Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 41 (27.10.1911)
- Date
- 1911-10-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Oesterr.-ungar. Kantoren-Zeituug Seite A. 41. Granerfeier Mr Oberlrantor Kela Gnttmanu. Die große Beliebtheit, deren sich der am 8. September a. c. verstorbene Oberkantor Bela G n t t m a n n in allen Kreisen der Wiener Knltnsgemeinde erfreute, kam in der imposanten Traner- ^eier zum Ausdrucke, welche die Leopoldstädter Gemeindemitglieder auf Initiative des Vorstandsmitgliedes der Chewra-Kadischa Herrn Jakob Kann dem.Andenken des unvergeßlichen Oberkautors am 19. d. M. an der Wirkungsstätte des Verblichenen, im großen Leopoldstädter Tempel widmeten. Die große Synagoge war in allen ihren Teilen bis aufs letzte Plätzchen mit Trauergästen gefüllt. Unter den Anwesenden befanden sich außer der Witwe und der Familie des Heimgegangenen, der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit dem Knltnsvorstande und den Mitgliedern des Bethausvorstandes, ferner der. Präsident der Chewra-Kadischa Salo cC o h n mit den Vorstandsmitgliedern, die Bezirkskommission für den II. und XL. Bezirk, Erster Sekretär kais. Rat Dr. Lieben, Sekretär Dr. Adler, Delegierte zahlreicher Vereine n. a. m. Die Kantoren Wiens, sowie der Vorstand des österreichischen Kantorenvereines waren unter Führung des Vizepräsidenten Oberkantor Baue r. korporativ erschienen. Das Regniem wurde vom Nachfolger Guttmanns, Oberkantor Morgenstern, mit der weihevollen Rezitation .des Snlzer'fchen Psalm 49, begleitet vom-verstärkten Chor unter der persönlichen Leitung des Chormeisters Professor Joseph Snlzer eingeleitet. Das erhebendste Moment der Trauerfeier war Zweifellos die Gedenkrede des Gemeinderabbiners Dr. Max Grunwald. Dr. Grunwald hat in seiner Rede nicht nur dem tiefbetranerten Oberkantor den verdienten Tribut des Dankes und der Anerkennung gezollt/ sondern ein dichterisches Bild des Synagogengesanges gezeichnet und die Poesie unserer Liturgie überhaupt in' Farben und Tönen gemalt, die auf die Anwesenden einen mächtigen Eindruck übten und in einer Gemeinde, die nach einem Salomon Snlzer und nach einem Josef G o l d- -st.e i n nun einen Gntmann zu beklagen hat, einen lebhaften Widerhall wecken mußten. Nachdem Öberkautor Morgenstern das DI mole rachamim remitiert und der Chor das Sulzer'sche ^Schiwisi“ gesungen hatte, schloß mit dem Kadischgebet die -erhebende Feier. * * * VoU einem unserer geschätzten Mitarbeiter wird uns folgende Reminiszenz an Bela Gnttmanu mitgeteilt: Gerade sind es zwei Jahre. Znm letzten Male hatte Oberckantor Bela Gnttmanu an den hohen Festtagen die heiligen Weisen erklingen lassen. Sie klangen so kräftig, so warm und innig und alles wurde hingerissen von der Zauberkraft seiner Töne, die vom Herzen ihren Ausgang genommen hatten und in Tausende voll Herzen eingedrnngen warerl. ' Einer der vielen damals begeisterten Zuhörer widmete dem Meister der Töne einige anerkennende Verse, in denen unter -anderem es hieß: „Das Jahr, das Heuer „Jbbnr". Weihtest Du als „Sch'liach-Zibbnr" Laß sagen Dir drum Dank, Bet' so — viel Jahre lang!" Umgehend lief vom Gefeierten eine Antwort ein, in der -es unter anderem hieß: „Ihre Worte, hochgeschätzter Freund, bereiteten mir und Meiner lieben Frau große Freude und ist der Platz, welchen diese schönen und geistvollen Zeilen bei mir erhalten, ein Ehrenplatz. Haben Sie nun vielen, vielen Dank dafür. —-" Ein herrliches Kabinetbild Gnttuianns war dem Schreiben beigefügt. Bevor die hohen Festtage nun heuer wieder kamen, die Tage, an denen sonst der gefeierte Sänger im größten Gotteshanse Wiens die unvergleichlich schönen Gesänge und Gebete Israels bis ins Herz uns dringen ließ, schied er von uns für immer. Wir beklagen seinen Hingang und segnen sein Andenken. Moritz A ..... Krhrplan für die Wiener Kantoren- Kildnngsanstalt. Angesichts der bevorstehenden Eröffnung der Kautorenschnle des österr.-ungar. Kantorenvereines in Wien veröffentlichen wir im Nachstehenden den Lehrplan dieser Anstalt: Aufnahmsb edingnngenr Alter: 18 Jahre, bildungsfähige Männerstimme. Nachweis der nötigen Kenntnisse im Hebräischen, sowie der allgemeinen Bildung, soweit dieselbe mit Vollendung der unteren Mittelschule oder der Bürgerschule erworben wird. Der etwa mangelnde Nachweis der allgemeinen Bildung kann auch im Laufe des Studienganges nachgeholt werden. D aner d es Leh rgan g es. Die Ausbildung der Kautoratseleveu erstreckt sich auf zwei Jahrgänge. I. I a h r g a n g. 1. Stimmbildnng-Solmisation. 2. Musiktheorie. Jntervalleulehre bis zum Blattlesen, Tonleiter, Dreikläuge, Septakkorde und deren Umkehrungen. 3. Einführung in das Wesen des traditionellen und modernen Synagogengesanges, beziehungsweise Rezitativs (Wochentags- und Sabbat-Gottesdienst). 4. Einführung in das Vorlesen der Thora, Megillah und Echa mit genauer Berücksichtigung der zugrunde liegenden Neginoth Hataamim. 5. Geschichte der liturgischen Borträge und des Synagogengesanges. 6. Anfangsgründe im Klavier- und Harmoniumspiel. H. Iahrgan g. 1. Fortsetzung der Stimmbildung. 2. Sologesang (Lieder, Arien und Soli aus synagogalen Kompositionen). 3. Harmonielehre. (Modulationen schriftlich und mündlich, Harmonisierung, Choral). 4. Fortsetzung des Unterrichtes im traditionellen und modernen Synagogengesang (Scholosch regolim und Jomim noroim), 5. Beendigung des Studiums der Gesamtliturgie, sowie des Leienen der verschiedenen Arten. 6. Uebnng im Rezitativ und lauter Vortrag der Thora, Megillah und Echa. 7. Erläuterung der Steigertheorie, Geschichte des Synagogengesanges und allgemeine Musikgeschichte. 8. Klavier- und Harmoninmspiel, Uebnng im Partiturlesen ans den Synagogenwerken. 9. Unterweisung im Chornnterricht. Kundmachung. Am 1. November wird die behördlich genehmigte Kantorenschule des österr.-ungar. Kantoren-Bereines in Wien eröffnet nnd haben sich die Aufnahmswerber bei dem gefertigten Vereinsvorstande bis 15. Oktober a. c. schriftlich zu melden. Aufnahmsbedingungeu: Vollendetes 18. Lebensjahr, bildungsfähige Männerstimme, Nachweis der nötigen Kenntnisse im Hebräischen und der allgemeinen Bildung, soweit dieselbe durch Absolvierung einer unteren Mittelschule oder einer Bürgerschule erreicht wird. Der Bildungsnachweis, insofern er nicht durch das Zeugnis einer öffentlichen Lehranstalt erwiesen wird, kann durch eine Prüfung bei der Ausnahme in die Kantorenschule oder im Lause des Studienganges erbracht werden. Dauer des Studiengauges in der Kantorenschule: zwei Jahre. 1 Jahr Vorbildung, 1 Jahr Ausbildung. Bei genügenden Borkenntniffen kann auch die Aufnahme in den Ausbildnugskurs erfolgen. Schulgeld: Bei Absolvierung beider Jahrgänge 300 K jährlich, für den Ausblldungskurs allein 400 K. Das Schulgeld ist vierteljährig im Vorhinein zu entrichten. Einschreibegebühr 6 K. Besonders talentierte oder gänzlich mittellose Aufnahmswerber können vom Schulgelde zum Teile oder gänzlich befreit werden. Wien, im Sevtember 1911.... Der Borstand des österr.-ungar. Känioren-Bereines: kaiserl. Rar Joses Singer Jakob Bauer Präses. l. BizepräfeS.