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Die Wahrheit · 1911-12-29 · Heft 50 (29.12.1911) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 50 (29.12.1911)
Date
1911-12-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite Ml Die Wahrheit Nr. 50. Lebens in Anspruch genommen, au Steuerleistung nicht gerne denkt ober den sonderbaren Wiener Stvnöpunkt nicht weiß oder eine Demütigung in diesem Ansucheri erblickt. Nun wird mir von berufener Seite entgegengehalten, es sei unmöglich, die IO Kroneusteüer obligat zu gestalten, weil 1. der finanzielle Ausfall ein ungünstiger s e i n k ö n n te und weil sich 2 die Exekutionen anhäuseu würden) So liberal und so einladend auch diese Einwürfe scheinen, so ünzntreffend.sind sie beide. Daß die Finanzen darunter nicht leiden würden, meine Herren, das bestätigt öffentlich unser eigener Budget- Referent, den Sie Alle als einen ernsten, alles erwägenden Politiker kennen, Herr Gemeinderal Frank, er befürchtet keinen Ausfall und ist gleichfalls für die obligate Steuerquote von IO Kronen. In Pest, Berlin und anderen jüdischen Gemeinden ist das Steuer-Minimum ein noch geringeres, und daß sich die Exekutionen in größerer Zahl einstellen werden, das befürchte ich noch weniger, denn unser Statut hat dafür Sorge getragen, indem es ausdrücklich vorschreibt: Exekutionen darf die Behörde nur über Anordnung des Kultusvorstandes vornehmen. Ich erkläre somit nochmals, daß ich mit den verschiedenen Tarifansätzen, die ein unerläßliches Bedürfnis sind, soweit einverstanden bin, daß ich aber mit dem Systeme und der Basis, auf welchen der Tarif aufgebaut ist, durchaus nicht einverstanden sein kann, weil sie weder jüdisch, noch demokratisch sind. Die V. Kurie muß ebenso als obligat wie die 4 vorhergehenden Kurien anerkannt werden. Es drängt mich, nachdem ich schon beim Worte bin, nachfolgenden, sehr wichtigen Antrag zu wiederholen: Im Steuertarife heißt es: Mitglied oder Wähler in der Gemeinde kann nur der sein, der durch 2—3 Jahre hintereinander seine Stenerpflicht erfüllt hat. Meine Herren, gegen diesen Paragraph kann kein vernünftiger Mensch Stellung nehmen. Aber ich nehme entschieden Stellung dagegen, daß Jemand, der durch eine Reihe von Jahren pünktlich seine Steuer entrichtet hat, und sagen wir imelften Jahre, in welchem zufällig eine Gemeindewahl stattftudet, sie nicht pünktlich leisten kann, erst später leisten wird, daß er das Wahlrecht verliert und aus der Wählerliste gestrichen wird. Diese Erniedrigung des Mannes vor seiner Umgebung, vor der ganzen Gemeinde, ja, daß der Verdacht erweckt werden könnte, er habe, seinen Glauben gewechselt, ist gewiß alles, nur tlicht jüdisch, und nachdem ich mich in dem Jahre meiner Vorstandsangehörigkeit überzeugt habe, daß in diesem unseren Kreise niemals auch nur ein Teil der Bevölkerung in seinem Empfinden oder Fühlen verletzt worden wäre, so scheint diese Einrichtung nur ohne Umsicht und ohne tiefer darüber uachzudenken getroffen worden zu sein. Nun bespricht der Redner ausführlich die Erweiterung der Wirksamkeit der B e z i r k s v e r t r e t u n g e n. die keine Vertretungen des Bezirkes, sondern bloße Stenerkommissionen sind, mit welchen Agenden die Mitglieder derselben seit Langem nicht einverstanden sing. Er schließt mit dem Wunsche, daß nach den Aeußernngen einzelner Wähler auch die Zähl der Vorstandsmitglieder erhöht werden möge und bittet im Interesse der Allgemeinheit um kräftige Unterstützung seiner Anträge. Kultusvorsteher Dr. Markus Spitzer gibt seiner Freude darüber Ausdruck, daß in der heutigen Debatte die neuen Mitglieder des Kultusvorstandes das Wort ergriffen haben, so daß für die alten nur wenig zu sagen übrig blieb. Bei der Budgetdebatte werden gewöhnlich alle Fragen der Gemeindeverwaltung aufgerollt und manchmal wird auch über das Budget selbst gesprochen, wie es Herr Vizepräsident Dr. Rappaport getan hat. Herr Kollege Brod hat mit seiner Reminiszenz au den ersten Tempelbau eigentlich gegen sich selbst gesprochen. Da gab es nur freiwillige Spenden und es wird erzählt, daß ein Herold ins Lager hinausgieng und laut verkündete, daß nichts mehr angenommen wird. Das kommt allerdings heute tlicht mehr vor. Einmal im Jahre, bei der Budgetverhandlung wird viel vom Sparen gesprochen, am nächsten Tage aber werden all die gut§n Ratschläge wieder wohlverpackt in eine Kiste gelegt und was drinnen, liegt, kommt bis zum nächsten Jahre nicht mehr heraus. Es'ist auch wirklich schwer zu sparen, angesichts der Tatsache, das keine^Mzige Justichtsdn/nMÄnsnähme des Friedhofes,' sich selbsterhält und überall Znschüffe notwendig sind^ Unter solchen Umständen bleibt wohl nichts anderes übrig) als genau feslzulegen, welche Aufgabendie dringendsten sind und darüber hinaus auf allen Gebieten Reduktioneneintreten' zu: lassen. : Zwei Fragen sind es, hie in. letzter Zeit die öffentliche Meinung besonders beschäftigt haben. Die^ eine ist die hebräische Sprache, dieser innerste Ausdruck des Volkstums, die Seele desjüdischen Volkes. Diejenigen, die ihre Einschränkung oder völlige- Abschaffung beim Religiousunterrichte und .in der Liturgie verlangen, haben kein Verständnis für dieselbe, sie wissen ihre Bedeutung nicht zu würdigen. Es sind die Reformer, die sich auch' von den jüdischen Satzungen nicht drücken lassen. Die zweite- Frage, die in den jüdischen Blättern vielfach diskutiert wurde^ ist die Auflassung der Religionslehrer-Bildungsanstalt der. Wiener Kultnsgemeinde. Es geschah dies nicht ans Eriparungsrücksichten, sondern weil der Bedarf der Gemeinde für längere Zeit gedeckt war. Aber wenn dies auch der Fall ist, so muß. einem trotzdem die stetige Abnahme der jüdischen Lehrer in Wien große Sorge bereiten. Die Zahl der jüdischen Lehrer an dew Wiener Kommnnalschulen, gegenwärtig zirka 3O—4O, steht im keinem Verhältnisse zur jüdischen Bevölkernngsziffer und wenw um die Besetzung einer Oberlehrerstelle oft gigantische Kämpfe geführt werden, sollte auch in diesem Belange rechtzeitig vorge-- sorgt werden. Es wurde in der Debatte betont, daß das Judentum demokratisch sein muß. Allerdings sind wir auch in der Gemeindeverwaltung demokratisch. Wir sind es auf dem Friedhofe, wir sind es im Tempel, dem einzigen Ort, wo die Zusammengehörigkeit und Gleichheit aller zum Ansdruck kommt,, aber überall sind wir durch die Geldfrage beschränkt und wie können'nur insoweit demokratisch sein, als es der Geldsack zuläßt. Zum Schluffe erklärt Redner, für das Budget stimmen zu wollen. . Präsident Dr. Alfred Stern stellt gegenüber den Ausführungen Dr.. Spitzers fest,. daß die Lehrerbildungsanstalt nicht aufgelassen wurde. Der vor fünf Jahren ins Leben gerufene Kurs zur Heranbildung jüdischer Religionslehrer an beit Wiener Volks- und Bürgerschulen war gleich bei der Gründung, nur für eine Dauer von vier, eventuell fünf Jahren in Aussicht genommen und hatte bloß eigentlich den Zweck,, den Bedarf der Wiener Kultnsgemeinde an jüdischen Religionslehrern zu decken. Diesen Zweck, hat der Lehrerbildungskurs nach fünfjährigem Bestände vollkommen erfüllt, so daß von einer Erneuerung dieses Kurses abgesehen wurde. Der Versuchs die Proviuzgemeinden zu entsprechenden Beitragsleistnngen einen von vielen Seiten gewünschten Reichsanstalt zur Heranbildung jüdischer.Religionslehrer zu gewinnen, hat bisher nicht den erhofften Erfolg gehabt, so daß demnächst ein neuerlicher Aufruf an die Proviuzgemeinden ergehen wird, und sollte auch dieser, nicht das gewünschte Resultat zeitigen, so wird auch der Plan der Errichtung einer Reichsanstalt als gescheitert endgiltig aufgegeben werden. Nach einem Schlußworte des Referenten Max Frau fr. in welchem er, wie er sagte, es für seine Pflicht hielt, besondersdem Vizepräsidenten Hofrat Dr. Rappaport für seine klugen Mahnungen zur Vorsicht zu danken, und in öffentlicher Sitzungseiner Ueberzeugung Ausdruck zu geben, daß aus dieser Mahnung nicht bloß kühle Berechnung, sondern auch ein warmes Herz spricht, wurde das Budget en bloc einstimmig angenommen und die Sitzung mit einem neuerlichen Dank für den Referenten geschlossen. * * * Spendenliste für die Plenarsitzung am 24 Dezember 1911. - Von Herren Dr. Alfons,: Louis und Eugen Freiherren vön-R o t h- 'schil b in AussÄhrilng eines letztwilligen Beschlusses.. ihres Vaters des Herrn Baron Abert Rothschild s. A. für das Spital der israelitischen Kultnsgemeinde L 200.600.— . Von Frau Baronin Charlotte König swarter für den Verband zur Unterstützung' armer israel. Wöchnerinnen ' X 1000/—. Von Frau Hedwig Ko h n, Advokatensgattin, zur Verteilung an Arme jüdischer. Konfession L 600.—. Entnahme. dep S a-m m e lb ü ch s e n im Tempel X VIll. Schopenhäüerstr'aße: Für den israelitischen

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