Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 46 (1.12.1911)
- Date
- 1911-12-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seile 6 Die Wahrbeil Nr. 46. Für diese .Ideen war Josef Singer in seinem Amte, sowie in der von ihm durch nahezu. drei Jahrzehnte geleiteten Kautorenorganisation unermüdlich tätig und eines, der. sichersten Mittel zur Verwirklichung derselben erblickte er in der.Kantorenschnle, an deren Gründung er noch Anteil nehmen konnte. Wenn es ihm auch nicht mehr gegönnt war, diese Anstalt, deren Leitung ihm zngedacht war, zu eröffnen., so wird sein Name doch immer mit derselben verknüpft bleiben und noch späte Generationen werden mit Dankbarkeit Josef Singers gedenken, als' eines der Pfadfinder auf dem Gebiete der kautoralen Wissenschaft. $ 4- V . y - Das Leichenbegängnis, das Sonntag, den 26. d. M. vormittags stattfand, hat durch die Veranstaltung eines Ehrenbegräbnisses I. Klasse seitens der Wiener Kultusgemeinde, sowie durch die imposante Teilnahme beredtes Zeugnis von der hohen Ehrung und Wertschätzung, deren sich der Verblichene in den weitesten Kreisen erfreute, gegeben. In der Zeremouienhalle des Zentralsriedhofes hatten sich außer der Familie des Verstorbeneu eingefuudeu : Der Präsident der. israelitischen Kultnsgemeinde Dr. Alfred Stern, Vizepräsident Dr. Gustav Koh n, die Vorstandsmitglieder kaiserl. Rat Dr. Sigmund Kanders, Karl Le mb erg er, Adolf Schramek, Dr. Markus Spitzer, S. S t e i n er und kaiserl. Rat Jonas Werl; die Beamten der Kultnsgemeinde. mit dem.ersten Sekretär kaiserl. Rat Dr. Theodor. L i e b e n und Sekretär Dr. EmilAdler; die Bethausvorsteher Anton Beck, Karl Freu nd, Dr./Herm. L ö w i, Theod. K o h n, Rnb. K o h n, Dr. Elias Münz und Wasservogel; die Vorstandsmitglieder der Chewra- Kadischa Samuel Gold manu und Jakob Kann; die Rabbiner Dr. Ba ch, Dr. Fen ch tw ang, Dr. G run lv a ld, Dr. K n m i n k a, Dr. Rose mit a lt n und Dr. H u ß; der Prüsideut des Israelitischen Blindeninstitutes Wilhelm Kuffner mit dem Institutsdirektor Heller und: mehreren' Zöglingen. Delegierte des Mädchenwaisenhauses mit einer Anzahl Zöglingen; die Religionsinspektoren Professor Dr. Moritz K a n i tz und Dr. L.nngfelde-r, die Schriftsteller Dr^ I. S. B l o ch, Ludwig K.arpath, Dr. M. Löwy und Leo Stein; die Bankdirektoren Popper, Kurandä. K o t z i m a n n o, W e i n e r, H e i n s h e i m e r, I chenhäuse r, Fra n k l und Weißen sie in, die Prokuristen Fegerl und Dr. von Richetti, der Direktor des Volkstheaters Adolf Weiße, Regisseur Jaques Pohl, Armenrat Josef Ze l l in ek mit Familie, die Religionslehrer M. A n t s ch e r l und A. R o t t e r, die. Präsidentiu des Füufhanser Frauenvereiues - Frau Regine Län deis, Architekt Modern, kaiserl. Rat Waizuer, 5)V. Sigmund Stiaßuy, Dr. Kl ing er, ferner Abordnungen vieler Bethaus- und humanitärer Vereine rc. Besonders zahlreich war die Kollegenschaft des Heimgegangenen vertreten. Von auswärts: Heller-Brünn, in'Vertretung des mährischen Kantorenvereines, B. S in g er-Jungbunzlan, J.elsin ek-Oberhollabrunn, Zoltan-Baden, Werdish e im-Stockerau; der gesamte Vorstand des österr.-nngar. Kantorenvereiues. der I. Vize - Präsident I. Bau e r, der H. Vize-Präsident I. S ch i l l e r und die Vorstandsmitglieder B affe l, D ü u m a n u, D o n F n ch s, F r i e d l ä ti d e r, I n rberger,.Löwit, Rosenberger, Schorr, Schleifer, S chlesinger und Sm.o tri tzky. Von den Wiener Kantoren, die sämtliche im Ornate neben der Estrade Aufstellung nahmen,waren anwesend: Maty a s, Morgen stern, Kaufmann, Serebreuik, Rothwein, Wittmann, Hirsch, Kirsch n er, Lö wy, S. Weiß,. Czutschka, Neumann. Grob,. Kläger, Pekaruik, Weißmann. .Regner, H a rn d o r f, N. Schorr. Lau da n, K oh u, B a s s e r. Eib usch ütz, I lme r, G i b l i ch m a n n, W o lf e n s oh n, I. Weiß, Lemch erg er, Ro.th, M en kes und. Ro sen- ' zweig. . Punkt 10 Uhr wurde der Sarg unter Vorantritt des Kultus- und Bethausvorstandes und der. Vorsteher der Ehewra Kadischa von den Vorstandsmitgliedern des Kantorenvereiues ans dem Beisetzungsranme in. die Zeremonienhalle getragen und dort auf die Estrade gestellt. Nachdem Oberkantor D o n F n ch s unter Assistenz des verstärkten Chores des „Haznu lomim" rezitiert hatte, schilderte Dberrabbiner Dr. G ü d e in a n u mit trostreichen Worten die seltene Amts-, und Lebmisführujlg des Verblichenen,, und Vizepräsident Dr. Gustav . K o hu. würdigte dessen' hohe Verdienste , in der Ausübung seines Berufes. Hierauf trat der Vizepräsident" des Kantorenvereiues, Oberkautor Bauer, an die Bahre und hielt namens derKollegenschaft folgenden Nachruf: . „irVrri mtoy nba; Die Krone ist unserem Vereine und der Kollegenschaft entrissen worden. ' . Tief ergriffen stehen wir, der Vorstand des österreichischungarischen Kantorenvereiues und die.Mitglieder, desselben von nah und fern, an der Bahre unseres verdienstvollen, unvergeßlichen „ Präsidenten, des kaiserlichen Rates Oberkanlor Josef Singer, Vor nicht langer Zeit standest Du hier, ' um in unserem Namen den letzten Gruß einem würdigen und hochbegabten Kollegen zu entbieten, und heute stehen wir schmerzerfülll hier, um Dir die letzten Grüße znznrnfen. Es war am Ansgange des jüngsten Simchasthorafestes, da versammelten wir uns, festlich gestimmt, in Deiner Wohnung, um Dir. anläßlich Deines 70. Geburtstages unsere Verehrung und Hochschätzung auszudrücken. Wir trafen Dich zu unserem Leidwesen bereits am Krankenbette, trotzdem war es Dein Wunsch, daß ich im Namen der anwesenden Kollegenschaft mich Deinem Bette nähern möge. Anstatt einer größeren Rede, rief ich Dir bloß vier Worte' zu: „LnvL'N nKiSn". Du batest uns, , wir mögen für Deine Genesung beten, was wir auch mit aller Innigkeit getan haben. Leider sind unsere Gebete diesesmal nicht erhört worden. map nba:. Unser Führer und Leiter wurde .uns entrissen. Seit Gründung unseres Vereines, 30 volle Jahre, standest Du an .der Spitze desselben, hast Du Deine ganze Kraft, Deine ganze Persönlichkeit und Energie eingesetzt für die Hebung und Veredlung unseres Standes und in Wort und Schrift für uns gekämpft und gerungen. : - Mit glühender 'Begeisterung und mit vollem Eifer hast Du auch für das jüngste Werk unseres-Vereines, die Gründung und Eröffnung einer Kantoren-Bildnngsanstalt in Wien, Dich eingesetzt und in richtiger Erkenntnis, die gedeihliche Entwicklung und die Zukunft des jüdischen Kantorates von dieser Anstalt erhofft. Leider war es Dir nicht mehr vergönnt - das Jnslebentreten dieser Institution zu erleben. Du hast uns eine Lehre, eine Wissenschaft eröffnet.. Du hast im reichen Schatze, des.altträditionellen Synagogengesanges (Obasousu) geforscht und so uns znm Studium und zur Arbeit angeeifert. Deine hohe Intelligenz, Deine umfassende Bildung, Deine, fachmännische Begabung, Deine Lebensführung waren stets ein Vorbild für uns. Du warst eine Zierde und Leuchte unseres Standes. Deine Allerhöchste Anszeichnnng war. für den ganzen Kantorenstand eine Anszeichnung. Wir geloben, in Deinem Sinne und in Deinen Intentionen unseren Verein auch ferner zu hegen und zu pflegen und Dein Name wird fortleben im Vereine und unter uns. ' ,; Du warst ein hochwürdiger „8c1i1iach Zibur“. Sei Du unser aiß pba. und nrvi' bete für uns, die seit .Jahrzehnten an Deiner Seite gearbeitet haben für .das Wohl unseres Standes; bete für das fernere Gedeihen, unseres Vereines, bete für die Mitglieder und für uns Alle. Jos es S i n g e r, Dein Name wird gesegnet bleiben! Amen!" "; Namens des israel. Blindeninstitntes, wo kaiserlicher Rat Josef Singer viele Jahre als Gesangslehrer segensreich wirkte, sprach Direktor kaiserl. Rat Heller folgende Abschiedsworte: „In dieser dunklen, schmerzensreichen Stunde,- da es gilt von dem tenern Freunde, an dessen Bahre wir stehen, Abschied zu nehmen für immer, also in der letzten Stunde, gedenke ich der erstell', in welcher ich dem edlen Manne näher getreten bin. Damals richtete er an mich die Frage, die mir sofort die ganze Innigkeit seines Gefühlslebens offenbarte: „Wie kann ein Blinder singen?" Er wollte . damit sagen':• Wie kann, ein Menschenkind, dem die lichtdurchflutete Welt mit all ihrem Zauber und ihrer Herrlichkeit in ewige Nacht llntergesunken ist,