Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 41 (27.10.1911)
- Date
- 1911-10-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1! y Viji:: H.4U;I iyDiif ijiiHiijjOt^1 mHi Redaktion und Slduiinistratioirr . -UZ, Havaragasse? 27^ ':'.T>eIevho«2 J&te&afHo'ii .5509(1?. Unabhängige Sertschrifi für Mische NerugApvek»: ^Wuijiabvirt ...... K 14.— Halblährig . . . . . K 7.— ... Administration.-tSZZ/N j;7ft. k. üsterr. Vostsvarkaisa- Scheck-Konlo Nr. 100.918. Ittlere^e». Für NulttlSbrnitttr: •Mauiiiibviii.K IO ~ : Jitlerate:. . j Die viermal gesvalteue . . , Pönpareille-Zeile 25 Heiler. Erscheint jeden Ireitag. Für Wn-Sluut): , R bonnementS- und Insertion»^ «Uiinziavria.8 Mark betröge find in Wien zahlbar - und klagbar. Motto: :nIDa.s Siegel Gottes ist Wahrheit!“ R Rubel oder Irt Frc». $v. 41.? Wien ZV. Oktober I1M1. Inhalt: Aus der Woche. — Orthodoxe und liberale Rabbiner. — Hunger-Künstler. — Protest gegen den Antisemitismus. — Rassenproblem und Judenfrage. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Die Bräutwahl. — Trauerseier für Oberkantor. Bela. Guttmau.n. — Lehrplan für : die Wiener Kantoren-Bildungsänstalt. . ' Ans der Woche. Der Streit'zwischen Deutschen und Czechen in Böhmen, der. schon so viele Ministerien in Oesterreich verbraucht hat, droht nun auch dem dritten Ministerium Gautsch gefährlich zu werden, und vielleicht, sieht sich der Ministerpräsident schon in den nächsten Stunden gezwungen, dem Kaiser seine Demission anznbieten. Bardn Gautsch war gewiß ehrlich bemüht, den von allen 'besonnenen Elementen sehnlichst gewünschten Frieden herbeizuführen, aber die Exaltados in beiden Lagern wollen? dies nicht zulassen, und so tobt der Kämpf znm Schaden der gesamten Bevölkerung Böhmens weiter.' Die böhmische Frage ist schon eine alte chronische Krankheit in Oesterreich und wir haben uns an dieselbe allmälig so gewöhnt, wie ein alter Mann an seine Podagra. Aber wir können absolut nicht begreifen, daß in den Reihen der deutschen Kampfhähne trotz der bösen Erfahrungen noch'immer Juden? zu finden sind. Ist der offene Antisemitismus der.'Radikalen, das vorsichtige Manöveriren der Dentschliberalen und - endlich .die Zurücksetzung, die jüdische Dozenten an der deutschen Universität in Prag erfahren, noch immer nicht genug Lehre für die Juden in Böhmen? Vielleicht wird die Energie, mit welcher am jüngsten dentschböhmischen Parteitag die Deutschliberalen sich dagegen wehrten, von. den Radikalen „Jndenknechte" genannt zn werden, auch die noch immer dem Prager deutschen Kasino ergebenen Inden in Böhmen zu der Üeberzeugnng bringen, daß , es unter ihrer -Würde ist, zu Knechten der Deutschen herabznsinken. * -* Seit Jahren bereitet es den deutschen Antisemiten ein . diabolisches Vergnügen, den „deutschvölkischen" K r o n Prinzen gegen den Kais er als den Begünstiger der internationalen „Judengrößen" anszttspielen und nun erleben sie auch an dem kronstrinzlichen Hanse die schmerzlichste Enttäuschung. Nicht nur, sstielt-der-Kronprinz Golf'mit „Orientalen," auch die Kronprinzessin tritt mit „Jndenfirmen" in geschäftliche Verbindung.;' ..man lese' nur folgende bewegliche Klage' eines antisemitischen Blattes: . , . . * ... „Es . ist in. früherer Zeit der Kronprinzessin häufig zum. Vorwurf, gemacht.worden, .daß sie ihre Toiletten usw. aus.Paris und nicht . von deutschen Firmen beziehe.' ■ Paris scheint die Erbin der deutschen Kaiserkrone inzwischen geopfert zu? habem Dafür, ernannte sie'Fr i e d l ä n.d e r, ..Unter den LnMn,nnd:.GebMer?iMws s e in der Jägerstraße.' zu ihrem Mebnrtstäg zu Hoflieferanten. Zur selben Zeit erhielten die' Inhaber der Kaffeefirma A. Znntz sel. Ww., 2 i l i e n f e l d und Bing, vom Kronprinzen das gleiche Prädikat ..." * * * Auf Grnnd eingezogeuer Erkuudignngen itub Unterredungen mit maßgebenden Persönlichkeiten berichtet der Konstantinopler Korrespondent des „Ha int", wie wir im „Israelit" lesen, über die italienischen Inden in der Türkei und die Folgen des t ü r k i s ch - i t a l i e n i s ch e n K r i e g e s f ü r die selben: Fast 30% der „ottomanischen Jndenheit sind italienische Untertanen. In der Regierungszeit Abdul Hamids haben die besten spaniolischen Familien sich unter italienischen Schutz gestellt, indem sie italienische Untertanen wurden. Die Crsme der Saloniker Judengemeinde sind Italiener, in deren Hände sich der ganze Handel befindet. Die Saloniker Judengemeinde wird, falls der Krieg sich hinansziehen sollte. dem vollständigen Ruin preisgegeben werden, aber mit der Judengemeinde wird auch die schöne, aufblühende Stadt Saloniki zugrunde gehen müssen, weil die Juden dort ein mächtiger Faktor sind, dem das Aufblühen der Stadt zu danken ist. In dem jüdisch kulturellen und sozialen Leben der Türkei spielen diese „Italiener" die größte Rolle. In Konstantinopel z. B. bilden die italienischen Juden auch die feinsten, reichsten und vornehmsten Kreise. Sie besitzen den weitestgehenden Einfluß, sie halten sich jedoch von der offiziellen jüdischen Gemeinde fern und unterhalten eine eigene reich ausgeftattete Synagoge. Auch besitzen sie eigene Wohltätigkeitsanstalten. In Saloniki hingegegen bilden sie sozusagen die offizielle ottomanische I u dengemei n de. Obgleich fremde Untertanen, stehen sie an der Spitze der offiziellen „Medschilis" und da dies gesetzlich eigentlich verboten ist, wurde ein Medschilis gesmani, bestehend aus unbedeutenden Leuten, der Form halber gewählt, während die eigentliche Arbeit vom Konsistorium und dem Gemeindevorstand geleistet wird, in denen die italienischen Inden die leitende Rolle haben. Das Haupt der Gemeinde, der bekannte Financier und Philantrop Jakob Modi ano, ist italienischer Untertan. Es ist das derselbe Modiano, der den Chacham Baschs auf seiner Inspektionsreise nach Palästina begleitet hatte. Außer den Modiano's, deren Familienmitglieder in der ganzen Türkei verbreitet sind und zu den angesehensten Persönlichkeiten gehören, sind auch die Allatini, Fernandez, Salem u. m. a. italienische Untertanen. Viele ausländische Juden beeilten sich, die ottomanische Staatsbürgerschaft zu erlangen, den Spitzen der Gesellschaft ist