Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 44 (17.11.1911)
- Date
- 1911-11-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Die Wahrheit v . , Nr. 44. anderen unter der Leitung eines nich t j ü d i s ch e n Oberl en rers stehenden Schule vereinigt undauf diese Weise die Notwendigkeit der Bestellung eines jüdischen Oberlehrers beseitigt werden. Es wurde erwirkt, daß der Landesschulrat, obgleich seitens des Wiener Sladtrates bereits eine Beschlnßfaffung vorlag, die Stellung der beiden Schulen unter gemeinsame Leitung bis ans weiteres s i st i e r t e. — In Angelegenheit der Werderthorschnle und der Bestellung provisorischer Leiter ist eine Verfügung bisher nicht erfolgt. Das.dem S P i t a l e der K n l t u s g e in e i n d e benachbarte Haus, Wühringergnrtel 99, wurde von dem verewigten Herrn Baron Albert Rothschild angekanft und der Knltnsgemeind.e geschenkweise überlassen. Das Haus soll zur Unterbringung der Schlaft, Wohn- und Unterrichlsrännie des Kaiserin Elisabeth-Krankenpflegeriuneu-Justitutes, ferner zur Unterbringnug von Wohn- und Schlafräumen für Wärterinnen, sowie der Verwalterswohnung rc. rc. dienen. Hiezu sind umfangreiche, mit bedeutenden Kosten verbundene Adaptierungen erforderlich. Zur Deckung dieser Kosten soll die von der Baronesse Valentine Rothschild anläßlich ihrer Verehelichung für das Spital gewidmete Spende von K 50.000.— herangezogen werden. Auch im alten Trakte des Spitales sind große Adaptierungen erforderlich. Das Präsidium hat hiervon in einer Zuschrift dem derzeitigen Chef des Hauses Rothschild, Herrn Baron Louis Rothschild Kenntnis gegeben nud unter Hinweis auf die sehr bedeutenden jährlichen Leistungen der Gemeinde für den Betrieb des Spitales und auf die allgemeine Finanzlage der Gemeinde dem Herrn Baron es anheimgestellt, die Deckung der Kosten dieser Adaptierung auf sich zu nehmen. Die seil vielen Jahren offene Frage des Rechisverhälthältnisses der ln rk i sch e n I sr a e l i t e n (S ep har d i in) z u Wien zur israelitischen Kültnsgemeinde Wien wurde nunmehr durch ein vom Ministerium für Kultus und Unterricht genehmigtes Regulativ. das einen wesentlichen Bestandteil des Statutes der Wiener Kültnsgemeinde bildet, geregelt. Nach diesem Regulativ bilden die türkischen Israeliten innerhalb der..Wiener israelitischen Kültnsgemeinde eine besondere, die rechtliche Stellung einer Korporation (juristischen Person) einnehmende Vereinigung unter dem Namen „Verband der türkischen Israeliten (Sephardim) zu Wien". Diesem Verbände gehören an: a) Alle bisherigen Mitglieder des Verbandes des türkischen Israeliten (Sephardim) zu Wien und deren Nachkommen; . b) alle künftigen, direkt ans Bosnien oder der Hercegvwina nach Wien übersiedelnden und daselbst ihren Wohnsitz nehmenden sephardischen Jsraliten; e).alle künftighin direkt aus den Balkauläiidrrn oder allen derzeitigen Provinzen des türkischen Reiches nach Wien übersiedelnden und daselbst ihren Wohnsitz nehmenden sephardischeu Israeliten ohne Rücksicht auf ihre Staatsbürgerschaft; d) alle in Hinkunft ans anderen Ländern nach Wien übersiedelndeu und daselbst ihren Wohnsitz nehmenden Sephardim, insoferne. beziehungsweise insolange sie die österreichische oder die ungarische Staatsbürgerschaft besitzen. Die Mitglieder des Verbandes, sowie der Verband selbst entrichten keinerlei Beiträge an die Kültnsgemeinde, haben aber auch nicht der Kültnsgemeinde gegenüber die den Mitgliedern derselben zuftehendeu Rechte. Das gesamte, dem Verbände der türkischen Israeliten gehörige, wie immer namenhabende Vermögen, insbesondere alle ihre Knltusanstalteu, Wohltäligkeits- und Schnlinstitnlionen, das Tempelgebäude, die Chewra-Kadiscka-Stistnngen. Fonds, und Krankenanstalten samt allen Rechten und Verbindlichkeiten. Aktiven und Passiven verbleibt dem Verbände und wird selbstständig durch ihn verwaltet, ohne daß ans dem Gebühren des Verbandes überhaupt die Wiener Knllusgemeinde oder deren Vorstand irgend eine Verpflichtung oder Haftung treffen wird/ Der Rabbiner des Verbandes wird , von der Wiener Kültnsgemeinde als Gemeiuderäbbiner dieser Kültnsgemeinde anerkannt. Unmittelbar Hach Ankauf des Grundes für die Errichtung eines ii e u e n, jndi sch en F r i e dh ofes am 26. Jänner 1911 wurde um die behördliche Genehmigung des geplanten Friedhofes angesucht. Die Genehmigung wurde in sanitärer Beziehung mit Note des Magistrats vom 7. Oktober 1911 erteilt. Das am 1. August 1911 überreichte Gesuch mit Bekanntgabe der Baulinie wurde nicht innerhalb der ' gesetzlich normierten Frist erledigt, mit der Begründung/ daß die Banlinien für den ' fraglichen Gebietsteil noch nicht bestimmt seien. Da der Beginn der Vorarbeiten in erster Linie von der Bekanntgabe der Banlinie abhängt, ergingen an die kompetente Stelle wiederholt, dringende Urgenzen. Schließlich bringt der Präsident aus dem st a t i st i scheu Be r i ch te des Matrikelamtes für das Jahr 1910 folgende Ziffern zur Kenntnis: Die Anzahl der Lebendgeburten in diesem Jahre betrug 2404, die Anzahl der Todesfälle 2186, die Anzahl der Austritte ans dem Jndenlnm 564, die Eintritte in dasselbe 190. Bis Ende Oktober 1911 wurden 490 Anstritte und 162 Eintritte angemeldet. Der Bericht des Präsidenten wird zur Kenntnis genommen. Hierauf wird in die Tagesordnung eingegangen. Zn Mitgliedern des Bet ha ns Vorstandes für das G e m ein d e b e t h.a u s, X VIII. Sch op e n h a u e rst r a ß e 39. werden berufen die Herren: Richard Bergmann, Heinrich Glncksthal, Jacques Karpeles und Ernst Löwenstein. In das E h reu d a m e n - K o m i t e e d er V er s o rg n n g s a n st a l l wird Frau Alice Kramer berufen.,, Zn Kuratoren der Freiherrlich v. .Roths ch i l d's ch e n; K ii ii st l c r st i f t u n g werden die bisherigen Mitglieder des Knralorinins Wilhelm Knffner und Dr. Maximilian Steiner für eine dreijährige Fnuklionsperiode wiedergewählt. . ' Die Bndgeipost „V erlass e n e K i n d e r", welche infolge der immer steigenden Inansprnchnahme für das laufende Jahr bereits erschöpft ist, wird für das Jahr 1911 von K 24.000.— auf K 27.000.— erhöht.' ' . / Zur Durchführung der Vorarbeiten für den n e u e n Fried Hof wird ein Spezialkomitee, bestehend, ans .den Herren Vizepräsident Hosrat Dr. Rap p a p v r t,den Vertretern Max F r a n k und kais. Rat K a n d e r s, Vorstandsmitglied Architekt Jakob G a r t n e r, ferner einem Delegierten der Chewra-Kadischa Innere Stadt, bestellt. . Den definitiven Verwaltungsbeamten, welche Bezüge von weniger als X 6000.— haben, werden Tenernn gszula g en in der Höhe von je X 300.— pro Monat, beziehungsweise wenn die Bezüge mehr als X 5700.— betragen, in der Höhe des Ergänznngsbetrages auf X 6000.— für die Zeit vom 1. November bis 31. Dezember 1912 gewährt. Der Vereinigung der Bethausvereine im III. B e z i r k e Schoyier Jfroel. und Oseh Tow wird zngestimmt und für diesen Fall eine Subvention in der Höhe der bisher . den beiden Vereinen gewährten Subventionen und ein einnialiger größerer Betrag bewilligt.. S n b v e n t i o neu werden bewilligt: Den Bethansvereinen „Älachasike Thora", „Adaß Jeschnrun", „Freundschaft und Brüderlichkeit", Josefstadt, ferner den Vereinen Chewra-Kadischa XII bis XV und Maskil es Dol ans Anlaß der Veranstaltung eines temporären Gottesdienstes an den hohen Feiertagen. - . . Nach Erledigung von S t e ne r an g e l e g e n h e i t e n und P e r s o n als e n wird die Sitzung um 2 Uhr nachmittags geschlossen. '/■ piw Indeulnm im Knttnr »nd Wirtschaftsleben Dentlchlands. Vom preußischen Landtagsabgeordueteu.Funk. . (Fortsetzung.) Auch auft dem Gebiete der Jngenderziehnng von Inden ist viel geschehen. Ich erinnere an Rkosse und seine Anstalt' in Wilmersdorf, ich darf weiter Hinweisen auf ein Konsul Simon in Ahlem bei Hannover, ich glaube ans dem Jahre 1893, eine Erziehungsanstalt für junge Leute, und zwar nicht.für Kanfle'nte, sondern für Gärtner, Schuhmacher, Bäcker,