Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 47 (8.12.1911)
- Date
- 1911-12-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3062972-3063572-3063619--07599-3074698- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 * Die Wahrheit ' Nr. 47. antrittes unseres Kaisers,. des größten Wohltäters im Reiche, -er Gründungs- und Jubeltag des Vereines sei. Bei geöffneter Bundeslade ertönte die Volkshymne durch das Gotteshaus und mit dem Vortrage des adaun aulom hatte diese Feier ihr Ende. 7 Am nächsten Tage, den 3. Dezember, fand um 10 Uhr vormittags in demselben Saale, in welchem 50 Jahre vorher die Konstituierung abgehalteu wurde, die Generalversammlung und Festsitzung des Vereines statt. Wieder hatte sich ein großer Kreis von angesehenen Männern znsammengefuuden und es sei hier ein Auszug der Präsenzliste bei beiden Festlichkeiten gegeben. Es waren anwesend: als Vertreter des Herrn Unterrichtsministers der Ministerialrat Dr. Pi lat, als Vertreter des Statthalters Statthaltereirat Baron Dürrfeld, als Vertreter der Wiener Universität der Dekan der medizinischen Fakultät Hofrat Professor Dr. Ludwig, als Vertreter des Polizeipräsidiums Regierungsrat Dr. Stuckart. der Kultus- und Bethausvorstaud mit dem Präsidenten Dr. Alfred Stern und den Vizepräsidenten Landesschulrat Dr. Gustav Kohn und Hofrat Dr. R a p a p o r 1 an der Spitze, Hofrat B r o ch, die Reichsratsabgeordneten Ministerialrat Dr. K n r a n d a und Dr. Julius Ofuer, Oberlandesgerichtsrat Dr. Spitzkopf, die Regiernngsräte Archivdirektor Dr. Schlag und Vizedirektor der Universitäts-Bibliothek Dr. F r a n k f u r t e r, Generalsekretär Dr, H o r o w i tz, Oberbaurat Hauser, die Universitätsprofessoren E h r m a n n, Erbe u, G omperz, Klein, König stein, Pollak, die Rabbiner Dr. B a ch, Dr. Baue r, Dr. F e u ch t w a n g, Dr. H uß, Dr. K a m i n k a, Reich nitd Dr. Rosen m a n n, Inspektor Professor K a u i tz, die Direktoren Helle r und Dr. K r e nberger, Gymnasialprofessoren Dr. Einer und Dr. Pollak, die kais. Räte Dr. Lieben und Dr. Weil, Bezirksschulrat Dr. Markus S p i H e r, Primarius I nfel d, der Vorstand des österreichischen Künstlerbundes akademischer Maler I. Stern seid mit dem akademischen Maler E i ch h o r n und K r e st i n, die Präsidenten der israel. Humanitätsvereine „Wien" und „Eintracht" Bnai Brith" mit zahlreichen Mitgliedern dieser Vereinigungen. Abordnungen hatten entsendet: die studentischen Vereinigungen „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler," „Jüdische Kultur," ,Jvria," „Kadimah." „Maccabäa," „Unitas," ferner die Vereine „Kinderschutz," Hießinger Frauenverein, Verein zur Errichtung jüdischer Volksküchen, „Einheit," Kaiser Franz Josefs-Ferienheim. Begrüßnngskundgebungen waren eingelangt von den Rektoren der Universität und der technischen Hochschule Wiens, vom Inspektor für Jugendsürsorge-Jnstitutlonen kais. Rat Josef Meixn er des Arbeitsmiuisterinms, vom Laudes-Oberinspektionsrat Fedor Gerenyi, der Israel. Allianz zu Wien, der Chewra- Kadischa Wien I, von Baronin Königswarter im eigenen Namen und im Namen des Frauen-Wohltätigkeitsvereines, vom Kaiser Franz Josef-Ferienheim. Der Versammlungsraum hatte Festschmuck angelegt. Lorbeer umrankte die Bildnisse der Vereiusgründer, die in der Bildergalerie des Sitzungssaales ja auch sonst Ehrenplätze einnehmen. Der Vorsitzende des Vereiusvorstandes, Dr. Hermann Wolf, ein Sohn des Begründers der Institution, welcher seit dem Tode seines Vaters pietätvoll dessen Wirken für arme Studierende fortsetzt, begrüßte die Erschienenen und führte in feiner interessanten Festrede nicht allein das Werden und Wachsen des Vereines, sondern auch die Entwicklung der Verüältniffe an den Wiener Hochschulen vor. Er widmete der Wirksamkeit jener wackeren Männer, die seit der Gründung, an der Spitze oder im Vorstand des Vereines verdienstvoll gewirkt haben, so insbesondere des Notars Emanuel Sch i f f m a n n und des Dozenten Dr. Josef G rün fe l d, deren Witwen der Versammlung beiwohnten. Herzlichen Dank zollte der Redner den Institutionen, welche dem Vereine fördernd zur Seite ftehen. und zwar: der Kultusgemeinde, der Israel. Allianz und den Bnai Brith-Vereiuigungen. Er dankte seinen eifrigen Mitarbeitern, dem Kassaverwalter Notar Dr. B e r m a u n, dem Kassier kais. Rat Leopold Laug er und Herrn Jakob Laug er, würdigte die Tätigkeit des Sekretärs Fu ch sgel b um die Führung der Vereinsgeschäfte und der Herausgabe der Denkschrift und schloß mit dem Appell an die Versammelten, dem Vereine ihr Wohlwollen zu bewahren. Lebhaft akklamiert he- . glückwünschte nun Statthaltereirat Freiherr von D ü r r f e l d namens der Regierung den Verein und zollte seiner segensreichen, gemeinnützen Tätigkeit Worte warmer Auerkennun. Hofrat Professor Ludwig wies auf die Armut gerade unter den strebsamsten Jüngern der Wissenschaft hin. Es sei kaum etwas Edleres zu denken, als das Wirken eines solchen Vereines. Erwünscht dem jubilierenden Vereine, dessen Gründungstag mit dem Beginn seiner akademischen Studien znsammenfällt, weiter ersprießliches Gedeihen. In einer längeren Ansprache brachte der Präsident der Kultnsgemeinde, Dr. Alfred S t ern, dem Vereine seine Sympathien zum Ausdrucke und hielt der Versammlung jene Kämpfe vor Augen, deren es bedurfte, um die Möglichkeiten zu schaffen, daß Inden, nach Absolvierung ihrer Studien auch Zutritt zu jenen Stellungen erlangen, zu welchen die erworbene wissenschaftliche Befähigung ihnen das Anrecht gab. Rabbiner Dr. I. M. Bach sprach namens feiner Kollegen und als gewesener Wiener Student, der die Not der studierenden Jugend hier aus allernächster Nähe beobachten konnte. In warmen, herzlichen Worten brachte I. U. C. Bra n b, der Vertreter der „Jvria", den Dank der jüdischen Studentenschaft an den Verein zum Ansdrucke. Präsidentin Frau Sosie Grünfeld dankte dem Vorsitzenden für die ihrem sel. Gatten gewidmete Erinnerung und wies darauf hin, daß sie selbst durch zwei Jahrzehnte an der Spitze eines humanitären Vereines stehend, den Kampf und die Mühe wohl zu würdigen wisse, den eine derartige Institution erfordere. Die Glückwünsche der Oesterr. Jsr. Union überbrachte der Präsident Dr. I. Samuely in einer herzlichen Ansprache. Mit Dankesworten des Vorsitzenden an die Erschienenen hatte die schöne Feier ihr Ende. * * * . Von Seiner Exzellenz, dem Kabinettsdirektor Freiherrn von Schi eßl ist am Tage nach der Jubelfeier an den Vereinsvorstand die Mitteilung eingelangt, daß Seine Majestät was erste Exemplar der ans Anlaß der Feier herausgegebenen Denkschrift, hnldvollft entgegenznuehmen und Seine Exzellenz zu beauftragen geruhte, dem Vorstande für diese Vorlage sowie für den daran geknüpften Ausdruck treu dynastischer Gesinnung Allerhöchstihren herzlichen Dank bekanntzugeben mit dem Bemerken, daß die Denkschrift der k. und k. Familien-Fideikomiß-Bibliothek einverleibt worden ist. Gottestehre »md Gottesdienst. Zur Eröffnung der Kantorenschule in Wien. Von P. Minkowsky, Oberkantor der Brodyer Gemeinde in Odessa. (Schluß.) _ ■ Die Chinesen hatten ihre originellen 12 „Lü“ und im Jahre. 1773 führten sie in ihrem Kataloge der kaiserlichen .Bibliothek zu Peking 482 musikalische Bücher auf. Die Inder hatten ihre 5 „Raga“, 30 „Ragina“, „Manfcrasvara“, „Samasvara“ rc. Die Griechen besaßen eine reiche musikalische. Literatur, eine bedeutende Zahl der verschiedenen „Modi“ etitsprechend der Zahl ihrer Stämme, außer ihren Prosodien und Hypo- oder Hypertropi. Die Araber besaßen ihre „Makamat“ i „Lahani“ und „Awasat“ rc. Auf diese Weise legitimirt jedes Volk seinen Anteil an der Konstruktion der Musik in allen ihren Etappen und Perioden und kann auf Grund dessen das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, zu den großen Errungenschäften auf diesem Gebiete beigetragen zu haben. Nicht zu sprechen von dem gewaltigen Bau, den die Kirche seit Ambrosius bis auf unsere Zeit mit ihren speziellen Tonskalen, Psal-! modien, Samata, Pueumata, Harmonie re., mit ihren, großen klassischen miffikaljschen Werken aufgeführt hat. Wo sind unsere Bausteine, unser Anteil an diesem kolossalen musikalischen Welt- . gebände? Wo ist am Ellde unsere musikalische Terminologie? Von der Tempelmusik, die in jener Zeit als Modell der hejdni-! scheu Liturgie und als Direktive der christlichen Liturgie gedient hat, : ist außer den Namen der Gesänge und Musikinstrnmeute, die