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Die Wahrheit · 1911-12-29 · Heft 50 (29.12.1911) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 50 (29.12.1911)
Date
1911-12-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 50. Seite?. Die Wahrheit neu eingestellt wurden. Kap. 31 Matrikelamt ist im ganzen, hauptsächlich bei Post 1 Gehalte um X 1600.— gestiegen, Kap. 33 Gnadengabeu um X 3000.— zurückgegangen, Kap. 34 Gebäude-Erhaltung um X 1500.— weniger veranschlagt worden Kap. 35 Zinsen und Kto. Kt.-Spesen erfordert wegen der Zinsen für die zum Ankäufe des neuen Friedhofes aufgenommene schwebende Schuld Post 23 einen Mehrbetrag von X 22000.—, Kap. 36 Diverse Einnahmen und Ausgaben benötigt einen um X 150000 geringeren Zuschuß durch Entfall der Post 7 Ankauf von Wertpapieren X 100.000.— und Kosten des Baues der Mikwah, wofür im Vorjahre X 50000.— eingestellt waren. Bei diesem Abschnitte erfülle ich gerne die Pflicht, nuferem bewährten Beamtenkörper, an dessen Spitze unserem lieben und hochgeschätzten I. Sekretär Herrn kais. Rat Dr. Theodor Lieben, den Dank und die Anerkennung des Vorstandes ausznsprechen. — Aber ich möchte als Finanz-Referent bei dieser Gelegenheit auch nicht versäumen, der Leistungen unseres Liquidators, des Herrn Emil Katz, der heuer wie alljährlich die dornige und mühevolle Arbeit der Zusammenstellung unseres Voranschlages besorgt, dankbar und anerkennend zn gedenken. — Ueberhaupt muß man sagen, daß es der Arbeitskraft und der Arbeitsfreude unserer Beamtenschaft in erster Linie zuzuschreiben ist, daß die schweren Sorgen, welche die Verwaltung eines so großen.Gemeinwesens uns auferlegen, eine wesentliche Linderung erfahren, und schon deshalb allein glaubten wir verpflichtet zu sein, auch unsererseits etwas zur Linderung der Sorgen unserer Beamtenschaft welche unter der herrschenden Teuerung aller Lebensbedürfnisse schwer leidet, beizutragen. Deshalb haben wir, ohne daß ein Ansuchen vorlag, uns entschlossen, aus freien Stücken eine für die Rangsklassen VIII bis inklusive IV gleichhohe Teuerungszulage zu gewähren. Wir sind ja allerdings dadurch von dem Usus, der von anderen Körperschaften bei Gewährung von Teuerungszulagen befolgt wurde, abgewichen, aber wir haben uns dabei und sicher mit vollem Recht, von der Erkenntnis leiten lassen, daß der in kleinen Bezügen stehende - Beamte einer Hilfe noch viel dringender bedarf, als der besser besoldete, und es nicht angeht ihm weniger zu gewähren, als dem Beamten einer höheren Gehaltsstufe. Freilich hat dies unser Budget nicht unwesentlich belastet, aber wir sind dessen gewiß, daß die Gemeindemitglieder unser Vorgehen aus vollem Herzen billigen werden. Meine Herren! Es ist bereits zu einer Tradition geworden, daß unser Budget alljährlich mit einem größeren oder geringeren Fehlbetrag abschließt und wenn es auch in den letzten Jahren mit Ausnahme eines Jahres gelungen ist, durch weitgehende Sparsamkeit oft aber auch durch Rückstellung vorgesehener Ausgaben das Gleichgewicht zn erhalten, so dürfen wir uns doch der Erkenntnis nicht verschließen, daß dieses Gleichgewicht ein höchst labiles ist und daß wir alljährlich ein unaufhaltsames Steigen der Ausgaben beobachten. Das statistische Jahrbuch unserer Gemeinde, eine noch unvollendete und überaus anerkennenswerte Arbeit unseres Archivars, des Herrn Sigm. Hußerl, zeigt uns hochinteressante Daten für die Richtigkeit der eben angeführten Tatsache und ich werde Ihnen, sehr geehrte Herren, einige Ziffern aus diesem in Kürze erscheinenden Elaborat nennen, die in hohem Maße geeignet sind uns ein klares Bild vor Augen zu führen und uns zum ernsten Nachdenken über die zukünftige Gestaltung unserer Finanzen zn veranlassen. Die Wiener jüdische Bevölkerung betrug im Jahre 1903 — 155000, im Jahre 1910 — 175000 Seelen, was einer Zunahme von 14% entspricht. Wenn man dagegen die Gesamtausgaben unserer Gemeinde in Vergleich zieht, so sieht man, daß dieselben 1903 — X 2,100.000, 1910 — K 3,200.000 betrugen, also in jenem Zeitraum, der für die Bevölkerung einen Zuwachs von 14% brachte, um 62% gestiegen sind. Von diesen Gesamtausgaben mochte ich jene Lasten ausschälen, welche uns die offene Armenpflege — also Wohltätigkeit ohne Spital und Versorgungshaus — verursachte. Der Zuschuß betrug für diesen Zweig der Ausgaben 1903 — K 198.000, 1910 (inkl. der X 100.000-Spende für das Waisenhaus) X 386.000, ist also in 7 Jahren um nicht weniger als 96% gestiegen. Ohne die X 100.000 Spende, welche ja eigentlich eine außerordentliche sich nicht sobald wiederholende Ausgabe war, beträgt die Steigerung allerdings nur 45%. Die in den Gesamt-Ausgaben für Wohltätigkeit enthaltenen Beträge, welche wir speziell für die einmaligen und für die periodischen Unterstützungen sowie für die Kindersürsorge benötigen und welche 1903 — K 163.000, 1910 — X 235.000 als Zuschuß ausweisen, sind gleichfalls in diesem Zeiträume um 45% gestiegen. Allerdings, wenn man hier mit jenen wieder bedeutend erhöhten Ziffern vergleichen wollte, die das uns eben vorliegende Budget Per 1912 diesem Teile unseren Wohltätigkeits Ausgaben zuweist, so erhöhi sich der Perzentsatz der Steigerung bereits auf 60% gegen das Jahr 1903. Ganz unrichtig ist aber die oft ansgestellte Behauptung, daß die Ausgaben für Kultus, dessen Pflege ja schon nach unserem Titel zu den vornehmsten von uns zu erfüllenden Aufgaben gehört, nicht in jenem Maße steigen, wie die für Wohltätigkeits-Aktionen, welche sich, wie bereits bemerkt, in 7 Jahren um 46% erhöhten. — Dem statistischen Jahrbuch ist nämlich zu entnehmen, daß wir als Zuschuß für Gottesdienst 1903 — K 131.000, 1910 — X 220.000 verausgabten, was einer Steigerung von 61% in diesem Zeiträume gleichkommt und daß in ganz gleichem Maße die Ausgaben für den doch sicher zum Kultus zugehörigen Religionsunterricht gestiegen sind, welcher an Zuschuß 1903 einen Betrag von X 204.000. 1910 — einen solchen von X 327.000 erforderte. — Ich gelange nun zu den Einnahmen der zwei Vergleichsjahre und stnde, daß an Kultnssteuer 1903 — X 1,154.000, 1910 — X 1,393.000 eingegangen sind, was einen Steigerung von 21% entspricht, die ja auch fast volltommen im Einklänge mit der Zunahme der jüdischen Bevölkerung steht. — Dagegen betrug der Ueberschnß aus den Fried- Hofs-Einnabmen 1903 — X 223.000. 1910 — X 503.000, ist also in 7 Jahren um 125 Prozent gestiegen und nur diesem Umstande allein ist es zu verdanken, daß wir die enorme Steigerung der Ausgaben für Wohltätigkeit, denen ja die Friedhofseinnahmen in erster Linie zugeführt werden, bisher zn überwinden im Stande waren. Die etwas ermüdenden Ziffern, die ich mir erlaubte. Ihnen zu berichten, stamnlen ans dem Jahre 1910, dem letzten, für das ein Rechnungsabschluß vorliegt. Seit damals aber haben unsere Ausgaben zweifellos neuerlich zugenommen, ohne daß wir im Stande sind, mit derselben absoluten Sicherheit eine entsprechende Steigerung der Einnahmen veranschlagen zu können. Die vorjährige Regulierung der Lehrergehalte, die, angesichts der außergewöhnlichen Verhältnisse freiwillig von uns gewährte, bereits erwähnte, Teuerungszulage an unsere Beamtenschaft, die noch immer andauernde Steigerung der Lebensmittelpreise, ferner die schon aus diesem Grunde allein, und ganz abgesehen von der immer zunehmenden Verarmung der jüdischen Massen bedingte immer höhere Inanspruchnahme unserer Wohltätigkeits-Aktionen, endlich das normalmäßige Steigen der Gehalte im Allgemeinen, sind Posten, die zwar innerhalb der Grenzen eines elastischen Budgets, wie es beispielsweise jenes unserer Stadtverwaltung ist, nicht schwer untergebracht werden, die aber bei einem bis aufs Aenßerste angespannten Voranschläge große Gefahren in sich bergen. Gefahren, die näher auszuführen ich besser vermeiden will. — Es ist ja charakteristisch, daß irgend ein zufälliger und an sich genommen sicher erfreulicher Umstand, wie etwa Ende November das diesjährige Zurückbleiben der Friedhofs-Einnahmen gegen das Vorjahr, Jedem, der sich mit den Finanzen unserer Gemeinde beschäftigt, schon ernste Besorgnisse bereiten muß, weil selbst solche Geringfügigkeiten das Gleichgewicht unseres Haushaltes fast bedrohen könnten. — Und dabei ist noch zu bemerken, daß uns große, heute kaum ziffernmäßig zu fassende Ausgaben bevorstehen. Die Kosten, welche uns aus der Adaptierung des neuen Hauses beim Spital erwachsen, sind ja glücklicherweise durch die hochherzige Rothschild-Spende gedeckt, aber wir'find aus der Grnndtransaktion bei Erwerbung des neuen Friedhofes einen Betrag von ca. X 600.000,— der Bank schuldig, der, wenn schon nicht momentan znrückgezahlt, so doch mindestens verzinst werden muß. — Der Ankauf dieses zu Friedhofszwecken bestimmten großen Grundkomplexes bedingt aber auch eine Reihe

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