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Die Wahrheit · 1911-11-03 · Heft 42 (3.11.1911) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 42 (3.11.1911)
Date
1911-11-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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<S>eüe 8.■- Die Wahrheit. dir. 42. meiude, 4-, Seitenstettengaffe 2, folgende unentgeltliche Lehrkurse aktiviert werden: Englisch sür Anfänger und Vorgeschrittene, Stenografie sür Anfänger und Vorgeschrittene. Die Einschreibungen für diese Kurse finden Sonntag, den 5.. 9!ovember d. I., von 10 bis 12 Uhr vormittags , im Schullokale statt. Als Einfchreibegebühr wird der Betrag von 1 Krone pro Kurs eingehoben. Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten wolle man au den Obmann der Tvynbeehalle, Dr. I. Samuely, I.s Fischerftiege 6, sonstige Korrespondenzen in Vereinsangelegenheiten an Obmannstellvertreter Karl Freund, II., Praterstraße 70, adressieren. Wien. (Vorlesungen des Herrn Dr. A. K a m i n k a sim Wiener Bet-Hamidrasch, H. Ferdiuandsstraße 23.). Während des Wintersemesters 1911/12 hält Herr Dr. Kaminka im Bet-Hamidrasch folgende Vorlesungen: Jeden Mittwoch 7—8 Uhr abends „Maimonides, More Nebuchim, Teil III. Jeden Donnerstag 6—7 Uhr abends „Talmud, Traktat Sanhedriu." Die Vorträge im Bet-Hamidrasch sind öffentlich und bieten jedem gebildeten Inden in Wien Gelegenheit, sich durch den Besuch derselben au der Pflege der hebräischen Literatur zu beteiligen. Wien. Der bekannte Gelehrte, Herr Abraham L a n d m a n n, hält auch heuer wieder im Vereine „Liwias Chen", II., Stefaniestraße 2 (stefaniehof) jeden Freitag abend im Anfchlnffe an den Gottesdienst Vorrräge über die laufende Paraschah. Diese Vorträge sind durch die besondere Gabe des Herrn Landmauu, tiefes jüdisches Wiffen mit einer geist- und humorvollen Nutzanwendung auf die Gegenwart zu verbinden, längst zu einer Spezialität im religiösen Leben Wiens geworden. Kenner und Freunde des jüdischen Schrifttums seien auf dieselben besonders aufmerksani gemacht. Wreu Der Oberkantor der Schiffschul, Jecheskel Wittmann, ist um feine Pensionierung eiugeschritten. Wittmann wurde im Jahre 1848 in Grodek geboren mid widmete sich frühzeitig dem synagogalen Gesang. Im Jahre 1871 wurde er als Chasen in Gyöngyes, Ungarn, im Jahre 1875 in der ersten orth. Synagoge in Budapest ausgenommen.' Im Jahre 1883 wurde er in die Schiffschul berufen. Seither gilt er in Wien als der hervorragendste Repräsentanr der altjüdifchen Chasonim. Nach 40jähriger Tätigkeit will er sich zurückziehen. Es wird schwer sein für ihn einen ebenbürtigen Ersatz zu finden. Wie«. (Liturgische und jüdisch-geschichtliche Borträge sür erwachsene jüdische Mädchen.) Für die erwachsene weibliche Jugend wird in der allernächsten Zeit ein mehrwöchentlicher unentgeltlicher Kurs zur Bekanntmachung mit den wichtigsten Geberstücken für die hohen Festtage mit sich daran schließenden jüdischhistorischen Vorträgen eröffnet. Die Anmeldungen von Hörerinnen — mit Ausnahme von schulpflichtige» Mädchen—sind auf einer Doppelkorrespondenz- .Karte mit genau adreffierter Antwortskarte an die Leitung des Vereines „B e t h - H a m i d r a f ch Talmud-Thora, H., M alzgasse 16, bis 10. November d. I. zu richten. Zum ersten Bortroge, der bekanutgegeben wird, haben die Hörerinnen sich womöglich mit dem Neujahrs- „Machsor" zu versehen. Wien. (B e t - H a ul i d r a s ch „Talmud-Thora"/ H., Malzgasse 16.) Die populär-wissenschaftlichen Freitag - Abend- ZI orträg e beginnen in unserem Bet-Hamidrasch am 10. November d. I. Herr Rabbiner H. Schenk spricht über die „Psalmen". Beginn 7.30 abends. Wien. (Bethamidrafch „Moutefiore", H., Taborstraße 38.) Herr Rabbiner Moritz F l e s ch hält im Wintersemester 1911/12 folgende Vorträge: Sonntag abends 5 Uhr „Midrafch-Nabba. Mittwoch abends 5 Uhr „Sprüche Salomos". Samstag vormittags ^12 „Buch Samuel". Gäste willkommen! Wien. (Theologischer Verein der Hörer an der isr. theol. Lehranstalt.) Die Neuwahlen fstr das Wintersemester 1911/12 ergaben folgendes Resultat: Präses Herr Böla D i a m aut. Vizepräsident Herr Noe H a h a m u. Kassier Herr Hersch A n d e r m a n n. I. Schriftführer Herr Julius Ä u g ä p f e l. II. Schriftführer Herr Gustav Schön. NF-K. Herr M. L. C z a c z k e s. Wie«. (Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender, Wien, II. Malzgaffe 1.) Aus Anlaß des am 12. Oktober dieses Jahres erfolgten Ablebens des verdienstvollen ' H: Obmann-Stellvertreters des Herrn I- Be lf s. A. findet Sonntag, den 5. November 1911 um 4 Uhr nachmittags im Betlokale des Vereines, H Malzgaffe 1, eine Trauerfeier statt, zu welcher die P. T. Mitglieder des Vereines höflichst eingeladen werden. Freiberg. (G o l d e n e H o ch z e i t.) Am Sonntag, den 5. November l. I. feiert Herr Leopold Kul k a, Kultusvorsteher und Hausbesitzer in Freiberg in Mähren, mit seiner Gattin Frau Marie Ku l k a geb. Schl es in g er, im Kreise seiner Kinder und Enkel das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Herr Kulka, dem seine Gattin in Freud und Leid stets treu zur Seite stand, und, wie es in der Bibel heißt, eine wahre „Eser" (Gehilfin) war, ist aus Leipuik in Mähren gebürtig und steht im 78. Lebensjahre; seine Gattin, geboren zu Beutheu in Preußisch-Schlesien ist um I Jahr jünger und entsproßt einer hochachtbaren Familie. Der überaus glücklichen Ehe entsprossen vier Söhne und eine Tochter. An seinem goldenen Hochzeitstage begeht der Jubilar, ein Bruder unseres verantwortlichen Redakteurs, Herrn Alois Kulka, noch ein zweites oOjähriges Jubiläum. Es ist nämlich genau ein halbes Jahrhundert, seitdem er sich in. Freiberg etabliert hat. Wie daher zu erwarten ist, werden dem Doppeljubilar, der sich, ob feines biederen Charakters allgemeiner Beliebtheit und Wertschätzung erfreut, wie nicht minder seiner Gattin, auch seitens weiterer Kreise, mehrfache Ehrungen gelegentlich dieser Doppelfeier zuteil werden. Pakrac. Am 13. Oktober ist hier der langjährige Bürgermeister- und Stadtrat, Herr Jakob Müller, zu Grabe getragen worden. Der Heimgegangene, der das Alter von 60 Jahren erreichte, hat vor 5 Iahten mit feiner edlen Gattin die goldene Hochzeit gefeiert und bei diesem Anlässe der hiesigen Kultusgemeinde ein prachtvolles Parosches gespendet- Die große Beliebtheit, deren er sich infolge seiner langjährigen höchst ersprießlichen öffentlichen Wirksamkeit erfreute, dokumentierte sich bei seinem. Leichenbegängnisse, an welchem nebst den offiziellen Vertretern der Kultusgemeinde, die katholische Geistlichkeit, die ganze Beamtenschaft, die Feuerwehr und der katholische Zunftverein teilnahmen. Mit der kantoralen Trauerfunktion bot Oberkantor Steiner eine gesanglich hochstehende Leistung und Bezirksrabbiner Dr. Glück hielt eine ergreifende Trauerrede. Der Verstorbene hat auch mehrere Legate letztwillig verfügt. Friede feiner Asche! Krakan. Oberkantor Fischer hat in den letzten Tagen unter Beweisen zahlreicher Sympathien seinen 70. Geburtstag gefeiert. Ausführlicher Bericht in nächster Nummer. Jüdische Bühne. Direktion M. Siegler, Hotel Stefanie, II.,. Taborstraße 12. Ab Freitag, den 3. November. „Das wahre Pintale Jüd". Operette von B. Thomaschewsky. Btnsik von Perlmutter und Wohl. Sonntag halb 4 Uhr nachmittags „Der Jeschiwe Bücher" von Zalotorewsky- Donnerstag den 9. November 1911. Auf allgemeines Verlangen „Die Newejle" von Peritz Hirschbein. Auftreten des Herrn Schweid. Literatur. Chanukkazauber, Märchenspiel in einem Aufzug von Heinrich Fa bi sch Im Selbstverläge des durch seine „Gesänge der Andacht," sowie durch sein Purimfestspiel „Esther" vorteilhaft bekannt gewordenen Kantors der Göttinger Gemeinde, Heinrich F a b i s ch. erschien soeben ein Märchensingspiel in einem Aufzug, welches den Titel „Chanukkazauber" führt. Hervorragende Musiker mit Titel und Namen haben das Manuskript geprüft, und übereinstimmend sind sie der Ansicht, daß es sich um ein Werk von respektabler Bedeutung handle. Nach Durchsicht der Partitur stehe auchich nicht an, mich, den vorliegenden Gutachten vollinhaltlich anzuschließeu und begrüße das neue Opus als das längst ersehnte „musikalische Chanukkafestspiel." Nach einem wirkungsvoll durchgearbeiteten Vorspiel, das motivisch die bekannten Melodien des „Moans-rinr" und „Lolr'uei-ssisiiu" enthält, geht der Vorhang in die Höhe und stimmungsvoll erklingt das Nbendliedder kleinen H a n n a, die allein zu Hause ist und von dem untergeheuden Sonnenstrahl sehnsüchtig erbittet, daß er ihr ein Hoffnungsstrahl sein möge, da sie als Waisenkind einsam und verlassen sei. Plötzlich ertönen, frohklingeude Weisen, und herein tritt R u t h, die Freundin der Hanna,, um sie zur Chanukkafeier abzuholen, um zu tanzen und zu spielen. Hanna erwidert, daß sie sich vom Hause nicht entfernen dürfe; für sie gibt es nur' „Arbeit und Schelte." Ruth tröstet sie, und aufgerichtet durch diesen Zuspruch stimmt Hauna mit ihrer Freundin einen Lobgesang an. — Dieser Teil ist als Kanon durchgearbeitet und repräsentiert nicht nur den musikalischen Höhepunkt des Ganzen, sondern er wirkt in seiner Schlichtheit und Tiefe geradezu ergreifend, namentlich bei der Schlußstelle: „Wenn Vater, Mutter mich verlassen." Hier vereinigt sich wirklich kontrapunktistisches Könneu mit wahrhaft seelischer Empfindung. — Ruth verläßt ihre Freundin 'wieder, und diese singt in hoffnungsfrvher Stimmung ein Lied, in welchem sie dem Wunsche Ausdruck gibt, der alte, treue Helfer Israels, Elia, möchte doch kommen, damit auch ihr ein freundlicheres Los bereitet werde.. Mittlerweile schlummert sie ein. Und nun erscheint ein Traumbild. Hauna sieht im Traume all die Herrlichkeiten, die in Wirklichkeit ihr vorenthalten sind: sie sieht die Channkkafeier der Kinder. Amoretten huschen flinb herbei und tanzen singend einen Reigen.mit, entzückend kindlicher Melodie. Dann erscheinen Knaben, fähnchenschwingend, und zeigen Judas kampfbereite, glaubensstarke Zukunftsschar. Und zuletzt kommen Elfen und tanzen gleich den Amoretten singend gleichfalls einen Reigen. Gegen Schluß desselben wird die Kinderschar durch einen vom Fenster herkommenden Hellen Schein erschreckt, und ratlos erklingt es von den jugendlichen Lippen : ),Was mag das sein?" — Da erscheint ein Greis in härenem Gewände : Es ist Elia, der im Wechselgesang mit den Kindern seine Freude über' ihre Channkkafeier bekundet. Er fordert sie auf, nach alter Bätersitte das Chanükkalicht zu entzünden, und nachdem dies geschehen ist, segnet er die Kinder in der traditionellen Melodie des Priestersegens, und sie entfernen sich. Hieraus wendet sich Elia —. dieser Teil ist melodramatisch — zur schlafenden Hanna, deren Schicksal er mit dem ihres ganzen Volkes vergleicht und ruft ihr zu : „Vertrau' wie dein Volk auf Israels Hort!" — Hanna erwacht, sieht noch eben den verschwindenden Elia und ruft begeistert aus: „Elia, Elia, Wagen Israels und seiner Reiter!" Damit schließt das ausgezeichnete Werk. — Chöre, sowohl wie Einzelgesänge sinh infolge ihrer Melodik sehr leicht zu bewältigen, und das vom Komponisten getroffene Arrangement der Begleitung: Klavier, Violine und Cello ermöglicht die Aufführung für alle Kreise. Im Interesse der jüdischen Jugend kann deshalb^ nicht dringend genug gewünscht werden, das in seiner Art einzig dastehende, begeisterungsfähige Werk in allen Gemeinden durch Anschaffung und Aufführung zur wohlverdientem Anerkennung zu bringen. Hermann Zivi, Elberfeld.

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