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Die Wahrheit · 1911-12-29 · Heft 50 (29.12.1911) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 50 (29.12.1911)
Date
1911-12-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 50 Die Wahrkeil öteuti 11 'Frauenverein XVIUK89.40, für die Chewra Kadischa XVIII L 69.13, für Zedokoh XVIII L 157.57 zusammen X 316.10. Von Frau Sidonie von T a n s s l g anläßlich des Todestages ihres seligen Gatten des Herrn Theodor, Ritter von T a u s s i g zur Verteilungan Arme L 200.—. Von ^„Anonymus" durch Herrn Dr. Alfred Berger,/Baden, für die Schulküche in der Brigittenau L 50.—. Bon Dr. ,J. W. für die Chewra- 'Kadischa I R 50.—: Bon I. I.' Rufs o für die Schulküche in der Brigittenau K 20.—. Von Herrn Dr. Ferdinand G r ü n b e r g e r zwei werlvolle Luster für das israelitische Spiral. : Wie die Psalmen beim Keligionsnntereichte behandelt werden fallen. (Fortsetzung.) Psalm 2. Diesem Psalm liegt folgendes Ereignis zugrunde. Bei -einem Regierungswechsel im jüdischen Reiche weigerten sich die 'Vasallenkönige und Fürsten, die Oberherrschaft des Königs von Zion anznerkennen. Um für die Rebellion Anhänger zu gewinnen, gründeten sie Vereine, hielten sie geheime Beratungen ab, in denen der Beschluß gefaßt wurde, das Unlertänigkeitsverhältms zum jüdischen Reiche zu lösen. Nachdem die Vorbereitungen getroffen waren, daß diese ins Werk gesetzt werden konnte, riefen die Könige öffentliche Volksversammlungen ein, auf denen sie durch ihre Reden die Menge znm Aufstande hetzten. In Zion dürfte man von diesem Plane Kunde bekommen haben und die Empörung wurde noch im Keime erstickt. — Es' fragt sich nun, unter welchem Könige in Inda dieser 'Versuch unternommen wurde, von welchem im Buche der.Könige nichts berichtet wird. Möglich aber, daß dem Psalm noch eine -andere, spezielle Geschichte der Könige als Quelle vorlag. Mehrere Stellen im Psalm sprechen dafür, daß diese Begebenheit unter dem Könige Salomo sich zngetragen hat, dessen Regierung im 'Anfänge mehreren Erschütterungen ausgesetzt war. Ein großer Teil des Volkes schloß sich dem Konprinzen Adouia an, der mit dem Feldherrn Ioab verbündet war. (I Kön. 2, 15.). Die inneren Wirren erschienen den von David unterjochten Völkern als eine günstige Gelegenheit, das drückende Joch, die Tribnt- -pflicht, abzuschütteln. Das Streben, die ^Anfrührischen zu beruhigen, veranlaßre einen dem Könige nahestehenden Dichter zu folgendem Psalm, dessen Gedankengang wir in den einzelnen Versen verfolgen wollen. 1. Der Psalmist versetzt sich in eine stürmisch bewegte Völkerversammlung, in der gelärmt und getobt wird und Hetzer -das Volk zur Empörung anffordern. Er ist davon überzeugt, daß dieses Unternehmen mißlingen wird und. richtet daher an die lärmende Menge die Frage, wozu sie sich nutzlos anfregen, -eitlen Gedanken nachgehen und leeres Geschwätz reden. 2. Er sieht die Könige, welche sich an die Spitze der Bewegung stellen, vereint mit den Fürsten sich anflehnen gegen Gott und seinen -Gesalbten, den jüdischen König. Denn in einem theokratischen Staate sind Gott und König , eins. Wer sich gegen diesen anflehnt, empört sich zugleich gegen Gott. 3. Er hört die von den 'Anführern in der Versammlung ansgegebeue Losung: „Wir wollen zerreißen ihre Bande, von uns werfen ihre Stricke", die Symbole der Knechtschaft. 4. Nun schildert uns der Psalmist in sinnbildlicher Weise "das ruhige Verhalten Gottes gegenüber den stürmenden Empörern. Der im Himmel fronende — wie Gott in dem Weihgebete Salomo's genannt wird — ist zu erhaben über das kleinliche Unternehmen ohnmächtiger Menschen; eh lacht über dieses törrichte Unterfangen, spottet über die Drohung der ..Könige, deren Ausführung er vereitle» kann. 5. Sollten sie aber in ihrem-Vorhaben beharren, dann verwandelt sich sein Spott in Zorn, der sie sicher abschrecken wird; in seinem Grimme richtet er an sie diese Worte: 6. Ich habe mein e lt König über Zion, me inen heiligen Berg, eingesetzt.". Ihr müßet daher seine Oberherrschaft über euch anerkennen. .. 7. Nun führt der Ps. den König redend ein und läßt Uhu den Wortlaut der an ihn ergangenen Berufung verkünden, in welcher ihn Gott durch die Ernennung zum König sich als Sohn aneignet. Dabei ist an die David gegebene, göttliche Verheißung zu denken, welche sich auf Salomo, den Tronfolger> bezieht: .„Ich werde ihm znm Vater und er wird mir znm Sohne fein" (ll- Sam. 7. 13). 8. Anknüpfend an das.Gotteswort, fügt der König die Begründung seines Rechtsanspruches auf die Grenzländer hinzu. Gott hat ihm auf seinen -Wunsch die Nachbevölker als Besitz eingeräumt. Die Worte „verlange von mir und ich will dir geben" erinnern an die Aufforderung Gottes an Salomo in einer nächtlichen Erscheinung: Verlange was ich dir geben soll. (I. Kön. 3. 5). 9. Er könne sie zerschmettern mit eisernem Stabe und wie ein irdenes Gefäß zertrümmern, falls sie sich seinem Befehle widersetzeu. Dem Könige nämlich stand das Recht körperlicher Züchtigung zu. Die Worte Rehabeam's: ..Mein Vater züchtigte euch mit Ruten" sind der Wirklichkeit entnommen. (I. Kön. 12, 11. 4). 10. Diese Königsworte müssen einen niederschmetternden Eindruck auf die. rebellischen Völker und Könige gemacht haben. Ihre demütige Stimmung hält der Ps. für geeignet, ihnen zu Gemüte zu reden und sie gütlich und wohlwollend zu ermahnen, daß sie doch Vernunft annehmen und ihre rebellischen Pläne anfgeben mögen. 11. Um sie dem jüdischen Reiche wieder zu gewinnen, teilt er ihnen einen Gruudzng der jüd. Religion mit: „Dienet dem Ewigen mir Ehrfurcht und jubelt mit Zittern". Die heilige Scheu vor Gott soll ihue im Drange znm maßlosen Genüsse der Freuden, zur Ungebundenheit und Zügellosigkeit Schranken setzen. 12. Aber nicht nur Gott, sondern auch seinem Sohne (V- 8) oder dem Königssohne, wie Salomo genannt wurde (72, 1). mögen sie sich unterwerfen, um nicht seinen leicht erregbaren Zorn zu reizen, der für sie den Untergang bedeuten könnte. (Spr. 16. 14). Glücklich sind alle, die unter seinem Schutze sich bergen. Der Psalm besteht aus 4 Strophen von je 3.Versen, welche bis auf V. 7 und 12 zweigliedrig sind. In allen herrscht vollständiger Parallelismus. Die dramatische Lebendigkeit in diesem Ps. wird noch durch andere poetische Knnstformen erhöht, wie durch den Wechsel der Reihenfolge des Subjekts und Prädikats (1, 2, 5, 8—10) und durch den Wechsel der Zeiten in einem und demselben Verse (1, 2). Fr. Gr. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Sonntag, den 31. Dezember 1911, 4 Uhr nachmittags findet im Betsaale des israel. Blinden - Institutes, Hohe Warte in Wien eine Gedächtnisfeier für den verewigten Fceiherrn Jonas von Königs- Wärter statt. Wien. (Vortrag ans jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur). Donnerstag, den 4. Jänner 1911. präzise */aß' Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekteu-Bereines, I.. Eschenbachgasse 9, ein Bortrag des Herrn Rabbiner Dr. Max Grnnw a l d statt. Thema: „Die Inden Wiens zur Zeit des Prinzen Eugen." Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle. XX., Othmar» gasse 64.) Beginn der Borträge an Wochentagen 1/%8 Uhr, Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr abends. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. W o ch e u-P r o g r a m m : Samstag, 30. Dezember. Konzert. Sonntag, 31. Dezember, entfällt. Montag. 1. Jänner 1912. Der Tierschutz im Talmud. Herr I. L ä w. Dienstag. 2. Jänner. Jüdische Geschichte. (Zyklus.) Prof. Dr. K. Kupfer. Mittwoch, 3. Jänner. Werner Sombarts „Die Juden und das Wirtschaftsleben". Herr Richard L iss an. Donnerstag, 4. Jänner. „Die Hygiene der Haut." Med. Richard Volk. Freitag, 5. Jänner. Bibelvortrag. Wien. (Populär - w issenschaftliche Freitag- Abend-Vorträg e — auch Frauen zugänglich — am Bet-Hamidrasch „Talmud-Thora", II., Malzgaffe 16.) Am 29. Dezember: Herr Professor Mor. A n tsch e r l: „Sabbatlieder". Am 5. Jänner 1912: Herr Rabbiner L. Gold stein: „R. Josef Karo und seine Bedeutung fürs Judentum". Beginn jedesmal um 7*/, Uhr abends. Wie«. (Tefillas Jeschuruu.) Sonntag, den 17. Dezember d. I. fand im Bethause Tefillas Jeschurnu, H., Jlgplatz 2, eine Chanukafeier für die Schüler der neuen Bibelschule statt, die einen glänzenden Verlauf nahm. Die Exhorte hielt der Leiter der Schule Religionslehrer Markts P i ck, die kantoralen Funktionen versah Herr Kantor Leo Rose nz w e i g

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