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Die Wahrheit · 1911-11-24 · Heft 45 (24.11.1911) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 45 (24.11.1911)
Date
1911-11-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sr-Ilc 8. . ■ Die Wadrhett. , : Nl-, 45. Worten wurden somit die erhabenen Charaktereigenschafteu der verewigten Kaiserin ins Helle Licht geruckt. Die Rede übte auf das empfängliche Gemüt der zahlreichen jungen Zuhörer einen nachhaltigen Eindruck, die in gehobener Stimmung die Gottesstärte verließen. Wien. Am 18. d. M. fand die Verlobung des Fräulein Pauline Herzl, Tochter des inden weitesten Kreisen der Gemeinde durch feine Herzensgüte und Opferwilligkeit bekannten Herrn Salomön Herzl, mit Herrn Fritz Steinitz statt. Bei dem fröhlichen Festmahle, das die Familienmitglieder mit den intimsten Freunden des Hauses vereinte, kam auch die jetzt leider oft vergessene alijüdische Sitte, bei freudigen Anlässen der Armen zu gedenken, zn schöner Geltung, und ein namhafter Betrag wurde von den Festteilnehmern für den „Verein zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer israel. Konfession" gewidmet. Die Nachahmung dieses edlen Beispieles könnte manches gute Werk fördern. Budapest. Ünterrichtsministkr Graf Johann Zichy hat der Kecskemerer israelitischen Klütnsgemeinde 1000Klonen als Beitrag zu den Reparaturkosten des durch das Erdbeben beschädigten Tempels gespendet. Nagyszombat. Unter allgemeiner Beteiligung seitens der hiesigen Judenschaft wurde am 14. d. M. Herr Samuel L ö w e u r o s e u, der im Alter von 82 Jahren nach langem Leiden verschieden ist, zu Grabe getragen. Herzrührend waren die Abschiedsworte, die der greise Rabbiner Dr. Di am and ans Treu cs en. der Schwager des Verblichenen, dem Heimgegangenen widmete, und von tiefem Eindruck auch die Trauerrede des hiesigen Oberrabbuiers Stein. Die Trauergesäuge wurden in sehr wirkungsvoller Weise von Oberkautor Kopfstück vorgetragen. FeniUrto». per Kofj«de. Humoristische Erzählung von Babette Fried. (Schluß.) Und die neue G r ä f i n v o n S a v e r u e war auch so sanft und g n t. wie die Schillersche und empfing ihn mit Vorwürfen, daß er sich so im Dienste quäle, ließ ihm in. einem abseits gelegenen Zimmerchen auf dem Divan ein Lager zurechtmachen, wo er feine wehen Knochen behaglich ansstrecken konnte, brachte auch Spielkarten herbei, um dem kranken Dienernder durch ihr Verschulden so viel gelitten, die Zeit zu verkürzen. Aber, o weh! Berl verstand bloß die beim Juden-gebräuchlichen Kartenspiele: Franzefuß, Zwick und Eilf Mandl, aber von Tarrock, Whist und Skat, welche Spiele die Baronin kannte, hatte er keinen.-Dunst. Aergerlich ließ Adele die Karten liegen und begab sich auf ihr Zimmer. Berl nahm die Karten zur Hand, um aus Langeweile mit ihnen zu spielen und auf dem-Tische daraus Kartenhäuser zn baue». Da bemerkte er, daß diese bunten glatten Dinger in der Ecke fast alle durchstochen waren mit einem oder mehreren feinen Nadelstichen.- Diese Bemerkung teilte er später der gnädigen Frau mit; da, diese die Karten in dem Zimmer des so rasch abgel-eisteu Ungarn gefunden hatte, machte sie auch ihren Gemahl auf diesen Umstand aufmerksam. Statt des Zoruesausb.rnches, den Adele, die doch von dem bevorstehenden Duelle keine Ahnung hatte, entfuhr dem Baron ein Freudenschrei: „Gerettet!" rief er jubelnd aus. „Diese Karten werde ich dir Sonntag an den Kopf werfen, anstatt meiner ehrlichen Kugel, deren du nicht würdig bist, du Falschspieler!" Dies war auch richtig der Ausgang des Duells.'Des Falschspieles überwiesen, verließ der Ungar, auf immer entehrt, den Platz, wo er sich an dem rächen wollte, in dessen Hause ihm diese Unbill widerfahren war. . Dieser Vorfall bewirkte, daß mau sich in gewissen Kreisen, für Baron Cernitzky und seineliebenswürdige Gemahlin zu interessieren begann und diese wieder in Ehren anfnahm. Uebermütig geworden durch die Erfüllung dieses seines höchsten Wunsches, begann der Baron wieder so manche lustige Streiche auszuhecken und ausznführen, deren Opfer eines Tages wieder sein Hofjude geworden. In der Scheune wurde gedroschen,. daß der Ton der im Takte niedersansendeu Dreschsiegel int ganzen Hofe widerhallten. Da trat Cernitzky zu den Dreschern und machte ihnen Vorwürfe darüber, daß sie ihn bestehlen wollen. Die Drescher stellten; diese Absicht entschieden in Abrede- „Wie könnt ihr leugnenihr Frecheii? Hat mir doch der Berl . vertraut, daß ihr ihm gestohlenes Getreide -um einen Spottpreis verkaufen wolltet!" ,;Und d em glaubt der gnädige Herr? So einem Lnm-- penpack, so einem jüdischen Gesindel? Mit Hunden sollte der gnädige Herr die ganze Brut vom Hofe hetzen lassen." Cernitzky schüttelte.sich vor Lachen. Die Drescher auf Berk gehetzt zu haben, das war ihm ein Gaudium, das sollte ihm etwas Abwechslung in die Langeweile des Dorflebens bringen. In sein Zimmer zurückgekehrt, ließ er Berl zu sich rufen- „Du Lump einer," fuhr er ihn an, „was verleitest du. meine Arbeiter zum Stehlen?" Dem armen Burschen schlottertenvor Schreck die Knie; „Aber Euer Gnaden, Herr Baronlebeu, das kann mir ja nicht einsallen! In? unserer heiligen Lehre steht geschrieben: Du' sollst nicht stehlen!" „Gnt! Aber warum willst dir von meinen - Dreschern gestohlenes Getreide kaufen?" „Lüge! Euer Gnaden, Läge! Wer Ihnen das gesagt hat, der hat gelogen und es steht ja geschrieben: Du sollst von deinem Nächsten kein falsches Zeugnis ablegem" ..Kannst deine zehn Gebote ganz gut, aber das mach dir mit den Dreschern in der Scheune aus. die mir das sagten." Im Eifer -der gekränkten Unschuld lief Berl geradeaus der Scheune zu, um die Lügner und Verleumder zur Nede zu stellen. Als diese ihn erblickten, stürzten sie mit ihren Dreschflegeln ans den sich eines solchen Angriffes nicht versehenden- Berl zu, so daß er nach den ersten Streichen blutüberströmt zw Boden stürzte. „Da hast dn. dn lügnerischer Jud,'jetzt kannst du wieder gehen, den gnädigen Herrn auf hetzen. Der Baron wollte den Spaß mitansehen, wie sich Berl mit den Dreschern in seinem böhmisch-jüdischen Kauderwelschhernmzanken wird, 'und war dem Davonstürmenden lachend nachgeeilt. Der Anblick, der ihm da wurde, ging ihm denn doch über den Spaß. ' Er ließ den übel zugerichteten Berl ins Schloß bringen und ihn auf seine Kosten pflegen und kurieren. Als er genesen war, gab er ihm als Schweigennd Schmerzensgeld eine Summe, die dessen kühnste Erwartungen überstieg und es ihm ermöglichte, auf. eigene Rechnung ein Getreidegeschäft zu führen und auf diese Weise seine auf dem Hofe erworbenen Fachkenntnisfe zu verwerten. Baron Cernitzky und Gemahlin blieben dem neuetablierten Geschäftsmanne immer gewogen und verkauften bald niemand anderm als ihm ihre landwirtschaftlichen Produkte, was den Grundstein zn seinem späteren Wohlstände legle.' . Viele Jahre später, als Berl als ein vermögender und in der Geschäftswelt sowohl als in der Gemeinde angesehener Mann dastand, erzählte er gerne seinen Kindern voll den Schicksalen, die er erlebt hatte als'Hofjude. . - Austritte ans dem Judentum Bock Jakob, geb. 30; Feber 1871 in Nluglitz. Y.. Gartengasfe 15a. G o l d st ein Rachel, Privat, geb. 5. August 1858 in Skntron, Mähren, II., Pillersdorfgasse 3. G o l d st ein Wilhelm, Handelsangestellter, geb. 3. Juni 1892 in Wien, II., Pillersdorfgasse 3. G oldst ein Viktor, Beamte, geb. 25. August 1661 in.Wien; H., Pillersdorfgasse 3. . W e i ß Johanna,■: Private, geb. 2. September 1888 in Horhanovze, Kroatien, II.', Wbsstraße 12. ' M a z u rRosa, Schneiderin geb. 31. März 1868 in Lemberg, H., Ibbsstraße.-IZ. M a z n r Richard? geb.> 27. November 1910 in Wien, H.. Ibbsstraße 18. T first Esther ' geb. Ehrenreich, Reisendensgattin, geb. 19. Juni 1879 in . ' Wien,, VlM-Lerchebfelderstraße 104. Weingarten Reg., geb. 21. Mai 1886 in.Stanislan, III., Radetzkystraße 25; •' " - ’ / K n ä d t Heinr^i geh;. 26. Jnli 1865 in Wien, IX.. Nnßdorferstraße 4. S ch'a I I e p Else! Pripate, geb. 16. November 1887 in Wien, U., Krnmmbamgasse'12.

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