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Die Wahrheit · 1911-12-15 · Heft 48 (15.12.1911) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 48 (15.12.1911)
Date
1911-12-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 48. Die Wahrheit. Seite 9. <üie Herren Vertrauensmänner ersucht, ihre Abrechnung und die unverkauften .Lose noch vor dem 21. Dezember an das Bureau der Lotterieverwaltnng, Wien, I., Wollzeile 24, einzusenden. Wien. Die Probevorträge für die zu besetzende Stelle eines ersten ::jTn in der „Schiffsynagoge" haben bereits begonnen und war vor vierzehn Tagen als erster Kandidat Obertautor B ü r g e r ans Balaß-Gyarmat und vorigen Samstag Oberkantor F r e i m a n n ans Przemysl zum Probe- Vortrage eingeladeu. Um die nachfolgenden Kandidaten vor Jrrtümern und Enttänschungen zu bewahren, halten wir eine Aufklärung für angezeigt. Wir glauben, daß die Abfassung des Konkurses die nötige Klarheit vermissen läßt und leicht irreführen kann. Im Konkurse wird ein „Ober- .Äantor" mit Fachbildung verlangt und faktisch wird ein nach jeder Richtung streng konservativer Chase» gesucht, dem jede auch nur rein äußerliche Erinnerung an den Gottesdienst in der modernen Synagoge von seiten des Bethanspubliknms im höchsten Grade übelgenommen wird. Auch ist es für -jeden Kandidaten, ob Chase» oder Kantor von großem Nachteile, daß er, da die Schiffschnle derzeit keine „Meschocerim" hat, bei seinem Bortrage keinerlei harmonische Unterstützung findet. Wien. Sonntag. den 17. Dezember 4% Uhr nachmittags findet die Chauukafeier der Zöglinge des Israel. Blinden-Jnstititutes auf der -Hohen Warte statt. tvi rn. (B e r b a »b der i s r. Religionslehrer an den ö st : r r. Mittelschule n.) Mittwoch, den 27. Dezember 1911, event. auch Donnerstag, den 28. Dezember, vormittags 10 Uhr findet in der Religionsschule, Wien, I., Seitenstettengaffe 2, II. Stock, der diesjährige Verbandstag mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht des Obmannes über die abgelaufene Fnilktiousperiode. 2. Bericht des Kassiers und der Kassarevisoren. 3. Wahl des Obmannes und des Schriftführers. 4. Wahl der übrigen Ausschußmitgliedec und Revisoren. 5. Bortrag des -Herrn Rabb. Prof. Dr. A. Bia ch, (Brüx): „Die Behandlung der jüdisch en Geschichte auf der Oberstufe der Mittelschule". 6. Eventuelle Anträge. Wien. (Der 80. Geburtstag Siegmnnd Mayers.) Im Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines fand gestern die .Feier des 60. Geburtstages des Ehreilpräsidenten der „Oesterreichisch- Jsraelitischen Union" und ehemaligen Gemeinderates Herrn Sigmund Mayer statt. Zu derselben hatten sich eingefunden: die Reichsratsab- . geordneten Baron Hock, Hofrat Kura n d a, Dr. Ofner und Josef Stern, der ehemalige Reichsratsabgeordnete Dr. Ludwig Bögler, die Gemeinderäte Dr. v. Dorn, Frank, Herold, Doktor Hein. .Hohe n s inner, M e l ch e r, Neustadt!, Doktor Sch w arz -H ille r und Stein, die Universitätsprofessoren Hofrat Pollitzer und Dr. E h r m a n n, die Schriftsteller Dr. Heinrich F r i e d j u n g, Dr. N e ck e r. Dr. Zollschau. Regiernngsrat Dr. F r a n kf n r t e r und kaiserlicher Rat Johann Lichtenstadt. der 'Vizepräsident der Produktenbörse kaiserlicher Rat Jonas Weil, der Vizepräsident der Knltusgemeinde Landesschulrat Dr. Gustav K o h n mit dem ersten Sekretär kaiserlichen 'Rat Dr. Lieben, die Kultusvorsteher Dr. Markus Spitzer, Lemb e r g e r, B r o d, Dr. Schreiber,, die - Industriellen Leinkauf, kaiserlicher Rat Schefftel, Kommerzialrat Rosenzweig, Kommer- . zialrat S ch w e i g e r, kaiserlicher Rat A n u i u g e r und Albert May e r, die Advokaten Dr. S k r e i n, Dr. O r n st e i n, Dr. H ö n i g s m a n n, Dr. Kornfeld, Dr. K n ö p f m a ch e r, Dr. B r a d y, Dr. Bien, Dr. H a l b e r st a m m. Ferner Vertretungen des Vereines der Fortschrittsfreuude, des fortschrittlichen Bürgcrvereines „Donanklnb", des Freiheitlich-sozialen Vereines, des Vereines der freisinnigen Partei im 9. Bezirke, der Chewra-Kadischa, des Galizischen Hilssvereines, des Vereines zur Hebung der Gewerbe, vieler Frauenvereine und der Kultusgemeinden Baden und Troppau. Abgeordneter Dr. Ofner feierte den Jubilar in einer Festrede, welche die Verdienste Siegmnnd Mapers auf mehrfachen Gebieten des öffentlichen Lebens, als national-ökonomischer Schriftsteller, als freisinniger Gemeinderat und als Vorkämpfer für Freiheit und Gleichberechtigung rühmte. Namens der „Union" begrüßte Präsident Dr. S a m u e l y, ttamens der politischen Freunde Dr. S k r e i n den Jubilar. Der Gefeierte dankte tief ergriffen für die ihm dargebrachten Ovationen. Schriftliche Glückwünsche sind dem Jubilar zugekommen von dem Reichsratsabgeordneten Profeffor Dr. Mas a r y k. den ehemaligen Reichsratsabgeordneten Dr. Kronawetter, Nvske und Dr. Mahler, Hofrat Dr. K i ck, Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n, den Direktoren K u x und James Klan g, den früheren Präsidenten der „Union" Maximilian Paul-Schiff und kaiserlichen Rat R u z i c k a, der Israelitischen Allianz zu Wien, dem „Zentralverein" in Prag rc. Wien. Mittwoch, den 6. Dezember. 11 Uhr nachts, ist in Meran der langjährige Redakteur der „Neuen Freien Preffe, Dr. Gustav Sre inst a ch, eine der hervorragendsten Persönlichkeiten der Wiener Journalistik, im 64. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene, der mehr als 30 Jahre dem Redaktionsverbande der „Neuen Freien Presse" angehörte und als eine der glänzendsten Federn in der inneren Politik galt, hat sich auch auf dem Gebiete der Tätigkeit für die Standesintereffen der Journalisteu große Verdienste erworben. Er war durch mehrere Jahre Obmann des Pensionsfondes der „Concordia" und widmete diesem Institute mit wahrer Liebe seine reiche Arbeitskraft. Die Berufskrankheit der Journalisten, ein Herzleiden. das schon viele glänzende Talente dahingerafft, hat auch seinem Leben ein frühzeitiges Ende bereitet. Die Leiche wurde von Meran nach Wien überführt und Dienstag, den 12. d. M. fand auf dem Zentralfriedhofe das Leichenbegängnis unter großer Teilnahme statt. Nach Bortrag der rituellen Trauergesänge durch L Kantor Jurberger hielten der Herausgeber der „Neuen Freien Presse", Moriz Benedikt, der Präsident der ,„Concordia", Dr. Siegmund Ehrlich und der Obmannstellvertreter des Pensionsfondes, kaiserl. Rat Emil Regen, tiefempfundene Rachrufe. Jüdisches Theater. Mittwoch, den 6. d. M., hat das Ensemble der Jüd. Bühne unrer der bewährten Leitung des Herrn Direktors M. Siegler im Saale des Hotel Stefanie, den unvergeßlichen genialen Meister Abraham Goldfaden zu Ehren gebracht. Zu Gunsten des Bethausnnd Unterstütznngsvereines „.4.Q8oks doth. wuzedek“ gelangte die Operette: „Die Opferung Jsaks" zur Aufführung. Trotz der engen Raumverhältnisse dieser Bühne und der beschrankten Zahl der Mitglieder des Ensembles gestaltete sich die Aufführung zu einer herrlichen Darbietung jüdischer Schauspiel- und Gesangskunst. Es ist schwer, einzelne Darsteller besonders zu erwähnen, ohne den andern Unrecht znzufügen. Wir wollen daher blos die Besetzung registrieren: Abraham Herr Kalisch, Sara Fra» Weinberg, Jsak Frl. Weintraub, Eliaser Direktor Siegler, Jschmuel Herr Streng. Lott Herr Podzamce. Wer die Vorstellungen der Jüd. Bühne besucht, wird wissen, welch harmonischen Einklang eine Operettenaufführung mir dieser Besetzung ergeben muß. Feuilleton. Weihnachten und ßhanuka. Skizze von Babette Fried-Prag. Sie lebten in einer glücklichen, jedenfalls ganz zufriedenen Ehe. Er ließ sie es niemals, weder in Wort, noch mit der Tat fühlen, daß er, der reiche Hofpächter David Berger, sie die arme Gesellschafterin Sofie und Vorleserin seiner erblindeten Mutter geheiratet und ihr ein Leben voll Luxus und Behagen bereitet hatte. Sie jedoch ließ dieses niemals außer acht, und begegnete ihrem Eheherrn mit einer achtungsvollen Dankbarkeit, die -geradezu ans Devote streifte. ' Auch sonst bestand keinerlei Differenz zwischen ihnen. Auch er war geistig hochbegabt, liebte glite Bücher. Musik und Theater, welches er hie und da in ihrer Begleitung besuchte, und das einen Gesprächsstoff für die Zeit abgab, wo sie einzig und allein auf ihre gegenseitige Gesellschaft angewiesen waren. Denn sie lebten nicht direkt in der Hauptstadt, sondern in einem Meierhofe, etwa eine Stunde Weges davon entfernt; doch da sie Pferde und schöne Wagen besaßen, so hinderte sie nichts, die Stadt nach Belieben zu besuchen. Gar oft geschah dies auch nicht, denn Frau Sofie überließ nur ungerue Kinder und Haushalt den Dienstboten; zudem zog sie eine gemütsvolle Anssprache mit ihrem Manne den geräuschvollen Vergnügungen vor. Sofie war von ihrem Elternhause her an einen strengreligiösen Haushalt gewöhnt gewesen, und war überglücklich, als sie beim Antreten ihres Postens es genau so vorfaud, wie sie es von früher gewöhnt gewesen; andernfalls wäre sie nicht lange geblieben, so freundlich, ja liebevoll sie daselbst behandelt wurde. Die junge Gesellschafterin bei Bergers war ein liebenswürdiges Mädchen gewesen, welches, ohne zu wollen, oder es auch nur'zu wissen, das Herz der blinden Mutter im Fluge eroberte. Bei den armen Blinden muß das Ohr auch die Funktion des Auges versehen, und da war es die reine, volle Altstimme des jungen Mädchens, welche das Herz der blinden Matrone gefangen nahm, noch bevor dieselbe die sonstigen trefflichen Eigenschaften ihrer neuen Gesellschafterin kennen und würdigen lernte. Bald war Sofie der Liebling der alten Fran geworden. Nie vorher war derselben eine solch zarte, umsichtige Pflege zuteil geworden, als von diesem mutterlosen Mädchen. Aber nicht nur die alte Frau war für selbes eingenommen, auch deren Lohn David, der Herr des Hauses, konnte sich dem bestrickenden Liebreiz dieser zarten Frauengestalt nicht entziehen. Er erfüllte um so lieber den Herzenswunsch seiner Mutter, das Waisenmädchen zit seiner Frau zu machen, als dieser Wunsch auch sein eigener gewesen. Einige wenige Jahre noch erfreute sich die Matrone des Glückes ihrer Kinder, das fie wohl nicht mit ansehen, aber mit einer, den Blinden eigenen Feinfühligkeit, empfinden konnte. Sie hatte noch das Glück erlebt, zwei Enkel auf ihren Knien zu schaukeln, dann schloß sie ihre lichtleereu Augen zum ewigen Schlummer. Während des Trauerjahres um die Mutter, wo der Besuch von öffentlichen Vergnügungsorten den Gatten untersagt war, hatte David Berger, dem es nachgerade zuhause zu langweilen

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