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Die Wahrheit · 1912-01-05 · Heft 1 (5.1.1912) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 1 (5.1.1912)
Date
1912-01-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die sowie einer Abordnung des Kultusvorstandes verherrlicht, und 'mit Befriedigung konstatieren wir, daß ein großer Teil der Mitglieder es sich nicht nehmen ließ, an diesem Tage im Tempel zu erscheinen, um dadurch zu bekunden, daß er auch in der Mitgliederschaft sich ungeteilter Sympathie erfreut. Möge uns die Gnade des Himmels diesen trefflichen Mann noch ungezählte Jahre erhalten, zu unserer Freude und zur Ehre hes Judentums! Der Jubilar spendete an diesem Tage dem Tempel einen Betrag von 1500 L und hatten wir auch noch weitere größere Spenden aus diesem Anläße zu verzeichnen. (Bravo!) Der Vorstand ergriff mit Freude die Gelegenheit, . um Ihren Präsidenten anläßlich der Veimiählnng seiner jüngsten Tochter in herzlicher Weise zu begrüßen und widmete ihm aus diesem Anlasse ein von Künstlerhand verfertigtes, den-Tempel darstellendes Aquarell. - Am 1. November d. I. beging der Vereinssekretär Herr Heinrich Bondy sein 25-jähriges Amtsjubiläum. Es soll an dieser Stelle dankbarst anerkannt werden, daß der genannte Funktionär während dieses ganzen nicht unbeträchtlichen Zeitraumes stets in musterhafter, vorbildlicher Weise seines Amtes gewaltet, die Interessen des Vereines unerniüdlich wahrgenommeu und durch seine Lebensführung sowohl als auch durch sein Denken und Fühlen mit zum Gedeihen und zu den schönen Erfolgen des Vereines wesentlich beigetragen hat. Der Vorstand, welcher namens des Vereines den Jubilar in einer Adresse und durch ein Ehrengeschenk feierte, wünscht Herrn Sekretär Bondy auch für künftige Zeiten das Allerbeste. (Lebh. Bravo!) . Geehrte Generalversammlung! Wir nehmen mit besonderer Befriedigung Anlaß, auch au dieser Stelle eines Ereignisses zu erwähnen, das zwar nicht direkt Angehörige unseres Vereines betrifft, das jedoch in keinem Berichte eines jüdisches Vereines unerwähnt bleiben darf: des 80. Geburtstages jenes Mannes, der seit vielen Jahren mit sicherer erfolgreicher Hand die Geschicke unserer großen Kultusgemeinde leitet. Unser Verein hat freudig die Initiative ergriffen, um aus diesem Aulasse eine gemeinsame, überaus^ würdige Kundgebung sämtlicher Tempelvereine zu veranstalten, die unter Führung Ihres Präsidenten am 29. August v. I. dem vielgefeierten Jubilar ein prachtvolles Angebinde mit einer herzlichen Ansprache überreichten. Der Präsident, Herr Dr. Alfred Stern, hat sich über diese Kundgebung außerordentlich gefreut und derselben in einer an alle Vereine gerichteten Zuschrift Ausdruck verliehen, in welcher er für diese solenne Ehrung dankte und der Bitte Ausdruck gab, daß die Tempelvereine nach wie vor im guten Einvernehmen mit der Hauptgemeinde wirken mögen. Anknüpsend hieran sei betont, daß wir allezeit bestrebt waren, unsere hohe Aufgabe im friedlichen Einvernehmen mit der Muttergemeinde zu erfüllen; wir haben uns stets als ein Teil des großen Ganzen gefühlt und wollen auch in Zukunft als treue Söhne unserer ehrwürdigen Gemeinde für deren Würde und Wohlfahrt wirken, solange Sie, verehrte Herren, uns Ihr Vertrauen und Ihre werktätige Unterstützung schenken!" Unter Beifallskundgebungen für den Präsidenten wird der Bericht einstimmig zur Kenntnis genommen. Kassaverwalter kaiserl. Rat Friedrich Pollak legt hierauf den Rechnungsabschluß und die Bilanz pro 1911 vor und bemerkt hiezu, daß es in der Natur seiner Stellung liege, wenn er das Ergebnis des abgelaufenen Jahres, das allerdings ein Rekordjahr war. nicht so freudestrahlend hinnehme. Besondere Sorge für die Zukunft bereite ihm die Belastung, die dem Vereine daraus erwachsen wird, daß er, trotzdem die Angestellten schon von früher her bei einer privaten Gesellschaft auf Pension versichert sind, .. gezwungen sein, wird, die Funktionäre bei der staatlichen Pensions-Versicherung anzumelden. Für die Jahre 1909—1912 seien bereits aus diesem Titel 3600 K vorgeschrieben und da Man den Funktionären nicht zumuten könne, diesen Betrag zu bezahlen, werde ihn wohl der Verein auf sich nehmen müssen. Nach einer klaren Darstellung der einzelnen Bilanzposten appelliert der Kassaverwalter an die fernere Opferwilligkeit der Gönner und Mitglieder des Vereines und bittet um Genehmigung des Kassaberichtes. Wahrheit. Nr. 1. Ueber hie Frage der Pensionsversicherung. der Angestellten eütspinnt sich eine kurze Debatte, an . welcher der Präsident^ Schriftführer Fische! und das Vereinsmitglied S p i r a teilnehmen. Der Vorsitzende dankt hierauf dem Kassaverwalter kaiserl.-. Rat Friedrich Pollak für die Liebe, Treue und Mühe, die er in Ausübung seines Amtes dem Pereine znwendet und nach Entgegennahme des von Herrn Moriz Mantler erstatteten- Berichtes der Revisoren wird der Kassabericht einstimmig genehmigt. Nach Wiederwahl der bisherigen Revisoren Moriz. Ma ntler und Leopold Sto wasser, sowie des Ersatzrevisors Dr. Karl Löwy wird der Jahresbeitrag, wie bisher, mit K 12.— festgesetzt. - Die statutengemäß aus dem Vorstande scheidenden Herren Kommerzialrat Max Eise n b er g er, Ignaz Klein, Hermann Kön i g imb k. k. Generalstabsarzt Dr. I. Zucke r m a im kandidieren sämtliche: zur Wiederwahl. Ersterer schriftlich und wird änßerdenr noch, durch Herrn kaiserl. Rat Friedrich P o ll a k mit warmen Worten zur Wiederwahl empfohlen, letztere kandidieren persönlich unter Hinweis auf ihre bisherige Tätigkeit.. Bei der hierauf mittelst Stimmzettels vorgenommenen Wahl werden sämtliche vier Vorstandsmitglieder nahezu einstimmig wiedergewählt und nach Verkündigung des Wahlergebnisses wird die Generalversammlung vom Vorsitzenden geschlossen. Wie die Psalmen beim Pcligionsnnterrichte behandelt werden falle«. (Fortsetzung.) Psalm 3. Die Ueberschrist, Psalm Davids, als er ftoh vor seinem Sohne Absalon gibt die Abfassnngszeit und das-Motiv des Psalms an. Der gegen ihre. Echtheit erhobene Einwand, daft dieses Ereignis im Psalm selbst nicht erwähnt wird, ist nicht stichhältig, weil David in seiner väterlichen Zärtlichkeit, die selbst der Vorwurf Joabs, daß er durch seinen Befehl, Absalon schonend zn behandeln, den Unwillen der Krieger her-' vorrief, nicht abzuschwächen vermochte, die empörende Untat seines Sohnes nicht berühren wollte. Der Stil des Psalms trägt ein Davidisches Gepräge. Auch die in ihm hervortretenden Anschauungen bewegen sich im Gedankenkreise David's. Er spielt deutlich auf eine Episode an, welche sich auf der Flucht vor Absalon zugtragen hat. — Auf dem Wege nach Bachurim kam von der Gebirgsseite plötzlich der Benjaminite Sinei aus der Familie Sauls ihm entgegen und stieß gegen ihn einen fürcherlichen Fluch aus: „Hinaus Mann der Blutschuld! Gott vergilt dir, was du Saul getan und gibt die Regierung deinem Sohne Absalou." Als Abisai ihn deshalb niederstoßen wollte, wehrte David ihn mit den Worten ab: „Laß ihn, denn Gott hat ihn geheißen, David ftuchen. — Trachtet mir doch mein eigener Sohn nach dem Leben; vielleicht sieht Gott mein Elend und vergilt mir Gutes wegen des Fluches, den ich heute über mich ergehen lasse." Doch innerlich fühlte er sich durch diese Kränkung so sehr verletzt, daß er in seinem letzten Vermächtnis Salomo anftrng, sie nicht unbestraft zu lassen. (H Sam. 16, 7, 14. I Kön. 2, 8). Gewiß beschäftigte sein Denken am Abend, da er matt nnd müde das Nachtquartier bezog, diebetrübenden Erlebnisse des Tages und er brachte die Regungen seines Herzens in folgendem Abendgebet zum Ausdruck: 2—3. Der Psalmist klagt über die Menge seiner Bedränger, der auswärtigen Feinde. Mehr noch schmerzt ihn die große Zahl der Aufständischen, zu denen seine früheren vertrauten Freunde und Berater zählen. 65, 13—15. Am meisten aber tut es ihm weh, daß diese Treulosen ihren Haß mit dem Hinweise auf Gott rechtfertigen, der nach ihrer vorgefaßten Meinung den König wegen seiner Sünden verstoßen hat, da er sonst die vielen Verfolgungen nicht dulden würde. Sie sprachen, daher über ihn: Er hat keine Hilfe bei Gott zu erwarten. 4. In Wirklichkeit aber, so wendet der Psalmist ein, ist Gott sein.

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