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Die Wahrheit · 1912-01-05 · Heft 1 (5.1.1912) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 1 (5.1.1912)
Date
1912-01-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite?. Nr. 1. Die Wahrheit Tempel« erein für Mariahilf ttttfe Uenlran. Wie alljährlich bot auch Heuer die am 28. Dezember '% Uhr abends im Zeremoniensaale YI., Schmalzhofgasse 3 stattgehabte Generalversammlung des israelitischen Tempelvereines für die beiden Gemeindebezirke Mariahilf und Neubau ein erfreuliches Bild fortschreitender Entwicklung, das der Tüchtigkeit .-des Vorstandes, der Opferwilligkeit der Mitglieder und-insbesondere dem .einträchtigen Zusammenwirken beider Faktoren zu danken ist. Den Vorsitz führte der hochverdiente Präsident Dr. Jacob -Engel, der. zunächst die erschienenen Mitglieder und Gäste -herzlich begrüßte und die Entschuldigungsschreiben der Abwesenden zur Verlesung brachte. Nach Verifizierung des vom Schriftführer, Herrn August Fische!, verlesenen Protokolles der vorjährigen General-Versammlung erstattet der Vorsitzende folgenden Bericht: „Geehrte Generalversammlung! Wir sind in der angenehmen Lage, Ihnen über die Entwicklung des Vereines und unsere Tätigkeit im abgelanfenen Jahre einen überaus günstigen Bericht erstatten zu können. Am Schlüsse des Jahres 1910 hatten wir -259 Mitglieder. Hievon sind leider 3 mit Tod abgegangen, -4 sind ausgetreten, dagegen 38 neu hinzugekommen, so daß wir heute 290 Mitglieder zählen, eine Ziffer, die wir schon seit vielen Jahren ■ nicht erreichen konnten. Wie bereits erwähnt, verloren wir durch den Tod 3 Mitglieder, die Herren Siegfried :Kallich, Josef P a s ch k a und' Josef P i ck, deren wir hier in Wehmut gedenken. Durch die glückliche Anregung unseres geehrten Herrn Kasseverwalters, kaiserl. Rates Friedrich Pollak, konnten wir eine ziemlich beträchtliche.Erhöhung der Einnahmen aus den Mitgliederbeiträgen erzielen, die Sie im Rechnungsabschlüsse, 'verzeichnet finden. ' Wir wandten uns an sämtliche Mitglieder mit einem Rundschreiben, in welchem wir sie um Erhöhung der Jahresbeiträge ersuchten und liefen uns von zirka 1(5 der gesamten Mitglieder zustimmende Antworten ein, wodurch dem Vereine eine ständige Einnahme von jährlich über 400 K -erwächst. Wir danken an dieser Stelle sowohl den betreffenden verehrlichen Mitgliedern, als unserem Herrn Kasseverwalter, der seine unermüdliche Sorge dem Gedeihen unseres Vereines allezeit erfolgreich znwendet. Bei dieser Gelegenheit gestatten wir uns schon darauf zu -verweisen, daß die von Jahr zu Jahr steigenden Ausgaben des Vereines durch die berechtigte Fürsorge für unsere P f l i ch t g e t r e n e n Angestellten noch e i n e weitere w e s e.n t l i ch e Steigerung erfahren werden und daß diese auf der anderen Seite gebieterisch eine Erhöhung der Einnahmen fordern, weshalb wir trotz der rühmenswerten Opferwilligkeit unserer Mitglieder, immer wieder von neuem einen Appell an die werktätige Unterstützung seitens derselben sowie der Tempelbesncher richten müssen. Es ergeht deshalb heute neuerdings die Bitte an unsere hochverehrten Mitglieder, die Jahresbeiträge, die gleichsam den Grundstock unserer Einnahmen bilden, nach Tunlichkeit in freiem Ermessen zu erhöhen, um. uns auch nach dieser Richtung in unseren Intentionen zu unterstützen. . Von den 290 Mitgliedern zahlten im abgelanfenen Jahre: 1 Mitglied einen Beitrag von 100 K, 1 Mitglied einen Beitrag von 60 K, 2 Mitglieder a 50 K, 2 Mitglieder ä 40 K, £> Mitglieder a 30 K, 3 Mitglieder a 25 K, 1 Mitglied 24 K, 35 Mitglieder ä 20 ft, 1 Mitglied 18 K, 3 Mitglieder 4. 16 K, 23 Mitglieder a 15 K, 3 Mitglieder a 14 K und der Rest 12 K Jahresbeitrag. Die laufenden Angelegenheiten des Vereines wurden in sieben Plenarsitzungen und einer Anzahl von Sektions- und .'Komiteesitzungen beraten; das Aktenprotokoll verzeichnet die Erledigung von 522 Geschäftsstücken. Einen breiten Raum in unseren Beratungen nahmen Maßnahmen betreffend bauliche Veränderungen in unserem Tempelgebände ein. Leider erlauben L>ie finanziellen Verhältnisse des Vereines auch mit Rücksicht auf die vorhin erwähnten momentan außerordentlich dringenden Ausgaben in absehbarer Zeit nicht, diesem . Gedanken näher treten, zu können. Infolge einer Anregung unseres Jahrzeitbuchführers, Herrn Hermann König, haben wir im abgelanfenen Jahre die Ein-» richtnug getroffen, daß sämtliche Mitglieder nicht bloß mündlich, -sondern anch schriftlich von den sie betreffenden Jahrzeiten in Kenntnis gesetzt werden und hoffen, daß diese Einrichtung ihren Beifall gefunden hat. Wir legen außerordentlich viel Wert darauf, der durch die Mitgliedschaft uns erwachsenen Verpflichtung der würdigen Abhaltung der Jahrzeitfeier unser besonderes Augenmerk zuznwenden und möchten bei dieser Gelegenheit die geschätzten Mitglieder, denen dies nicht bekannt sein dürfte, darauf aufmerksam machen, daß durch Erlag einer verhältnismäßig geringen Summe in ttnserem Tempel jederzeit Jahrzeitstiftungen für immerwährende Zeiten erworben werdeit können. Im abgelaufenen Jahre stiftete Herr Leopold Schlichter für seineil verewigten Vater weiland Dr. Salomon Schlichter eine Jahrzeit- Stiftung um den Betrag von 600 K. Wie alljährlich fand auch heuer, und zwar am 14. Mai die feierliche Konfirmierung von 30 Konfirmandinnen in unserem Tempel statt. Die Zahl der Trauungen betrug 64, der Barmizwahs 55 und der Namengebungen 8. Die im vorigen Berichte erwähnte Erhöhung der Trauungstaxen hatte eine erfreuliche Mehreinnahme ans dieser Post zur Folge, deren finanziellen Effekt Sie im Rechnungsabschlüsse finden. Eilt überaus günstiges Ergebnis brachten anch die Betsitzevermietungen im Tempel und das Erträgnis der beiden Filialen. Es ist Tatsache, daß nunmehr alle drei Erbanungsstätteu. die uns zur Befriedigung des religiösen Bedürfnisses speziell au den Hoheit Feiertagen zur Verfügung stehen, dem wirklichen Bedarfe nicht genügen. Die Nachfrage nach Betsitzen und speziell der Andrang zu den beiden Filialen waren im Henrigen Jahre so groß, daß wir demselben leider nicht zu entsprechen vermochten und wird wohl die Errichtung einer dritten Betstelle in absehbarer Zeit eine unbedingte Notwendigkeit sein. Es sei noch erwähnt, daß. wir zirka 160 Freisitze an arme . Glaubensgenossen zur Verteilung brachten nnd den Eintritt zu Maskir jedermann freigaben. Wir haben bei dem Gottesdienste im Architekten-Saale zum erstenmal Heuer auch für einen Prediger gesorgt, welche Einrichtung sich besonderen Beifalls der Besucher erfreute, zumal Herr Rabbiner Dr. Moritz Rosenfeld, der dies Amt in beiden Filialen versah, das Publikum in besonders aildachtsvolle Stimmung zu versetzen mußte. Mit besonderer Befriedigung verzeichnen wir die namhafte Steigerung unseres Spendenerträgnisses, das eine Rekordziffer darstellt. Es kamen lins an Spezialspenden zu: eine Widmung des Präsidenten, anläßlich der Vermählung seiner jüngsten Tochter Grete per 500 K, eine Spende des Herrn kais. Rates Toffler anläßlich der Vermählung seines Sohnes per 300 K, von Herrn Rudolf Weil anläßlich seiner silbernen Hochzeit 100 K, von Herrn I. L. Heller anläßlich des Ablebens seiner Gattin 100 K, ein ungenannt sein wollender Wohltäter spendete ein Anzahl voll Teppichen für den Tempel, wodurch uns eine beträchtliche Ausgabe erspart blieb. Wir wollen auch an dieser Stelle allen diesen ebleit hochherzigen Spendern unseren verbindlichsten Dank znm Ausdruck bringen. Aus der Chronik des Vereines sei an erster Strlle eines Freudenfestes gedacht, das uns am 21. Juni festlich zu begehen gegönnt war! Der 80. Geburtstag unseres allverehrten Herrn Vizepräsidenten und Senior unseres Vereines, Herrn Friedrich Pollack, der an der Wiege unseres Vereines gestanden und nunmehr mit Gottes Hilfe seit 5 Dezennien unter den werktätigen Förderern des Tempels'und unter den unermüdlichen Mitarbeitern an unserer heiligen Sache an erster Stelle zu finden ist. Es war unser eifrigstes Bestreben, diesen um unsere Gemeinde so hochverdienten Mann so zu ehren, wie er es in reichstem Maße verdient, und wir hoffen, daß uns dies durch den würdevollen und wirklich ergreifenden Verlauf der Feier im Tempel und der hierauf in unserem Sitzungssaale stattgehabten Begrüßung gelungen ist. Das Fest wurde durch die persönliche Teilnahme des hochverehrten Präsidenten der Knltusgemeinde,!• 2 '' ' i .!

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