Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 41 (27.10.1911)
- Date
- 1911-10-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Die Wahrheit; ■ ...... .■....Nr. 41. Das Gros der Wiener Kantoren hat nicht das tägliche Auskommen und nicht einer von ihnen dort täglich eine Drösche vöu seiner Gattin, daß ihm die des Rabbiners viel besser gefällt. Speziell die Wiener Vereins kan toren, welche Dan! ihrer unsicheren Stellung den Mut nicht besitzen, eine Verbesserung ihrer Lage zu beanspruchen, diese leiden furchtbar und der Hunger ist ein unausrottbares Insekt in ihren Behausungen. Bei objektiver, gar nicht anstrengender Beobachtung seitens der Gemeiuderepräsentanten wäre das ja sehr leicht zrt konstatieren. Wir passen uns ja schon gern, oder ungern der Neuzeit an und geben endlich zu, daß der nenanznstellende Chasen vor allem ein Gesangskünstler sein mnß, aber ein Gesangskünstler kann unter gar keinen Umständen zu gleicher Zeit auch ein Hüngerknnstler sein. Protest gegen den Antisemitrsnms Der berühmte amerikanische Schriftsteller Dr. George R. Wendlaug veröffentlicht in einem vielgelesenen amerikanischen Blatte als Protest gegen den Antisemitismus folgenden, höchst bemerkenswerten Artikel: Leser! Ich habe nicht einen Tröpfen jüdischen Blutes in meinen Adern; ich bin keinem Inden einen Dollar schuldig und kein Jude ist mir etwas schuldig und was ich hier über die Juden sage, ist nicht nur reine Wahrheit, sondern beruht auch auf wirklichen Tatsachen. Es ist eine merkwürdige Nation, merkwürdig in ihrer Geduld und Ausdauer, in ihrer gegenseitigen Liebe in ihren Leiden, merkwürdig in ihren Talenten und guten Eigenschaften. Wollt ihr einen reinen Geburtsadel finden? sucht ihn nicht bei den Franzosen. Nicht bei den Engländern, nicht bei uns; sondern bei den Juden! Noch nie ist in einem Parlamente eine größere Wahrheit gesprochen worden als wie jene war, die Lord Beaconsfield (Disraeli) einst sprach, als man ihm nämlich zurief, daß er ein Semite, ein Jude sei — da erwiderte er: Ja, ich bin ein Jude! das heißt als die Eltern dieser Edelleute hier noch als „Wilde Menschen," auf irgend einer wüsten Insel sich herumtriebeu, da waren meine Eltern schon Priester im Tempel Gottes zu Jerusalem! 'Die Juden besitzen .in der Tat den ältesten Adel der Welt! Wollt ihr finden einen Adel, der Kunst und Wissenschaft? sucht ihn bei den Inden; öffnet die Bücher der Weltgeschichte und ihr werde: so viele Namen finden jüdische unter den heldenmütigen Kriegern, unter den Musikern, Schriftstellern, Malern, Poeten, Philosophen, daß es viel Zeit beanspruchen würde, ihre Namen auszuzählen. Wollt ihr finden eine Geldaristokratie? so wisset ihr doch ganz gut, daß die jüdischen, Bankiers die Finanzen ganzer Königreiche kontrollieren! Dasjenige Christentum, welches gegen das Judentum ist, ist irrtümlich ein falsches Christentum, der Jude, den wir noch heute vergöttern, als den Stifter unserer Religion, ist von einer jüdischen Frau geboren worden, die „Zehn Gebote," die die Grundlage der Zivilisation bilden, haben wir von den Juden, wir singen in unseren Kirchen die prachtvollen Psalmen, Thilim, die der .jüdische König David verfaßt bat; wir stützen uns auf die jüdischen Propheten und unsere Theologie haben wir von dem Juden Paulus, der früher Schon! geheißen! Sagt doch, welches Recht haben wir, den Juden zu hassen? es gibt unter uns Leute, die lachen über die jüdischen Denker, fraget sie doch, von wo sie ihre Philosophie geschöpft haben? sie werden euch eingestehen von Maimonides, genannt Rambam und von Spinoza! diese sind die größten Philosophen seit Plato! Ich habe auch oft gehört, wie sich manche Musiker über ihre jüdischen Kollegen lustig machen; sie studieren aber Tag itnd Nacht die herrliche Musik von den jüdischen Meistern Mendelssohn, Bartholdi, Mayerbeer, Halewi, Offenbach nsw. . Ich habe unlängst gehört die Aeußerung einer Schauspielerin, daß die Juden kein'Talent fisr das Theater haben. Diese Fron würde doch ihr ganzes Vermögen hingeben, wenn sie nur halb so gut spielen könnte, wie die weltberühmte, große Rachel, die ja auch eine jüdische Tochter ist! Ich habe auch öfters bei uns in Washington gehört, wie manche Politiker über'die jüdischen Politiker lachen. Sie vergessen aber, daß der als Jude geborene-Beaconsfield die Königin von England zur Kaiserin von Indien gemacht hat! Sie vergessen, daß unsere größte politische Partei von einem Juden, dem Tserman von Neischool. Jahre lang geführt worden ist! Sie vergessen, daß der talentvollste Politiker der Südstaaten ein Jude ist, Jehuda P. Benjamin! Es ist bekannt, daß unter den Inden ein Tölpel, ein Säufer selten zu finden ist und daß. die Gefängnisse sehr wenige jüdische Einwohner Habens ihr frommen Seelen wollt die Inden bekehren?..machet zuerst manche christliche Brüder zu ehrlichen Christen. Ihr wollt die Juden unterdrücken? das hat Pharao in Egypten nicht gekannt, ist auch dem Haman nicht gelungen und selbst die russischen Czars können das nicht ausführein Viele Nationen haben das schon probiert, die Juden haben überlebt die Egypter, die Syrier, die Turors (englische Könige) die /spanische Jnguisition und sie werden.anch ihre jetzige Erzfeinde und Unterdrücker überleben! Ich glaube nicht nur, daß die Juden vor 4000 Jahren das anserwählte Volk Gottes geworden sind, sondern, daß sie noch eine große Aufgabe auf der Erde zu vollziehen Habens Ich beuge mein Haupt ehrfurchtsvoll vor jüdischen Frauen; vor ihrer Treue, vor ihrem Edelsinn und ihrer Bildung, die. Behauptungen der Antisemiten find weder christlich noch menschlich, ihre Pläne find nicht anderes, -als von Teufel eingeblasene Pläne. Kassenproblem und Indensrage. Von Dr. Ignaz Zollschan. (Schluß.) In Mesopotamien, in Palästina und zuletzt anch in Spanienlebten diese Völker ihre eigene Kultur. Sie gehörten nicht vorzugsweise einem einzigen Wirtschaftszweige an, sondern waren gleichmäßig, wie jedes andere Volk, auf alle Bernfsarten verteilt. Die unnatürliche historische Entwicklung. mußte unvermeidlicherweise auch ganz unnatürliche Wirkungen hervorbringen: Die soziale Struktur der Judenheit von heute ist ungesund. Der verschärfte Daseinskampf läßt nur die anpassungsfähigsten Individuen emporkommen, die sich unr deshalb an andere so leicht anpassen, weil kein Schwergewicht des eigenen Wesens sie daran hindert. Aber dieser verschärfte Daseinskampf erstickt förmlich die wirklich Großen und Tiefen. Die eigenartigen Milienoerhältnisse also bewirken, daß die tatsächlichen Zustände gar nicht anders sein können, als wie sie sich uns gegenwärtig zeigen. Daß die Juden unter den jetzt obwaltenden Verhältnissen, und solange diese Zustände der Dissoziation dauern, gar nicht die ungeheuer befruchtende Tätigkeit erreichen können, die schon in grauer Vorzeit ihre Ahnen in Mesopotamien und später auf der pyrenäischen Halbinsel als. die Initiatoren derjenigen Knltnrepochen, die den Inhalt des heutigen geistigen Lebens ausmachen, entfaltet haben; daß aber doch auch unter den heutigen Verhältnissen, wie Werner Sombart erst in jüngster Zeit quellenmäßig nachweist, die Inden die ganze kapitalistische Entwicklung der Neuzeit geschaffen haben, daß ihre Tätigkeit Amerika erst zu dem gemacht hat, was es heute' darstellt, daß der Reichtum Hollands, Frankfurts, Hamburgs und Londons auf sie znrückznsühren ist, daß sie seit ihrer Emanzipation in ganz Europa eine kolossale befruchtende Tätigkeit auf allen Gebieten ausgeübt haben; daß sie auch auf rein geistigem Gebiete heute überall nicht nur.zu den hervorragendsten Mitarbeitern zählen, sondern auch vielfach geradezu die Schöpfer der neuen, heute die Wissenschaft beherrschenden Richtungen sind — man denke, um nur ganz wenige zu nennen, an Hertz und Ehrlich, an Marx und Stahl, an Spinoza nsw. — daß ihre tiefgründigen Denker auch in den heterogenen Kulturen, so oft eine Umgießnug allergeistigen, ethischen, religiösen Werte, eine Revolutioniernng und Erneuerung des ganzen Geisteslebens erzeugt haben: das müßte .eigentlich solche Schlüsse ziehen lassen ans ihren Wert für die