Berge, dem Berge des Ewigen, den Frommen Erhörung ihrer Gebete zuteil werden läßt. 6. Im Vertrauen auf diese legt er sich ruhig schlafen; er weiß, daß er nicht des Todes entschlafen wird (13, 3), und daß ihn Gott beim Erwachen schützen wird. '71Der Ps., dem . man schon als Jüngling uachrühmte, daß er Myriaden geschlagen, fürchtet auch jetzt nicht die Myriaden Völker, welche um ihn herum einen Kreis bilden, in dem er eingeschlossen ist. 8. Dieses Selbstvertrauen jedoch stützt sich ans Gott, den bewährten Retter, der schon oft seine Feinde aufs .Haupt geschlagen hat. An ihn richtet er auch jetzt den Weckrufs: Mus Ewiger! Zeige durch deine Hilfe, daß die Behauptung meiner Feinde, für ihn ist keine Hilfe bei Gott" eine unrichtige ist. 9. Wie ein auf das Wohl Volkes bedachter König schließt er mit dem Wunsche, daß die Hilfe des Ewigen auch dem Volke .zum Segen gereichen möge. ' Der Psalm zerfällt in 4 Strophen von je zwei zweigliedrigen Versen (bis auf V. 8) 2—3, 4—5, 6—7, 8—9, Die zumeist parallel sind. Dr. Fr.-Gr. (Fortsetzung folgt.) Die „Iudenkönige" der Provence. Das Museum von Narbonne besitzt ein Jndenpetschaft «aus dem Ende des 13. oder vom Anfang des 14. Jahrhunderts. Es stammt ans der Zeit, wo die Wappen nicht mehr das ausichließliche Vorrecht des Adels waren, sondern wo auch die 'namhaften Bürger in den Städten anfingen, sich solche beizulegen. Das Petschaft ist zweiseitig und zeigt einen steigenden Löwen in heraldischer Form. Die Umschrift mit dem Namen ist auf der einen Seite provencalisch, auf der andern hebräisch. Das Petschaft gehörte dem Momet Tanros oder Kalonymos ben Todros III. ans dem alten, reichen Geschlechte Äer „Iudenkönige", in welchem das Vorsteheramt der Gemeinde van Narbonne erblich war. Der Verfasser eurer Studie über diese Gemeinde, Jean Rsgns, führt in der „Revue des Efcudes Juives“ ans, daß der von einer Generation auf die andere fortgeführte Name „Roi Juifu von den Christen hergerührt habe, welche den hebräischen Vorstehertitel irrtümlich deuteten. Die Familie leitete sich her von einem Gelehrten, den .Karl der Große aus Babylon berufen haben soll, damit er in /Narbonne eine Talmudschule nach dem Muster der babylonischen Akademien gründe. Diese jüdischen Gelehrten in Babylon, die sogenannten Exilarchen, behaupteten, vom königlichen Blute Davids zu sein. Der heraldische Löwe auf dem, Petschaft des Momet Tanros soll daher möglicherweise an den „Löwen vom Stamm Inda" erinnern. Bis über die Mitte des 13. Jahr- .hunderts waren diese provencalischen Iudenkönige freie Allodialcherren, die unmittelbar unter dem französischen Könige standen. 'Reicher Allodialbesitz kam in Südfrankreich unter den Juden schon von gallisch-römischer Zeit her vor, jedoch ohne Gerichtsbarkeit und ohne die Macht, Untertanen zu Kriegsdienste anfznbieteu. So blieb es unter der merowingischen und unter der ckarolingischen Herrschaft. Die Fendalzeit trieb die kleineren jüdischen Allodialbesitzer, ebenso wie die Christen, dazu, sich als 'Lehenslente unter den Schutz größerer Herren zu begeben. Sie 'kamen auch als Lehensleute von Abteien und Bischöfen vor. Die mit, den Kreuzzügen entstehende Feindseligkeit der Christen veranlagte dann die jüdischen Grundbesitzer, ihre Güter nach und nach zu barem Gelde zu machen. Als 1306 die große Kon- -fiskation kam, da fanden sich bei den „Judenkönigen" nur mehr etwa dreißig Häuser vor; ihren Allodial- und ihren Feudal- /tbesitz hatten sie kluger Weise einige Jahrzehnte vorher veräußert. Verschiedene Nachrichten. Wie«. (Predigt.) Freitag, aui 5. Jänner 1912 abends Predigt des Herrn Rabb. Dr. I. M. Bach im Leopoldstädter Teuchel. Wien., Dienstag, den 9. Jänner a. c. 6 Uhr abends findet im Tempel in der .Seirenstetrengasse cut Requiem für weiland kaiferl. Rat Oberkantor Joses S i n g e r statt. Wien. (Jiraelitische KnltuSgemeinde.) Seffent t i che Plenarsitzung des Vorstandes der rfrael. Knltusgemeinde. Sonnt a g, den 7. Jänner 1912, lj2ll Uhr vurmirrags I. Seitensteitengaffe 4. HI. Stock. Tagesordnung: Konstituierung des Knltusvorstandes: 1. Wahl des Ersten Bize-Präsidenten. 2. Wähl des zweiteu Bize-Präsi» deuten. 3. Wahl von 8 Mitgliedern des Vertreter-Kollegiums. 4. Wahl der Mitglieder in die Kommlffionen und Komitees. Wien. (B o r tr a g aus Indischer G e s ch i ch t e, L i t e r at n r und Kultur). Donnerstag, den 11. Jänner 1912, Uhr abends, findet im Festfaale des Ingenieur- und Architekceu-Bereines, I. . Eschenbachgaffe 9, ein Bortrag, des Herrn Med. Dr. Ignaz Z o l l » schon statt. Thema: „Der Raffenwerr der Juden." Eintritt frei, ohne Karten. Wien. (Populär - w i s s e n s ch a f t l i ch e Freitag- Abend-Borrräge — auch Frauen zugänglich — am Bet-Hamidrasch „Talmud-Thora", II., Malzgasse 16.) Am 5. Jänner 1912: Herr Rabbiner L. Gold sie in: „R. Joses Karo und seine Bedeutung fürs uns" und am 12. Jänner 1912: Herr Rabbiner H. Schenk: „Die Psalmen". Beginn jedesmal um 7*/2 Uhr abends. Wien. (Jüdische Toynb ee-Halle. XX., O thmargasse 64.) Beginn der Borträge an Wochentagen 1j28 Uhr, Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr abends. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. W o ch e n - P r o g r a mm: Samstag, 6. Jänner. Konzert. Sonntag, 7. Jänner. „Die Juden un Wirtschaftsleben und Münzwesen in Alt-Oesterreich. E. Jona s-S ch a cd t i tz. Montag, 8. Jänner. „Unsere Mütter". Prof. Moritz A n t s ch e r l. Dienstag. 9. Jänner. „Die Stellung des Kindes im österreichischen, gegenüber dem französischen Rechte". Cand. jur. Erich Saxl. Mittwoch. 10. Jänner. „Wesen und Behandlung der Geschlechtskrankheiten." (Nur für Männer.) Dr. Otto Sachs. Donnerstag, II. Jänner. Literarischer Abend. Freitag, 12. Jänner. Bibelvortrag. Lehrer Jakob B r o n n e r. Wie». (Jüdischer Schnlverein für den IX. B e - z i r k. IX., S e e g a s s e 16.) Der jüdische Schulverein für den IX. Bezirk veranstaltete eine Chauukafeier, die bei allen Teilnehmer größten Beifall fand. Die Eltern der Schüler und Freunde der Anstalt waren in großer Anzahl erschienen, so daß der geräumige Saal und alle Nebenräume überfüllt waren. Außer dem Gesamtvorstande waren erschienen: Ehrenpräsident des Bereines Dr. Gustav Kahn. Bizepräsident der Knltus- Gemeinde, der,' obwohl am selben Tage zahlreiche Repräsentations-Pflichten erfüllend, hier nicht fehlen wollte — Die Herren Amtsleiter I. Braun, Amtsleiter Frei stad t, Professor Kanitz, Vertreter von „Adaß Jisroel", „Adaß Jeschurun", „Ohel Awrahom" und anderer Vereine, mehrere Herren Religionslehrer rc. rc. Der Obmann begrüßt die Festgäste, worauf Vereiuslehrer G r o n n e r in einer gediegenen Festrede die Bedeutung des Festes speziell für die jüdische Jugend beleuchtete. — Darauf folgten Gesänge und Vorträge der Schüler (vom Herrn Bereinslehrer Rudolf Müller glänzend einstndiert), die dnrch die vorzügliche Vortragsweise erweisen, daß die Bestrebungen der Bereinsleitnng, den Kindern Sinn und Verständnis für Religion und Bolksbewnßtsein einzuprägen, von den Lehrern mit bestem Erfolge ansgeführt wurden. Alle Anwesenden, besonders Ehrenpräsident Dr. Gustav Kahn, zollten dem Borstaude, den Lehrkräften und den Schülern lebhafteste Anerkennung, die dem Vereine gewiß neue Gönner und Förderer erwerben wird. Wien. (Ein.e C h a nu k a - N a ch f e i e r im 21. Bezirk.) Um die 4. Nachmittagsstnnde am 25. v. M. versammelte sich, der Einladung des israelitischen „Frauen-Wohltätigkeitsvereiues" zu Floridsdorf Folge leistend, eine stattliche Gemeinde im Festsaale des Hotels „Goldener Engel", um einer originellen Feier beiznwohnen. Se. Ehrwürden Herr Rabb. Dr. Rosenmann hielt die Festrede, die auf das, den sehr geräumigen Saal bis auf das letzte Plätzchen füllende Auditorium großen Eindruck machte. Bei der nun folgenden Akademie, geschickt arrangiert vom Herrn Religionslehrer Krug, sprach Herr Religionslehrer An tschert als Prolog sehr wirkungsvoll die herrliche Dichtung „Das Streben nach Ehre" von weiland Oberrabbiner Josef Weiße. Es folgten sehr schöne Vorträge von Gedichten, Liedern und Musikstücken. Besonderem Interesse begegnete die Aufführung der „Makkabäer", m denen Herrn Krugs „Matathias" und die Masken der anderen mitwirkenden Damen und Herren allgemein gefielen. Aber auch Knaben und Mädchen beteiligten sich aktiv an der Akademie, welche mit der den armen Kindern gebotene» Festjause bis 7 Uhr abends währte. Herr Chordirigent Perl komponierte einige sehr schöne Chöre und brachte sie durch 50 Kinder wirkungsvoll zum Bortrage. Genannt seien noch die Damen und Herren: F r e i b e r g, H e r m a n ii. Kaufmann, Brüder Lampe l. Lehr. Pollizer. E i b e n s ch ü tz, Brüder Rose n m a n ». Schwestern Scharf, Schick und T r e i b l. Frau Dr. Rosen m a n n, Frau Präsidentin G r ü n - wald und Herr Vorsteher Grünwald machten sich um die Feier auch besonders verdient. Biele Honoratioren und Festgäste auch aus den anderen Wiener Bezirken waren zugegen. Allgemein wurde der Wunsch laut, solche Veranstaltungen auch ins Zentrum unserer Großgemeinde zu verpflanzen. Das echt jüdische Leben wird dadurch nur gewinnen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.