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Die Wahrheit · 1911-11-24 · Heft 45 (24.11.1911) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 45 (24.11.1911)
Date
1911-11-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Die Wahrheit. Seite 8. Nr. 45. Zur Eröffnung der Kantoren-Kchnle. Endlich ist das erlösende Wort gefallen und der Traum, der allen Ernstdenkeüden vorschwebte, ist endlich zur Wirtlichkeit geworden. Mit Errichtung dieser Institution ist ein wesentlicher Einschnitt im Berufsleben des Schliach Zibbur erfolgt, er ist zum Markstein der Geschichte des Kantorats geworden und man kann endlich sagen: Von heilte ab ist der Kantorenstand auf die Stufe seriöser Berufe gehoben worden, da er nicht mehr dazu ,ba ist, um gescheiterten Existenzen als letzter. Lebeusanker zu dienen, auch nicht als Nebenbeschäftigung leichtdenkender, Halb- Wissender Elemente, welche vermeinten, mit ihren aus ihrer Zugend erworbenen Brocken chasonischen Könnens herankommen zu dürfen. Solche Zeiten — sie sind bereits hinter uns. Heute verlangt man nicht nur etwas Stimme, etwas liturgische Kenntnisse, etwas musikalische Leistung, sondern alles ganz und vollkommen. Um dies zu erreichen, ist eine rationelle Bildung an der Kantorenschnle vorgesehen. Die Zusammenstellung der Lehrgegenstäude ist eine solche, 'daß die Kantoratseleven zu fertigen, musikalisch und liturgisch gebildeten Funktionären erzogen werden. Nur eines vermißt man im Plan, und zwar einen zu wenig weiten Raum für die 'Chorausblldnug. Denn hauptsächlich für die großen Landgemeinden, welche vom Oberkautor die Schulung eines gewöhnlich vierstimmigen gemischten Chores verlangen, wo auch .zumeist sogenannte Chorvereine, bestehend ans Herren und 'Damen, sich bilden, muß er als Dirigent mit allen Behelfen, ich möchte sagerk, eines Chordirektors gewapptlet. sein. Dazu genügt nicht ein wenig Harmonielehre, auch nicht etwas Jnstrnmentspiel, sondern im bedeutenden Grade literarische Bildung, Glicht nur die der hebräischen (musikalischen) sondern die der weitumfassenden nichtgeistlichen Mnsikliteratnr. Denn auch iu diesem Amt muß jede Einseitigkeit vermieden werden, soll der Kantor Anspruch auf Würdigung seiner. Sphäre -erheben. Es ist kein Zweifel, daß auch diesem Zweig die nötige -Sorgfalt muß eingeränmt werden.*) Mit der Errichtung einer Kantorenschnle ist die dritte Etappe im Ausbau des modernen Kantorats erreicht worden. Wir sahen entstehen die Oesterr.-nng. Kautorenzeitung, jetzt „Wahrheit", welche als Wochenorgan alle' Interessen der Kollegenschaft in Fachberichten belehren und der Allgemeinheit .Kunde von dem Wesen des Kantorats überliefern sollte. — Wir sahen entstehen den Kantorenverein als zweites Bindeglied unserer Jnteressen-Sphäre zur Wahrung des Prestige und 'Erhaltung und Förderung unserer Standesehre, aber auch in Verbindung mit einer Hllfskassa für invalid gewordene Fachgenossen oder solche, welche durch Krankheit oder unverschuldete Entlassung ihrer Stellung verlustig werden. Möge es dem neuerrichteten Institut vergönnt sein, solche Jünger heranznbilden, welche mit ihrem Können nicht nur ihren Lehrern und ihrem Stande, sondern allen Gemeinden, wo sie wirken, nur Ehre bereiten, dann wird vollauf der Zweck erfüllt sein, der darin gipfelt, die Notwendigkeit geschulter Vorsänger erkannt .zu wissen. Hierbei soll der Männer gedacht werden, die von Anbeginn schaffend an diesem Baue tätig waren. Immer prangen die Namen Josef Singer und Jakob Bauer als Bannerträger leuchtend voran. Man muß der gütigen Vorsehung großen 'Dank wissen, daß sie diesen Tapferen die Kraft nnd Ausdauer verliehen, daß sie der Ermüdung nicht anheimfielen, nach so vielen Versuchen und Enttäuschungen nicht die Flinte ins Korn .geworfen zu haben. Denn leider muß man es bekennen: Moralische und finanzielle Unterstützung wurde ihnen für ihr großes Vorhaben wenig zn teil. Auf die eigene Kraft bauend, auf den Sechns sich verlassend, unserer guten heiligen Sache gedient zu haben und noch zu dienen, war ihr einziges Bestreben, Ad .iieno asorunii rackamech.0. Bis daher hat der Allgütige uns seine Hilfe angedeihen lassen. Möge dieses Losungswort die Richtschnur für weiteres Vorwärts-Dringen bedeuten. Jnngbnnzlau, November 1911. B. S. *) Im Lehrplan ist auch auf die Ausbildung nach dieser Richtung vollkommen Bedacht genommen. (Anm. d. Redaktion.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag am 24. d. M. abends,. Predigt des Herrn Rabbiner Dr. Feuchrwang un Levpochstädter Tempel. Wien. Herr Jacob Schleifer. I. Kantor am Fünfhauser- Tempel der Wiener Kultnsgemeinde, hat in den letzten Tagen folgendes überaus ehrendes Schreiben des Berhausvorstandes erhallen: Euer Wohlgeboren! Der Bethausvorstand der ifr. Kultusgemeinde Wien für die Bezirke XII—XV hat in seiner am 6. November l. I. stattgehabten Sitzung einstimmig den Beschluß gefaßt. Ihnen in Anerkennung Ihrer ausgezeichneten Leistungen seine besondere Zufriedenheit auszusprechen. Sie haben durch mehr als 10 Jahre mit Ihrer herrlichen Stimme in moderner, wie auch tradmoneller Vortragsweise, mit der Sie den Gottesdienst in so solenner Weise leiten, sämtliche Tempelbesucher, wie auch unserer Jugend zrr herzergruckerrder und erhebender Andacht gestimmt, so daß Alt und Jung von Ihrer Gesangsknnst begeistert ist. Der Bethaus- Borstand fühlt sich daher verpflichtet Jhaen den wärmsten Dank anszusprechen. Mit dem Wunsche, daß Sie recht lange in Gesundheit und Rüstigkeit Ihres Amtes walreu und Herz und Ohr unserer Glanbensbrüder erfreuen mögen, zeichnet, mit dem Ausdruck der Hochachtung: Für den Bethausvorstand XU—XV: der Obmann S. Steiner. Wien. (Druckfehler Berichtigung). Infolge eines Druckfehlers ist in unserem vorwöchentlicheu Berichte über die Plenarsitzung des Knlrnsvorstandes vom 5. November 1911 mirgeteilt worden, daß den definitiven Bermaltnngsbeamten, welche Bezüge von weniger als K 6000.— haben, Teuerungszulagen in der Höhe von je K 300.— pro Monat gewährt wurden. Die Mitteilung ist ietbstverstäudlich dahin richtig zu stellen, daß die Teuerungszulagen je K 300.— pro Jahr betragen, welche in monatlichen Raten zur Auszahlung gelangen. Wien. Herr Adolf Beck, feierte mit seiner Gattin Frau Ceeilie B e ck, geb. R o s n e r. im engsten Familienkreise, das Fest der silbernen Hochzeit. Der Jubilar erfreut sich üt Ottakring, wo er seit feiner frühesten Jugend und als Geschäftsmann etabliert ist, in allen Kreisen größter Sympatie und Wertschätzung. Wien. (Indisches Museum). Die Münchener Loge (M. O. B. B.) hat in einer ihrer letzten Sitzungen den hochherzigen Beschluß gefaßt, die von ihr in der Julernationalett Hygiene-Ansstellnng in Dresden ausgestellten Gegenstände unter Wahrung des Eigentumsrechtes dem Wiener Jüdischen Museum dauernd zu überlassen. Im In» tereffe der Zentralisierung jüdischer Ausstellnngsobjekte, die sonst in ihrer Verzettelung gar nicht zur Geltung kämen, ist dieser Beschluß mit Freuden zn begrüßen und zur Nachahmung zn empfehlen. Wien. Der seit 22 Jahren bestehende humanitäre Geselligkeits- Verein „Rudolfsbund" zur Bekleidung armer würdiger Schulkinder veranstaltet anr 25. d. M. im Kaiser Jnbilänms-Stadt-Theater zu Gunsten des Kinderbekleidungssondes eine Wohltätigkeits-Borstellung, bei welcher die Oper „Wenn ich einKönig war!" in erstklassiger Besetzung zur Aufführung gelangt. Mit Rücksicht ans den eminent Humanitären Zweck hofft der Verein ans dieser Vorstellung ein so namhaftes Reinerträgnis zu erzielen, daß er bei der Sonntag den 3. Dezember V,4 Uhr Nachmittag im Saale der Börse für landwirtschaftliche Produkte. EL, Taborstraße 10, stattfindenden Bekleidung wiederum eine stattliche Anzahl von Kindern, (bisher wurden vom Vereine mehr als 2000 Kinder mit vollständiger Winterbekleidung beschenkt) zu bekleiden in der Lage sein wird. Prag. (Eine verdienstvolle Anerkennung). In Würdigung für den im Jahre 1910 verstorbenen Oberkantor Herrn Salamon Moor, welcher durch 34 Jahre zur Zierde nnd Hebung des Gottesdienstes im Tempel der Geistgaffe beigetragen hat, wurde bisher durch ein volles Jahr die Oberkautorstelle nicht besetzt. Auch hat der Tempelvorftand für den Hingeschiedenen Oberkantor eine Stiftung daselbst errichtet. Am 4. November wurde nun in Anerkennung der langjährigen, erfolgreichen Tätigkeit und in Folge der schönen Leistungen des bisherigen zweiten Kantors Herr Leo Mirsky vom Vorstände des Vereines für geregelten Gottesdienstes der Israeliten in Prag zum Oberkantor für den Tempel in der Geistgasse ernannt. Kundmachung. Anmeldungen zur Anfnahmsprüfnng in die „Kantoren-Bild u n g s a n it a l t des österr.-nugar. Kantoren-Bereines sind an den Vizepräsidenten des Vereines, Oberkantor I. Bauer, EL, Novaragaffe 27, zu richten. . Anfnahmsbedingungen: Vollendetes 18. Lebensjahr, bildungsfähige Männerstimme. Nachweis der nötigen Kennrniffe im Hebräischen und der allgemeinen Bildung, soweit dieselbe durch Absolvierung einer unteren Mittelschule oder einer Bürgerschule erreicht wird. Der Blldungsnachweis. insofern er nicht durch das Zeugnis einer öffentlichen Lehranstalt erwiesen wird, kann durch eine Prüfung bei der Aufnahme in die Kantorenschnle oder im Laufe des Studienganges erbracht werden. Dauer des Studienganges in der Kantorenschnle: zwei Jahre. 1 Jahr Vorbildung, 1 Jahr Ausbildung. Bei genügenden Borkenntnissen kann auch die Ausnahme in den Ausbildungskurs erfolgen. Schulgeld: Bei Absolvierung beider Jahrgänge 300 K jährlich, für den Ausbildungskurs allein 400 X. Das Schulgeld ist vierteljährig im Vorhinein zu entrichten. Eiaschreibegebühr 6K. Besonders talentierte oder gänzlich mittellose Anfnahmswerber könne» vom Schulgelde zum Teile oder gänzlich befreit werden. Wien, im November 1911. Der Borstand des österr.-ungar. Kantoren-Bereines:

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