Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 49 (22.12.1911)
- Date
- 1911-12-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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welches beu Dingen auf den Grund zn blicken vermochte, ließ seine Seele blos die Katastrophe ahnen. Als Heinrich Heine nach dem Erscheinen des seltsamen Buches zu ihm eilte und ihn bestürmte, er solle nur sagen, wen er denn mit diesem Peter Schlemiehl meine, da erhielt er die Antwort: Wer es sagen faim, ist der Negiernngsrat Hitzig, jener Täufling, der früher aus den Namen „Jtzig" hörte. Aber auch Hitzig alias Jtzig, den Heine um die Aufklärung bat, verstrickte sich in allerhand nichtigen Erörterungen. In dem Heinischen Gedichte „Jehuda Halew," finden wir Anklänge zu dieser Episode. Die Begriffe vom Schatten sind im Osten und Westen sehr.divergierende; dort ist der Schatten der Inbegriff des höchsten Wesens, so z. B. „bezel schadaj", als Schutz und Hort gedacht; hier ist er .etwas Sekundäres, wie die Schattenseiten des Lebens! Wehe aber demjenigen, der dem Manne im grauen Rock, dem Aufkäufer von Schatten und Seelen zum Opfer fällt. Alle Reichtümer der Weltbund alle sozialen Ehren und Würden vermögen nicht den Mangel des Schattens zu ersetzen. Jeder bucklige Schuljunge wirft nach einem solchen Schlemiehl, mit dem unerschöpflichen Goldbeutel, Steine auf offener Straße. Ja, je höher dieselben im öffentlichen Lebe» stehen, umso schmerzlicher, desto kränkender empfinden sie den Makel der Schartenlosigkeit. . . . Man wird sagen, es war eine zionistische Agitationsrede; o'nein, es war ein wirksames Plaidoyer gegen die Abfallbewegung, eine vernichtende Kritik gegen die Täuflinge und feigen Renegaten aller Kategorien. X. Ch. W en (Bethausverein „A m Volker t"). Ueber Vorschlag der Schulsektiou veranstaltete der Bethausvorstand am 17. Dezember 1911 nachmittags im Vereinstempel einen Channka-Festgottesdienst für die Schüler der Sprach- und Bibeljchule (Talmud-Thora). Nebst dem Gesamt- Vorstande. mit dem Obmannue Herrn Adolf Schrame! an der Spitze und den Mitgliedern der Schulscklio» nnrer Führung des Obmannes Herrn Samuel Adler, waren erschienen die Herren Religionsvrofessor Moritz Ä n 1 s ch e r l. Michael G l o g a u, Moritz R o s e n b l a t t, David K o l i e b - u. v. a: Auch die Eltern der Schüler und viele andächtige Zuhörer waren erschienen, so daß sowohl die Herrenals die Damenabteilungen vollends überfüllt waren. Herr Rabbiner Siegmund F ü r st. Herr Wolf Pappenheim und die Vertreter der Bibelschnle des XX. Bezirkes haben ihr Fernbleiben entschuldigt. Nachdem .Oberkantor G i b l j ch m a n n das Minchagebet in allseits beifälliger Weise rezitiert und das Chanukalicht angezündet hatte, wurde das LlsnerLus halolu von einem Schüler der H. Abteilung gelesen. Ebenso wurde das Chanukalied vom Schülerchor gesungen. Hierauf hielt der Vereinsrabbiuer Herr I. L. Abel es die Ekhorte. Hierin eiferte derselbe die versammelten Schüler der Bibeljchule (mehr als IM Schüler der verschiedenen Volks- und Bürgerschulklaffeu) für die Gotteslehre und deren heiligen Satzungen an und erläuterte denselben die Bedeutung des Chanukasestes. was in der Schuljugend einen sichtbaren Eindruck hervorgerufen hatte. Mit den das Channkafest verherrlichten Borträgen dreier Schüler der einzelnen Abteilungen schloß sodann dieses schöne Chauukafest. Schließlich wurden die Kinder in der Bereinskanzlei mit den von dem Sektionsobmanne Herrn Samuel .Adler zur Verfügung gestellten Geschenken bedacht, wobei die Damen der Vereins- Vorstände. Frau Lina Adler, Frau Erna Wünsch und Frau Bertha Kohn werktätig mithalfen. Allseits wurde dem Sektionsvorstande für die umsichtige Leitung und den Lehrern der Bibelschule Lob gespendet. Der Bethausverein hat also durch die Gründung dieser Bibelschule einem in diefeoi Bezirksteile vielfach empfundenen Bedürfiiiffe Rechnung getragen und dies umsomehr, weil die Kinder armer Eltern unentgeltlich unterrichtet und mit den Lehrmitteln versehen werden. Wien. (C h a n u k a - F e i er). Sonntag, am 3. Chanuka-Abend fand im Kreise der Schiffschnl Beth-Hamidrasch-Mitglieder eine erhebende Feier statt. Anläßlich des Jahrzeittages des gottsel. Rabbiners S. S p i tz e r, Begründers der Schiffschul, hielt Herr Rabbiner S. F ü r st, eine tiefdurchdachte, zündende Festrede, in welcher er die Wichtigkeit des Thorastudiums betonte. Um 7 Uhr abends versammelten sich die Festteilnehmer im Restaurant Hotel „New-Zork", des Herrn Jakob P i n k a s. zn einem Bankett, woselbst sie einen festlich dekorierten.Saal und eine herrlick gedeckte Tafel vorfandeu. Hervorzuheben ist, daß die beiden Redner Herr Rabbiner B a u m g arte n und Herr S. Schreiber viel zur Weihe dieses festlich begangenen Abends beitrugen. Beide Herren loben das Verdienst der Kaufleute hervor, welche sich allabendlich im Vereinslokale einfinden, uni am Lernen teilzunehmen. Es sprachen noch Herr Rabbiner Fleischm a ii n, Herr Wolf P a p p e n h e i m und zum Schluffe Herr David B a u m g a r t e n. Man unterhielt sich in leichtem Plauderton und als Herr Efraim Müller, Borbeter des Vereines, ein paar wunderbar vorgetragene Melodien zum Besten gab, statteten die dankbaren Zuhörer den freundlichen Beiträgeru dieses Festabends ihren Dank ab. Hernach wurde das Benschen verlizitiert uud vou Herrn S ch r e i b e r für 150 Kronen erstanden. In angenehmer Stimmung verließen die Teilnehmer das Restaurant, nicht unterlassend, dem Gastgeber Herrn P i n k a s ihrer vollsten Zufriedenheit zu versichern. Wien. (Chanukafeier in der isr. Versorgungsanstalt). Samstag, den 16. Dezember 1911 wurde in der israelitischen Bersorgungsanstalt unter zahlreicher Beteiligung geladener Gäste für die Pfleglinge der Anstalt eine Chanukafeier abgehalte», zu welcher erschienen waren: der Präsident der iirael. Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, Vizepräsident Hofrat Dr. Rappaport, Obmann der Versorgungsanstalt Solo Cohn, Kullusvorsteher Adolf Schramek und Heinrich Schreiber, Bethausvorsteher S. A. Wafservogel, Rabbiner Dr. Feuchtwaug, Börserat. S. Steiuhübl, Armenrat Trebitsch, Witrofsky, Max Bellak, Apotheker Schenker uud Pochmiß. die Ehrendamen der Bersorgungsanstalt Präsidentin Diamant. Jenny Adler. Nanny David, Jda Eisenschitz, Jeanette Feuchtwaug, Hermine Kadisch, Adele Edle von Mises, Jenny Frank, Alice Kramer. Sofie Seligmanu, Marie Teleky, Clemeutine Wiener, weiters Frau Primarius Dr. Jnfeld, Frau Fränkl, Fräulein Rappaport, Frau Apotheker Schenker, Frau Provisor -Rochmiß, Frau Steffi Strauß u. v. a. Im. Betsaale entzündete Herr Oberkantor Don Fuchs die Chanukalichter, worauf der Festgottesdienst abgehalten wurde. Herr Oberkantor Fuchs entzückte in Begleitung des Chores die Zuhörer durch seinen glänzende» Vortrag der Gebete. Die Festpredigt hielt Herr k. k. Professor Dr. Heinrich Polläk, in welcher er die Fürsorge . des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde, des Ehrendamenkomitees, der Aerzte und der Verwaltung der Versorgungsanstalt um die Pfleglinge hervorhob. Nach dem Gottesdienste besichtigten die Gäste die festlich beleuchtete Anstalt-. Die Pfleglinge wurden hierauf mit Bäckereien,. Wein^ Chokolade und Zigarren beteilt. Wien. Der Vorstand des. Israelitischen Frauenvereines für den XVIII. Bezirk in Wien veranstaltet Sonntag, de» 28. Jänner 1912, um halb 3 Uhr nachmittags im Deutschen Bolkstheater eine Wohltätigkeits- Vorstellung. Zur Aufführung gelangt: „Therese Krön es" von Karl Haffner, in der Titelrolle mit Josefine Glöckner und Willi Thaller.^ Das Erträgnis dieser Vorstellung dient dem wahren wohltätigen Zwecke zur Bekleidung armer frierender und hungernder Schulkinder, sowie zur Unterstützung armer Wöchnerinnen und zur Erteilung von Pfründen an greise, arme, jüdische Männer und Frauen. Karten sind bei den Vorstandsdamen, sowie, im Sekretariate (Telephon 14.206) des Vereines XVIII., Schopeuhanerstraße 39, während der Bureaustunden von 3 bis 5 Uhr nachmittags erhältlich. Wien. (Isr. Franen-Wohltätigkeitsverein im XXI. Gemeinde-Bezirke Floridsdorf.) Montag, den 25. d. M., 4 Uhr nachmittags, findet im Festsaale des Hotels „znm goldenen Engel", XXI. Am Spitz 3, das Bekleiduugsfest des unter dem Präsidium der Frau Henriette G r ü n w a l d stehenden Floridsdorfer Franenwohltätigkeitsvereines, wobei Herr Rabbiner'. Dr. Rosen mann die Ansprache halten wird. Hieran schließt sich eine Akademie. Wien. Der jüdische Lehrerstand in Wien hat in den letzten Tagen zwei Todesfälle zu beklagen. Am 17. d. M. ist der im 51. Lebensjahre dahingeschiedene Kommunal- und Religionslehrer Ezechiel Schneid e r unter großer Beteiligung zn Grabe getragen worden und Dienstag, den 19. d. M. ist der Kommunal- und Religionslehrer Richard K a r p s e n. im 39. Lebensjahre gestorben. Beide waren tüchtige und beliebte Lehrer,, die in weiten Kreisen in ehrendem Gedenken bleiben werden. Brünn. Am 17. d. veranstaltete der mährische Kantorenverein, anläßlich der diesjährigen Generalversammlung, in den Restaurationslokalitäten Donath, einen Konzertabend, der in jeder Hinsicht außer-- ordentlich gelungen war. Das reichhaltig auserlesene Programm und die vornehm künstlerischen Darbietungen gediegener Kunstkräfte, besonders die' hervorragenden künstlerischen Leistungen der Klaviervirtuosin Frau Hildcr T i ch o (aus der Meisterschule Saue r) und der kaum 15-jährigen Frl. Mizzi Goldman n, die mit ungewöhnlichem Geschmack einige Schnbertlieder zu Gehör brachte, fanden bei dem zahlreich anwesenden und distin-- guierten Publikuni, allgenieinen Beifall und Anerkennung. Weihnachten und ßhanuka. Skizze von Babette Fried-Prag. (Schluß.) Der vielbesprochene Abend war gekommen. Die Herren von Waldau waren mit Anbruch der Dämmerung zu Pferdeangelangt und saßen jetzt mit dem Hausherrn in dessen Zimmer bei einer Flasche. Wein und rauchten dessen Zigarren, Spezialitäten, die dieser eigens für seine Gäste von Prag heimgebracht. hatte. Im Salon aber legte die Hausfrau die-letzte Hand an. zur Schmückung des Baumes, unter dessen Aesten sie die vorbereiteten Geschenke ordnete. Im Speisezimmer war der Tisch bereits mit schneeweißem Damast gedeckt, darauf das alte, ererbte- Porzellan und schweres Silberzeug stand. Mit einem Ah! der Bewunderung traten die Herren über die Schwelle des Salons, nachdem sie von Sofie zur Bescheeruug. gerufen waren. Nun ging es an ein Verteilen der Geschenke.- Vor allem zeigte Frau Sofie das kostbare. Geschenk ihres Gatten: Eine silberne Sabbatlampe, wie sie sich sie schon lange znm Anzünden der Sabbatlichter gewünscht hatte. Nebstdem waren noch ganz absonderliche Dinge da. Der 12jährige Karl erhielt einen knnstvollgestickten Teffilinbentel,' in welchem die neuen Gebetriemen lagen, die er im Laufe des . Winters anzu-- legen bestimmt war. Der 8jährige Rudolf jubelte laut auf,, als er den neuen längst ersehnten Talis mit einer silbernen Tresse verziert erhielt. Dann stand unter dem Christbanm einenene silberne Menohrah, anstatt der alten messingenen uitb dann ein niedlicher Turm aus zierlicher Filigranarbeit mit eine- Fahne an der Spitze, der mit wohlriechenden Spezereien gefüllr war — zum Hawdolemachen beim Ansgange der Sabbat-- und Festtage.. - Sofie erbot sich, ihren erstaunten Gästen ob diesen Geschenke, deren Zweck sie durchaus nicht ahnten, eine Erklärung